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Rede in Zürich 26.11.2002: Tarik Ali spricht zu Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung


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SignaturF 1063-075
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract075) Tariq Ali redet in Zürich zum Thema The Clash of Fundamentalisms - Fundamentalismus im Kampf um die Weltordnung ; T.A ist ein britischer Autor und Filmemacher. Er ist Redaktionsmitglied der New Left Review; Hannes Lämmler hatte diese Rede für Chrsitoph Lindenmaier aufgezeichnet.
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:01 Aufnahme setzt ein – (in engl. Sprache) Begrüssung durch Tariq Ali, Thema: «The Clash of Fundamentalisms»

00:00:22 Ali erklärt, wieso er nach der politischen Militanz der 1960/70er-Jahre in den Kulturbereich wechselte, Filme produzierte und Romane schrieb. Ein Grund dafür war auch der zweite Golfkrieg 1990/91 gegen den Irak

00:02:26 Wieso hat es im Islam keine Reformation gegeben? Um diese Frage zu beantworten, reiste Ali nach Andalusien

00:04:49 Ali schrieb den historischen Roman «Shadows of the Pomegranate Tree» (1992) über die letzten Tage von Al-Andalus. In Spanien hatte der Roman eine gewisse Wirkung

00:07:37 Die islamische und jüdische Kultur von Al-Andalus wurde durch die Reconquista vernichtet, es kam zu einer «ethnischen Säuberung»

00:09:33 Der erste moderne europäische Roman, «Don Quijote» von Miguel de Cervantes, thematisierte indirekt diese Vernichtung

00:12:21 Wäre es nicht zu dieser «ethnischen Säuberung» gekommen, dann hätte es im Islam vielleicht eine Reformation gegeben, denn die Voraussetzungen dafür waren gegeben

00:15:19 Alis Roman «The Book of Saladin» (1998) thematisiert die Verheerungen durch die Kreuzzüge

00:17:41 Im Osmanischen Reich hätte es erneut die Gelegenheit für eine Reform des Islam gegeben, wie Ali in seinem Roman «The Stone Woman» (2000) nachzeichnet

00:20:33 Warum entstand der moderne islamische Fundamentalismus? Die USA haben ihn in der Ära des Kalten Kriegs geschaffen, um die SU und ihre Verbündete, um Linke und Säkulare zu bekämpfen, welche die US-Hegemonie in Frage stellten

00:21:27 Die Staatsreligion des US-Verbündeten Saudi-Arabien ist eine besonders reaktionäre Variante des Islam, der Wahhabismus – der mit Petro-Dollars finanzierte und von der CIA unterstützte Wahhabismus wurde gezielt in der arabischen Region verbreitet

00:24:06 Die USA finanzierten islamistische Organisationen in Indonesien und Pakistan

00:24:34 Im Irak unterstützte der CIA den Aufstieg von Saddam Hussein, weil er ihnen versprach, die Gewerkschaften und die Linke zu zerstören und einen Krieg gegen Iran zu führen (was er dann auch tat)

00:25:11 Im Iran kamen die Mullahs an die Macht, weil die säkularen Kräfte vom Westen zerstört wurden

00:25:54 Der Irak wurde von Britannien und den USA gegen den Iran militärisch aufgerüstet

00:26:30 Die Situation hat sich verändert: Die USA haben den Kalten Krieg gewonnen und möchten ihre Hegemonie mit allen Mittel aufrechterhalten

00:27:08 Die Gruppe um Osama bin Laden wurde von den USA geschaffen, um die SU in Afghanistan zu bekämpfen

00:28:42 Politische und kulturelle Debatten sind bestimmt von imperialistischen Allianzen – als letzte verbliebene imperiale Grossmacht vergleichen sich die USA mittlerweile mit dem antiken Rom

00:33:01 Auf CNN wird darüber diskutiert, welche Ölgesellschaften die Förderrechte im Irak erhalten werden

00:34:06 Die Frage nach dem Öl ist entscheidend. Jedes arabische Regime, das die Ölförderung nationalisierte, wurde weggeputscht. Die modernen arabischen Staaten wurden von den Ölgesellschaften geschaffen. Öl ist der Grund, wieso der Irak erobert werden soll

00:36:32 Die USA haben im Interesse von Unternehmen im 19. und 20. Jh. ständig ihr missliebige Regierungen in Lateinamerika weggeputscht

00:39:07 Zwei Tage nach dem 11.9.2001 begannen die USA mit der Planung des Einmarschs in den Irak, obwohl der Irak damit nichts zu tun hatte

00:40:52 Die USA sind für den Einmarsch auf die Hilfe von Britannien angewiesen. George W. Bush braucht Tony Blair

00:42:43 In der BRD wandte sich Gerhard Schröder während seines Wahlkampfs gegen einen Einmarsch in den Irak

00:44:40 Die USA wollen den Irak einnehmen, egal, was die UN dazu sagt. Sie sind im Jugoslawienkrieg von 1998/99 ähnlich vorgegangen

00:47:03 Wie man mit dem islamistischen Terrorismus umgehen soll: Nicht neue Kriege führen, sondern politische Lösungen finden für die Probleme im Nahen Osten

00:49:33 Die einzige Atommacht im Nahen Osten ist Israel, das in seiner Existenz durch die Forderung eines palästinensischen Staates nicht bedroht ist

00:50:55 Die derzeitige US-Politik führt zu einer Stärkung des islamistischen Terrorismus

00:51:51 Es gibt in den USA eine antiimperialistische Opposition. Der Vorwurf des «Anti-Amerikanismus» möchte Kritik an der US-Aussenpolitik mundtot machen

00:53:57 Ende des Vortrags – Applaus

00:54:02 Aufnahme bricht ab

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-075
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