00:00:08 Aufnahme setzt ein - die Gewerkschaften müssen eine antirassistische Erziehungsarbeit leisten.
00:00:29 Die Erkenntnisse des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB und seiner Partnerorganisationen sind diesbezüglich vorbildhaft.
00:00:51 Die Ausländerpolitik des DGB trifft auf die Zustimmung der Kirchen.
00:01:04 Neben den Kirchen sind Intellektuelle, Wissenschafter:innen und Liberale weitere Bündnispartner des DGB - dieses Bündnis gilt es auszubauen.
00:01:30 In den Betrieben vertreten Gewerkschafter:innen oft eine andere Positionen als der DGB: Hier ist antirassistische Erziehungsarbeit zu leisten.
00:01:49 Man muss die Lage und die soziale Stellung der ausländischen Arbeiter:innen erklären.
00:02:06 Man muss erklären, dass die von der Rechten geforderte Abwanderung der ausländischen Arbeiter:innen negative Folgen hat: Leistungsverdichtung, unerwünschte betriebliche Umstrukturierungen, schlechtere Arbeitsbedingungen, weniger Möglichkeiten eines vorzeitigen Rentenantritts, eine schwindende gewerkschaftliche Kampfkraft.
00:02:35 Eine weitere Folge der Abwanderung der ausländischen Arbeiter:innen ist die stärkere Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz.
00:02:57 Kreisky ist seit 57 Jahren aktiv in der Arbeiter:innenbewegung.
00:03:14 Die Aufklärungsarbeit der Gewerkschaften ist sehr wichtig.
00:03:51 Die Medien haben uns nicht klüger gemacht - viele Zeitungen, die wir lesen, widersprechen unseren Interessen, und wir bezahlen auch noch dafür.
00:04:18 In den europäischen Industriestaaten, so Kreisky, gibt es zu wenig Nachwuchs (wenn das auch eine Privatsache ist).
00:04:45 Man soll ausländischen Arbeiter:innen die Einbürgerung erleichtern.
00:05:06 In Österreich kann man sich nach vier Jahren einbürgern lassen und die Gesellschaft hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht.
00:06:04 Kreisky ging jedes Jahr mit zwanzig Kindern auf den Wiener Prater (ein Versprechen, dass er einst in einer Rede abgegeben hatte), darunter Kinder aus türkischen und jugoslawischen Familien.
00:06:36 Die Kinder ausländischer Familien sind für Kreisky ein Segen für die österreichische Gesellschaft.
00:06:51 In Österreich ist es also möglich gewesen, ein gutes Einbürgerungsgesetz zu machen.
00:07:22 Man muss die Xenophobie bekämpfen, so wie man die Arbeiter:innen dafür gewonnen hat, in die Gewerkschaften einzutreten.
00:07:38 Man muss die Xenophobie bekämpfen, weil die Arbeiter:innenbewegung internationalistisch ist.
00:07:51 Man muss die Berührungsängste überwinden und verhindern, dass sich ein Überlegenheitsgefühl gegenüber den Ausländer:innen herausbildet.
00:08:11 Die Xenophobie ist ihrem Wesen nach der Antisemitismus unserer Zeit.
00:08:25 Nebenbemerkung: Die tatsächliche Zahl der Jüdinnen und Juden ist für den Antisemitismus irrelevant.
00:08:45 Dass in Österreich unter Arbeiter:innen etwas weniger Xenophobie herrscht als anderswo, hat seinen Grund in einer Wirtschaftspolitik, welche die Folgen von Krisen abzumildern versuchte.
00:10:15 Es gibt ebenso einen historischen Grund: Österreich war früher ein Vielvölkerstaat, der allerdings am Unverstand der Herrschenden scheiterte, die auf Krieg setzten.
00:11:40 Kreisky war Ende der 1930er-Jahren ein doppelter Flüchtling: 1. wegen seiner politischen Tätigkeit und 2. wegen seiner jüdischen Herkunft.
00:12:45 Die Gestapo zwang Kreisky zur Ausreise aus Österreich.
00:13:39 Die ehemaligen Regierungschefs Willy Brandt, Andreas Papandreou und Bruno Kreisky waren alles Flüchtlinge, die in Gastländern aufgenommen wurden.
00:14:36 Schlusswort: Das Gleichheitsprinzip erfordert, dass auch jene aufgenommen werden, die nicht prominente Politiker:innen sind.
00:14:56 Kreiskys Rede endet – Applaus.
00:15:47 (in frz. Sprache) Dank an Kreisky.
00:16:47 (in frz. Sprache) Bemerkung aus dem Publikum: Viele hier waren selber Flüchtlinge, sind es oder werden es vielleicht sein.
00:17:58 (in frz. Sprache) Begrüssung einer Delegation des Europäischen Parlaments (Untersuchungskommission zum Aufkommen von Rassismus und Xenophobie in Westeuropa).
00:18:47 (in frz. Sprache) Begrüssung eines Funktionärs des österreichischen Sozialministeriums.
00:19:03 (in frz. Sprache) Frage aus dem Publikum an Kreisky: Welche Haltung vertritt er bezüglich der Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung?
00:20:21 (in frz. Sprache) Anmerkung Kreisky.
00:20:51 Antwort Kreisky: Die Arbeitszeitverkürzung ist notwendig, doch bleibt ihre konkrete Umsetzung offen.
00:21:13 Ein Teil des Profits der Kapitalist:innen geht auf die Mehrarbeit der Beschäftigten zurück.
00:22:10 Ein anderer Teil des Profits geht auf die Schnelligkeit von Unternehmen zurück, sich an technologischen Veränderungen anzupassen.
00:22:32 Ein weiterer Teil des Profits geht auf den Protektionismus zurück.
00:22:50 Es ist das Recht der Beschäftigten, die Mehrarbeit zu reduzieren - jeder Kampf um kürzere Arbeitszeit ist gerechtfertigt.
00:23:18 Doch: Wie viele neue Arbeitsplätze entstehen durch die Verkürzung der Arbeitszeit?
00:23:32 In der Industrie werden kaum neue Arbeitsplätze geschaffen, denn hier ist die Arbeitszeitverkürzung eine Folge der Steigerung der Arbeitsproduktivität.
00:24:22 Haltung des österreichischen Sozialministeriums: Die drohende Arbeitslosigkeit muss durch eine Arbeitszeitverkürzung im öffentlichen Dienst verhindert werden.
00:25:09 Die Arbeitszeitverkürzung darf aber weder durch Überarbeit kompensiert werden, noch darf sie zur Verschlechterung der Dienstleistung (etwa in der Pflege) führen.
00:26:40 Die Frage der Arbeitszeitverkürzung wird hoffentlich auch in der Schweiz zum Thema werden, wo man im Vergleich zu Westeuropa viel länger arbeitet.
00:26:49 Die direkte Demokratie der Schweiz hat auch reaktionäre Züge.
00:27:02 Antwort Kreisky endet – Applaus.
00:27:14 (in frz. Sprache) nächster Fragesteller wird vorgestellt: ein chilenischer Flüchtling.
00:27:52 (in frz. Sprache) Frage aus dem Publikum an Kreisky: Welche Haltung vertritt er zum Nord-Süd-Dialog und zu den Kämpfen in Lateinamerika?
00:30:35 (in frz. Sprache) Antwort Kreisky: Er beschäftigt sich mit dieser Frage seit drei Jahrzehnten.
00:31:01 Aufnahme setzt aus.