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Archiv Lindenmaier vom 03.12.1995: Markus Kutter war ein Schweizer Historiker, Werber, Publizist und Politiker: Direkte Demokratie, die Schweiz Deutschland und Europa (Teil 1/2)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-060A
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract060 A) Markus Kutter (* 9. Oktober 1925 in Beggingen, † 26. Juli 2005 in Basel) war ein Schweizer Historiker, Werber, Publizist und Politiker. Im Rahmen der unregelmässigen sonntäglichen sogenannten Longo Mai Akademie im Hof Montois (Undervelier) Vortrag und Gespräch zur Geschichte der Volksrechte, der direkten Demokratie in der Schweiz und zum Verhältnis zu Deutschland und Europa.
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:00 Aufnahme setzt ein – In der alten Schweiz war die Monarchie gegenüber der lokalen aristokratischen Oligarchie zweitrangig

00:03:35 Politisch gesehen stand die Reformation für eine Ablösung der monarchischen Herrschaftsform

00:04:00 Landsgemeinden überlebten in der Schweiz, wenn auch als Folklore

00:05:03 Jean-Jacques Rousseau und der Contrat social

00:07:19 Bis zur Französischen Revolution gewinnt der Contrat social als Staatstheorie an Gewicht – die Französische Revolution war der erste Übersetzungsversuch dieser Theorie in die politische Praxis

00:07:55 Marie Jean Antoine Nicolas Caritat de Condorcet wollte aufzeigen, wie sich die Theorie von Rousseau in einem grossen Staat wie Frankreich verwirklichen liess: Die Demokratie muss territorial abgestuft werden

00:10:55 Die postrevolutionäre Verfassung von Frankreich von 1791 sah eine konstitutionelle Monarchie vor und entsprach nicht der sozialen Realität

00:11:49 In der verfassungsgebenden Versammlung bestand eine Rivalität zwischen dem Jakobiner Marie-Jean Hérault de Séchelles und dem Girondisten Condorcet – letzterer zog den Kürzeren und musste untertauchen

00:13:05 Condorcet schrieb in einem Versteck: «Esquisse d'un tableau historique des progrès de l'esprit humain» (die Menschheitsgeschichte als Geschichte des Fortschritts)

00:15:23 Condorcet definierte moderne Volksrechte (Initiative, Referendum, Veto, Abberufung)

00:16:38 Condorcet musste fliehen, wurde verhaftet und beging im Gefängnis Selbstmord

00:18:18 Auf den jakobinischen Terror folgte 1795 das grossbürgerliche Direktorium, dessen Herrschaft den Aufstieg von Napoleon Bonaparte vorbereitete

00:20:03 In Frankreich gibt es Plebiszite als Bestätigung der Regierung, aber keine Volksinitiativen

00:21:06 Die Volksrechte in der föderalistischen Schweiz nach 1815 lassen sich auf Condorcet zurückführen – Hinweise auf die Tagsatzung

00:23:59 Die jetzige Konstruktion der Europäischen Union EU entspricht jener der Schweiz vor 1848: Es gibt keine Verfassung, bloss Verträge

00:27:49 Die fehlende Verfassung wird in der EU zu Problemen führen, es fehlen ein Initiativ- und ein Referendumsrecht, die Bestimmungen über die Beschlussfassung sind nicht einheitlich, der Vertretungsschlüssel in der EU-Kommission ist unangemessen

00:30:12 Hinweise zur Entstehungsgeschichte des Bundesrats der Schweiz, zum Föderalismus und zu den Volksrechten

00:32:48 In Deutschland könnten Verfassungsänderungen von der Legislative beschlossen werden, in der Schweiz braucht es dafür eine Volksabstimmung, ausserdem kann gegen Bundesbeschlüsse das Referendum ergriffen werden

00:36:14 Die Volksrechte der Schweiz sind ein stabilisierender Faktor

00:37:53 Abstimmungen in der Schweiz sind für das Umland unverständlich: Das Frauenstimmrecht wurde dreimal abgelehnt, die 40-Stunden-Woche wurde abgelehnt, eine hohe Mehrwertsteuer wurde angenommen

00:39:43 Die Volksrechte, einmal etabliert, haben eine systemstabilisierende, konservative Wirkung

00:41:35 Frage: Volksrechte nur in der Schweiz möglich?

00:41:51 Antwort: Hinweis auf die Tätigkeit des Vereins «Mehr Demokratie in Bayern» und zu Parallelen zur Schweiz der 1840er-Jahren

00:44:34 Frage: Schweiz und EU?

00:44:59 Antwort: Die Schweiz ist nicht EU-kompatibel. Die Verfassung müsste abgeändert werden

00:46:57 Aufnahme bricht ab

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-060A
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