00:00:10 Emil Carlebach (EC): Die Juden wurden in der Baracke eingeschlossen, jeder musste an eine Auslandsadresse einen vorformulierten Text schreiben, weil es in der ausländischen Presse Kritik an Deutschland gab.
00:00:52 In der Isolation veranstalteten die Gefangenen politische Seminare.
00:01:14 Tabak musste in die isolierte Baracke geschmuggelt werden – als der Schmuggel aufflog, wurden zwei Gefangene von der Schutzstaffel SS ausgepeitscht
00:03:03 Details zur Auspeitschung.
00:04:58 Die SS betrieb mit Lebensmittel im Lager einen lukrativen Handel.
00:05:33 Die Gefangenen organisierten eine gemeinsame solidarische Wohlfahrtskasse für jene, die kein Geld hatten, um sich Lebensmittel zu kaufen.
00:06:03 Ein Gefangener weigerte sich, in die Kasse einzuzahlen, und wurde darauf verdonnert, die Schuhe von 200 Gefangenen zu putzen – er ging zur SS und denunzierte die politischen Gefangenen.
00:06:47 Einige Gefangene kamen deshalb in Isolationshaft, wurden verhört und Heinz Eschen ermordet.
00:07:01 Der bekannte Rechtsanwalt und Gefangene Hans Litten wurde ebenfalls verhört.
00:07:17 Nach der Ermordung von Eschen und den Vernehmungen inszenierte die SS eine Urteilsverkündung, Litten gehörte zu denen, die ausgepeitscht werden sollten.
00:07:50 Litten beging deswegen Selbstmord.
00:08:12 Der Selbstmord von Litten führte zu diplomatische Verstimmungen mit Britannien, weil dessen Mutter Irmgard Litten dort eine erfolgreiche Freilassungskampagne am Laufen hatte.
00:09:03 Lagerführer Hermann Baranowski führte Verhöre stets in Gala-Uniform – Baranowski vernahm auch EC, der in die Kiesgrube strafversetzt wurde, was einem Todesurteil gleichkam.
00:10:16 EC kam dank der Intervention seiner Mitgefangenen wieder aus der Kiesgrube.
00:10:38 Anstelle des ermordeten Eschen wurde der Sozialdemokrat [Karl?] Kapp, ein Freund des ebenfalls inhaftierten Kurt Schumacher, dem Judenblock als Blockältester zugeteilt, «ein Denunziant, ein Schläger, ein Räuber».
00:11:19 Zwischenfrage: Kurt Schumacher, der spätere Präsident der SPD?
00:11:25 EC: Schumachers Verhalten in Dachau zeigte, dass er nicht geeignet war, eine Arbeiter:innenpartei zu leiten.
00:12:19 Im März 1938 marschierte die Wehrmacht in Österreich ein, die Gestapo verhaftete Tausende, die nach Dachau kamen.
00:13:00 Da der «Anschluss» Österreichs noch nicht vollzogen war, besassen die österreichischen Gefangenen einen Sonderstatus.
00:13:47 Die österreichischen Gefangenen, viele davon Bürgerliche und Austrofaschisten, versuchten mit Bittschriften zu erreichen, freigelassen zu werden.
00:14:60 Die Gefangenenpost wurde von der SS zensiert – Beschreibung, wer alles (aufgrund des Bestrafungssystems) einen Brief mitlas.
00:16:06 EC imitiert die Postausgabe durch die SS.
00:16:46 Heinrich Himmler besichtigte 1938 Dachau und unterhält sich vor den angetretenen Gefangenen mit einem Austrofaschisten.
00:17:50 Zwischenfrage: Alle Gefangenen mussten antreten?
00:18:04 EC: Ja. Der Austrofaschist beklagt sich folgenlos.
00:18:34 Am 21. September 1938 mussten 1000 Juden antreten und wurden nach Buchenwald deportiert, am nächsten Tag dasselbe nochmals – EC war unter dem Transport vom 22. September.
00:19:11 Ein Sonderzug nach Buchenwald, noch nicht in Güterwagen, in jedem Abteil SS-Leute, die während der ganzen Zeit die Gefangenen quälten.
00:20:00 Das ständige Gebrüll ist manchmal schlimmer als Prügel, jahrelang wurde man ständig angebrüllt.
00:20:16 Ankunft in Weimar. Der Sozialdemokrat Ernst Heilmann wehrte sich verbal gegen die erniedrigende Behandlung durch die SS und wurde geschlagen.
00:22:23 Die Illusion der sozialdemokratischen Funktionäre der Arbeiter:innenbewegung, auch Faschisten hätten eine menschliche Seite.
00:22:39 Abtransport in Lastwagen ins Konzentrationslager Buchenwald, über dem Tor stand: «Recht oder Unrecht – mein Vaterland».
00:23:16 Antreten auf dem Appellplatz und Aufnahme der Personalien.
00:23:52 In Buchenwald gab es, anders als in Dachau, eine Widerstandsorganisation.
00:25:03 Buchenwald war viel schlimmer als das Dachau der Vorkriegszeit, wo man gequält wurde, aber nicht gleich ermordet.
00:25:55 Details zur Verpflegung in Dachau.
00:26:57 Alleine im Februar 1945 wurden in Buchenwald 5400 Gefangene ermordet.
00:27:12 In Buchenwald gab es 1938 kein Wasser, keine sanitären Anlagen, fast keine Baracken, man schlief auf dem Boden, es gab 5 Essnäpfe für 400 Gefangene, grauenhafte Zustände.
00:28:10 Vor 1938 gab es in Buchenwald keine Juden. Auf Befehl des KZ-Kommandanten Karl Koch wurden Juden zu Schwerstarbeiten im Freien herangezogen, zeitweise wurden Juden nicht medizinisch versorgt.
00:28:57 Möglichst schikanöse Zwangsarbeit im Steinbruch und Strassenbau, um die Gefangenen zu quälen.