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Medienkonferenz zur Gründung der unia, Bern, 1. März 1996

SignaturF 9011-011
BestandF_9011 Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband (SMUV) - Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Auch: Fédération suisse des ouvriers sur métaux et horlogers (FOMH), Federazione svizzera degli operai metallurgici e degli orologiai (FOMO). — Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Die Verbreitung von Consumerformaten wie U-Matic, VCR und VHS machte die Aufnahme von Videos finanziell erschwinglich und technisch auch für Laien schnell erlernbar. Im Unterschied aber zur Jugendbewegung etwa, die sich in kürzester Zeit die Möglichkeiten des Mediums aneignete, sich innovativ der verschiedensten Ausdrucksformen bediente und Agitations-, Kunst- und parodistische Videos drehte, beschränkte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen in den Pionier- und Experimentierjahren auf rein Dokumentarisches: Aufnahmen existieren etwa vom Kongress der Gewerkschaft Textil Chemie Papier GTCP von 1978 in Luzern (Signatur: F 9013-025ff.), von einer Krisensitzung derselben Gewerkschaft 1977 (F 9013-019ff.) und von einer Jugendkonferenz der Gewerkschaft Bau und Holz (GBH von 1980, F 9013-031). Die Aufnahmen sind zwar laienhaft, mit Tonstörungen behaftet und manchmal kurios lückenhaft oder langatmig. Als Zeitdokumente sind sie trotzdem von Bedeutung. Gerade die Aufnahmen des GTCP-Kongresses von 1978 und der erwähnten Krisensitzung geben einen Eindruck über den Zustand einer Gewerkschaft in schwieriger Zeit: Zum einen sorgten die Absatzeinbrüche in der Textilindustrie der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre und spektakuläre Schliessungen wie die des Firestone-Werks in Pratteln 1977 zu einer Krisenstimmung. Zum andern entwickelten sich auch in der GTCP Spannungen zwischen einer eher konsensorientierten alten Garde und jungen Kräften, die die bestehenden Verhältnisse mit kämpferischer Einstellung zu verändern trachteten. Die Kongressaufnahmen sind ein konzentriertes Zeugnis dieser konjunkturell und ideologisch bestimmten Krisenstimmungen der GTPC. Als Bonus können wir auch miterleben, dass der als Festredner engagierte Bundesrat Willy Ritschard nicht nur Reden hielt, die von Wortwitz und träfen Sprüchen sprühten, sondern auch schlechtere Tage hatte... Im Verlauf der 1980er Jahre professionalisierte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen. Mit der Herstellung von Bildungs- und Imagevideos nahm die Arbeiterbewegung eine Propagandamethode wieder auf, die zwischen 1930 und 1960 bereits zu einer ansehnlichen Reihe von Gewerkschaftsfilmen geführt hatte. Hervorzuheben sind aus dieser Zeit "Treu und Glauben – 50 Jahre Friedensabkommen in der Maschinen- und Metallindustrie" von 1988 (F 9011-002, dt. und frz. Fassung) oder „Sumoteam“ von 1995 (F 9011-007), der aus gewerkschaftlicher Perspektive eine partizipativere Form der Arbeitsgestaltung in einer Textilmaschinenfabrik schildert. Kämpferische Töne – wie sie zuletzt im Filmschaffen der Arbeiterbewegung der frühen 1930er-Jahre auftauchten – liessen lange auf sich warten. Die massiven weltwirtschaftlichen Umwälzungen und die neoliberale Offensive vieler Unternehmer in den 1990er-Jahren führten zu Betriebsschliessungen, Entlassungen und Verlagerungen der Produktion in Billiglohnländer. Die Gewerkschaften reagierten darauf zum Teil mit Kampfmassnahmen und unter anderem auch damit, mit Videoproduktion für eine grössere Öffentlichkeit und mehr Verständnis für ihre Anliegen zu sorgen. Schöne Beispiele dieser Strategie sind die Videos „Zyliss – Der Streik wird salonfähig“ von 2003 (Regie: Verena Endtner im Auftrag von SMUV und GBI, F 9011-014) oder „Les bras fonctionnent, c'est la tête qui va pas!“ von 2003, eine leidenschaftliche Dokumentation des Einsatzes von Giessereiarbeitern für ihre Arbeitsplätze bei den beiden jurassischen Von Roll-Werke in Choindez und Les Rondez (F 9011-016).

Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen… — mehr...

AbstractWährend einer Medienkonferenz zur Gründung der Gewerkschaft unia, in Bern, am 1. März 1996, präsentieren Edgar Köppel (SMUV, Bern), Vasco Pedrina (GBI), Christiane Brunner (SMUV), Zita Küng (GBI) und Charles Beer (ACTIONS, Genf?) wie die neue Gewerkschaft durch Synergien zwischen den Trägerorganisationen und basisnahe Strukturen zur Verteidigung der Interessen der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich (hauptsächlich: Verkauf und Handel, Gastgewerbe, usw.) beitragen soll. Im Dienstleistungsbereich, wo Frauenarbeit mehrheitlich vertreten und strukturellen Diskriminierungen ausgesetzt ist, wollen die Gewerkschaften Gesamtarbeitsverträge ausbauen und ein Betreuungsnetzwerk mit Vertrauensmenschen etablieren. Im Laufe der Medienkonferenz spricht die Gewerkschaftsleitung die Schwierigkeiten der schweizerischen Gewerkschaftsbewegung an und will mit der Gründung der Dienstleistungsgewerkschaft unia der niedrigeren Organisationsgrad im tertiären Sektor etwas entgegensetzen. Auch wenn nicht namentlich erwähnt, wird die verursachte Konkurrenz zur Gewerkschaft VHTL in der Fragenrunde thematisiert.

Urheber
  1. Gasser, Jürg: Zürich
Copyright
Schlagwörter
  1. politischer Rahmen
  2. politisches Leben (allgemein)
  3. politisches Leben (speziell)
  4. Demokratisierung
  1. Recht (allgemein)
  2. Rechte und Freiheiten
  3. soziale Rechte
  4. Gleichstellung von Mann und Frau
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Arbeitsrecht
  5. Arbeitnehmerschutz
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  5. Gesamtarbeitsvertrag
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  5. Sozialpartner
  6. Gewerkschaft
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Beschäftigung
  4. Beschäftigungsstruktur
  5. Frauenarbeit
  1. Wirtschaft
  2. Wirtschaftsleben
  3. Wirtschaftsstruktur
  4. Wirtschaftsbereich
  5. tertiärer Sektor
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Bern, Kanton
  4. Bern, Stadt
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1991-2000
  5. 1996
Personen
  1. Beer, Charles (1961-
  1. Brunner, Christiane (1947-
  1. Köppel, Edgar
  1. Küng, Zita (1954-
  1. Pedrina, Vasco (1950-
weitere Beteiligte
  1. Syndicat de l'Industrie et du Bâtiment (SIB)
  1. Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI)
  1. Memoriav (Projektmitfinanzierung)
  1. Müller, Heinz P. (Technik und Schnitt)
  1. SMUV - Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. VHS
Sprache
  1. deutsch
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation

00:00:00 Filmbeginn

00:00:01 Logo Memoriav

00:00:14 "Medienkonferenz zur Gründung der unia, Bern, 1. März 1996" (Filmtitel)

00:00:20 Edgar Köppel (SMUV) begrüsst die Journalistinnen und Journalisten

00:00:51 Feierliche Enthüllung des neuen Logos der unia durch Christiane Brunner (links), Zita Küng (rechts) und Vasco Pedrina

00:01:04 Vasco Pedrina (GBI) sagt zur Einführung, dass die unia-Gründung das Ziel eines besseren Schutzes der tertiären Arbeitnehmenden hat und die Erosion von Gesamtarbeitsverträgen in Industrie und Gewerbe etwas entgegensetzen will. "unia will Gegensteuer geben [Untertitel]". unia sei als offensiver Schritt in einem durch zentrale Kämpfe im Bereich der Arbeitspolitik (Ladenöffnungszeiten, neue Arbeitsgesetzrevision und Gleichstellungsgesetz) geprägten Kontext zu verstehen: "Wir wollen, dass mit unia etwas Neues entsteht. Wir wollen ihre Entstehung dank Synergieneffekten und dank dem vorhandenen Know-how erleichtern." [Untertitel: "Synergien nutzen!"]

00:03:21 Standbilder von Arbeitssituationen im Dienstleistungsbereich (Gastgewerbe, Frauenarbeit, Frauen vermutlich bei einer Gewerkschaftskonferenz)

00:03:39 Christiane Brunner präsentiert das basisdemokratische Organisationskonzept der unia, das Frauen im Dienstleistungssektor besser ansprechen soll.

00:04:26 Zita Küng (GBI) erklärt, dass organisatorische Strukturen sowie Solidarleistungen der Gewerkschaften GBI und SMUV (zusammen "über 200'000 Mitglieder") zur Unterstützung der unia eingezogen werden.

00:04:55 Christiane Brunner (SMUV) erklärt, wie die Gewerkschaft in Branchen, wo "viele es Vorbehalte gegen die Gewerkschaft gibt", Fuss fassen will. Ein Betreuungsnetz in der Nähe von Wohn- und Arbeitsort soll das Überwinden von Hindernissen zur Organisation der tertiären Arbeitnehmenden (stark individualisierte Arbeitsbedingungen, verbreitete Teilzeitarbeit, mangelnde Gewerkschaftstradition) ermöglichen.
[Untertitel: "Wir gehen zu den Menschen – nicht umgekehrt"], Aufnahmen vom Konferenzraum mit Journalisten beim Schreiben

00:06:42 Dank der Erfahrung der Trägerorganisationen stehe die unia nicht "vor einem totalen Neubeginn".

00:07:08 Christiane Brunner (SMUV): "unia ist ein bisschen fast wie ein Entwicklungshilfeprojekt. Die neue Organisation soll ihre Politik möglichst eigenständig definieren können. Dazu erhält sie von den Gründerorganisationen umfassende Unterstützung in Form von Personal, Infrastruktur und Geld. Die Gründung von unia markiert den Anfang einer neuen Art von Gewerkschaftsarbeit."

00:07:44 Standbilder von typischen Arbeitssituationen (Schwarzweiss) im Verkaufsbereich

00:07:54 Zita Küng (GBI): Da der Abbau der Arbeitnehmerrechten und Diskriminierungen im Tertiärsektor vorrangig Frauen betreffen, sollen diese in der neuen Gewerkschaft "einen wichtigen Platz annehmen". Menschen, die sich gewerkschaftlich engagieren, sollten selbst bestimmen, wo und wie oft sie sich treffen wollen (flexible Organisationskultur). "Die Prioritäten sind klar, die neue Struktur muss frauen- und sie muss jugendfreundlich sein." Standbilder von Arbeitssituationen (Frauenarbeit) in Verkauf und Handel

00:09:40 Christiane Brunner (SMUV): "Wir sind uns der Schwierigkeiten einer solchen Neugründung durchhaus bewusst, präsentieren Ihnen aber heute unsere neue Organisation nicht ohne einen gewissen Stolz. […] Wir stehen vor einer großen Herausförderung, sind jedoch ehrgeizig und zuversichtlich genug, sie anzunehmen."

00:10:44 Charles Beer (ACTIONS) nennt politische Grundforderungen der neuen Gewerkschaft (bessere Reglung der Arbeitsbedingungen, würdige Löhne, Teuerungsausgleich, Gleichstellung von Männern und Frauen und Integration der ausländischen Arbeitnehmenden). Prekäre Arbeitsverhältnisse und Arbeitslosigkeit seien hingegen zu bekämpfen. "So wird es uns vielleicht gelingen, die Wüste zu begrünen und in einem dichten Wald zu verwandeln."

00:11:45 Fragen werden von den Journalisten gestellt: "Wie wird die unia finanziert?" (Text)

00:11:52 Antwort von Edgar Köppel (SMUV): "Also die erste Frage ist einfach zu beantworten. Wir haben mit einem Startkapital von GBI- und SMUV-Seite jeweils 500'000 [Franken] in diese neue Gewerkschaft investiert. Dazu natürlich Infrastruktur und Personal zur Verfügung gestellt."

00:12:09 Frage: "Verhältnis zu Gewerkschaften die ähnliche Bereiche vertreten?" (Text)

00:12:16 Edgar Köppel (SMUV) antwortet, die Gründung von unia sei nicht gegen irgendjemanden gerichtet und sich für die Beschäftigten einsetzt.

00:12:50 Frage: "Struktur der unia?" (Text)

00:12:54 Zita Küng (GBI) zur Struktur der unia: Eine eine nationale Leitung sei mit einem Sitz in Bern vorgesehen. Da die Finanzen knapp sind, sollen kleine basisnahe Strukturen Ersparnisse ermöglichen: "Wir müssen eine neue Art von Betreuungsnetz aufbauen, die nicht auf dem Bild des klassischen Gewerkschaftssekretärs als Vertrauensmann aufbaut."

00:13:51 Ein Journalist beim Interview mit Zita Jüng zur Frage der Abgrenzung zu schon existierenden Beschäftigtenverbände

00:13:57 Eine Journalistin beim Interview mit Christiane Brunner (SMUV), Edgar Köppel beim Interview mit einem Journalist

00:14:07 Vasco Pedrina (SMUV: " Jetzt der Ball liegt bei Euch."

00:14:57 Abspann: "Realisation: Jürg Gasser, Zürich – im Auftrag von GBI/SMUV; Technik und Schnitt: Heinz P. Müller"

00:15:09 Filmende

ArchivbezugSMUV Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen, Fédération suisse des ouvriers sur métaux et horlogers (FOMH), Federazione svizzera degli operai metallurgici e degli orologiai
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