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Frauen-Kongress SGB 24./25.1.1986 in Bern: „Gespräche mit Gewerkschafterinnen“

SignaturF 9011-020
BestandF_9011 Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband (SMUV) - Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Auch: Fédération suisse des ouvriers sur métaux et horlogers (FOMH), Federazione svizzera degli operai metallurgici e degli orologiai (FOMO). — Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Die Verbreitung von Consumerformaten wie U-Matic, VCR und VHS machte die Aufnahme von Videos finanziell erschwinglich und technisch auch für Laien schnell erlernbar. Im Unterschied aber zur Jugendbewegung etwa, die sich in kürzester Zeit die Möglichkeiten des Mediums aneignete, sich innovativ der verschiedensten Ausdrucksformen bediente und Agitations-, Kunst- und parodistische Videos drehte, beschränkte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen in den Pionier- und Experimentierjahren auf rein Dokumentarisches: Aufnahmen existieren etwa vom Kongress der Gewerkschaft Textil Chemie Papier GTCP von 1978 in Luzern (Signatur: F 9013-025ff.), von einer Krisensitzung derselben Gewerkschaft 1977 (F 9013-019ff.) und von einer Jugendkonferenz der Gewerkschaft Bau und Holz (GBH von 1980, F 9013-031). Die Aufnahmen sind zwar laienhaft, mit Tonstörungen behaftet und manchmal kurios lückenhaft oder langatmig. Als Zeitdokumente sind sie trotzdem von Bedeutung. Gerade die Aufnahmen des GTCP-Kongresses von 1978 und der erwähnten Krisensitzung geben einen Eindruck über den Zustand einer Gewerkschaft in schwieriger Zeit: Zum einen sorgten die Absatzeinbrüche in der Textilindustrie der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre und spektakuläre Schliessungen wie die des Firestone-Werks in Pratteln 1977 zu einer Krisenstimmung. Zum andern entwickelten sich auch in der GTCP Spannungen zwischen einer eher konsensorientierten alten Garde und jungen Kräften, die die bestehenden Verhältnisse mit kämpferischer Einstellung zu verändern trachteten. Die Kongressaufnahmen sind ein konzentriertes Zeugnis dieser konjunkturell und ideologisch bestimmten Krisenstimmungen der GTPC. Als Bonus können wir auch miterleben, dass der als Festredner engagierte Bundesrat Willy Ritschard nicht nur Reden hielt, die von Wortwitz und träfen Sprüchen sprühten, sondern auch schlechtere Tage hatte... Im Verlauf der 1980er Jahre professionalisierte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen. Mit der Herstellung von Bildungs- und Imagevideos nahm die Arbeiterbewegung eine Propagandamethode wieder auf, die zwischen 1930 und 1960 bereits zu einer ansehnlichen Reihe von Gewerkschaftsfilmen geführt hatte. Hervorzuheben sind aus dieser Zeit "Treu und Glauben – 50 Jahre Friedensabkommen in der Maschinen- und Metallindustrie" von 1988 (F 9011-002, dt. und frz. Fassung) oder „Sumoteam“ von 1995 (F 9011-007), der aus gewerkschaftlicher Perspektive eine partizipativere Form der Arbeitsgestaltung in einer Textilmaschinenfabrik schildert. Kämpferische Töne – wie sie zuletzt im Filmschaffen der Arbeiterbewegung der frühen 1930er-Jahre auftauchten – liessen lange auf sich warten. Die massiven weltwirtschaftlichen Umwälzungen und die neoliberale Offensive vieler Unternehmer in den 1990er-Jahren führten zu Betriebsschliessungen, Entlassungen und Verlagerungen der Produktion in Billiglohnländer. Die Gewerkschaften reagierten darauf zum Teil mit Kampfmassnahmen und unter anderem auch damit, mit Videoproduktion für eine grössere Öffentlichkeit und mehr Verständnis für ihre Anliegen zu sorgen. Schöne Beispiele dieser Strategie sind die Videos „Zyliss – Der Streik wird salonfähig“ von 2003 (Regie: Verena Endtner im Auftrag von SMUV und GBI, F 9011-014) oder „Les bras fonctionnent, c'est la tête qui va pas!“ von 2003, eine leidenschaftliche Dokumentation des Einsatzes von Giessereiarbeitern für ihre Arbeitsplätze bei den beiden jurassischen Von Roll-Werke in Choindez und Les Rondez (F 9011-016).

Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen… — mehr...

AbstractIn diesem Film werden acht Frauen befragt, die in verschiedenen Gewerkschaften aktiv tätig sind. Die Themen beziehen sich in erster Linie auf die Situation der Frau in der Arbeitswelt: Lohngleichheit, Mutterschaftsurlaub oder Arbeitszeiten. Im Weiteren soll auch die Stellung der Frau innerhalb der jeweiligen – vorwiegend männerdominierten - Gewerkschaften herausgearbeitet werden.
Schlagwörter
  1. soziale Fragen
  2. sozialer Schutz
  3. Sozialurlaub
  4. Erziehungsurlaub
  5. Mutterschaftsurlaub
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Verwaltung und Entlöhnung des Personals
  4. Arbeitsentgelt
  5. Lohn
  6. Leistungslohn
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Bern, Kanton
  4. Bern, Stadt
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1986
Personen
  1. Koller, Verena
  1. Krsak, Zita
  1. Lehmann, Silvia
  1. Lorenzoni, Maya
  1. Schilling, R.
  1. Schmidlin, G.
  1. Sutter, Christa
  1. Wiederkehr, Olga
Verleger
  1. Container-TV, Bern
  1. Schweizerische Arbeiterbildungszentrale - Centrale d'Education Ouvrière (SBAZ-CEO)
weitere Beteiligte
  1. Memoriav (Projektmitfinanzierung)
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation

00:00:12 Filmbeginn; Titel des Films; Frauen-Kongress SGB 24./25.1.1986 in Bern: „Gespräche mit Gewerkschafterinnen“

00:00:36 Interview 1: Maya Lorenzoni (SMUV, Arbeiterin in Kunststofffabrik teilzeitbeschäftigt)
Angesprochene Themen sind: Teilzeitanstellung, Organisation von Familienleben und Teilzeitarbeit, Doppelbelastung (Job / Familie), Problem der Nachtarbeit: Gefährdet ein intaktes Familienleben, insbesondere sei sie eine grosse Belastung für die Kinder. Zum Thema Mutterschaftsurlaub: Dieser sei in der jetzigen Form (10 Wochen) zu kurz – auch im Gegensatz zum Ausland (dort teilweise bis zu einem halben Jahr).

00:05:37 Interview 2: Verena Koller (VSTTB, Sachbearbeiterin bei der Flugsicherung)
Im diesem Berufssektor (Flugsicherung) herrscht vorwiegend Lohngleichheit.
Weitere Themen: Nachtarbeit (Schichtarbeit) und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit: Nacht-/ Schichtarbeit wirkt sich nachweislich negativ auf die Gesundheit aus.

00:08:11 Interview 3: Zita Krsak (GTCP, Laboristin in der Basler Chemie und Mitglied der Betriebskommission)
Thema: Als Frau in einer Männer-Gewerkschaft; die Frau muss sich Respekt zuerst verschaffen.
Doppelbelastung Job/ Familie fordert Verzicht (z.B. Freizeit). „Gleiche Arbeit – gleicher Lohn“: nach Verhandlungen konnte dies im GAV festgelegt werden. Dank der Unterschützung der Gewerkschaft konnte sie ihren Besitzstand trotz Arbeitsplatzabstufung wahren.

00:12:34 Interview 4: Silvia Lehmann (GDP, Schriftsetzerin)
Im grafischen Gewerbe gäbe es teilweise einen Lohnunterschied (im alten GAV sogar auch faktisch so festgelegt) zwischen Männern und Frauen.
Forderung nach einer Frauenkommission innerhalb der Gewerkschaft; Die Frauenkommission könne sich besser für die Bedürfnisse der Frauen einsetzen.
Erwartungen an die Gewerkschaften: Noch mehr auf die Bedürfnisse von Frauen, Ausländern und Jugendlichen eingehen – jeder sollte sich in der Gewerkschaft vertreten fühlen.

00:16:40 Interview 5: Olga Wiederkehr (VHTL, Arbeiterin in einer Zigarrenfabrik)
Fehlende gewerkschaftliche Organisation unter anderem auch wegen den vielen Fremdarbeitern (Italiener) und Akkordarbeiten. Die Fremdarbeiter zeigen generell wenig Interesse an der Gewerkschaft. Weiteres Thema: Arbeitsplatzgestaltung, mehr Abwechslung (geistig wie körperlich) bei monotonen Tätigkeiten wären wünschenswert.

00:21:41 Interview 6: G. Schmidlin (SEV, Betriebsdisponentin SBB)
Gleichstellung: In der SEV stellt sich dieses Problem weniger. Im Beruf aber müssen Frauen für die gleiche Annerkennung oftmals augenscheinlich mehr leisten als Männer. Thema „Gesundheit am Arbeitsplatz“: In der Bahn-Branche relativ gut.
Weiteres Thema „Mutterschaftsurlaub“: Auch bei der Bahn (obwohl staatlich) noch ungenügend geregelt. Ein einheitliches Konzept / Reglementierung fehlt also.

00:24:24 Interview 7: R. Schilling (SMUV, Arbeiterin in der Elektroindustrie)
Thema „Gleichberechtigung“: Es bestehen Probleme, sich als Frau in einer männerdominierten Gewerkschaft zu integrieren und zu behaupten. In der Maschinenindustrie sind Frauen generell in der Unterzahl, daher werden sie zu wenig wahrgenommen. Ein Umdenken bei den Männern findet nur schleppend statt. Die Lohnbasis fusst auf dem Akkordsystem. „Gleiche Leistung – gleicher Lohn“ momentan noch kaum zu verwirklichen, da nur wenige Frauen in dieser Brache arbeiten. Zudem zeigen die Männer wenig Interesse an einer Lohngleichheit.

00:26:51 Interview 8: Christa Sutter (VPOD, Krankenschwester, alleinerziehend, ein Kind)
Männer haben Mühe, sachlich zu diskutieren. Oftmals werden die Diskussionen zu emotional geführt, vor allem wenn Meinungen von links- und rechtsorientierten (konservativen) Gewerkschaftlern aufeinander treffen. Viele Frauen haben Mühe, sich in männergeprägten Gewerkschaften zu behaupten. Aus diesem Grund sind „Frauensitzungen“ wichtig. Thema „Lohngleichheit“: Frauen in Pflege- und Gesundheitsberufen verdienen für die gleiche Arbeit weniger als die Männer. Die Gewerkschaft (VPOD) dieser Branche ist zu wenig aktiv. Daher ist sie auch nicht bekannt.

00:31:35 Abspann

00:32:04 Filmende

ArchivbezugSMUV Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen, Fédération suisse des ouvriers sur métaux et horlogers (FOMH), Federazione svizzera degli operai metallurgici e degli orologiai
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