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Archiv Lindenmaier, 09.11.1994: Koordinationskonferenz im Europarat Strassburg zur europäischen Deserteurkampagne (Teil 1/2)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-055A
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract055 A) Koordinations Konferenz zur europäischen Deserteurkampagne Forum Civique Européen, Conseil de l'Europe, Salle 10, Unité Audio, Bande No 3216 B; Beiträge aus Ostdeutschland, Schweden, Frankreich, Schweiz, Belgien, Erfurt, Rostock, München.
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:00 Aufnahme setzt ein – Tausende von Deserteuren sollen deportiert werden

00:00:29 Das Kirchenasyl spielt im Widerstand dagegen eine wichtige Rolle

00:00:43 Der «Appell von Basel» wurde besonders in Ostdeutschland positiv aufgenommen

00:01:32 Beitrag von Birgit Kirkamm endet

00:01:40 (in frz. Sprache) Moderation – eine europäische Koordination ist nötig, aber schwierig

00:02:27 (in engl. Sprache) Beitrag von Michael Williams aus Schweden – Schweden kennt das Asyl für Kriegsdienstverweigerer, allerdings beschränkt sich dieses auf zwischenstaatliche Kriege, während Bürgerkriege davon ausgenommen sind

00:02:57 In denen letzten Jahren erhielten gerade mal sechs Personen dieses Asyl, niemand davon kam aus dem ehemaligen Jugoslawien

00:03:05 Schweden gewährt einen Aufenthalt aus humanitären Gründen

00:03:38 Schweden wartet die Entwicklungen im ehemaligen Jugoslawien ab und verzögert Entscheidungen

00:04:11 Das Asyl für Kriegsdienstverweigerer wird abhängig gemacht von der möglichen Verfolgung im Herkunftsland

00:05:21 Die meisten Deserteure erhalten in Schweden keinen Aufenthalt

00:05:55 Die Asylfrage ist verknüpft mit jener der nationalen Souveränität

00:06:23 Beispielfall: Ein Serbe, der sich geweigert hatte, einen gefangenen Kroaten zu erschiessen, und flüchtete – sein Fall wurde vom Europäischen Parlament diskutiert

00:07:57 Die schwedische Friedensbewegung nimmt sich unterdessen auch der Frage der Deportation von Kriegsdienstverweigerern an

00:08:18 Das gängige Argument gegen die Aufnahme von Kriegsdienstverweigerern lautet, man würde damit «ethnische Säuberungen» unterstützen – das ist ein Fehlschluss, denn wenn man sie zurückschickt, werden sie erneut vom Militär eingezogen

00:08:51 Weitere Ausführungen zum Beispielfall

00:09:33 Die Berichterstattung der Medien kann problematisch sein, denn die Familien von Kriegsdienstverweigerern sind in den Herkunftsländern Repressalien ausgesetzt

00:10:59 Wenn Schweden Kriegsdienstverweigerer deportiert, dann ist das ein Signal an andere Länder, dasselbe zu tun

00:11:16 Vor ein paar Wochen besuchte eine NGO-Delegation Kroatien und Bosnien, um zurückgewiesene Asylsuchende zu befragen

00:12:04 Es geht bei all diesen Fällen um eine grundsätzliche Frage, nämlich den Stellenwert der Menschenrechte in Europa

00:12:38 Beitrag von Williams endet

00:12:46 (in engl. Sprache) Frage: die ehemalige schwedischee Ministerin Anita Gradin ist neu EU-Kommissarin für Einwanderungsfragen, hat das Folgen?

00:13:20 (in engl. Sprache) Antwort Williams: Lässt sich zum Zeitpunkt noch nicht sagen

00:13:40 (in frz. Sprache) Moderation

00:14:33 (in frz. Sprache) Beitrag von Marc Sarasino aus Frankreich – Aktivitäten der Komitees des Bürgerforums in Frankreich, etwa die Öffentlichkeitsarbeit

00:14:57 Schreiben an den Aussenminister Alain Juppé und dessen Antwort

00:15:36 Parlamentarische Anfrage an den Innenminister Charles Pasqua und dessen Antwort

00:16:11 Die Zentralregierung beabsichtigt, Illegale, die man nicht deportieren kann, in Südfrankreich in Lagern zu internieren

00:16:42 Der Widerstand lokaler Gemeinden ist bei der Unterbringung und Legalisierung der Deserteure sehr wichtig

00:17:21 Die Solidarität mit den Deserteuren aus dem ehemaligen Jugoslawien wird fortbestehen, nötig wäre zudem die Aufnahme von Deserteuren aus anderen Ländern, insb. aus Algerien

00:18:42 Beitrag von Sarasino endet

00:18:53 (in frz. Sprache) Moderation – in einigen europäischen Ländern gab es parlamentarische Anfragen zur Lage der Deserteure, so in Frankreich, Spanien und Belgien

00:19:42 (in frz. Sprache) Beitrag von Joseph Benker aus Belgien

00:20:05 Deserteuren wird häufig das Asyl verweigert, sie werden in ihr Herkunftsland deportiert

00:20:21 Belgien hat Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien nur beschränkt Asyl gewährt, das Verfahren, um anerkannt zu werden, dauert sehr lange

00:20:46 Der Aufenthaltsstatus für Vertriebene wird etwas grosszügiger gewährt

00:21:05 Der Status eines politischen Flüchtlings erhielten nur Personen aus Bosnien-Herzegowina

00:21:20 Beschreibung des Verfahrens, dem sich Deserteure unterziehen müssen

00:22:13 In der Regel erhalten sie einen Ausreisebefehl, weil sie nicht den legalen Anforderungen entsprechen, um als Geflüchtete anerkannt zu werden

00:23:10 Benker hat mit dem zuständigen Minister gesprochen, der gesagt habe: Sicher werde man keine Deserteure zurückschicken, doch sei es schwierig, die richtigen von den falschen zu unterscheiden

00:24:15 NGOs und Komitees zur Verteidigung von Geflüchteten setzten sich für die Deserteure ein, ebenso spielen ältere Strukturen zur Unterstützung von geflüchteten Rumänier:innen eine Rolle

00:26:00 Beitrag von Benker endet

00:26:05 (in frz. Sprache) Moderation

00:26:55 (in frz. Sprache) Beitrag von Gotthard Klingler über die Rolle der Städte und Gemeinden, ihr Recht auf Aufnahme von Geflüchteten

00:27:32 Das Hauptproblem sind die Nationalregierungen, weil sie festlegen, wer aufgenommen wird

00:29:30 Beitrag von Klingler endet

00:29:37 (in frz. Sprache) Moderation – Hinweis auf eine Publikation über die Rolle der Gemeinden, die u.a. von Klingler verfasst wurde

00:30:26 Beitrag von Rudolf Brettmeister aus Deutschland – die Stadt München hat in den letzten Jahren versucht, Deserteure und Kriegsdienstverweigerer vor der Deportation zu bewahren

00:30:53 Je überzeugender die rechtliche Argumentation Münchens war, desto heftiger fiel die Repression in Bayern aus – vor kurzem hat München die Weisung erhalten, Deserteure ohne Einzelfallprüfung zu deportieren

00:31:28 Davon betroffen sind zunächst Kroaten, aber es werden auch Kosovo-Albaner dazukommen

00:32:31 In Deutschland ist eine öffentliche Diskussion über die Aufnahme von Deserteuren schwierig, weil die Ansicht vorherrscht, dass man Kriegsdienstverweigerung nicht fördern dürfe

00:34:41 Es ist nicht gelungen, ein Klima zu schaffen, dass die Münchner:innen stolz darauf sind, jenen zu helfen, die nicht bereit sind, in den Krieg zu ziehen

00:35:25 Die einzige Hoffnung, die uns in München noch bleibt, besteht darin, die Kirche als moralische Instanz auf unsere Seite zu ziehen

00:36:24 Wünschenswert wäre, dass Städte ihren Handlungsspielraum nutzen würden

00:36:56 Am 30. Nov. findet eine Innenministerkonferenz statt, an welcher die Stadt München zusammen mit dem UN-Hochkommissar für Flüchtlinge UNHCR ihre Position darstellen wird

00:38:20 Beitrag von Brettmeister endet

00:38:28 (in frz. Sprache) Moderation

00:39:21 Beitrag von Heinz Fracke aus Deutschland über die Situation in Erfurt

00:39:37 Der Umgang der Deutschen mit Geflüchteten ist beschämend, nötig ist, den besonderen Status der Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge anzuerkennen und diese aufzunehmen

00:40:14 Die Städte sollten vereint ein geeignetes Gesetz einfordern, das ein Bleiberecht vorsieht

00:40:36 Erfurt hat sich bereit erklärt, Kriegsflüchtlinge aufzunehmen, sich gegen die Deportation von Deserteuren ausgesprochen und sich dem «Basler Appell» angeschlossen

00:41:31 Das Kirchenasyl in Jena hat gezeigt, dass Teile der Bevölkerung und kirchliche Kreise die Deportation in Kriegsländern verhindern wollen

00:42:39 Beitrag von Fracke endet

00:42:49 (in frz. Sprache) Moderation

00:43:17 Beitrag von Wolfgang Richter aus Deutschland über die Situation in Rostock

00:43:50 Aufnahme bricht ab

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-055A
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