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Schwajgn heysst masskim sajn... - Schweigen heisst einverstanden sein... (jiddisches Sprichwort) [Informationskampagne gegen Rassismus und Antisemitismus] - [Foto Ausschaffungsgefängnis Zürich] - augenauf

SignaturF Pc-0510
BestandF_7001 Sammelbestand Druck
Bestandesbeschrieb

Der Sammelbestand Druck umfasst fast 4000 Postkarten, Plakate aller Formate und sonstige Druckerzeugnisse. Der Bestand konstitutiert sich aus zweierlei Quellen: Einerseits aus der nach pertinenten Gesichtspunkten angelegten Plakatsammlung, die zwischen den späten 1970er Jahren und 2002 angelegt wurde. Diese Sammlung entstand (zumindest zu einem Teil - genaueres lässt sich nicht mehr eruieren), indem Plakate aus den Archivablieferungen herausgelöst wurden. Andererseits wächst der Sammelbestand auch heute noch kontinuierlich (wenn auch sehr langsam), weil Postkarten und Plakate ohne nachweisbare Provenienz oder Kleinstablieferungen diesem Bestand zugeordnet werden.

Der Sammelbestand Druck umfasst fast 4000 Postkarten, Plakate aller Formate und sonstige Druckerzeugnisse. Der Bestand konstitutiert sich aus zweierlei Quellen: Einerseits aus der nach pertinenten Gesichtspunkten angelegten Plakatsammlung,… — mehr...

Schlagwörter
  1. Medien und Kommunikation
  2. Information und Informationsverarbeitung
  3. Informationspolitik
  4. Public Relations
  5. Informationskampagne
  1. politischer Rahmen
  2. politische Partei (allgemein)
  3. politische Richtung
  4. äussere Linke
  1. politischer Rahmen
  2. politisches Leben (allgemein)
  3. politische Bewegung
  4. Antirassismusbewegung
  1. Recht (allgemein)
  2. Rechte und Freiheiten
  3. Kampf gegen die Diskriminierung
  4. Fremdenhass
  1. Recht (allgemein)
  2. Rechte und Freiheiten
  3. Kampf gegen die Diskriminierung
  4. Rassendiskriminierung
  5. Antisemitismus
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Zürich, Kanton
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1991-2000
Personen
  1. Estermann, Josef (1947-
  1. Homberger, Ernst (1937-
  1. Leuenberger, Moritz (1946-
  1. Ogi, Adolf (1942-
  1. Villiger, Kaspar (1941-
Objektträger
  1. stehendes Bild
  2. Druck
  3. Druck grösser als A4, Plakat
Sprache
  1. deutsch
  1. jiddisch
DetailinformationEs ist Zeit, dass heute - 60 Jahre danach - die Politik und die Rolle des Schweizer Staates und vieler Schweizer Unternehmen von 1933 bis 1945 endlich diskutiert werden. - Es ist Zeit, dass die Verbrechen an Zehntausenden - meist jüdischen - Flüchtlingen, die an der Schweizer Grenze zurück in die Vernichtung geschickt wurden, auch für eine breitere Öffentlichkeit aufgedeckt und benannt werden. - Es ist Zeit, die Verbrechen und Vernichtungsaktionen des Schweizer Staates an Sinti, Roma und jenischen Menschen aufzudecken. - Es ist Zeit, dass der immer offener zutage tretende Antisemitismus und Rassismus eines grossen Teiles der Schweizer Bevölkerung und deren politischer Elite aufgedeckt und kritisiert wird. - Zeit, dass der J-Stempel und die Auflage an die jüdische Gemeinschaft, die Kosten für jüdische Flüchtlinge selbst zu tragen, heute als das erkannt werden, was sie sind: Beispiele für staatlichen Antisemitismus. - Es ist Zeit, dass die Profite von Schweizer Unternehmen auf Kosten der Verfolgten und Ermordeten während und nach der Periode des Nationalsozialismus aufgedeckt und dass diese Unternehmen und der Staat materiell und moralisch zur Rechenschaft gezogen werden. - Dass es dazu massiven Druck von aussen brauchte, sagt einiges über diese Gesellschaft aus.
Es ist allerhöchste Zeit, aus den Fehlern in der Geschichte zu lernen und Konsequenzen daraus zu ziehen. Fragen wir die Verfolgten von heute, wie sei vom Schweizer Staat und von der Schweizer Gesellschaft behandelt werden.
Fragen wir die jenischen Menschen unter uns, die nach wie vor unter Verfolgung, Diskriminierung und Ausgrenzung zu leiden haben. - Fragen wir jene Ausschaffungshäftlinge, die 1996 im "Bunker" des Ausschaffungsgefängnisses Kloten I, nur mit Unterhosen bekleidet, während Tagen und Wochen "zur Abkühlung" isoliert wurden. - Fragen wir die Frauen, Kinder und Männer des albanischen Kulturvereins und des Schweizerisch-Türkischen Eltern- und Kulturvereins in Rüti, die am 21.6.95 von der Anti-Terror Einsatzgruppe "Diamant" der Zürcher Kantonspolizei überfallen wurden und zwei Stunden gefesselt auf dem Boden liegen mussten, wobei sie mit vorgehaltenen Waffen bedroht wurden. (Drogen wurden übrigens keine gefunden...) - Fragen wir doch die Familie des am 27.3.95 getöteten H.F., der aus der Untersuchungshaft flüchten wollte und dabei von einem dienstfreien Polizisten erschossen wurde. - Fragen wir doch jene Frau aus Südamerika, die sich während einer Polizeirazzia in Panik aus dem Fenster stürzte und nach einer minimalen Behandlung mit gebrochenen Beinen und im Rollstuhl nach Südamerika ausgeschafft wurde. Fragen wir jene Kinder und Eltern, die nach einer Kinderzirkusvorstellung am 21.10.94 mitansehen mussten, wie Polizisten mit Hunden und Gummigeschossgewehren Jagd machten auf Menschen, die wegen einer Razzia im Sonnenblumenfeld bei der Kronenwiese Schutz suchten. - Fragen wir die Freunde und Freundinnen der 26jährigen Drogenkonsumentin, die sich während der "Rückführung" am 24.1.95 im Polizeikastenwagen (angeblich unbemerkt) erhängt hat. - Fragen wir doch jene Tausende von ArbeiterInnen aus Kosova, die jahrelang auf Schweizer Baustellen ihre Gesundheit riskierten (und ruinierten) und die heute aufgrund eines Abkommens mit dem bereits wieder hoffähig gewordenen Milosevic ins Elend und einen latent schwelenden Bürgerkrieg ausgeschafft werden sollen. - Fragen wir doch jenen Mann, der wochenlang im unterirdischen Waid-Gefängnis eingesperrt war und dann mit Klebband geknebelt, gefesselt und nackt zum Flughafen gebracht wurde. - Den des Taschendiebstahls verdächtigten Asylbewerber, der während der Flucht vor der Polizei am 23.10.96 im Hauptbahnhof von der Rolltreppe in den Tod stürzte, können wir nicht mehr fragen. - Auch jenen (ausländischen) Mann nicht, der am 23.5.96 auf der Flucht vor der Polizei in der Limmat ertrank.
Es ist Zeit, die heutigen Verantwortlichen, die ErfinderInnen und PropagandistInnen des Drei-Kreise-Modells*, der Zwangsmassnahmen und der Ausschaffungs- und Sondergefängnisse zu fragen, welche Konsequenzen sie aus den Verbrechen der Schweizer Geschichte zu ziehen gedenken. Fragen wir auch die Ausführenden: die Fremden- Ausschaffungs- und DrogenpolizistInnen, die RichterInnen, die SozialarbeiterInnen und die Medienschaffenden, ob sie sich auch in Zukunft auf "Befehle von oben" und den "Volkswillen" berufen wollen.
*Drei-Kreise-Modell: Offizieller Bestandteil der "Schweizer Ausländerpolitik", welcher Menschen von ausserhalb der EU und anderer "industrialisierter" Länder von der legalen Immigration in die Schweiz von vornherein ausschliesst.
Zum Beispiel wären die Herren Leuenberger (jetzt Bundesrat) und Homberger (Regierungsrat ZH) zu fragen, ob sie immer noch dazu stehen, dass die Einhaltung der Menschenrechte bei einem selbst herbeigeredeten "Gefängnisnotstand" nicht so wichtig ist. (Mit der Eröffnung des unterirdischen "Notgefängnisses Waid" wurde eine Verletzung der Mindestbestimmungen für Gefangene wissentlich und willentlich in Kauf genommen) - Zum Beispiel wäre der Zürcher Stadtpräsident Estermann zu fragen, ob ihm die Einteilung in "gut integrierbare" und "integrationsunwillige" AusländerInnen immer noch keine Erinnerung aufkommen lässt. - Zum Beispiel wären die Bundesräte Villiger und Ogi zu fragen, ob ihnen die systematische Ausrichtung der Armee auf "innere Krisen" und "die Bewältigung von Flüchtlingsströmen" nicht irgendwie bekannt vorkommt. - Zum Beispiel wären die Verantwortlichen einiger Zürcher Gemeinden (zum Beispiel Langnau) zu fragen, ob es wirklich keine Alternative zur Unterbringung von Flüchtlingen in einem krankmachenden Bunker gibt. Zum Beispiel wären die Pensionskassen und die AHV zu fragen, wie vielen Ausgeschafften verunmöglicht wird, ihr sauer verdientes Geld zurückzuerhalten.
Und es ist Zeit, dass wir uns alle selbst fragen, wie wir mit unseren eigenen rassistischen und antisemitischen Bildern, Verurteilen und Verhaltensweisen umgehen. Fragen wir uns, was wir gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung im Alltag tun.

Dieses Plakat der Gruppe augenauf wurde von z. Zt. 123 SpenderInnen ermöglicht. Es wurde als Inserat von folgenden Publikationen abgelehnt oder nur unter dem Vorbehalt von Textänderungen akzeptiert: Das Magazin (TA). TagesAnzeiger (TA), Züri Tip (TA), Der Beobachter.
Weiter Spenden an: augenauf, Postfach, 8026 Zürich, PC: ZKB 80-3004-0, Konto 1114-0013.120. Meldungen und Protokolle über Menschenrechtsverletzungen in der Region Zürich bitte an die Postfach-Adresse oder Telefon: 01/241 11 77.
Regelmässige Informationen zur Menschenrechtslage in der Region Zürich gibt's im "augenauf bulletin". augenauf, Postfach, 8026 Zürich. Fr 50.-/Jahr (30.-/Jahr für Weniger- und NichtverdienerInnen)
ArchivbezugPartei der Arbeit der Schweiz PdAS, Parti suisse du Travail PST, Partito svizzero del lavoro PSL
ZitationsvorschlagBild: Urheber:in unbekannt/F Pc-0510
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