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Archiv Lindenmaier, 28.01.1987: Dankesrede zum Meschenrechtspreis des Europarates


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-053A
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract053 A) Verleihung des Menschrechtspreises des Europarates an den österreichischen Justizminister Christian Broda. Hier seine Dankesrede vor dem Europarat vom 28. Januar 1987. Broda schildert die Abschaffung der Todesstrafe.
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:00 Aufnahme setzt ein

00:03:35 Die 11. Konferenz der europäischen Justizminister entschloss im Juni 1978 in Kopenhagen, die Frage der Abschaffung der Todesstrafe im Arbeitsprogramm des Europarats zu behandeln

00:04:01 Broda freut sich, dass der ehem. westdeutsche Justizminister Hans-Jochen Vogel und der Schweizer Noch-Bundesrat Kurt Furgler anwesend sind - beide hatten an der 11. Justizministerkonferenz von 1978 teilgenommen

00:04:41 Bislang wurde das 6. Zusatzprotokoll zur Europäischen Menschenrechtskonvention ERMK über die Abschaffung der Todesstrafe von 15 Mitgliedsstaaten des Europarates unterzeichnet und von acht Staaten ratifiziert

00:05:21 Die Todesstrafe ist mit dem Grundgedanken der Demokratie unvereinbar

00:05:39 Verweis auf den frz. Justizminister Robert Badinter: Eine Justiz, die die Todesstrafe kennt, ist ein Fremdkörper im demokratischen System

00:06:10 Die Weltkonferenz gegen die Todesstrafe von Amnesty International im Dez. 1977 in Stockholm befand: Wer gegen die Folter ist, müsse auch für die Abschaffung der Todesstrafe sein

00:07:14 Verweis auf den österreichischen Juristen Roland Grassberger: Die Todesstrafe gehört abgeschafft, denn es ist die Geringschätzung des Menschenlebens, die zu Gewaltverbrechen führt

00:08:05 Broda plädiert in diesem Sinn für eine Deeskalation im Kampf gegen den «Terrorismus der Gegenwart»

00:08:35 Broda: Ich bin Zeitzeuge des Missbrauchs der Todesstrafe bei der Verfolgung und Vernichtung politischer Gegner:innen und Angehöriger von Minderheiten durch totalitäre Diktaturen

00:08:56 Hinrichtungen nach der Niederschlagung des österreichischen Februaraufstandes von 1934 - zwischen 1938 und 1945 sind an einem einzigen Wiener Gerichtshof 1184 Personen hingerichtet worden, darunter hunderte Antifaschist:innen

00:09:41 Wenige Stunden vor der Befreiung durch die Rote Armee wurden in einem Gefängnis vor Wien am 5.4.1945 387 politische Gefangene sowie vier Gefängnisbeamte von den Faschisten niedergemetzelt

00:10:39 Am 7.2.1968 wurde die Todesstrafe in Österreich abgeschafft

00:11:44 Appell an die Anwesenden: Alle Mitgliedsstaaten des Europarats sollen das 6. Zusatzprotokoll zur EMRK unterzeichnen und ratifizieren

00:12:05 Broda plädiert dafür, die Todesstrafe auch in Kriegszeiten zu verbieten

00:13:19 Amnesty International veröffentlicht jeden Monat eine Liste mit gefällten und vollstreckten Todesurteilen

00:15:00 Andrei Sacharow hat vor wenigen Tagen die Abschaffung der Todesstrafe in der SU gefordert

00:15:38 Das Ziel ist die weltweite Abschaffung der Todesstrafe

00:16:31 Broda äussert sich zur Lage von Geflüchteten und Arbeitsmigrant:innen aus Sicht der Menschenrechte

00:17:40 Der Europarat hat sich in den vergangenen Jahren für den Ausbau der Rechte der Geflüchteten und Ausländer:innen ausgesprochen, u.a. mit dem 7. Zusatzprotokoll zur EMRK vom Nov. 1984

00:18:32 Die Zeit ist reif für eine europäische Initiative zum Schutz der Menschenrechte der Geflüchteten und Ausländer:innen (insb. der Arbeitsmigrant:innen) - das Recht auf Asyl sollte in der EMRK verankert werden

00:19:18 Hinweis auf den Rechtsphilosophen René Marcic: Das Asylrecht ist die älteste Erscheinungsform der Menschenrechte

00:19:55 Es braucht die Garantie eines europäischen Mindeststandards für Geflüchtete und Ausländer:innen durch ein Zusatzprotokoll zur EMRK (Broda führt dessen wichtigste Punkte aus)

00:21:29 Im Mai 1986 hat der dritte Kongress des Europäischen Bürgerforums CEDRI in Le Mont eine Charta des demokratischen Europas für den Schutz der Menschenrechte der Geflüchteten und Arbeitsmigrant:innen verabschiedet

00:21:59 Im Okt. 1986 hat Heinz Vetter einen Entschliessungsantrag im Europäischen Parlament eingebracht, mit dem ein ähnliches Ziel verfolgt wird

00:22:37 Es darf nicht sein, dass die Gesellschaft in zwei Gruppen mit unterschiedlichen Rechten unterteilt wird, in Einheimische und Fremde

00:23:26 In der Diskriminierung der Minderheiten lebt der Faschismus fort – der Rassismus ist der Faschismus unserer Tage

00:25:02 Dankesrede von Broda endet, Applaus

00:25:09 Ende der Aufnahme

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-053A
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