00:00:00 Aufnahme setzt ein – Musik
00:00:24 Ganze Radiosendung in frz. Sprache
00:01:27 Hinweise zur Mai-Nummer der Le Monde diplomatique
00:06:01 Musik
00:06:59 Einleitung zum Gespräch mit Chantal Aubry: Fahrende sind in Frankreich rassistischer Diskriminierung ausgesetzt
00:09:02 Frage: In Frankreich leben Fahrende unter prekären Umständen
00:09:33 Aubry: Man muss zwei Probleme unterschieden: die Frage der Standplätze und die Frage der Unterkunft von Personen, die sich als Fahrende verstehen
00:10:57 Frage: Allein in der Region um Paris wären 8–10'000 Standplätze nötig, es gibt aber nur deren 5–6’000?
00:11:09 Aubry: In dieser Region ist das Problem ausgesprochen drängend
00:12:11 Zwei Probleme: Die Unterkunft jener, die kaum mehr unterwegs sind, und die Standplätze für jene, die ständig unterwegs sind. Deswegen das Loi Besson von 1990 (Recht auf Wohnen) und jenes von 2’000 (Standplätze in Gemeinden mit mehr als 5’000 Einwohner:innen)
00:14:44 Musik
00:16:02 Frage: Das Loi Sarkozy von 2003 (Gesetz zur inneren Sicherheit) von Innenminister Nicolas Sarkozy richtet sich ebenso gegen Fahrende?
00:16:30 Aubry: Das hat eine längere Vorgeschichte
00:17:40 Frage: Im Fernsehen werden häufig Bilder gezeigt, wie Fahrende vertrieben werden
00:17:59 Aubry: Das bestärkt Reaktionäre in der französischen Gesellschaft. Die Ankunft von Roma aus Osteuropa verstärkt überdies die Ausgrenzung der einheimischen Fahrenden
00:18:52 Frage: Organisationen von Fahrenden wehren sich gegen das Loi Sarkozy, an Demos hört man die Parole «Sarkozy: Vichy»?
00:19:15 Aubry: Das Loi Sarkozy sieht diverse Repressalien gegen Fahrende vor – ein Produkt der «régression sécuritaire»
00:20:49 Frage: Während die Aufmerksamkeit auf den Krieg im Irak gerichtet ist, werden repressive Gesetze erlassen?
00:21:02 Aubry: Eine öffentliche Debatte ist vonnöten, das Gesetz richtet sich gegen eine Lebensweise und Kultur, die es zu respektieren gilt
00:21:39 Musik
00:22:20 Frage: Abgrenzung von Sesshaften und Fahrenden?
00:23:29 Aubry: Fahrende sind eng mit ihrer Kultur verbunden und zugleich Französ:innen
00:26:08 Frage: Wieso ist Arles offener gegenüber Fahrenden eingestellt?
00:26:25 Aubry: Das politische Klima und die konkrete Situation der Fahrenden ist hier anders als im Rest der Region
00:28:25 Gespräch endet
00:28:28 Musik
00:28:53 Einleitung zum Gespräch mit Alain Gresh. Das proklamierte Ende der Kämpfe im Irak als eine Etappe in der Neubestimmung der internationalen Politik
00:30:08 Musik
00:30:34 Frage: Welche Rolle spielten anti-arabische Vorurteile beim Krieg im Irak?
00:30:54 Gresh: Wir haben es hier mit zwei sehr ungleichen Gegnern zu tun. Ideologisch wurde der Angriff begleitet von der Gleichsetzung von «Araber» mit «Terroristen». Die US-Medien sind gleichgeschaltet, es finden keine Debatten statt. Die Hälfte der US-Amerikaner:innen glaubt, Saddam Hussein sei für die Anschläge des 11.9.2001 verantwortlich
00:33:23 Der Blick der USA auf den Nahen Osten ist herablassend. Nach der Plünderung des Nationalmuseums und dem Niederbrennen der Nationalbibliothek in Bagdad wurde versucht, den Wert dieser Kulturstätten herunterzuspielen
00:34:22 Musik
00:34:53 Frage: Parallelen zum französischen Kolonialismus in Algerien? Es wird nicht über den Widerstand in Irak berichtet?
00:35:25 Gresh: Die Iraker:innen wollen zwar nicht befreit werden von Mächten, die es nur auf das Öl abgesehen haben, doch bleibt der Widerstand gegen die Besatzung derzeit sporadisch. Das irakische Regime war diktatorisch und mörderisch (etwa gegen Kurd:innen)
00:36:54 Frage: Bildet sich eine Opposition gegen die US-Besatzung heraus?
00:37:04 Gresh: Nein. Es gibt derzeit keine öffentlichen Strukturen mehr, keine Versorgung. Es geht also zunächst darum zu überleben
00:39:21 Frage: Haben sich die USA verschätzt?
00:39:29 Gresh: Sie haben in kolonialer Manier die Probleme unterschätzt
00:40:19 Musik
00:41:38 Frage: Welches sind die eigentlichen Ziele der USA?
00:41:49 Gresh: Das militärische Ziel ist Bagdad. Das politische Ziel der Neokonservativen ist die Neuordnung des Nahen Ostens, die Bekämpfung des Irans und Syriens
00:43:21 Frage: Welche Folgen hat der Irakkrieg für den Konflikt in Israel/Palästina?
00:43:43 Gresh: Offen. Weder ist israelische Regierung unter Ariel Sharon sind zu Verhandlungen bereit, noch ist die US-Regierung unter George Bush daran interessiert, Verhandlungen durchzusetzen
00:46:06 Musik
00:46:43 Einleitung zum Gespräch mit Maurice Lemoine. Die «Manifest Destiny»-Ideologie der USA
00:47:49 Lemoine: Die Monroe-Doktrin von 1823 propagierte die US-Hegemonie auf dem amerikanischen Kontinent
00:49:26 Die «Manifest Destiny»-Ideologie wurde ab den 1870er-Jahren virulent
00:49:50 Im amerikanisch-spanischen Krieg von 1898 eroberte die USA Kuba, Puerto Rico und die Philippinen
00:51:55 Musik
00:52:18 Lemoine: Für Zentralamerika waren die United Fruit Company und der Panamakanal von zentraler Bedeutung
00:54:21 Musik
00:54:54 Lemoine: Das Projekt des Nicaragua-Kanals wurde fallengelassen. Die USA installierten in den 1920er-Jahren die Guardia Nacional, die unter der Kontrolle des Somoza-Clans stand
00:56:16 Die USA marschierten ebenfalls in Honduras, Haiti und der Dominikanischen Republik ein
00:56:46 Franklin Roosevelt löste 1933 die «Big Stick»-Aussenpolitik durch die «Good Neighbor Policy» ab. Später würden die USA erneut eingreifen: in Nicaragua, in El Salvador, in Kolumbien
00:59:11 Musik
00:59:25 Abmoderation mit Musik
01:00:59 Aufnahme endet