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SUMOTEAM (1995)

SignaturF 9011-007
BestandF_9011 Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband (SMUV) - Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Auch: Fédération suisse des ouvriers sur métaux et horlogers (FOMH), Federazione svizzera degli operai metallurgici e degli orologiai (FOMO). — Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Die Verbreitung von Consumerformaten wie U-Matic, VCR und VHS machte die Aufnahme von Videos finanziell erschwinglich und technisch auch für Laien schnell erlernbar. Im Unterschied aber zur Jugendbewegung etwa, die sich in kürzester Zeit die Möglichkeiten des Mediums aneignete, sich innovativ der verschiedensten Ausdrucksformen bediente und Agitations-, Kunst- und parodistische Videos drehte, beschränkte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen in den Pionier- und Experimentierjahren auf rein Dokumentarisches: Aufnahmen existieren etwa vom Kongress der Gewerkschaft Textil Chemie Papier GTCP von 1978 in Luzern (Signatur: F 9013-025ff.), von einer Krisensitzung derselben Gewerkschaft 1977 (F 9013-019ff.) und von einer Jugendkonferenz der Gewerkschaft Bau und Holz (GBH von 1980, F 9013-031). Die Aufnahmen sind zwar laienhaft, mit Tonstörungen behaftet und manchmal kurios lückenhaft oder langatmig. Als Zeitdokumente sind sie trotzdem von Bedeutung. Gerade die Aufnahmen des GTCP-Kongresses von 1978 und der erwähnten Krisensitzung geben einen Eindruck über den Zustand einer Gewerkschaft in schwieriger Zeit: Zum einen sorgten die Absatzeinbrüche in der Textilindustrie der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre und spektakuläre Schliessungen wie die des Firestone-Werks in Pratteln 1977 zu einer Krisenstimmung. Zum andern entwickelten sich auch in der GTCP Spannungen zwischen einer eher konsensorientierten alten Garde und jungen Kräften, die die bestehenden Verhältnisse mit kämpferischer Einstellung zu verändern trachteten. Die Kongressaufnahmen sind ein konzentriertes Zeugnis dieser konjunkturell und ideologisch bestimmten Krisenstimmungen der GTPC. Als Bonus können wir auch miterleben, dass der als Festredner engagierte Bundesrat Willy Ritschard nicht nur Reden hielt, die von Wortwitz und träfen Sprüchen sprühten, sondern auch schlechtere Tage hatte... Im Verlauf der 1980er Jahre professionalisierte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen. Mit der Herstellung von Bildungs- und Imagevideos nahm die Arbeiterbewegung eine Propagandamethode wieder auf, die zwischen 1930 und 1960 bereits zu einer ansehnlichen Reihe von Gewerkschaftsfilmen geführt hatte. Hervorzuheben sind aus dieser Zeit "Treu und Glauben – 50 Jahre Friedensabkommen in der Maschinen- und Metallindustrie" von 1988 (F 9011-002, dt. und frz. Fassung) oder „Sumoteam“ von 1995 (F 9011-007), der aus gewerkschaftlicher Perspektive eine partizipativere Form der Arbeitsgestaltung in einer Textilmaschinenfabrik schildert. Kämpferische Töne – wie sie zuletzt im Filmschaffen der Arbeiterbewegung der frühen 1930er-Jahre auftauchten – liessen lange auf sich warten. Die massiven weltwirtschaftlichen Umwälzungen und die neoliberale Offensive vieler Unternehmer in den 1990er-Jahren führten zu Betriebsschliessungen, Entlassungen und Verlagerungen der Produktion in Billiglohnländer. Die Gewerkschaften reagierten darauf zum Teil mit Kampfmassnahmen und unter anderem auch damit, mit Videoproduktion für eine grössere Öffentlichkeit und mehr Verständnis für ihre Anliegen zu sorgen. Schöne Beispiele dieser Strategie sind die Videos „Zyliss – Der Streik wird salonfähig“ von 2003 (Regie: Verena Endtner im Auftrag von SMUV und GBI, F 9011-014) oder „Les bras fonctionnent, c'est la tête qui va pas!“ von 2003, eine leidenschaftliche Dokumentation des Einsatzes von Giessereiarbeitern für ihre Arbeitsplätze bei den beiden jurassischen Von Roll-Werke in Choindez und Les Rondez (F 9011-016).

Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen… — mehr...

AbstractSUMOTEAM ist der Name eines Projekts zur Neugestaltung der Arbeitsorganisation im Industriebereich, das die Gewerkschaft SMUV (Projekt QUBI) und die Firma PIA 1995 in einer Textilmaschinenfabrik der Sulzer Rüti AG experimentiert haben. Durch Gespräche mit den Beteiligten berichtet der Film über die Selbstregulierung der Arbeit durch die Monteure (Einsatzplan und Arbeitsplan), über die Selbstverwaltung der Weiterbildung (Wissenstransfer durch den Meister) und über die positive Auswirkungen des Projektes für die Arbeitsproduktivität. Der Filminhalt könnte einer gewerkschaftlichen Eineignung von "lean production" und Flexibilisierungsstrategien entspringen, allerdings mit dem Ziel Arbeitsplätze zu erhalten.

SUMOTEAM désigne un projet conçu par le syndicat FTMH (projet QUBI) et par la maison PIA dans le but de changer l'organisation du travail dans le secteur industriel et ayant fait l'objet, en 1995, d'une expérience dans une usine de machines à tisser de l'entreprise Sulzer Rüti AG. Au travers d'entretiens avec les participants du projet, le film documente l'auto-régulation des tâches par l'équipe de monteurs (Planification du temps de travail et des tâches), l'auto-gestion de la formation continue (transfer de connaissance par le contre-maître) ainsi que les effets positifs du projet sur la productivité du travail. Le contenu du film pourrait provenir d'une appropriation syndicale de la lean-production et des stratégies de flexibilisation, en changeant toutefois leur but, puisqu'il s'agit ici de maintenir des places de travail.
Urheber
  1. Huber, Michael (Buch und Regie)
Copyright
Schlagwörter
  1. Bildung (allgemein)
  2. Bildung (speziell)
  3. Bildungsart
  4. Weiterbildung
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation
  4. Arbeitsorganisation
  5. Arbeitsstudie
  6. Arbeitsproduktivität
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation
  4. Arbeitsorganisation
  5. Teamarbeit
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  5. Beteiligung der Arbeitnehmer/innen
  6. Selbstverwaltung
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  5. Sozialpartner
  6. Gewerkschaft
  1. Wirtschaft
  2. Industrie
  3. Maschinen- und Metallindustrie
  4. Maschinenindustrie
  5. Werkzeugmaschinenindustrie
  1. Wirtschaft
  2. Produktion und Technologie
  3. Produktion
  4. Just in time-Produktion
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Solothurn, Kanton
  4. Zuchwil
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1991-2000
  5. 1995
Personen
  1. Azarro, Aldo
  1. Blaser, Werner (ssa104)
  1. Kahn, Mutmaz Ali
  1. Keller, Ruedi
  1. Schmidt, Herbert
  1. Zosso, Heinz
weitere Beteiligte
  1. Azzaro, Aldo
  1. Blaser, Werner
  1. Dalkiran, Halil
  1. De Almeida, Antonio
  1. Egli, Thomas Christophe (Schnitt und Graphik)
  1. Felder, Hermann (Projektleiter)
  1. Kahn, Mumtaz Ali
  1. Keller, Ruedi
  1. Lüthi, Gerhard
  1. Meier, Hans (Kamera)
  1. Memoriav (Projektmitfinanzierung)
  1. Möller, Hugo (Betriebskommission)
  1. Qualifizierung und Beratung für soziale Innovationsprojekte (QUBI)
  1. Ruch, Heinz (Ton)
  1. Schmidt, Herbert
  1. SMUV - Schweizerischer Metall- und Uhrenarbeiterverband
  1. Sommer, Willi
  1. Stocker, Kurt (Aus- und Weiterbildung)
  1. Studer, Hanspeter (Ton)
  1. Widmer, Paul
  1. Zosso, Heinz
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. VHS
Sprache
  1. deutsch
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation

00:00:00 Logo Memoriav

00:00:15 Infographie: "QUBI, Qualifizierung und Beratung für soziale Innovationsprojekte – QUBI, qualification et consultation en projets d'innovation sociale"

00:00:21 Standbilder (Schwarzweiss) aus der Maschinenindustrie, Arbeiter

00:00:58 "SUMOTEAM" (Filmtitel)

00:01:03 "Selbstregulierende Gruppenarbeit in der Webmaschinenmontage", Standbild eines Raumes mit Arbeitnehmenden und Kursleitern (?)

00:01:09 Aufnahme von Ruedi Keller von QUBI in einer Maschinenhalle: "Wir sind da bei der Firma Sulzer Rüti [AG] (Zuchwil [SO]). In diesem Bereich werden Textilwebmaschinen montiert. Wir haben hier das Projekt SUMOTEAM eingeführt, wo es darum geht, für acht Leute die hier arbeiten bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, und gleichzeitig für das Unternehmen die Arbeitsstruktur produktiver zu gestalten. Beteiligt an diesem Projekt sind, neben Leute aus der Firma, externe Berater wie Herbert Schmidt von der Firma PIA, und ich, der Ruedi Keller vom Projekt QUBI von der Gewerkschaft SMUV."

00:01:40 Arbeiter bei Montage der Webmaschine, Werner Blaser (Meister) beim Gespräch mit Arbeitern), Musik

00:02:55 Aldo Azzaro, Monteur, in der Fertigungshalle, äussert sich zu den Unterschieden vor Projektstart (fremdbestimmte Arbeit mit hierarchischen Strukturen) und danach (Gruppe entscheidet, was gemacht wird)

00:03:19 Mumtaz Ali Kahn, Monteur, "Wir entscheiden selber was müssen wir machen jeden Tag. Papier bis Material bis Maschine, alles organisieren wir selber, ohne Probleme, ohne Chef, ohne Hilfe."

00:03:34 Heinz Zosso, Monteur: Gruppe bespricht am Abend die Aufgaben für den nächsten Tag und verteilt die Arbeiten

00:04:14 Werner Blaser, Meister: früher fehlte die Zeit und auch das Engagement der Arbeiter für diesen Weg der Entscheidungsfindung und Arbeitsplanung; Aufnahmen von einem Gespräch vor dem Bildschirm zwischen den Arbeitern und dem Meister; vom Team äusserte sich nur ein Arbeiter kritisch über das Wegfallen der engen Arbeitsführung, alle anderen fanden diesen Umstand positiv

00:05:09 Aldo Azzaro: "Wir sind eigentlich soweit, dass wir nur noch den Meister für höheren Aufgaben brauchen; wenn es irgendwo ein Problem zu lösen gibt, oder administrative Probleme."

00:05:56 Werner Blaser, Meister: kleinere Probleme werden von den Mitarbeitern selber gelöst.

00:06:34 Ruedi Keller (SMUV): "Ich denke einerseits, die häufige Situation in der Industrie ist die, dass Leute, wenn sie ein Problem haben, zu ihren Vorgesetzten gehen und er muss für sie das Problem lösen. Im Extremfall führt es dazu, dass der Vorgesetzten einer anderen Abteilung anrufen muss und die msus jemanden vorbeischicken und während die Leute darauf warten, dass das Problem geregelt wird, ist verlorene Zeit für das Unternehmen, oder? Und das ist für die Arbeiter eine monotone Zeit, wenn sie da sind und warten, oder?"

00:07:05 Mumtaz Ali Kahn: "Wenn wir Zeit haben, fragen wir unseren Meister: 'Bitte, wir haben Zeit, lern uns dieses Problem.'“ Aufnahmen von Weiterbildungskurse mit dem Meister (Kursraum mit Arbeitern des Projekts und dem Meister an einer Wandtafel)

00:07:49 Werner Blaser: Probleme können dann auftauchen, wenn der Meister eine Art Form der Problemlösung bevorzugt als die Gruppe.

00:08:34 "Ich denke, es braucht einen anderen Umgang mit den Leuten. Sie sind selbstbewusst und nehmen nicht mehr einfach Befehle entgegen. Sondern muss man die Leute anders führen. Muss man ihnen ein Ziel vorgeben und sie anhand eines Ziels ermessen, ob das Ziel erreicht wurde. Ich denke, es braucht mit der Zeit auch eine Anerkennung, dass das, was sie machen, nicht mehr die gleiche Arbeit ist, dass es eine viel qualifizierte Arbeit ist", Aufnahmen von Arbeitern des Projekts (Mumtaz Ali Kahn) beim Koordinieren der Produktion (Computer, Arbeitspensum, Gespräch in der Fertigungshalle)

00:09:09 Aldi Azzaro: Probleme kann es mit den verschiedenen Mentalitäten, Vorstellungen und Nationalitäten gibt.

00:09:33 Herbert Schmidt, PIA: "Der Zweck unseres Projektes war, exemplarisch für Sulzer, den Beweis anzutreten, dass eine solche Umstrukturierung mit dem vorhandenen Personal möglich ist. Dass man nicht mit neuen Leuten das macht, weil das einfacher ist. Dass man Leute sich einkauft, als Unternehmen, die eine Facharbeiter- oder Berufsausbildung haben, sondern dass man das mit den Leuten macht, wie sie hier vorhanden sind. Die aus verschiedenen Nationalitäten sich zusammensetzen, die unterschiedliche Ausbildungsstände haben, etc.", Aufnahmen von zwei Monteuren bei der Montage einer Textilmaschine

00:10:07 Werner Blaser, Meister: er erhofft sich flexiblere Arbeiter, attraktivere Arbeitsplätze und weniger Fluktuation

00:10:29 Herbert Schmidt, PIA: "Die Gruppe ist, in der Summe, sagen wir mal heute, zu 75% in der Lage, ihre Aufgaben, und zwar alle Aufgaben, mit denen sie zu tun hat, selbstständig – selbstregulierend wie wir das nennen – zu erledigen. Das halte ich - für die kurze Zeit – für einen beträchtlichen Erfolg. Vor allem wenn man dazu zieht, dass wir das geschafft haben, ohne dass es zu Produktionseinbrüchen gekommen ist. Sondern eher umgekehrt, die Gruppe hat das relativ hohe Niveau, das sie hatte, halten können und sogar ausbauen können."

00:11:04 "Nach sechs Monaten sind wir soweit mit dem SUMOTEAM, dass wir den nächsten Baustein geliefert haben, wo die Arbeit für die Leute interessanter macht."

00:11:26 Aufnahmen von der Montagehalle mit den Arbeitern des Projektes, Musik

00:11:30 Abspann: "Mitglieder des SUMOTEAM: Aldo Azzaro, Halil Dalkiran, Antonio De Almeida, Mumtaz Ali Kahn, Gerhard Lüthi, Willi Sommer, Paul Widmer, Heinz Zosso – Betriebliche Projektgruppe: Hermann Felder (Projektleiter), Kurt Stocker (Aus- und Weiterbildung), Werner Blaser (Meister) – Francesco Voglioso (Montageplanung), Hugo Möller (Betriebskommission) – Beratung durch: Ruedi Keller (QUBI), Herbert Schmidt (PIA) – Filmteam: Buch und Regie Michael Huber; Kamera Hans Meier; Ton Heinz Ruch, Hanspeter Studer; Schnitt und Graphik Thomas Chr. Egli; Ein EUREKA-Projekt bei SULZER RÜTI AG, Zuchwil – Mit freundlicher Unterstützung Gewerkschaft SMUV – © 1995 QUBI"

00:12:17 Filmende

ArchivbezugSMUV Gewerkschaft Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen, Fédération suisse des ouvriers sur métaux et horlogers (FOMH), Federazione svizzera degli operai metallurgici e degli orologiai
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