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Diverse Radio FERL, 01.05.2003: Beispiel einer Monatssendung von Radio Zinzine in Zusammenarbeit mit Le Monde diplomatique (seit 1986 bis etwa 2004).


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-072
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract072) Dossiers internationaux, Mai 2003, Radio Zinzine produzierte seit 1986 monatlich ein radiophones Dossier zur Ausgabe der Zeitung Le Monde diplomatique- bis etwa 2004, danach wurde dieser Zyklus von Daniel Mermet bei France Inter übernommen; Diese Sendungen wurde an die französisch sprachigen freien Lokalradios, die mehrheitlich Mitglieder der europäischen Föderation der freien Radios (FERL) waren, versandt. Am Anfang als MC danach als CD. Eine Verlängerung dieser Zusammenarbeit führte u.a auch dank Christoph Lindenmaier zur monatlich bei der WoZ und der Taz noch heute erscheinenden deutschsprachigen Ausgabe der Zeitung Le Monde diplomatique; In der vorliegenden Sendung der Dossier internationaux vom Mai 2003 moderierte Nicolas Furet drei Gespräche: Chantal Aubry über die Lage der Fahrenden in Frankreich, Alain Gresh über den Krieg im Irak, Maurice Lemoine über die «Manifest Destiny»-Ideologie der USA.
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:00 Aufnahme setzt ein – Musik

00:00:24 Ganze Radiosendung in frz. Sprache

00:01:27 Hinweise zur Mai-Nummer der Le Monde diplomatique

00:06:01 Musik

00:06:59 Einleitung zum Gespräch mit Chantal Aubry: Fahrende sind in Frankreich rassistischer Diskriminierung ausgesetzt

00:09:02 Frage: In Frankreich leben Fahrende unter prekären Umständen

00:09:33 Aubry: Man muss zwei Probleme unterschieden: die Frage der Standplätze und die Frage der Unterkunft von Personen, die sich als Fahrende verstehen

00:10:57 Frage: Allein in der Region um Paris wären 8–10'000 Standplätze nötig, es gibt aber nur deren 5–6’000?

00:11:09 Aubry: In dieser Region ist das Problem ausgesprochen drängend

00:12:11 Zwei Probleme: Die Unterkunft jener, die kaum mehr unterwegs sind, und die Standplätze für jene, die ständig unterwegs sind. Deswegen das Loi Besson von 1990 (Recht auf Wohnen) und jenes von 2’000 (Standplätze in Gemeinden mit mehr als 5’000 Einwohner:innen)

00:14:44 Musik

00:16:02 Frage: Das Loi Sarkozy von 2003 (Gesetz zur inneren Sicherheit) von Innenminister Nicolas Sarkozy richtet sich ebenso gegen Fahrende?

00:16:30 Aubry: Das hat eine längere Vorgeschichte

00:17:40 Frage: Im Fernsehen werden häufig Bilder gezeigt, wie Fahrende vertrieben werden

00:17:59 Aubry: Das bestärkt Reaktionäre in der französischen Gesellschaft. Die Ankunft von Roma aus Osteuropa verstärkt überdies die Ausgrenzung der einheimischen Fahrenden

00:18:52 Frage: Organisationen von Fahrenden wehren sich gegen das Loi Sarkozy, an Demos hört man die Parole «Sarkozy: Vichy»?

00:19:15 Aubry: Das Loi Sarkozy sieht diverse Repressalien gegen Fahrende vor – ein Produkt der «régression sécuritaire»

00:20:49 Frage: Während die Aufmerksamkeit auf den Krieg im Irak gerichtet ist, werden repressive Gesetze erlassen?

00:21:02 Aubry: Eine öffentliche Debatte ist vonnöten, das Gesetz richtet sich gegen eine Lebensweise und Kultur, die es zu respektieren gilt

00:21:39 Musik

00:22:20 Frage: Abgrenzung von Sesshaften und Fahrenden?

00:23:29 Aubry: Fahrende sind eng mit ihrer Kultur verbunden und zugleich Französ:innen

00:26:08 Frage: Wieso ist Arles offener gegenüber Fahrenden eingestellt?

00:26:25 Aubry: Das politische Klima und die konkrete Situation der Fahrenden ist hier anders als im Rest der Region

00:28:25 Gespräch endet

00:28:28 Musik

00:28:53 Einleitung zum Gespräch mit Alain Gresh. Das proklamierte Ende der Kämpfe im Irak als eine Etappe in der Neubestimmung der internationalen Politik

00:30:08 Musik

00:30:34 Frage: Welche Rolle spielten anti-arabische Vorurteile beim Krieg im Irak?

00:30:54 Gresh: Wir haben es hier mit zwei sehr ungleichen Gegnern zu tun. Ideologisch wurde der Angriff begleitet von der Gleichsetzung von «Araber» mit «Terroristen». Die US-Medien sind gleichgeschaltet, es finden keine Debatten statt. Die Hälfte der US-Amerikaner:innen glaubt, Saddam Hussein sei für die Anschläge des 11.9.2001 verantwortlich

00:33:23 Der Blick der USA auf den Nahen Osten ist herablassend. Nach der Plünderung des Nationalmuseums und dem Niederbrennen der Nationalbibliothek in Bagdad wurde versucht, den Wert dieser Kulturstätten herunterzuspielen

00:34:22 Musik

00:34:53 Frage: Parallelen zum französischen Kolonialismus in Algerien? Es wird nicht über den Widerstand in Irak berichtet?

00:35:25 Gresh: Die Iraker:innen wollen zwar nicht befreit werden von Mächten, die es nur auf das Öl abgesehen haben, doch bleibt der Widerstand gegen die Besatzung derzeit sporadisch. Das irakische Regime war diktatorisch und mörderisch (etwa gegen Kurd:innen)

00:36:54 Frage: Bildet sich eine Opposition gegen die US-Besatzung heraus?

00:37:04 Gresh: Nein. Es gibt derzeit keine öffentlichen Strukturen mehr, keine Versorgung. Es geht also zunächst darum zu überleben

00:39:21 Frage: Haben sich die USA verschätzt?

00:39:29 Gresh: Sie haben in kolonialer Manier die Probleme unterschätzt

00:40:19 Musik

00:41:38 Frage: Welches sind die eigentlichen Ziele der USA?

00:41:49 Gresh: Das militärische Ziel ist Bagdad. Das politische Ziel der Neokonservativen ist die Neuordnung des Nahen Ostens, die Bekämpfung des Irans und Syriens

00:43:21 Frage: Welche Folgen hat der Irakkrieg für den Konflikt in Israel/Palästina?

00:43:43 Gresh: Offen. Weder ist israelische Regierung unter Ariel Sharon sind zu Verhandlungen bereit, noch ist die US-Regierung unter George Bush daran interessiert, Verhandlungen durchzusetzen

00:46:06 Musik

00:46:43 Einleitung zum Gespräch mit Maurice Lemoine. Die «Manifest Destiny»-Ideologie der USA

00:47:49 Lemoine: Die Monroe-Doktrin von 1823 propagierte die US-Hegemonie auf dem amerikanischen Kontinent

00:49:26 Die «Manifest Destiny»-Ideologie wurde ab den 1870er-Jahren virulent

00:49:50 Im amerikanisch-spanischen Krieg von 1898 eroberte die USA Kuba, Puerto Rico und die Philippinen

00:51:55 Musik

00:52:18 Lemoine: Für Zentralamerika waren die United Fruit Company und der Panamakanal von zentraler Bedeutung

00:54:21 Musik

00:54:54 Lemoine: Das Projekt des Nicaragua-Kanals wurde fallengelassen. Die USA installierten in den 1920er-Jahren die Guardia Nacional, die unter der Kontrolle des Somoza-Clans stand

00:56:16 Die USA marschierten ebenfalls in Honduras, Haiti und der Dominikanischen Republik ein

00:56:46 Franklin Roosevelt löste 1933 die «Big Stick»-Aussenpolitik durch die «Good Neighbor Policy» ab. Später würden die USA erneut eingreifen: in Nicaragua, in El Salvador, in Kolumbien

00:59:11 Musik

00:59:25 Abmoderation mit Musik

01:00:59 Aufnahme endet

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-072
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