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Radio LoRa Sonntagsgipfel, 20.12.1987: Wohin treibt Jugoslawien? (Teil 1/2)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1063-028A
BestandF_1063 Nachlass Christoph Lindenmaier (1953-2009) [TON]
Bestandesbeschrieb

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen, Unikate (respektive Originalaufnahmen) und kommerzielle vertriebene Musikaufnahmen, die im Rahmen von Solidaritätskampagnen des Comité européen pour la défense des réfugiés et immigrés (C.E.D.R.I), der Fédération européenne des radios libres (FERL) und der Anti-Apartheid Kampagne von Radio LoRa frei zur Verfügung gestellt wurden. 2022 schenkte die Witwe Kathi-Hahn-Lindenmaier den Nachlass von Christoph Lindenmaier dem Schweizerischen Sozialarchiv. Im gleichen Jahr lancierte Hannes Lämmler, langjähriger Freund und Zeitzeuge, ein Memoriavprojekt für die Erhaltung und Erschliessung der Audios mit dem offiziellen Titel "Christoph Lindenmaier, Radio Pirat aus Leidenschaft: Alternative Medienprojekte und internationale Solidarität, Demokratie und Medien im Übergang von analog zu digital". Lämmler sorgte für die Erschliessung der Aufnahmen. Das Nachlassprojekt begleiteten ausserdem Thomas und Brigitte Busch-Windhab, Klaus Hinkeldein und Helmut Peissl.

Christoph Lindenmaier (1953-2009) war ein Schweizer Radiopionier. Er hinterlässt wichtige Dokumente (Audios, Photos, schriftliche Unterlagen) zur Geschichte der schweizerischen und europäischen Community Medien. Der Bestand enthält Radiosendungen,… — mehr...

Abstract028 A) LoRa Sonntagsgipfel, 20. Dezember 1987, Thema: Wohin treibt Jugoslawien? Moderation: Nicholas Busch, Gäste: Dr. Paul Parin, Thomas und Brigitte Busch-Windhab, erster Teil
Urheber
  1. Radio LoRa, Zürich
Objektträger
  1. Kompaktkassette
Detailinformation

00:00:00 Musik

00:00:43 Ansage

00:02:00 Musik

00:02:44 Übersicht zur Sendung, Vorstellung von Jugoslawien, Hinweis auf das Einspielen eines aufgezeichneten Gespräches mit einem Mitarbeiter des marxistischen Institutes in Ljubliana (Slowenien) Lev Kreft

00:05:09 Musik

00:07:16 Paul Parin, 1916 geboren in Österreich. 1918 entsteht Jugoslawien. Postkoloniale Situation, Kolonie der österreichisch-ungarischen Monarchie und Kolonie des osmanischen Reiches. Zunächst als Monarchie von 1918 bis 1941, ein Vielvölkerstaat, panslawistisches Bewusstsein, Demontage der austro-ungarischen Monarchie, Diktat der Westmächte, Serbische Hegemonie, Freundschaftspakt Deutschland zu Beginn des zweiten WK, als Deutschland gegen Osten zog, militärische Zangenbewegung über den Norden und im Süden über den Balkan, Bombardierung Belgrads, Deutsche richteten in Kroatien nationales Reich (Ustascha-Reich) ein, die Repression der deutschen Besatzung löste an verschiedenen Orten Bauernrevolten und Aufstände aus. Zur Rolle von Tito: Er war in der KP-Parteischule und Parteisekretär der damaligen KP. Guerillakrieg: 1943 anerkennen die Allierten und die UdSSR diesen Widerstand. Paul Parin ist ab Oktober 1944 mit anderen Ärzten als Militärchirurg in Jugoslawien im Einsatz

00:26:27 Musik

00:28:17 Brigitte Busch stellt gemischtsprachigen Chor vor. Paul Parin zur Zeit nach dem Krieg 1945, die Rolle der UdSSR Stalins, Tito mit der KP geht 1948 eigenen Weg, 1956 neue Verfassung und Einführung der Selbstverwaltung in der Wirtschaft

00:33:43 Thomas Busch: Jugoslawien, das vom Westen und nun auch den östlichen Nachbarn gemieden wird, reagiert mit einer Öffnung nach innen und aussen. Tito beteiligt das Land in der Bewegung der Blockfreien (Konferenz von Bandung)

00:36:41 Paul Parin: Die Struktur des Befreiungskampfes war föderalistisch mit vier oder fünf Entscheidungszentren, die im Widerspruch zu den stalinistischen Gepflogenheiten der KP waren. Die Partei hat keine föderalistischen Strukturen und Entscheidungsgremien im Sinn gehabt. Tito, der ein wesentlicher Protagonist der Blockfreien-Bewegung war, fand darin einen sowohl aussenpolitisch wie innenpolitisch gangbaren Weg

00:38:06 Nicholas Busch: War es das Genie Titos, sich nicht an ideologische Konzepte zu klammern?

00:38:34 Parin beschreibt das Geschick und die Rolle Titos

00:39:50 Brigitte Busch: In den Jahren nach 1945 war Jugoslawien noch ein agrarisches Land, dessen Strukturen einer schnellen Industrialisierung nicht förderlich waren. Verschiedene Formen der Selbstverwaltung wurden ausprobiert, ein Entwicklungsland, das industrielle Rückschläge und Erfolge und Strukturen und Spannungen auch heute kennt, die aber offen und öffentlich diskutiert werden. Z.B. Politisches Picknik in Slowenien, viele Versammlungen mit bis zu 500 TeilnehmerInnen zur Frage, wie der Selbstverwaltung neue Impulse gegeben werden können

00:42:58 NB: Gehört Jugoslawien zum Westen oder zum Osten? TB mit Gegenfrage: Gehört es zu den Entwicklungsländern oder zu den entwickelten Industriestaaten? Kapitalistisch oder sozialistisch? Sozialistisch, aber eigener Weg. Hauptfrage: Entwickelter Industriestaat? Das passt zum Norden, und der Süden ist trotz industrieller Anstrengungen noch sehr rückständig

00:45:49 Musik

00:47:29 Interview mit Lev Kreft (LK), Mitglied des Zentrums für Marxismus des Zentralkomitees des kommunistischen Bundes von Slowenien. Frage: Ist die wirtschaftliche Lage wirklich so katastrophal, wie es die Presse bei uns schildert oder haben wir es mit einer Desinformations-Kampagne zu tun?

00:48:19 LK In der jugoslawischen Presse kann man die gleiche Meinung lesen. Wir haben eine Art künstlichen wirtschaftlichen Fortschritt erlebt, der den ausländischen Investitionen und der erwarteten Produktivität nicht entsprach. Verschiedene Wirtschaftsstrategien bekämpfen sich vor Ort: Eine Tendenz lehnt sich an den Thatcherismus an, eine ist weniger radikal und drittens existiert eine sozialistische Tendenz

00:51:38 NB: Fährt man durch Slowenien, fällt einem die sehr starke westdeutsche Präsenz auf. Verschiebt sich der Einfluss zugunsten des Westens?

00:51:59 LK: In finanzieller Hinsicht ja. Investition in Produktionsanlagen und Verkauf der Produkte Richtung Osten. Eine kurze, prägnante Zusammenfassung der wirtschaftlichen Situation

00:56:15 NB: Wirtschaftliche Entwicklung oft von politischen Entscheiden beeinflusst, jetzt wird viel von nationalistischen, separatistischen, regionalistischen Tendenzen gesprochen, sogar vom Auseinanderbrechen Jugoslawiens. Ist dies eine aktuelle Gefahr?

00:56:37 LK: Geredet wird schon, doch auf sich alleine gestellt hätten alle diese Teilrepubliken keine Bedeutung

00:57:11 NB: Jugoslawien drohe die Spaltung, lesen wir bei uns. Ist das Desinformation?

00:57:22 LK: Analysen zum Etatismus. Zentralstaatliche Interessen gegen einzelne Republiken fördern Spannungen, die einen populistischen Nationalismus hervorrufen

01:01:20 Ende erster Teil. Fortsetzung 028 B

ZitationsvorschlagTonaufnahme: Radio LoRa, Zürich/F 1063-028A
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