00:00:01 Aufnahme setzt ein – Andreas Buro (AB): Wie sich die Finanzierung des Komitees für Grundrechte und Demokratie gestaltete
00:00:42 FSM: Man musste die eigenen politischen Positionen erklären?
00:00:48 AB: Man musste sich verständlich machen. Wir sprachen im Komitee vor allem über die politische Arbeit
00:01:38 Die neue Friedensbewegung [gegen den NATO-Doppelbeschluss] hatte die Vorstellung, politische Entscheidungen könnten von der Strasse her bestimmt werden
00:02:58 Der Beschluss des Bundestages 1983, die Atomraketen zu stationieren, führte zu Resignation
00:03:36 Darauf begann eine neue Phase: Man entschloss, die Widerstandsformen qualitativ zu verändern und zivilen Ungehorsam zu üben, so etwa die Blockade in Mutlangen
00:04:35 Die Gerichte wurden als Anklagetribunale gegen die Politik verwendet
00:05:10 AB erzählt von Mutlangen
00:05:52 Es entstanden neue Formen des symbolischen Widerstands, eine neue zivile, gewaltfreie Widerstandskultur kam auf, was für die Linke wichtig war. Linke und Pazifist:innen waren sich nun viel näher als früher
00:07:55 Das Komitee für Grundrechte und Demokratie arbeitete in mehreren gesellschaftlichen Feldern. Im Gegensatz zur Ostermarschbewegung und zum Sozialistischen Büro (SB) ist das Komitee keine bundesweite Organisation, sondern ein Expert:innengremium. Die Verbindung zur Basis wird über politische Aktionen und den Verteiler hergestellt
00:10:29 FSM: Frage zum Verteiler
00:10:41 AB: Im Verteiler sind aktive Gruppen und Einzelpersonen – Details zum Verteiler und zur Zeitschrift «Bürgerinformationen», die in hoher Auflage verteilt wird
00:12:08 FSM: Wie wurde das Komitee gebildet?
00:12:24 AB: Das Komitee entstand aus dem SB. Hinweise zur Struktur des Komitees. Wolf-Dieter Narr spielte eine wichtige Rolle. Narr war zu Beginn der Sprecher, wurde dann von AB abgelöst, und ist heute [1997] Co-Sprecher
00:13:51 FSM: Ist das Komitee als Verein konstituiert?
00:13:53 AB: Als eingetragener Verein
00:14:08 Ab der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre befand sich das westdeutsche Militär (insb. mit dem Untergang der Sowjetunion) in einer Legitimationskrise, doch zugleich fehlte Anfang der 1990er-Jahre eine Friedensbewegung
00:15:57 Heute stellt sich die Frage, wie eine Friedensbewegung zu einer friedlichen Ausgestaltung der Gesellschaft beitragen kann. Mit dem zweiten Golfkrieg musste man erkennen, dass alles beim Alten geblieben war. Wie kann eine zivile Konfliktbearbeitung aussehen, es braucht eine glaubhafte Alternative zum Militär
00:17:48 Die Friedensbewegung verfolgt heute zwei grosse Ziele: Erstens die Kritik der militärischen Konfliktaustragung und zweitens der Aufbau ziviler Konfliktbearbeitung
00:19:26 Für die zivile Konfliktbearbeitung muss die Friedensforschung eingebunden werden, die lange Zeit nicht fortschrittlich, sondern konservative Politikberatung war. Man muss verhindern, dass sie für Militärpolitik missbraucht wird
00:21:26 In der Friedensbewegung der 1980er-Jahre gab es unterschiedliche Fraktionen: Die eine orientierte sich an der Sowjetunion, eine andere war sozialdemokratisch und am Westen orientiert – beide setzten auf Rüstungskontrollen statt auf Abrüstung. Dazwischen standen Pazifist:innen aus den sozialen Bewegungen, Bürgerinitiativen, Humanist:innen, Religiöse. Bemerkungen zur Deutschen Kommunistischen Partei DKP
00:25:54 FSF: Verantwortung übernehmen in politischen Organisationen?
00:26:08 AB: Für die DKP war das gleichbedeutend mit Parteidisziplin, eine Unterordnung unter die Partei
00:26:60 Unterbruch der Aufnahme
00:27:28 Aufnahme geht weiter: AB über die «Bürgerinformationen» des Komitees für Grundrechte und Demokratie
00:28:18 FSM: Wer macht die ganze Arbeit?
00:28:24 AB: Roland Roth und Wolf-Dieter Narr. Ich verfasse Beiträge nach Bedarf
00:29:04 FSM: Frage, wie man beitragen kann
00:29:15 AB: Informationen gehen an den grossen Verteiler mit 10'000 Adressen
00:29:59 FSF: Fragen zum Verteiler und zur Mitarbeit – Antworten AB
00:31:50 FSM: Wie gestaltete sich die Diskussion über einen möglichen Einsatz der Bundeswehr in Ex-Jugoslawien?
00:32:23 AB: Die erste Aktion der Friedensbewegung nach Kriegsausbruch war die Friedenskarawane der Helsinki Citizens' Assembly im Sep. 1991, die durch fast alle Länder des ehem. Jugoslawiens führte. Die Karawane begann in Triest, ging durch Kroatien, führte über Ungarn nach Serbien. Man sprach mit Ministern der jeweiligen Länder und mit Gewerkschaften
00:34:02 Noch im Februar 1992 fand in Sarajewo eine internationale Antikriegs-Konferenz statt, im März begann dann der Krieg
00:34:45 AB erzählt von der ersten Friedenskarawane: Klaus Vack führte einen Rucksack voller Geld mit, um lokale Initiativen zu unterstützen
00:35:45 AB erzählt von seiner publizistischen Tätigkeit zur Unterstützung der ex-jugoslawischen Friedensbewegung. Klaus Vack organisierte medizinische Unterstützung vor Ort. Ausserdem organisierten sie Ferienprogramme für Kinder aus Flüchtlingslagern
00:37:18 FSF: Das begann mit 1500 Kindern und wurde später auf 3000 ausgeweitet
00:37:26 AB: Durch Patenschaften konnten die Kinder für vierzehn Tage an die Adria fahren
00:37:46 FSF: Waren die Kinder ethnisch gemischt?
00:38:04 AB: Ja, aber zu Beginn war das sehr schwierig
00:38:39 FSM: Welche Auswirkungen hatten die «Bürgerinformationen»?
00:38:57 AB: Details über deren Verteilung
00:40:05 Einige hatten eine sehr hohe Auflage – jene über die Volkszählung über 3 Mio., jene zu Jugoslawien über 2 Mio. Bei anderen Themen – etwa Kurdistan – war die Auflage viel tiefer
00:41:54 Unterbruch der Aufnahme
00:41:55 Aufnahme geht weiter, FSM: Frage zur Zusammensetzung des Komitees für Grundrechte und Demokratie
00:42:10 AB: Das Komitee ist eine kleine Gruppe, für die Bearbeitung von Themen werden Expert:innen angefragt, bspw. zum Asylrecht oder zu den Castortransporten in Gorleben, wo das Komitee Demonstrationsbeobachtungen durchführte und, im Sinne der Gegeninformation, Berichte dazu veröffentlichte
00:43:52 AB erzählt von den Protesten gegen das AKW Brokdorf
00:44:55 FSM: Nochmals die Frage zur Zusammensetzung des Komitees: Engagieren sich auch Jüngere?
00:45:13 AB: Das ist ein Problem, die Kerngruppe bleibt unter sich
00:46:25 FSM: Ist das so gewollt?
00:46:31 AB: Nein. Aber wir können aus unserer Politarbeit keine Lehrveranstaltung für Leute machen, die keine Ahnung haben
00:47:07 Aufnahme bricht ab