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Gespräch aufgezeichnet am 18.06.1996: Damit Kriege möglich werden, müssen Gräuelgeschichten erfunden werden, Beispiel Hill & Knowlton


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-074
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract074 ) Konrad Ege, Journalist in Washington unter anderem für Monitor (ARD) und die WoZ, denunzierte die erfundene Gräuelgeschichte, dass irakische Soldaten in Kuwait zu früh geborene Babys aus ihren Brutkästen rissen. KE beschreibt die Folgen.
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:00 Frage: Bitte um Vorstellung

00:00:35 Ege: Ich lebe seit 15 Jahren in den USA und schreibe für deutschsprachige Medien

00:01:05 Frage: Beitrag bei Monitor über die sog. Babygeschichte?

00:01:41 Ege: Als man in den USA die Entsendung von Streitkräften nach Saudi-Arabien debattierte, gab es zunächst keine Mehrheiten, weshalb die kuwaitische Königsfamilie die US-Werbefirma Hill & Knowlton damit beauftragte, Gräuelgeschichten in die Welt zu setzen

00:02:37 Eine davon war die sog. Babygeschichte, gemäss der irakische Soldaten beim Einmarsch in Kuwait dutzende frühgeborene Babys aus den Brutkästen gerissen hätten. Die erfundene Geschichte war wirksam, der US-Präsident George Bush erwähnte sie in mehreren Reden, sie wurde immer wieder nacherzählt

00:03:58 Hill & Knowlton verklagte Monitor

00:04:21 Frage: Wie ist das ausgegangen?

00:04:23 Ege: Das Landgericht Frankfurt (Main) hat der Klage auf Widerruf nicht stattgegeben. Monitor hat eine Erklärung unterschrieben, dass man keine Rufschädigung beabsichtigt hätte

00:05:21 Frage: Eine Kritik am US-Einmarsch wurde damals erst nach einer gewissen Zeit akzeptiert. Es gibt Berichte über den Einsatz von Munition mit angereichertem Uran?

00:06:07 Ege: Es gibt Tausende Soldat:innen, die am sog. Golfkriegs-Syndrom leiden. Die Ursachen sind allerdings unbekannt

00:07:18 Frage: Es gibt eine Informationsblockade, was den Irak betrifft. Wieso wird über das Leiden von Tausenden von Soldat:innen nicht offen gesprochen?

00:08:39 Ege: Das kam schon an die Öffentlichkeit, unbekannt bleiben die Ursachen

00:08:51 Frage: Die Betroffenen und ihre Anwält:innen können keine eigenen Untersuchungen vornehmen?

00:09:09 Ege: Das ist rechtlich schwierig. Soldat:innen, die während ihres Kriegsdiensts eine Verletzung erleiden, können den Staat nicht deswegen verklagen

00:09:50 Frage: Wie haben die Informationstechnologien die USA verändert?

00:11:00 Ege: Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung profitiert vom technologischen Wandel. Die meisten haben eine schlechte Ausbildung

00:12:32 Frage: Man sagt, dass unter Bill Clinton ein breiter Aufschwung stattgefunden habe?

00:12:55 Ege: Die Beschäftigung hat zugenommen, aber meistens handelt es sich um schlecht bezahlte Teilzeitarbeit im Dienstleistungsbereich. Die Vorstellung, alle würden in Zukunft immaterielle Bildschirmarbeit leisten, ist illusorisch, es braucht die konkrete Arbeit

00:14:53 Frage: Jeremy Rifkin spricht vom Ende der Arbeit

00:15:10 Ege: Für viele ist es tatsächlich das Ende der Arbeit, weil sie keine Arbeit mehr finden. Rifkin ist ein Idealist

00:15:32 Frage: Der Abstieg der Mittelklasse wird zu einer grossen Unzufriedenheit führen. Kommt es zu einer rechtsextremen Entwicklung?

00:17:04 Ege: Soziale Unsicherheit ist in den USA ein grosses Thema. Der amerikanische Traum löst sich auf

00:18:59 Demokraten und Republikaner unterscheiden sich nicht, was ihre wirtschaftlichen und sozialen Zukunftsvorstellungen betrifft

00:19:25 Viele flüchten sich in die Religion, traditionelle Familienwerte werden propagiert

00:20:32 Frage: Welchen Einfluss hat die Sozialversicherung? 00:20:59 Ege: Was machen die Leute? Die Reichen setzten sich in Gated Communities ab

00:22:37 Was macht der Rest? Ich befürchte eine Entwicklung nach rechts

00:23:47 Frage: Was vertreten die Rechtsextremen?

00:23:49 Ege: Hass. Zehntausende sind in paramilitärischen Milizen organisiert, die sich auf einen Bürgerkrieg vorbereiten

00:24:17 Die Afroamerikaner:innen flüchten sich in einen schwarzen Nationalismus, bspw. wie er von Louis Farrakhan und der Nation of Islam vertreten wird

00:24:48 Es gibt keine vereinheitlichende linke Bewegung der Betroffenen

00:25:15 Frage: Toleriert der Staat die Rechtsextremen?

00:25:41 Ege: Schwer zu sagen. Rassismus ist in der weissen Gesellschaft tief verwurzelt. Entsprechend ist bspw. die Polizei rechtsextremen Gruppen gegenüber positiv eingestellt

00:28:19 Bill Clinton thematisiert das in seinem Wahlkampf

00:28:44 Frage: Wie arbeitet man in den USA als Journalist?

00:29:15 Ege: Hinweise zu seiner Arbeitsweise

00:30:04 Frage: Welche Zeitungen sind die interessantesten?

00:30:27 Ege: The Nation, The Progressive, Mother Jones, The Guardian (New York), Monthly Review

00:33:04 Aufnahme setzt aus

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-074
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