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CEDRI, 19.04.1985, Rede des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky am CEDRI Kongress in Limans, Alpes de Haute Provence (Teil 4/4)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-046B
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract046 B) Vierter Teil der Rede des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky am 19.04 1985 am 2. CEDRI Kongress (Comité européen pour la défense des réfugiés et immigré:es) in Limans, Alpes de Haute Provence.
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:12 Aufnahme setzt ein (Fortsetzung der Antwort) - die Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte war falsch, sie hat am sichtbarsten dort zu einem Debakel geführt, wo sie in kapitalistisch-konservativer Manier betrieben wurde, eine Folge davon ist die Schuldenkrise.

00:01:10 Die Höhe der internationalen Verschuldung ist auf die Stärke des US-Dollars und auf steigende Zinsen zurückzuführen.

00:01:35 Es ist eine Heuchelei, zu behaupten, die Entwicklungsländer hätten das Geld schlecht angewendet, das man ihnen geborgt hat.

00:02:07 Der internationale Währungsfonds IWF vergibt Kredite, deren harte Bedingungen zur politischen Destabilisierung der kreditnehmenden Länder führt.

00:02:23 Der IWF verlangt, die Subventionen für Lebensmittel zu kürzen, das Brot der Armen wird teurer.

00:02:40 Die sonderbare Logik der kapitalistischen Welt, die nicht einsehen will, dass, wenn das Elend grösser wird, auch die Bereitschaft wächst, sich dagegen zu wehren.

00:03:02 Es gibt heute noch einen Kontinent, wo die Revolution auf der Tagesordnung steht: Lateinamerika.

00:04:00 Viele lateinamerikanische Länder haben eine grosse Armut sind jedoch reich an natürlichen Ressourcen - diesen Ländern zu helfen bedeutet, an einem ungerechten sozialen System mitzuwirken.

00:04:23 Ressourcenreiche Länder können den Hunger und die Armut nur durch die Revolution überwinden.

00:04:40 In diesen Ländern betreiben in- und ausländische Kapitalist:innen eine brutale ursprüngliche Akkumulation.

00:05:02 Nebenbemerkung Kreisky: Er beziehe sich viel auf Karl Marx, denn wieso selber nochmals die Mühe machen, wenn ein anderer schon vieles vorgedacht hat?

00:05:32 Es macht keinen Sinn, über Entwicklungshilfe in einem afrikanischen Land Fabriken zu finanzieren, wenn die einheimische Bevölkerung nicht zugleich ausgebildet wird.

00:06:09 Millionen an Entwicklungshilfe wurden verschwendet.

00:06:30 Entwicklungshilfe sollte zum Aufbau der lokalen Infrastruktur verwendet werden, damit die afrikanischen Staaten ihre Ressourcen selber nützen können.

00:07:30 Beispiel: Eine Eisenbahnlinie in Westafrika, die nicht ausgebaut wird.

00:08:19 Beispiel: Die USA und andere Länder wollen in Mosambik lieber teure LKWs verkaufen, anstatt die billigere Eisenbahn für Kohlentransporte zu fördern.

00:08:47 Vorschlag von Kreisky: Die Industrieländer sollen jährlich 10 % ihrer Mittel für Rüstungsausgaben stattdessen für den Aufbau der Infrastruktur in der Dritten Welt aufwenden.

00:09:51 Libyen hat eine erfolgreiche Bewässerungsinfrastruktur aufgebaut.

00:10:18 Kreisky unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Muammar al-Gaddafi und hat im lybisch-tschadischen Grenzkrieg zwischen Libyen und Frankreich vermittelt.

00:11:14 Die französischen Medien kolportieren die Sichtweise der französischen und US-amerikanischen Geheimdienste in dieser Frage.

00:12:50 Als Kreisky seine Position auf dem Kongress der United Nations Industrial Development Organization UNIDO 1978 in Neu-Delhi vortrug, wurde er abgestraft.

00:13:50 Der diplomatische Dialog ist wichtig, denn auf die Medien kann man sich nicht verlassen, die stellen Gaddafi als geisteskrank dar.

00:14:32 Kreisky erzählt von seinen diplomatischen Reisen: Die besten Fluggesellschaften seien die asiatischen - ein Beispiel dafür, dass die Schwellenländer wirtschaftliche und organisatorische Fortschritte machen.

00:16:23 Dagegen nimmt im reichsten Land der Welt, der USA, der Bildungsstand ab.

00:17:41 Der «alte» Sozialismus möchte die Bildung ausweiten.

00:17:53 Der Neokonservativismus möchte die Bildung auf eine Elite beschränken, das ist sein Klassenstandpunkt, deutlich wird das in den USA und in Britannien.

00:18:27 Auch Konservative erkennen, dass die hergebrachte Entwicklungspolitik gescheitert ist.

00:18:41 Kreiskys Standpunkt zur Schuldenkrise: Wenn man von einem Gläubiger Schulden aufgezwungen bekommt, dann liegt das Risiko beim Gläubiger - er plädiert für die Entschuldung.

00:19:41 Antwort Kreisky endet – Applaus.

00:19:48 Ergänzung Kreisky: Auch Argentinien und Peru fordern die Entschuldung.

00:20:34 Es braucht die Entschuldung zahlungsunfähiger Länder, sonst droht weltweit eine krisenhafte Entwicklung.

00:21:39 Bemerkungen zur Zins- und Steuerpolitik der deutschen Banken.

00:23:41 Es gibt ein Umdenken, was die internationale Verschuldung und die Entwicklungspolitik betrifft.

00:24:39 Kreisky erwähnt (und bestreitet) die linke Kritik an seinen Vorschlägen, dass er die Abhängigkeit afrikanischer Länder verewigen wolle.

00:25:24 Ergänzung Kreisky endet – Applaus.

00:25:45 (in frz. Sprache) Bemerkung aus dem Publikum: Selbstbestimmung für die Länder Lateinamerikas, damit sie ihre Bevölkerung ernähren können, denn man kann weder US-Dollars noch Öl essen.

00:26:48 Bemerkung aus dem Publikum (Eberhard Schulz aus BRD) zur rassistischen Asylpolitik, zum Zusammenhang zwischen der Xenophobie und der industriellen Reservearmee, zur Lage türkischer Migrant:innen in Westdeutschland nach dem Militärputsch in der Türkei, und zum Versuch, die Trennung zwischen den Kategorien «politischer Flüchtling» und «Wirtschaftsflüchtling» aufzuheben.

00:30:14 Aufnahme bricht ab.

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-046B
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