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Band Nr. V22-1, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Walter Gabriel: Metzger und Gemeinderat (1990, Fredi Murer) Band Nr. V22-2, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Beat Zumbühl: Landwirt Langacher (1990, Fredi Murer)


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SignaturF 9103-DGB_VHS-22-Kopie
BestandF_9103 Dokumentation DER GRÜNE BERG [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand der Bevölkerung und die politischen Aushandlungsprozesse. Der Film wurde 2025 digitalisiert und restauriert. In diesem Zusammenhang wurde auch das S-VHS-Kassetten vorhandene Rohmaterial der Interviews digitalisiert. Der Bestand Dokumentation DER GRÜNE BERG umfasst 57 Interviews, die Fredi M. Murer 1989 und 1990 mit der betroffenen Bevölkerung, Vertretern der NAGRA, Widerstandsgruppen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen führte. Das Material wurde im Rahmen eines Memoriav-Projekts und der Unterstützung des Kantons Nidwalden (Amt für Kultur) digitalisiert. Als Basis für die Erschliessung dienten schreibmaschinengeschriebene Transkripte von 1990 (oft ins Hochdeutsche übertragene Wortprotokolle), die orginal wiedergegeben werden. Zur besseren Orientierung im digitalen File wurden sie mit Timecodes versehen und mit einem Abstract ergänzt.

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand… — mehr...

AbstractWalter Gabriel (Gemeinderat und Metzgermeister, Wolfenschiessen) schildert seine politische und berufliche Laufbahn. – Beat Zumbühl (Landwirt) äussert sich kritisch zum Vorgehen der Nagra. Er bemängelt das fehlende Mitbestimmungsrecht und die einseitige Profitorientierung der Wirtschaft.
Urheber
  1. Murer, Fredi M.
Copyright
Schlagwörter
  1. Umwelt
  2. Umweltpolitik (allgemein)
  3. Abfallwirtschaft
  4. Abfalllagerung
  5. Lagerung radioaktiver Abfälle
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Nidwalden
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1989
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1990
Verleger
  1. Murer, Fredi M.
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. S-VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation
Walter Gabriel, Metzgermeister und Gemeinderat, Wolfenschiessen

00:00:00 Metzgerei, Glaskabinen-Büro von aussen, Gabriel am Telefon
Schwenk über Angestellter im Büro auf Schlachtbank wo zwei Mitarbeiter Fleisch ausbeineln. Ländlermusik als Originalton.

00:01:12 Hände von Gabriel, Tastatur vom Computer, Telefon schellt, er nimmt ab, Schwenkt auf Kopf, dann auf Computerbildschirm mit Spiegelung. Schwenk auf Hände die Tasten drücken.
Hände mit Kugelschreiber notieren, Schwenk auf Kopf mit Telefonhörer, er nimmt Bestellung auf.

00:06:55 Selbstdarstellung: Walter Gabriel:
Gut, mein Grossvater, Alois Gabriel hat diese Metzg gekauft, das ist um die Jahrhundertwende gewesen. Er hat diese M. geführt und sie später meinem Vater übergeben. Der Vater hat die M von 1938 bis 1968 geführt, wo er gestorben ist und seit dem, also seit meinem 20. Geburtstag führe ich diese M. Wir somit also in der 3. Generation.
Ursprünglich sind wir Ennetbürger.

00:07:40 Der Vater, ja der Grossvater hatte Ämter inne, der Gv war Schulrat, der Vater war Gemeindepräsident, Landrat am Schluss noch Kantonsrichter. Zur Metzgerei selber: wir haben heute 14 Angestellte, beziehen das Rohmaterial, das Vieh beziehen wir vorwiegend da aus der Gegend, von den einheimischen Bauern, auch vom ganzen Kantonsgebiet. Die Betriebsstruktur könnte man vielleicht so beschreiben, dass wir mit zwei Läden einen bestimmten Umsatz machen, aber der grössere Teil vom Umsatz ist im Restaurant und Hotelbereich, wo wir zwischen Engelberg und Luzern unsere Kunden beliefern.

FMM: Als Gemeinderat?

00:08:40 Als Gemeinderat sähe ich eine gemässigte Entwicklung am liebsten, d.h. in der Bautätigkeit, aber auch im wirtschaftlichen Bereich ist es richtig, wenn wir eine gesunde Entwicklung machen können; schon aus dem Grunde, weil wir haben zu wenig Arbeitsplätze für unsere Gemeindeinwohner. Es müssen sehr viele ausserhalb der Gemeinde arbeiten. Was auch dringend nötig wäre, wären auch - ee - qualifizierte Arbeitsplätze, vielleicht im technischen Bereich, weil wir haben zur Zeit keinen einzigen Arbeitsplatz für akademisch geschulte Leute, und das zwingt im Prinzip jeden der studiert, die Gemeinde zu verlassen, weil er in der Gemeinde drinnen keinen Arbeitsplatz hat. Ich finde das schade, man müsste versuchen die Entwicklung auch in diese Richtung zu lenken, weil wir haben jetzt grundsätzlich handwerkliche Betriebe und Landwirtschaft und längerfristig sollte man versuchen, dass man da auch in diesem Bereich etwas realisieren könnte, oder.

FMM: Welches Ressort haben sie im Gemeinderat (GR).

00:10:16 Im GR bin ich Liegenschaftsverwalter, also wir haben nicht viele Liegenschaften, aber mir untersteht das Gemeindehaus und die Lokalitäten, die wir sonst noch haben und da muss ich vor allem der Unterhalt bestreiten und dann bin ich Mitglied von verschiedenen anderen Kommissionen, wo ich aber nicht Ressortchef bin. / Wie z. B. die Planung, die auf uns zukommt, die ganzen Ortsplanungen im Rahmen vom Richtplan, das ist mir jetzt noch übertragen worden, ä, in letzter Zeit und jetzt sind wir daran, den Zonenplan von der Gemeinde und die ganzen Vorschriften im Rahmen von der Richtplanung zu überarbeiten.

FMM:

00:12:18 Diese Metzgerei, es weiss niemand so genau, ist um 1906 erbaut worden. Man hat dann verschiedene Umbauten gemacht. Der Vater hat den ganzen Wohnbereich einmal neu gebaut und ich habe dann, als der Vater gestorben war, das Schlachthaus frisch gemacht, habe anno 1982 die Wursterei frisch angebaut und jetzt im 88-i haben wir den ganzen alten Teil abgebrochen, man hat gesehen, dass das Haus renovationsbedürftig ist und dann gleich festgestellt, dass eine Renovation sich nicht mehr lohnt, dass diese Kosten unverhältnismässig gewesen waren, und darum habe ich mich entschieden, die ganze Metzgerei abzubrechen bis auf den neuern Teil, wo 1982 gebaut worden ist. Den konnten wir sehr gut im Betrieb integrieren. Das Grundstück war zum Glück gross genug, ich musste nicht Land dazukaufen und das heutige Gebäu umfasst 7600 m3 und die Metzgerei-Grundfläche ist ca. 800 m2.
Wir haben, während der Bauerei, während der Planung darauf geschaut, dass es rationell eingerichtet ist, weil man in diesen Sachen mit der Zeit gehen muss, wenn man konkurrenzfähig bleiben will, muss man einfach einen rationellen Betrieb haben. Aber jeder der das anschaut, sieht natürlich, dass das auch enorm Geld kostet und ich hoffe meine Rechnung geht auch auf, dass man dieser rationellen Arbeitsweise auch entsprechend die grössere Leistung hinbringt und damit auch die Verzinsung und Amortisation vom Betrieb.
Es ist auch ebenfalls Arbeitsplatz für die Gemeinde wichtig. Sehr viele von den Angestellten wohnen auch da hinten. Sie sind auch bei mir in der Lehrte gewsen, zum Teil, und kommen wieder zurück. Der Arbeitsplatz ist unmittelbar nebenan, oder. Und auch für die Landwirtschaft ist es wichtig, wenn eine Metzgerei erhalten bleibt, damit die Produkte verwertet werden können.

00:14:46 Stumme Szene: Zwei Metzger durch Büroglas von hinten

Einstellungskorrektur: Drei Metzger arbeiten - Schwenk auf Elektroeinrichtung im Büro: Bis 00:15:42

Gleiche Einstellung (neu): Zwei Metzger von hinten schwenk auf Elektroverteiler. Bis: 00:16:27

Telefongeräte, Computerbildschirm, Metzger durch Scheibe Schwenk (wie oben) Telefongeräte, Computerbildschirm etc. auf Metzgereiraum mit zwei Arbeitern. Gabriel ist im Hintergrund am Telefon.

00:17:30 Büro mit Geräten (halbtotal) Gabriel nimmt einen Zettel, geht aus dem Büro. Bis 00:17:35

Telefongeräte (schwenk) Computer, Metzgerei: Gabriel mit einem Angestellten. Bis 00:18:10

Elektronischer Steuer-Kasten im Büro (gross). Bis 00:18:20

Metzger (halb nah) packt Fleisch in Plastiksäcke. Bis 00:18:24

Metzger packt Fleisch in Plastiksäcke (mit O-Ton)
Schwenk auf Fleischberg. Bis 00:19:03

Nah: Metzger packt Fleisch in Plastiksäcke. Bis 00:19:58

00:19:58 Ende V 22-Gabriel


Beat Zumbühl, Landwirt, Langacher, Dörfli

00:20:00 Bild: Vater Beat Zumbühl spielt mit dem weissen Gizzi.

00:20:56 FMM: Heim und Familie vorstellen!

(Fluglärm)
Beat: Wir sind jetzt hier seit anno 1951 ä 50-i. Und das hat der Vater und Grossvater schon gehabt. Es sind schon drei Generationen hier drauf und anno 51 haben wir geheiratet und dann sind nachher 7 Kinder nachgekommen. Einen Teil sind schon wieder ausgeflogen und "epis" ist zwischendurch daheim. In die Schule, praktisch sind sie in die Primarschule, in die Sek. ist keines. Wir haben sie schon schicken wollen, aber dann haben sie gesagt: für was, wir können ja, was wir müssen und mehr brauchen wir nicht. Und sie können sie wirklich allen Orten brauchen. Die sind ja 10 und 14 Jahre am gleichen Ort, da kann man nicht viel sagen. Sie sind eigentlich, ää, praktisch können sie allen Orten brauchen, allen Orten, Sie nehmen es mit allen auf.

FMM: Was machen die Kinder?

00:22:13 Drei sind verheiratet. Beat schafft in der Schreinerei seit 14 Jahren und dem können sie alles hinstellen, der macht alles. Und die Mädchen, eines arbeitet in der Bäckerei, es ist auch seit 10 Jahren dort vorne. Sie haben es noch nie heimgeschickt.
Einer war in der RS und arbeitet im Dorf. Während des Sommers muss er mir helfen, sonst mag ich es auch nicht mehr machen.
Man wird ja nicht jünger.

FMM: Landbeschreibung!

Ja, das Land ist eigentlich hier nicht gross. Das eigene Land ist ca 6 ha. Und 3 ha sind hier diesen Rain hinauf und etwas haben wir gepachtet, aber es kommt jetzt automatisch weg, weil es wir ja quasi verbetoniert, dann müssen wir wieder schauen, wie es geht; und Land zu bekommen ist schwierig, ohne man bezahlte zu viel und das hat ja auch keinen Sinn. Solange die Jungen eine Anstellung haben und arbeiten können, soll es so gehen.
… Zum Gizzi: So, bist ein Lappi!

FMM :

00:24:00 Angefangen haben wir mit 4 Kühen, mehr haben wir nicht gehabt und vier "Gusti". (Bild: Gizzs steigt ihm auf den Kopf, er lacht!!!! Fluglärm) heute etwas mehr etc. (nicht verständlich).

FMM: warten bis der Flieger vorbei ist.

00:26:22 Ja, von dieser Entsorgung und (…) hat man nicht viel zu sagen. Es sig einfach von "obeappä cho". Wir, das Volk haben ja nichts dazu zu sagen, praktisch. An der Landsgemeinde ist es ja abgelehnt worden und infolgedessen hätten sie auch Rücksicht nehmen müssen auf uns, sie haben aber keine Rücksicht genommen. Und ich finde einfach, hier in ein Wohngebiet hinein, wo man meinte es sei noch einigermassen still und ruhig, so etwas da hineinbringen finde ich, ist einfach nicht in Ordnung. Sie sollen das Zeug produzieren, oder entsorgen, wo sie es produzieren, nicht in die Berge hinein, 50 oder 100 km weit führen und dann hier verlochen. Schade ist es für das Grundwasser. Wenn sie hier Lochen und einen Stollen machen, ist es verseicht und dann ist es fertig. Das Grundwasser geht bis Ennetbürgen … und das ist etwas Wichtiges. Und der Allzeller Berg hat so viele Quellen und ob sie diese nicht abgraben ist eine zweite Frage.

FMM: Verantwortung für 1’000 Jahre?

00:28:12 Die nehmen überhaupt keine Rücksicht über uns und die Verantwortung auch nicht. Die können uns gar keine schriftliche Garantie geben, «da hiä hinnä», dass nie nichts passiert. Solange sie die schriftliche Garantie nicht bringen können, 100%, müssen sie gar nicht lochen da hinten. Ich finde das skandalös, "graduisä gseid".

00:28:38 Wie gesagt: Sie forschen immer und forschen, dass sie das nicht fertigbringen. Wenn sie das nicht fertigbringen, dass sie das nicht sonst entsorgen können, verbrennen oder sonst irgendwie verwerten, dass es irgendwie keine giftige Stoffe mehr gibt. Klar, wir brauchen auch Medikamente und solche Ware, das ist logisch, aber sie könnten es im kleineren Mass machen. Nicht alles so im Grossen aufziehen, dass alles zusammen vergiftet wird. Man sieht es ja mit dem Kehricht und mit dem Zeug. Anno 50-i, wenn wir ein Konservenbüchsli gefunden haben, haben wir gedacht: Du das tun wir auf die Seite, das kann man «gäbig» brauchen, da kann man etwas hinein tun; und heute, heute gibt es Haufen von solcher Ware und wenn man alles aufbeigen würde, hätte man zuletzt einen Berg. Und das müsste auch nicht sein, das künstliche Papier und Plastik und das wird von Öl gemacht. Es ginge auch sonst. Aber eee, man kann im Prinzip nichts machen, das ist eben unser Wohlstand, wo wir haben.
Und in diesem Wohlstand "innä" geht die Schweiz einmal kaputt. Das ist 100%-ig sicher, dass die noch einmal kommt.

FMM: Leben wir auf zu grossem Fuss?

00:30:04Ganz sicher, ganz sicher. Wir haben alles erlebt von unten herauf, wir haben von unten herauf anfangen müssen es ist immer gestiegen und gestiegen und es hat immer geheissen, und gedacht in den 60-er Jahren schon einmal, es sei fertig -(lacht)- einmal ist fertig, es kann nicht weitergehen, aber es geht immer weiters, es ist immer noch zu wenig. Und die Leute und die Menschen sind eigentlich auch nicht mehr zufrieden, finde ich. Es ist nach diesen Geologen und Forscher, ist ja überhaupt nichts mehr gesund. Es ist ja nichts mehr gesund, was sie bringen. Gemüse, Lebensmittel, Milch, alles zusammen, ist nicht mehr gesund, das finde ich einfach – das ist eben der Wohlstand heute.

FMM: An was orientiert sich die Gesellschaft?

00:31:00 Für sie ist nur noch Geld ein Wert. Geld nur Geld und das Geld kann man nicht essen. Wenn wir kein Land mehr haben und alles verbetoniert ist, was wollen sie dann mit dem Geld machen, die können ja - die haben ja gleich nichts mehr zu essen. Lebensmittel uns solches gibt es nichts mehr. Man sieht jetzt das Tschernobyl, sie haben letzthin einen Film gezeigt, wie sieht es dort aus 300 ha ist alles komplett vergiftet und wächst vielleicht Jahre oder Jahrhunderte überhaupt nichts mehr. Und dreihundert Tausend Personen haben sie 100 Km davon entfernt versetzen und Häuschen bauen, dass die einigermassen dort frische Luft haben, jä, was passiert da "innä"? Wann passiert einmal hier etwas? Aber die sagen jä, da hinten passiert einmal nichts. Aber es kann kommen, es kann einfach auch kommen.

FMM: Sind sie enttäuscht von der NW -Regierung?

00:32:04 Wir sind schon enttäuscht über die Regierung. Da ist im August, sie haben es gewusst die Regierung im Feb. dass das kommt. Sie haben grünes Licht gegeben. Und da ist im August da ein Geologe gekommen und hat da die Steine und der Berg da drüben fotografiert allen Orten, dann habe ich ihn gefragt, was das geben soll. Dann sagt er, ob es wegen der Nagra sei, dann sagt er nur, es gehe in dieses Gebiet hinein. Dann ist alles still und ruhig gewesen und im Herbst, im Sept, oder Okt haben wir eine Versammlung gehabt, und da hat es geheissen es sei rascher gekommen als erwartet: Quasi, schier sozusagen, sie hätten nichts gewusst davon. Und sie haben es 100%-ig gewusst. Und wenn sie das Volk "hinäumä nämit" mehr oder weniger, dann stehen auch die auf und folgen ihnen nicht mehr, so kommt es dann.

FMM: Landsgemeinde, Demokratie?

00:33:34 Schwierig zu sagen. (lacht) das ist schwierig zu sagen.
(Bild: Hände - schwenk auf Gizzi, schw. Kopf)

FMM: Haben sie Angst um die Demokratie?

00:33:53 Mehr oder weniger schon. Warum gehen heute die halben Jungen nicht mehr stimmen? Weil sie vielfach Gesetze machen – und werden verworfen – und machen es trotzdem. Darum hat das Volk kein Interesse mehr: Die Sommerzeit ist auch abgelehnt worden, ist gleich gekommen. 600 Mio. Kredit für die Entwicklungshilfe ist auch abgelehnt worden vor ein paar Jahren, haben es gleich geschickt. Nicht gerade alles miteinander ... Wenn sie immer gegen uns schaffen, hat man kein Zuvertrauen mehr.

FMM: Hat das Vertrauen in die Regierung gelitten?

00:35:00 Ja es ist ein kleiner Teil, ein kleiner Teil, wo dagegen ist, alle andere sind dafür und - sie sehen nur das Geld. (Er lacht, weil das Gizzi ihn besteigt) Dann hat es geheissen, wo das gekommen ist: Ja das muss man annehmen, das gibt Geld, dann müssen wir nicht mehr steuern!! Das ist auch nicht der Zweck der Übung.
Da kommt dann noch viel mehr Land weg, als da jetzt vorgesehen ist. Da gibt es quasi, ganz sicher eine zweite Strasse. Das nimmt auch wieder weg. Und Verkehr haben wir sonst schon genug da hinten… Mans sollte eigentlich keine Strassen mehr bauen, nicht immer nur auftun und auftun finde ich. Es ist noch nie einer in Engelberg hinten geblieben, sind alle wieder heim.

FMM: Wie wehren sie sich? (Fluglärm verunmöglicht das Hören.)

00:36:20, Bild: Gizzi wird von seiner Hand gestreichelt.

FMM: Hätte sich die Gemeinde wehren können?

00:39:30 Ja wehren? Wehren hätte sie sich zuerst sollen. Sie hätten grad zuerst sagen sollen: Nein! Dann wäre es gar nicht so weit gekommen, finde ich. Ich meine, dass sie das Zeug irgendeinmal an einem Ort verlochen müssen, ich meine die sollten etwas anderes herausfinden, als dass sie diese Bergen verlochen müssen, um das Zeug dort innen zu deponieren. Es geht einfach um die Gesundheit von allen, von den Leuten und dem Vieh, es geht einfach um das und das ist keine Sache von heute auf morgen. Das geht in die hunderte von Jahren hinein. Und ich sage mir immer, und ich habe es schon oft gesagt: Die junge Generation, die machen einen mit; die reuen mich diejenigen die nachkommen, diese sind die Leidtragenden einmal. Dann heisst es: Die alten haben uns alles verkauft und haben immer Ja und Amen gesagt, und wir müssen den Bart (oder Bad?) ausfressen, oder, wir haben nichts mehr und so kommt es. Mit der Entwicklung auch, mit der Bauerei und Strassen, mit allem zusammen, es wird heute alles herausgezwängt, herausgedrückt, die haben nie genug - was wollen die andern einmal machen? Häuser haben wir dann genug und Land keines mehr. Und Leute haben wir auch einen Haufen. Ich finde, es kommt einmal nicht gut. Aber das sehen sie heute nicht. Nur Geld, Geld, Geld und noch mehr und noch mehr. (lacht)

FMM: Gespaltene Gemeinde?

00:41:35 Nach meiner Auffassung, wie ich es anschaue, ist überhaupt kein Zusammenhang mehr. Ist kein Zusammenhang mehr unter dem Volk. Sie haben ja Unterschriften gesammelt und haben etwa 260 Unterschriften gehabt, dann hat es da vorne eine Abstimmung gegeben und dann sind es noch 120 gewesen, so frage ich mich, wo sind die andern, die unterschrieben haben, die sind nirgends mehr gewesen, oder sie haben das Blatt gekehrt, sind auf die andere Seite gefallen. Darum haben wir praktisch kein Zuvertrauen mehr bald einmal. Weil das einfach,– jeder sagte, die Regierung sei noch allein, - wenn die das nicht aufgezogen hätten, hätten sie den Ranzen voll gelacht.

FMM: Haben die Bauernvertreter in der Gemeinde versagt?

00:43:27 Ja ganz sicher. Ganz sicher. Oberrickenbach geht es ja auch an und Altzellen geht es auch an da hinten. Wie gesagt 2/3 sind einfach dafür. Es heisst: Ja das gibt einen Haufen Geld. Die kommen immer mit dem: Geld! Und das ist doch nicht der Zweck von der Übung! Wenn alles andere nachher nicht mehr da ist. Jetzt müssen sie in der Obersten Ei haben sie Profile gehabt, da wäre der Erdhaufen bis etwa 7 m ans Haus herangekommen, bis ans Haus heran; der Erdwall. Das ist ja nicht mehr zu wohnen und auch nicht zum Leben.

FMM: Verwandtschaftliche Beziehung zu Hinterst-Ei?

Ja, eine Tochter ist dort hinten verheiratet. Darum haben wir eine Beziehung.

FMM:

00:44:40 Und das habe ich immer gesagt, wo sie das Gesuch gestellt haben, wo sie mit dem Hauptstollen zuerst hinein wollen, das hat mir gar nie in den Grind hinein wollen. Andern Orten sondieren sie zuerst, wie der Boden ist, aber da hinten wollten sie grad mit dem Hauptstollen hinein. Ich habe gesagt: Wenn das kommt, sind wir verkauft… wenn sie den Hauptstollen haben. Dann sagen sie, wir haben jetzt der Hauptstollen, brauchen wir nichts mehr wir fahren weiter. Und wenn es später vielleicht nichts ist, wenn sie nichts machen können und schon einen Km drin sind, dann heisst es dann, wir fahren grad durch und auf der anderen Seite hinaus, dann gibts wieder eine Autobahn. Jä, man weiss ja gar nie, was den Leuten in den Sinn kommt.

Fluglärm – Unterbruch bis 00:46:30

Zumbühl sagt es gebe sicher keinen Grund, dass sie bei seinem Schwiegersohn bohren … von der Allmend etc. aber unbrauchbar. Sie hätten Einsprache gemacht, aber er wisse nicht mehr was drinstand.
Ogizitat: «Zwing-Region»

Das haben wir einmal gehört oder gelesen. Das ist klar, das können sie machen, da sind wir natürlich machtlos. Dann heisst es, jetzt ist fertig, jetzt haben wir keinen anderen Standort, jetzt wird hier weitergemacht und fertig. Aber ob das normal ist, weiss ich nicht.
Ich könnte auch sagen: Ihr habt hier gar nicht zu filmen, macht dass ihr abfahrt, ihr habt nichts zu suchen, oder. Und der andere kommt und sagt, hier mache ich was ich will. Das ist im 1939-i, im letzten Krieg gewesen ... Militärbaracken etc. … unbrauchbar. Wie überlegt sich das der BR? oder Regierung? Ja sie sind sich selber auch nicht mehr einig. Die wissen ja selber auch nicht mehr was machen. Die haben so einen Haufen Vorschriften und Gesetzte, dass sie selber auch schier nicht mehr drauskommen. Das kommt im Laufmeter noch besser. Das ist schon schwierig für sie, das muss ich schon sagen, so etwas aufzuziehen, aber sie haben das ja wollen und mit den… sind sie so weit, sie wollten das, immer forschen und forschen. Sie nehmen ja heute alles auseinander: das Gras, die Milch, Anken, sämtliche Lebensmittel nehmen sie auseinander.
In gewissem Sinne muss ich ihnen recht geben, es muss auch etwas geschehen, ob normale Ware auf den Markt kommt nicht verpfuscht. Es ist so viel verpfuscht worden. Und die Grossen sollen sie einmal nehmen, nicht immer die Kleinen, diese sind die Mannen, die alles kaputt machen.

FMM: Sind es vor allem Männer?

Herren, sage ich jetzt, ich meine ob sie es sind, weiss ich nicht. (Lacht herzlich) Die Bossen, die die alles zusammenkaufen, das sind hier in der Schweiz drinnen, die kaufen die schönsten Liegenschaften zusammen, nur dass sie ihr Geld anlegen können. Und das sollte auch nicht sein. Die sollten solche sperren, dass einer der nicht darauf bauern tut, sollte überhaupt keinen Meter Land bekommen. Die sollen es dem Bauer sein lassen. Diejenige, die bauern wollen, bekommen kein Land mehr. Die kaufen das Schönste zusammen, dann haben sie das Geld angelegt. Und wenn alles gut geht, wir es eingezont für Bauten und dann haben sie die Mio. im Sack.

FMM: Haben sie dem Bundesrat etwas zu sagen?

00:54:04 Er soll so gut sein und von da hinten Abstand nehmen. Und eine Lösung finden, da zu entsorgen, wo sie es produzieren, das ist das Richtige, meinte ich. Vielleicht nimmt er es an, vielleicht nicht.

FMM: Wenn er sagt die NW müssen auch ein Opfer bringen?

Es ist schon ein Argument. Nach meiner Auffassung sollen sie den Gewässerschutz, den Heimatschutz und der Umweltschutz die sollen sie einisch "hinderäbindä", die sind jetzt schier die «verecktisten» in der Schweiz drinnen, dass die die Privaten nichts mehr machen können. Man könnte doch Wasserkraftwerke machen, ganz ein Haufen, aber nein nicht sein, es muss einfach ein "Brinzili'' Wasser laufen oder. Sie könnten noch viele Wasserkraft machen noch gäbjg aber nein da kommt der Heimatschutz, der Umweltschutz und weiss nicht, wie mancher Schutz da noch ist. (Er macht einen konkreten Vorschlag) Flucht Über Aufhebung von Melioration

FMM: Ihre Frau, macht ihr die Arbeit zusammen?

00:57:30 Jaja, quasi haben wir immer miteinander geschafft. Bezahlt und gerechnet und so haben wir immer alles miteinander. Ich habe ihr etwas Geld gebracht und sie hat es bezahlt. Und wenn etwas gewesen ist, hat man es miteinander ausgemacht, wenn etwas zu zahlen gewesen ist, oder zu kaufen oder irgendetwas gegeben hat, haben wir einander gefragt. Dann sind wir uns einig geworden und dann haben wir es so gemacht.

Ist die Frau der Finanzminister?

Ja, mehr oder weniger schon. Ja Finanzministerin. Ich sehe schon, was es zu bezahlen gibt und was es braucht und was es zu bezahlen gibt und dann macht man es so und sie bezahlt, so ist es eister gegangen.

FMM: So jetzt haben wir viel geredet?

Ja obs wahr ist, wahr wird? Ob ich zu viel gesagt habe, weiss ich auch nicht.

FMM:
nein, ich glaube ich habe nicht zu viel gesagt, oder? meinte ich. Was normal ist. Das ist eigentlich meine Meinung.

FMM: Haben alle den Mut, die Meinung zu sagen?

Haben schon nicht immer alle den Mut das zu sagen. Du kannst es nicht bringen, -finde ich- an einer Versammlung oder an einer Gemeinde, man kann es zu wenig gut bringen gegenüber von diesen Geschulten und Gelehrten. Dann kommt man vielleicht "ä chli" dumm drein und dann ist man schier wie abgesägt und dann verleidet es dir. Klar hat schon manch Dummer eine gescheite Meinung gebracht, aber sie wird nicht anerkannt. (Lacht)

01:00:05 Ende Band V 22-Zumbühl

ZitationsvorschlagVideo: Murer, Fredi M./F 9103-DGB_VHS-22-Kopie
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