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Archiv Lindenmaier: Reichtagsbrand-Prozess, 21. September bis 23. Dezember 1933 (historische Aufnahme ohne Bezug zum Schaffen von Christoph Lindenmaier)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-049A
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract049 A) Reichstagbrand 1933, Deutschland: historische Kontroverse über Urheber
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:00 Aufnahme setzt ein – O-Ton: Georgi Dimitroff: Am 27. Februar [1933] wurde der Befehl ausgegeben, sämtliche sozialdemokratischen und kommunistischen Parteiführer Berlins zu verhaften. Frage an Hermann Goering: Gab es eine Absprache zwischen ihm und Wolff-Heinrich von Helldorff?

00:01:20 Moderation: Reichstagsbrandprozess 21. September bis 23. Dezember 1933 in Leipzig. Der Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 als die bis dahin «grösste Provokation in der deutschen Geschichte». Sieben Monate nach dem Brand begann vor dem Leipziger Reichsgericht der Schauprozess gegen Dimitroff und Genossen

00:02:05 In den sieben Monaten nach dem Brand kam es zu einer starken Repression gegen die Arbeiter:innenbewegung. Die NSDAP war in einer Koalition mit der DNVP an die Macht gekommen und bereitete sich auf die nächsten Wahlen vor

00:02:47 Unmittelbar nach dem Reichstagsbrand setzte eine Verhaftungswelle ein. In der ersten Nacht wurden 10'000 kommunistische und sozialdemokratische Funktionäre und antifaschistische Intellektuelle von der SA verhaftet und verschleppt. Verhaftungen bis in den März hinein. Am 3. März 1933 wurde Ernst Thälmann verhaftet, am 3. März Georgi Dimitroff

00:03:19 Ab April war Dimitroff in Untersuchungshaft gefesselt, 150 Tagen an Händen und Füssen, ebenso die Mitangeklagten Wassil Tanew, Blagoi Popow und Marinus van der Lubbe. In der Haft bereitete Dimitroff seine Verteidigung vor

00:04:17 Der öffentliche Auftritt Dimitroffs vor dem Reichsgericht Leipzig beeindruckte

00:04:51 Dimitroff stand Goering gegenüber und fragte, wie es sein konnte, dass die Nazis eine grossangelegte Verhaftungsaktion durchführten (als der Reichstag noch brannte), obwohl Goering angeblich nichts davon gewusst hat

00:05:31 O-Ton: Goering: Er habe Helldorff angewiesen, alle zu verhaften

00:06:35 Dimitroff: Es gab eine Absprache zwischen Goering und Helldorff?

00:06:58 Goering: Das habe er bereits beantwortet

00:07:07 Moderation: Damit konnte Dimitroff zeigen, dass Helldorff gelogen hat, denn dieser hatte ausgesagt, die Verhaftungsaktion ohne Absprache mit Goering durchgeführt zu haben

00:07:33 O-Ton: Dimitroff: Am 28. Februar [1933] stand in der Zeitung eine Erklärung von Goering. Dort stand, bei seiner Verhaftung habe Van der Lubbe einen KPD-Parteiausweis auf sich getragen. Woher wusste das Goering?

00:08:35 Goering: Das habe ihm die Polizei mitgeteilt

00:09:28 Dimitroff: [unverständlich]

00:09:36 Moderation: Gerichtspräsident Wilhelm Bünger eilt Goering zu Hilfe, der immer unsicherer wirkt

00:09:56 O-Ton: Gerichtspräsident: Diese Frage wurde bereits beantwortet

00:10:21 Dimitroff: Drei an der Verhaftung und Vernehmung von Van der Lubbe beteiligte Polizeibeamte haben bezeugt, dass kein Parteiausweis gefunden wurde. Wie kommt das?

00:10:49 Goering: Das sei ihm so mitgeteilt worden. Es sei unerheblich, ob es stimmte, weil hier im Prozess ja festgestellt wurde, dass er keinen Parteiausweis auf sich getragen hat

00:11:52 Moderation: Goering musste zugeben, dass Van der Lubbe kein KPD-Mitglied war, auch wurde klar, dass die Polizei im Auftrag der Nazis den Brand der KPD in die Schuhe schieben wollten

00:12:20 O-Ton: Dimitroff: Was hat die Polizei unternommen zur Untersuchung der Wege von Van der Lubbe von Berlin nach Hennigsdorf und zur Auffindung der Komplizen?

00:14:03 Goering: Habe den Befehl gegeben, die Untersuchung mit grösster Geschwindigkeit und Genauigkeit vorzunehmen, und darauf hingewiesen, dass Van der Lubbe Komplizen hatte

00:15:03 Dimitroff: Nachdem sie als Innenminister die Erklärung abgegeben haben, dass die KPD hinter dem Brand steckt, wurde damit nicht die Untersuchung beeinflusst?

00:15:55 Goering: Er müsse als Politiker feststellen, ob es sich um ein politisches Verbrechen gehandelt hat, und es sei ein solches gewesen. Es sei klar, dass die KPD dahinter steckte

00:17:07 Bemerkung Gerichtspräsident

00:17:16.5 Dimitroff: Die Untersuchung der Polizei wurde beeinflusst [? unverständlich]

00:17:34 Goering: Wenn die Polizei sich hat beeinflussen lassen, dann hat sie in der richtigen Richtung gesucht

00:17:52 Gerichtspräsident: Dimitroff habe lediglich Fragen zu stellen

00:17:55 Moderation: Dimitroff fährt fort – die Rollen zwischen Ankläger und Angeklagtem werden umgekehrt

00:18:22 O-Ton Dimitroff: Weiss Goering, dass die kommunistische Partei einen Sechstel der Erde regiert, die Sowjetunion, zu der Deutschland diplomatische, politische und wirtschaftliche Beziehungen unterhält?

00:19:09 Goering: Ihn interessiere nur die KPD und die «ausländischen kommunistischen Gauner», die hierherkommen

00:19:26 Dimitroff: Es ist ihr Recht, die KPD zu bekämpfen, ich wiederum bin im Recht, die Nazi-Regierung zu bekämpfen

00:19:49 Gerichtspräsident: Ich untersage kommunistische Propaganda

00:20:05 Dimitroff: Die kommunistische Weltanschauung regiert die Sowjetunion, wussten die das?

00:20:50 Goering (schreit): Sie benehmen sich unverschämt, kommen hierher, zünden den Reichstag an und erlauben sich Frechheiten. Ich lasse mich nicht anklagen. Sie gehören an den Galgen

00:21:17 Gerichtspräsident an Dimitroff: Ich untersage kommunistische Propaganda

00:21:52 Gerichtspräsident an Dimitroff: Ich entziehe Ihnen das Wort

00:22:08 Dimitroff: Haben Sie Angst vor meinen Fragen? – Goering schreit – der Gerichtspräsident schreit

00:22:21 Moderation: Dimitroff wurde während der Haft und im Prozess schikaniert

00:22:27 O-Ton: Dimitroff: Ich verteidige mich alleine, habe keine Einsicht in die stenographischen Protokolle, werde benachteiligt

00:23:37 Gerichtspräsident: Hören Sie auf zu reden. Sie erhalten nur soweit Einsicht in die Protokolle wie es nötig ist

00:24:07 Dimitroff: Kann mich so nicht verteidigen [? unverständlich]

00:24:22 Moderation: Dimitroff setzte seine Verteidigung fort. Er vertrat in diesem Prozess die internationale kommunistische Bewegung. Theodor Neubauer unterstützte Dimitroff als Zeuge

00:25:39 Dimitroff: Frage [unverständlich]

00:26:50 Neubauer: Für die KPD war die politische Entwicklung davon abhängig, ob es gelingt, die Einheitsfront der Arbeiter:innen gegen die Nazis zu schaffen

00:27:51 Aufnahme endet

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-049A
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