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Interview von Virginie Stucki mit Ursula Grandy, Klägerin und Berufsschullehrerin Pflegeschule Winterthur, vom 24.04 2024


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9105-004
BestandF_9105 Mobilisierung des Gesundheitspersonals in Zürich für Lohngleichheit (1991-2003) [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Der Bestand enthält das Rohmaterial von vier Interviews, die im Rahmen des Projekts "Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter: das Beispiel der Mobilisierung des Gesundheitspersonals in Zürich für Lohngleichheit (1991-2003)" durchgeführt wurden. Das Projekt wurde vom Dicastère Recherche et Innovation der HES-SO im Rahmen der Projektausschreibung Gendered Innovation finanziert. Rechercheteam, Dreharbeiten und Schnitt: Virginie Stucki, Sarah Kiani, Fazia Benhadj, Véronique Hasler & Carola Togni. Ausschnitt aus dem offiziellem Projektbeschrieb: "Dieses Projekt befasst sich mit einer symbolträchtigen Mobilisierung für Lohngleichheit, die in den 1990er Jahren in Zürich von Krankenschwestern, Ergotherapeutinnen, Physiotherapeutinnen und Pflegelehrkräften, ihren Berufsverbänden und Gewerkschaften gemeinsam getragen wurde. Dabei wird dem Kontext und den Modalitäten Aufmerksamkeit geschenkt, mit denen diese Berufsleute kollektiv auftreten, für ihre Sache argumentieren und sich in Aktionen engagieren. Durch einen partizipativen Forschungsansatz, der audiovisuelle Methoden mobilisiert, soll dieses Projekt die Forschung, den Unterricht und die aktuellen politischen Überlegungen zu den Kämpfen für die Anerkennung der weiblichen Gesundheitsberufe unter Einbeziehung einer Geschlechterperspektive bereichern." - Die geschnittene Fassung ist unter dem Titel "Wir wollen Taten sehen" online: https://www.hetsl.ch/wir-wollen-taten

Der Bestand enthält das Rohmaterial von vier Interviews, die im Rahmen des Projekts "Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter: das Beispiel der Mobilisierung des Gesundheitspersonals in Zürich für Lohngleichheit (1991-2003)" durchgeführt… — mehr...

AbstractInterview mit der Berufsschullehrerin Ursula Grandy aus dem Film «Wir wollen Taten sehen!», der im Rahmen des Projekts «Engagement für die Gleichstellung der Geschlechter: das Beispiel der Mobilisierung des Gesundheitspersonals in Zürich für Lohngleichheit (1991-2003)» der Fachhochschule Westschweiz durchgeführt wurden. Thematisiert werden Grandys Zeit während der Lohnklage des Zürchers Gesundheitspersonal in der Koordinationsgruppe (KOG), ihr Engagement für Gleichstellungsfragen, die Entwicklungdes Feminismus in der Schweiz, die Auswirkung der Lohnklage für sie selbst u. a.
Urheber
  1. Haute école de travail social et de la santé Lausanne (HETSL) HES-SO
  1. Stucki, Virginie
Copyright
Schlagwörter
  1. soziale Fragen
  2. Gesundheit
  3. Gesundheitspolitik
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Verwaltung und Entlöhnung des Personals
  4. Lohnpolitik
  5. Lohngleichheit
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
Periode
  1. Neuzeit
  2. 21. Jh.
  3. 2001-2050
  4. 2021-2030
  5. 2024
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
Detailinformation

00:00:00 Gründe für das Engagement in der Lohngleichheitsbewegung und der Lohnklage: Bereits in den 1970ern in Berlin feministisch tätig (Katalogisierung von Geburtenprozessen in Berliner Krankenhäuser); als Sie in den späten 80ern zurück in die Schweiz kam, hatte sie keinen Kontakt zu einer feministischen Bewegung; in den 90ern gab sie dann Kurse im Frauenzentrum «Villa Kassandra» und kam mit dem Feminismus wieder in Kontakt; SBK fragte Sie dann an, ob sie an der Lohnklage teilnehmen wollte

00:02:09 Sie begann dann andere Frauen für die Sache zu begeistern und versuchte sie ins Boot zu holen (insg. 6), was sich als recht leicht entpuppte wegen ihrer Arbeitsstelle bei der Pflegeschule des Kantonsspitals Winterthur

00:02:48 Engagement in der ‘KOG’, was weniger einfach als alleinerziehende Mutter war (Beispiele verschiedener Hindernisse). Trotzdem, wegen den eigenen Erfahrungen als Pflegerin mit einem tieferen Lohn als ein Pflegefachmann mit schlechterer Ausbildung, gab sie nicht auf und machte weiter

00:04:03 Der Kontext der Schweizer Frauenbewegung von den 70ern bis frühe 90er: Erste feministische Literatur in den 70ern, dann grosse Menge in den 80ern und gleichzeitig Frauenbuchläden. Bis anfangs 90er dann immer noch das Gefühl eines feministischen Aufbruchs (vgl. erster Frauenstreik in 1991 und Nichtwahl von Christiane Brunner als erste Bunderätin)

00:05:50 Späte 90er dann der «Backlash»: Schliessung von Frauenbuchläden, Rückgang feministischer Literatur, Rückkehr zu alten patriarchalen Strukturen. Mit der Lohnklage, die ins nächste Jahrtausend überging, «gerade noch so die Kurve gekriegt». Spätere Lohnklagen von Frauenberufen, hatten dann schon nicht mehr eine so günstige Position

00:07:00 Die neoliberale Wende in der Gesellschaft und auch in der Pflege: die Steigerung der Produktivität in Berufen, die mit Menschen arbeiten (personenbezogene Dienstleistungen: Bildung, Gesundheit, Soziale Arbeit). Produktivitätssteigerung ist vielleicht angemessen in einem industriellen Setting, nicht aber bei der Arbeit mit Menschen

00:08:13 Feministisches Leseseminar der VPOD

00:08:46 War diese Mobilisierung durch die Klage wegen Lohndiskriminierung eine feministische Bewegung? Nicht explizit. Es ging um eine Gleichstellung im Patriarchat, aber keine endgültige Gleichstellung (im feministischen Sinne) – nur ein erster Schritt

00:10:10 Feministische Erfahrungen und Orte der Politisierung: Berufsschullehrerinnen lernten die Hintergründe der patriarchalen Strukturen kennen und Ursula Grandy wollte dann spezifisch diese weiter kennenlernen (z. B. durch feministische Leseseminare)

00:11:38 Die Auswirkungen dieser Mobilisierung auf ihr Privatleben: Erziehung der Tochter mit mehr Freiheiten und ohne Vorschreibungen durch Gesellschaft, Rudolf-Steiner-Schule/Waldorfschule, viel Selbst-/Eigenbestimmung, Gebrauch einer «weiblichen Sprache», «Frauengeburtstage» mit viel Austausch hinsichtlich Berufswelten und Politik

00:13:20 Die Auswirkungen dieser Mobilisierung auf ihr Berufsleben: Ihr eigener Unterricht durfte zwar nicht politisieren, aber die Lernenden/Studierenden bemerkten ihr Interesse trotzdem, gerade die Gestaltung ihrer Freifächer war immer auf die Situation der Frauen in der Gesellschaft aufmerksam machend (Frauen als Mütter, Frauen in der Arbeitswelt, Frauen und Gewalt, Wen-Do Selbstverteidigungskurs usw.)

00:15:14 Themen der Leseseminare: Wert der Frau in Freuds Psychoanalyse, Theorien zu den verschiedenen Berufen

00:15:52 Aufbruch des Pflegeberufs durch die Möglichkeit zum Studieren der Pflegewissenschaften auf der tertiären Stufe in der Schweiz

00:16:25 Wechsel von primär qualitativen Studien in der Pflege hin zu quantitativen (siehe neoliberale Wende), es ist aber eben nicht alles quantitativ messbar in der Pflege, sondern vieles nur qualitativ bewertbar, unbemerkte Unterwanderung durch Ökonomisierung (00:17:08 )

00:18:22 Feministischen Manifest von 2019: «Manager haben im Care-Sektor nichts zu suchen»

00:18:55 Realisation, dass der Frauenstreik, das gesamte Engagement und Slogans samt Argumentation effektiv nichts zur Veränderung bzw. zu Versbesserung der Pflegefachfrau beigetragen haben

00:19:28 Die wirtschaftlichen Veränderungen innerhalb des Pflegeberufs und das "Care Management" sowie die Sparmaßnahmen in der Zeit danach. Spaltung unter den Pflegenden und schwierigere Vergleiche

00:21:06 Bedauert den Mangel an feministischer Literatur zu wirtschaftlichen Fragen der Pflege und die sinkende Qualität in den Pflegeberufen. Wenige Frauen, die sich mit ökonomischen Fragen auseinandersetzen.

00:22:24 Reaktion auf das Urteil des Kantonsgerichts und Feiern sowie festliche Momente während der gesamten Aktion, vom Beginn bis zum Urteil: Von Beginn schon das Gefühl, dass man jetzt einfach gewinnen musste, trotzdem war es dann unglaublich, als der Entscheid kam. Gemeinschaftlicher Erfolg und gemeinschaftliches Feiern; Relevanz vom gemeinsamen Feiern auch während des Prozesses

00:24:38 Erinnerung an Momente der Freude/Festlichkeiten auf dem Bürkliplatz oder beim zur Post bringen der Klage

00:26:08 Ende

siehe auchhttps://www.hetsl.ch/wir-wollen-taten
ZitationsvorschlagVideo: Haute école de travail social et de la santé Lausanne (HETSL) HES-SO /Stucki, Virginie/F 9105-004
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