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CEDRI, 01.08.1986: Gespräch mit Emil Carlebach, Schriftsteller und Journalist, 1945 bis 1947 Chefredaktor und Co-Herausgeber der Frankfurter Rundschau, (Teil 3/6)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-040A
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract040A) Fortsetzung des Gesprächs mit Emil Carlebach, 01.08.1986, Thema: EC beschreibt Verhöre, Verrat, von Dachau nach Buchenwald. (Gesprächsteilnehmende: Emil Carlebach, Hannes Lämmler, Nicholas Busch und zahlreiche junge Menschen. Ort: Im Schatten eines kleinen Wäldchens in der Kooperative von LONGOMAI in der Provence)
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Personen
  1. Carlebach, Emil (1914-2001)
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:11 Aufnahme setzt ein – Emil Carlebach (EC): Der Gestapo-Kommissar Rühlemann war ein Vollidiot, der hatte keine Ahnung von der Illegalität. EC trug erfundene Adressen auf sich, die er unter der Folter als kommunistische Spitzenfunktionäre angeben wollte.

00:02:09 Nach zwanzig Minuten war das Verhör vorüber, jetzt kamen die anderen dran.

00:02:37 Zwischenfrage: Die Idee mit den falschen Adressen, wurdet ihr darin geschult?

00:02:50 Keine Ahnung mehr, es gab die Vorbereitung auf die Illegalität, aber es ging dabei weniger darum, wie man mit Folter umgeht.

00:03:43 Nach dem ersten Verhör kam die Angst, EC entschloss sich, auszusagen und wollte sich danach aufhängen.

00:05:00 In der Nacht kamen sie in die Zelle und brachten ihn zum Verhör, in dem Moment war die Angst verflogen, es blieb nur noch die Wut.

00:06:28 Unten im Parterre war eine Besucherzelle als Gestapo-Verhörraum ausgebaut worden.

00:07:39 EC erkläre Rühlemann, dass er nur von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends verhört werden möchte, jetzt sei es aber bereits Mitternacht – worauf man ihn hinauswarf.

00:09:46 Nach vier Tagen in der Zelle erneut ein Verhör, vorher hat ein Kalfaktor EC mitgeteilt, dass der Verräter bereits wieder entlassen wurde.

00:11:19 Nacherzählung des Verhörs.

00:13:10 Aussagen anderer Verhafteter.

00:14:02 Kommissar Rühlemann war gar kein Kriminalist, sondern ein Zollbeamter, den die Nazis in die Gestapo übernommen haben.

00:14:22 Fortsetzung der Nacherzählung des Verhörs.

00:16:00 Das Verhörprotokoll hat EC nicht unterschrieben. Dann gings wieder auf die Zelle.

00:16:23 Gegenüberstellung mit dem Verräter, der EC belastete.

00:16:54 Kommissar Rühlemann wollte bloss die einzelnen Verhafteten ins Gefängnis, er vergass, die organisatorischen Verbindungen aufzudecken.

00:17:20 Am Prozess 1934 wurde EC zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

00:18:15 Justiz: Die deutsche Richterschaft ist mehrheitlich zu den Nazis übergelaufen.

00:19:38 Der Verräter trat in SS-Uniform als Zeuge auf, EC versucht, ihn vor Gericht zu demaskieren und wird daran vom Richter gehindert.

00:20:20 1947 schildert EC diese Szene vor der Spruchkammer.

00:20:42 Urteil: die Höchststrafe von drei Jahren, aber nicht Zuchthaus, sondern Gefängnis.

00:21:33 Urteile der anderen Angeklagten, die nach Abbüssen der Strafe sich nach Frankreich absetzen konnten, wobei einer dort ermordet wurde.

00:22:24 Gefängnisse, in denen EC sass.

00:22:56 In der Zeit um den Januar 1937, als seine Strafe zu Ende ging, wurden alle jüdischen Häftlinge nach Dachau deportiert. Auch EC sollte nach Dachau kommen, wo er bis 1938 sass.

00:23:33 Im September 1938 wurde er mit 1000 weiteren Häftlingen nach Buchenwald deportiert, wo er bis zum Aufstand vom April 1945 blieb.

00:23:47 «Das war zweifellos die wichtigste Schule meines Lebens.» Die Jahre in Dachau und Buchenwald waren die entscheidenden Jahre in ECs Leben.

00:24:16 Zwischenfrage: Wie sind Informationen ins Gefängnis hineingekommen?

00:24:25 Informationen kamen über neue Häftlinge rein. EC sass bis auf die letzten drei Monate die ganze Zeit in Isolationshaft.

00:24:54 Eine Zeitlang sass in der angrenzenden Zelle Walter Krämer, Bezirksleiter von Hannover, Hinweise zu seiner Biographie.

00:25:33 Hinweise zur Roten Ruhrarmee.

00:26:37 Fortsetzung von Krämers Biographie.

00:27:05 Der Kalfaktor war im Rotfrontkämpferbunds, über den Krämer Kassiber an die illegale Bezirksleitung Hannover schieben konnte, seine Flucht wurde vorbereitet.

00:27:44 EC wurde in den Fluchtplan von Krämer miteinbezogen.

00:28:48 Der Fluchtplan flog auf, weil ein Kassiber erwischt wurde.

00:29:22 EC wurde in andere Gefängnisse verlegt.

00:29:57 EC wusste, dass er als vorbestrafter jüdischer Kommunist in ein Konzentrationslager kommen würde, und versuchte, sich darauf vorzubereiten.

00:30:59 Aufnahme bricht ab.

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-040A
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