00:00:12 Aufnahme setzt ein (Fortsetzung der Antwort) - die Entwicklungshilfe der letzten Jahrzehnte war falsch, sie hat am sichtbarsten dort zu einem Debakel geführt, wo sie in kapitalistisch-konservativer Manier betrieben wurde, eine Folge davon ist die Schuldenkrise.
00:01:10 Die Höhe der internationalen Verschuldung ist auf die Stärke des US-Dollars und auf steigende Zinsen zurückzuführen.
00:01:35 Es ist eine Heuchelei, zu behaupten, die Entwicklungsländer hätten das Geld schlecht angewendet, das man ihnen geborgt hat.
00:02:07 Der internationale Währungsfonds IWF vergibt Kredite, deren harte Bedingungen zur politischen Destabilisierung der kreditnehmenden Länder führt.
00:02:23 Der IWF verlangt, die Subventionen für Lebensmittel zu kürzen, das Brot der Armen wird teurer.
00:02:40 Die sonderbare Logik der kapitalistischen Welt, die nicht einsehen will, dass, wenn das Elend grösser wird, auch die Bereitschaft wächst, sich dagegen zu wehren.
00:03:02 Es gibt heute noch einen Kontinent, wo die Revolution auf der Tagesordnung steht: Lateinamerika.
00:04:00 Viele lateinamerikanische Länder haben eine grosse Armut sind jedoch reich an natürlichen Ressourcen - diesen Ländern zu helfen bedeutet, an einem ungerechten sozialen System mitzuwirken.
00:04:23 Ressourcenreiche Länder können den Hunger und die Armut nur durch die Revolution überwinden.
00:04:40 In diesen Ländern betreiben in- und ausländische Kapitalist:innen eine brutale ursprüngliche Akkumulation.
00:05:02 Nebenbemerkung Kreisky: Er beziehe sich viel auf Karl Marx, denn wieso selber nochmals die Mühe machen, wenn ein anderer schon vieles vorgedacht hat?
00:05:32 Es macht keinen Sinn, über Entwicklungshilfe in einem afrikanischen Land Fabriken zu finanzieren, wenn die einheimische Bevölkerung nicht zugleich ausgebildet wird.
00:06:09 Millionen an Entwicklungshilfe wurden verschwendet.
00:06:30 Entwicklungshilfe sollte zum Aufbau der lokalen Infrastruktur verwendet werden, damit die afrikanischen Staaten ihre Ressourcen selber nützen können.
00:07:30 Beispiel: Eine Eisenbahnlinie in Westafrika, die nicht ausgebaut wird.
00:08:19 Beispiel: Die USA und andere Länder wollen in Mosambik lieber teure LKWs verkaufen, anstatt die billigere Eisenbahn für Kohlentransporte zu fördern.
00:08:47 Vorschlag von Kreisky: Die Industrieländer sollen jährlich 10 % ihrer Mittel für Rüstungsausgaben stattdessen für den Aufbau der Infrastruktur in der Dritten Welt aufwenden.
00:09:51 Libyen hat eine erfolgreiche Bewässerungsinfrastruktur aufgebaut.
00:10:18 Kreisky unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Muammar al-Gaddafi und hat im lybisch-tschadischen Grenzkrieg zwischen Libyen und Frankreich vermittelt.
00:11:14 Die französischen Medien kolportieren die Sichtweise der französischen und US-amerikanischen Geheimdienste in dieser Frage.
00:12:50 Als Kreisky seine Position auf dem Kongress der United Nations Industrial Development Organization UNIDO 1978 in Neu-Delhi vortrug, wurde er abgestraft.
00:13:50 Der diplomatische Dialog ist wichtig, denn auf die Medien kann man sich nicht verlassen, die stellen Gaddafi als geisteskrank dar.
00:14:32 Kreisky erzählt von seinen diplomatischen Reisen: Die besten Fluggesellschaften seien die asiatischen - ein Beispiel dafür, dass die Schwellenländer wirtschaftliche und organisatorische Fortschritte machen.
00:16:23 Dagegen nimmt im reichsten Land der Welt, der USA, der Bildungsstand ab.
00:17:41 Der «alte» Sozialismus möchte die Bildung ausweiten.
00:17:53 Der Neokonservativismus möchte die Bildung auf eine Elite beschränken, das ist sein Klassenstandpunkt, deutlich wird das in den USA und in Britannien.
00:18:27 Auch Konservative erkennen, dass die hergebrachte Entwicklungspolitik gescheitert ist.
00:18:41 Kreiskys Standpunkt zur Schuldenkrise: Wenn man von einem Gläubiger Schulden aufgezwungen bekommt, dann liegt das Risiko beim Gläubiger - er plädiert für die Entschuldung.
00:19:41 Antwort Kreisky endet – Applaus.
00:19:48 Ergänzung Kreisky: Auch Argentinien und Peru fordern die Entschuldung.
00:20:34 Es braucht die Entschuldung zahlungsunfähiger Länder, sonst droht weltweit eine krisenhafte Entwicklung.
00:21:39 Bemerkungen zur Zins- und Steuerpolitik der deutschen Banken.
00:23:41 Es gibt ein Umdenken, was die internationale Verschuldung und die Entwicklungspolitik betrifft.
00:24:39 Kreisky erwähnt (und bestreitet) die linke Kritik an seinen Vorschlägen, dass er die Abhängigkeit afrikanischer Länder verewigen wolle.
00:25:24 Ergänzung Kreisky endet – Applaus.
00:25:45 (in frz. Sprache) Bemerkung aus dem Publikum: Selbstbestimmung für die Länder Lateinamerikas, damit sie ihre Bevölkerung ernähren können, denn man kann weder US-Dollars noch Öl essen.
00:26:48 Bemerkung aus dem Publikum (Eberhard Schulz aus BRD) zur rassistischen Asylpolitik, zum Zusammenhang zwischen der Xenophobie und der industriellen Reservearmee, zur Lage türkischer Migrant:innen in Westdeutschland nach dem Militärputsch in der Türkei, und zum Versuch, die Trennung zwischen den Kategorien «politischer Flüchtling» und «Wirtschaftsflüchtling» aufzuheben.
00:30:14 Aufnahme bricht ab.