Nagra 1
Hans Issler, Präsident, Nagra
Andreas L. Nold, Chefingenieur, Nagra
Dr. Piet Zuidema, Leiter Fachbereich Nukleartechnologie, Nagra
Valentin Egloff, Rechtsdienst, Nagra
Zehnder, Betriebsleiter im Paul Scherrer Institut in Würenlingen
Walter Gassler, Projektleiter Tiefbau bei der Nagra
Theo Küpfer, Leiter der Fachgruppe operationelle Hydrogeologie vor Ort
00:02:24 Ich bin der Hans Issler, bin im Bündnerland aufgewachsen, habe dann ein Studium der Physik und Betriebswissenschaften gemacht. Seit 1978 bin ich bei der Nagra tätig, und bekleide heute das Amt als Präsident bei der Nagra. Wer ist die Nagra? Nagra bedeutet "Nationale Genossenschaft für die Lagerung von radioaktiven Abfällen". Die Nagra wurde 1972 gegründet. In der Nagra sind alle Verursacher und Produzenten von radioaktiven Abfällen in der Schweiz zusammengeschlossen. Auf der einen Seite sind das die grossen schweizerischen Elektrizitätswerke, die Kernkraftwerke betreiben, und auf der anderen Seite auch der Bund, heute vertreten durch das Bundesamt für Gesundheitswesen, indem das auch zuständig ist für das Einsammeln und die Entsorgung der radioaktiven Abfälle, die im Bereich der Forschung, der Hochschulen, im Bereich der Medizin, Nuklearmedizin, aber auch in vielen Bereichen der Industrie anfallen. Die Aufgabe der Nagra ist gemäss ihren Statuten, Forschung in der Schweiz durchzuführen, und später einmal die Endlageranlagen zu bauen und zu betreiben.
Jetzt, wie nimmt die Nagra diese wichtige Umweltschutzaufgabe wahr? Bei der Nagra sind wir heute ein Team von rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das sind vor allem Projektleiter aus dem Bereich der Geologie, der Hydrologie, der Physik, Ingenieurwesen, aber auch Chemiker. Der Grossteil unserer Aufgaben führen wir in Zusammenarbeit mit dritten durch. Wir schaffen sehr eng mit Universitäten und Hochschulen zusammen, aber auch mit den nationalen Forschungsinstituten und den Ingenieurbüros. In den letzten Jahren hat sich auch eine sehr konstruktive Zusammenarbeit mit dem Ausland angebahnt, indem wir auf Grund von Zusammenarbeits-Verträgen auch mit ausländischen Fachleuten und den Schwesterorganisationen zusammenarbeiten.
00:04:39 Wieviel kostet diese Arbeit, und wer finanziert die Aufwendungen? Wir hatten in den letzten Jahren ein jährliches Budget von 30 - 50 Mio. Fr. Die Aufwendungen werden durch Genossenschaften finanziert, die jede einzeln jährlich entsprechende Rückstellungen für die Entsorgung macht. Die Aufwendungen der Nagra sind also im Strompreis aus den Kernkraftwerken bereits enthalten.
00:05:05 Wer und wie wird jetzt die Arbeit der Nagra kontrolliert? Die Aufgabe der Bundesbehörden, ist es, den Rahmen festzulegen, Verantwortlichkeiten festzulegen, das Bewilligungsverfahren festzulegen, aber auch die Schutzziele zu formulieren, die später einmal bei diesen Entsorgungsanlagen eingehalten werden müssen. In erster Linie ist die HSK zu erwähnen, das ist die "Hauptabteilung für die Sicherheit von Kernanlagen", eine Bundesbehörde. Die stellt jeweils Gutachten zu den Gesuchen, die die Nagra an den Bundesrat stellt. Zurzeit sind das Gesuche um Standortuntersuchungen, später einmal wird es auch um Bau- und Betriebsgesuch eines solchen Endlagers gehen. Für jede Bewilligung, die uns der Bundesrat erteilt, wird dann eine Aufsichtskornmission eingesetzt. Die Aufsichtskommission setzt sich zusammen aus den involvierten Bundesstellen, aber auch aus dem Kanton und der Standortgemeinde. Die Aufgabe der Aufsichtskornmission ist auf der einen Seite, die Auflagen, die uns erteilt werden, die Einhaltung dieser Auflagen zu überwachen, dann aber auch die Arbeiten zu begleiten und den Informationsfluss zwischen der Nagra und der Aufsichtskornmission sicherzustellen.
00:06:25 Fredi: Warum wurde der Wellenberg ausgewählt?
00:10:15 Issler: Der Wellenberg wurde von der Nagra als Sondierstandort ausgewählt, weil die Ausdehnung und die Lage dieses Gesteins, das Mergelvorkommen, die Anordnung eines Endlagers in einem horizontalen Bereich aber gegebenenfalls auch vertikal, also unterhalb des Talbodens, des Talniveaus, erlauben würde. Dadurch unterscheidet sich dieser Sondierstandort wesentlich von den andern drei Standorten. Ins Gewicht fällt aber auch die Erkundung dieser Sondierstandpunkte von der Oberfläche her. Der Wellenberg-Standort ist nicht der vom Bundesrat geforderte vierte Sondierstandort. Der vierte Sondierstandort ist heute ausschliesslich zu betrachten unter dem Aspekt der sogenannten langlebigen radioaktiven Abfällen. Die Weiterverarbeitung dieses geforderten vierten Standortes erfolgt deshalb heute in einem separaten Programm, zusammen mit der Untersuchung der sog. langlebigen hochradioaktiven Abfällen.
00:11:16 Fredi: Für welche Radioaktiven Abfälle ist der Wellenberg vorgesehen, und wie lange müssten diese von der Biosphäre isoliert sein?
00:11:58 Also ich bin Piet Zuidema, bin auch im Kanton Graubünden aufgewachsen und von Ausbildung her bin ich Ingenieur. Ich leite hier in der Nagra den Fachbereich Nukleartechnologie, und in dem Fachbereich werden einerseits mal die Sicherheitsanalysen durchgeführt, und dann werden auch die Arbeiten gemacht für die Charakterisierung der Abfälle, und wir machen auch materialtechnologische Untersuchungen. Für den Wellenberg sind kurzlebige schwach- und mittelradioaktive Abfälle vorgesehen, und das sind Abfälle, die einen relativ geringen Gehalt an radioaktiven Stoffen haben, und die Stoffe, die drin sind, zerfallen auch relativ rasch, d.h. z. Bsp., nehmen wir mal ein Beispiel, Cäsium 137 mit Halbwertszeit von 30 Jahren, und d.h. dass es in etwa 300 Jahren auf ein tiefes Niveau hinunter zerfallen ist. Das heisst auch, dass die Isolationszeiten vor der Biosphäre nicht sehr lang sein muss, die sind einfach einige 100 Jahre, und dann ist dieser Abfall bedenkenlos.
00:12:54 Die Zuordnung dieser Abfälle, die ist eigentlich definitiv, denn wir haben vom Bundesrat die Bewilligung bekommen für diese kurzlebigen schwach- und mittelaktiven Abfälle. Für hochaktive Abfälle käme dieser Standort auf keinen Fall in Frage, weil dort die Isolationszeiten viel länger sind. Und auch ein Zwischenlager wäre nicht sinnvoll, das im Wellenberg zu machen.
00:13:20 Fredi: Zwischenfrage nach den langlebigen schwach-mittel- aktiven Abfällen
00:14:14 Zuidema: Nein also wie jetzt der Hans Issler gesagt hat, ist es so vorgesehen, dass die langlebigen Abfälle im sog. C-Programm behandelt werden, also die langlebigen sind absolut nicht vorgesehen. Nein, nein, das ist also klar. Dann die schwach- und mittelaktiven Abfälle, die kurzlebigen, das gibt ein Volumen von etwa rund 150-000 m3, und dort drin enthalten wären dann auch die Abfälle aus den Stilllegungen der Kernkraftwerke, und auch z. Bsp. aus Stilllegungen von Forschungsanlagen.
00:14:45 Fredi: Zeitplan für den Wellenberg?
00:17:45 Mein Name ist Andi Nold. Ich bin in Chur aufgewachsen. Ich bin Chef-Ingenieur bei der Nagra, und in meinem Fachbereich zuständig für ingenieur-technische, bauliche und bohrtechnische Fragen. Ich möchte Ihnen gerne über den technischen Ablauf der operationellen Arbeiten ein paar Ausführungen machen. Auf diesem Modell, wie sie es hier sehen, ist über den Wellenberg den Eggeligrat ein Paket von Valanginien-Mergel prognostiziert, das hier in die Tiefe hinunter geht. Ich möchte Ihnen gerne diese Arbeiten an dieser Skizze zeigen, wo sie hier wieder das Engelbergertal haben, Richtung Engelberg, Richtung Luzern, das Tal Richtung Oberrickenbach, das Egglisbachtal mit dem Wellenberg hier in der Mitte.
00:18:34 Als erstes sind an der Oberfläche des Wellenbergs geologische Untersuchungen geplant, hydrogeologische und geophysikalische Messungen. Im Weiteren sind hier verschiedene Sondierbohrungen geplant. Der Sondierstollen soll in einer ersten Phase vorgetrieben werden entlang dieser Linie bis zu ca. 2 km, und entlang dieser Traverse soll ein Felslabor realisiert werden. Nach dieser Phase kommt der letzte Teil des Sondierstollens, der nach hinten geht in den eigentlichen Endlager-Bereich und wo die Endlagerzone mit Pilotstollen erschlossen und erkundet wird. Damit wären die eigentlichen Sondierarbeiten abgeschlossen.
00:19:30 Die Realisierung, der Bau eines Endlagers, der umfasst folgende Phasen. Als erstes müsste man in dieser Region das Portal gestalten und entsprechend ausbilden. Man müsste die Empfangsanlage, die im anstehenden Kalk geplant ist, mit einem Zugangstollen erschliessen. Als weiteres würde es darum gehen, den bestehenden Sondierstollen auszuweiten, ich zeichne jetzt hier die Variante. wo man einen Stollen planen würde, realisieren, der sowohl für den Betrieb wie für den Bau den Zugang ermöglichen würde. Damit man den Einlagerungsbetrieb aufnehmen kann, ist es nötig, mindestens eine Endlager-Kaverne zu realisieren. Als zweiter Schritt wäre der Weiterausbau dieses Endlagers über einen separaten Bauzugang, der einmündet in den bereits erstellten Kombinationsstollen, wo man weitere Kavernen machen würde, zum Beispiel so…, und wo man in einer späteren Phase das Endlager noch weiter ausbauen könnte, ungefähr in dieser Art und Weise nach oben, je nach Bedarf. Geplant sind rund 150'000 m3 radioaktive Abfälle hier unterzubringen. Das bedingt ein Ausbruchvolumen von ca. 1 Mio. m3. Das ist vergleichbar einer Röhre des Seelisbergtunnels und das Deponieproblem ist in einer späteren Phase geplant, dass man das lösen würde. Bisher sind noch nie Untertagebauten zurückgestellt worden, wegen der Deponiefrage.
00:21:45 Nold: Eine weitere Frage ist die Gestaltung des Portals. Wir haben noch beachtlich Zeit und möchten primär einmal wissen, ob der Standort als solches geeignet ist für den Bau eines Endlagers, und diese Frage als nächstes, als nach dieser Beantwortung dieser Grundsatzfrage angehen.
00:22:05 Schauen wir was passiert, wenn irgendwie während der Exploration, während der Erkundung der Standort aufgegeben werden müsste, was würde mit dem bestehenden Sondierstollen passieren? An und für sich könnte der wieder gefüllt werden, mit Beton, oder mit Ausbruchmaterial oder man könnte ihn auch einem anderen Zweck zuführen, sei es für Champignonzucht oder was immer. Diese Frage ist also noch offen.
00:22:37 Fredi: Würden chemische Abfälle gelagert, wem gehört der Stollen?
00:23:23 Nold: Schauen wir noch beim Terminplan bei der Realisierung des gesamten Projektes. Sie sehen hier wieder die Sondierarbeiten mit den Oberflächenuntersuchungen und Sondierstollen und Felslabor und dem eigentlichen Sondierstollen in die Endlagerzone hinein. Wir schätzen, dass wir hier gesamthaft eine Zeitdauer von ca. 5 oder 6 Jahre brauchen würden, dass die Bauphase bis zum Einlagerungsbeginn, die diese Teile umfasst, ungefähr eine Zeitdauer von drei Jahren in Anspruch nehmen würde, so dass wir bis gegen das Jahr 2000 mit der eigentlichen Betriebsaufnahme des Endlagers anfangen könnten. Wie sie hier dargestellt sehen, ist der weitere Bau von Endlage-Kavernen, wie es dort drüben angedeutet worden ist, parallel zum Einlagerungsbetrieb gedacht. Die Dauer kann man mit zwei bis drei Jahren abschätzen, und die Erweiterung des Endlagers auf die endgültige Ausbaustufe, die muss irgendwann dann, im Lauf der Betriebsdauer vorgenommen werden.
00:24:34 Einschub Fredi
00:24:40 Nold: Jawohl, sie sehen da einen Zeitplan beginnend mit 1990, also 1989, 2000, 2010/20 - 2040. Die Basis für die Betriebsdauer, die hier vorgegeben ist, ist an und für sich der Betrieb der Kernkraftwerke, die jetzt damit dem Jahr 2035 seinen Abschluss finden würde, und damit ist natürlich auch der frühste mögliche Zeitpunkt gegeben, wo man überhaupt über eine Verfüllung oder Versiegelung oder Verschluss des eigentlichen Endlagers reden könnte. Wie sie hier noch dargestellt sehen, diese roten Bsp. diese beinhalten aber, deuten auf Bewilligungsverfahren hin. Das heisst also, dass praktisch vor jeder Stufe, vor jeder Bauphase, vor jeder Untersuchungsphase jeweils doch ein mehr oder weniger intensives Bewilligungsverfahren durchlaufen werden muss.
00:25:37 Wenn man sich noch überlegt, wie viele Leute in dem ganzen Projekt involviert sind, so kann man abschätzen, dass für die Sondierarbeiten die Zahl variieren wird, zwischen 10 und ca. 40, je nachdem was alles parallel läuft, in den eigentlichen Bauarbeiten ist auch wieder abhängig, welche Arbeiten parallel ausgeführt werden, da kann die Zahl variieren zwischen 40 und 80, und beim Endlagerbetrieb sind unsere Schätzungen zwischen 30 und 40 Leuten, und für die Versiegelung sehen wir noch ca. eine Beschäftigung für 20 Leute ungefähr.
00:26:22 Die Gesamtkosten für die Realisierung des Projektes, die schätzen wir auf einige 100 Mio. Franken. Wir würden gerne genauere Zahlen angeben, sind dazu aber erst in der Lage, wenn wir selbstverständlich entsprechend genauere Unterlagen haben.
00:26:44 Fredi: Wäre dann genügend Raum für Abfälle weiterer AKW’s?
00:27:22 Nold: Also die Kapazität, die wir hier zugrunde gelegt haben, ist vorerst mal 150’000 m3. Wenn sich die Notwendigkeit zeigen sollte, dass man noch zusätzlichen Raum haben sollte, dann ist es möglich, diese Kaverne vielleicht ein wenig zu verlängern, aber bald einmal würde man an eine Grenze kommen, wo man nochmals auf einem anderen Stockwerk entsprechende Lagerkavernen schaffen, oder wo man dann an einen andern Standort gehen müsste. Der Zeitpunkt hier vom Ende des Betriebes und damit dem Beginn der eigentlichen Versiegelung oder Verschluss, der hängt natürlich weitestgehend vom bestehenden KKW-Programm ab. Die Zeit, die wir geschätzt haben, um das Endlager zu versiegeln oder zu verfüllen, das schätzen wir mit ca. 3 Jahren.
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00:00:00 Nold: Jetzt einfach noch ausserhalb und zu ihrer Information: Es hängt natürlich das ganze überhaupt mit der Frage zusammen, kann man überhaupt und was kann man überhaupt, denn das ist sehr eng gekoppelt mit der Gestaltung der ganzen Portalzone. Es ist auch die Frage, wieviel man wirklich untertags machen, soll man z. Bsp. der Betriebsmannschaft zumuten, dass die wie die Maulwürfe ständig unter Tag sind, oder gesteht man ihnen nicht auch zu, dass sie mindestens zum Essen auch wieder an die Oberfläche kommen dürfen.
00:29:45 Einschub Fredi, Diskussion ums Vorgehen
00:31:00 Mein Name ist Valentin Egloff, ich bin Jurist und seit 14 Jahren Sekretär der Verwaltung der Nagra. Meine Funktion gegenwärtig ist Leiter im Geschäftsbereich Recht und Administration inkl. Finanzfragen. Ich beantworte vor allem unzählige Einsprachen. Die Frage, ob der Wellenberg allenfalls auch für chemische Abfälle geeignet ist, kann ich als Jurist weniger beantworten, aber es scheint mir unerfindlich, woher ein solches Gerücht kommen sollte. Wenn schon ein Lager nicht geeignet sein sollte für radioaktive Abfälle, so scheint es mir auch undenkbar, dass man dann plötzliche chemische Abfälle dort einlagern könnte. Wir haben auch kein Mandat, chemische Abfälle Fragen zu untersuchen. Wir würden da ohnehin die Frage sofort weitergeben. Die Frage, was mit einem Stollen passiert, wenn der nicht geeignet sein sollte für eine Endlagerung, haben wir uns nur am Rand gestellt, steht gar nicht im Vordergrund. Ich würde da eine ganz offene Haltung sehen, der Nagra. Wir würden kein Eigentum an diesem Stollen beanspruchen, langfristig, wir würden das gerne zusammen mit den Grundeigentümern, respektive mit der Gemeinde abklären, ob so ein Stollen verfüllt werden solle, versiegelt, zugemacht, oder ob der einer weiteren Benutzung zur Verfügung stehen sollte. Wenn das jemand will, würde ich sehen, dass die Gemeinde da sicher im Vordergrund stehen sollte.
00:32:39 Fredi: Einschub
Issler: Die Nagra hat für das erste schweizerische Endlager für kurzlebige Abfälle vier Standorte für Standortuntersuchungen vorgeschlagen. Die Auswahl soll letztlich aufgrund technischer und geologischer Kriterien erfolgen. Wir werden immer wieder gefragt, ob es nicht möglich sei, diese Voruntersuchungen gleichzeitig an allen vier Standorten gleichzeitig durchzuführen. Das ist schon aus praktischen Gründen nicht möglich, und dagegen spricht ja auch das gestaffelte baupolizeiliche Bewilligungsverfahren. Wesentlich erscheint mir, dass die Vorabklärungen an allen 4 Standorten gleich erfolgen. Eine gleichgewichtige Behandlung der 4 Standorte. D.h. wir möchten die offenen Fragen mit den gleichen wissenschaftlichen Methoden und der gleichen Sorgfalt angehen. Bisher haben wir an zwei der 4 Standorte, Oberbaustock und Piz Pian Gran die Voruntersuchungen abgeschlossen, also Arbeiten, wie sie zurzeit auch am Wellenberg geplant sind.
00:34:11 Fredi: Sonderrolle Wellenberg?
00:34:38 Issler: Wir sind der Meinung, dass der Wellenberg bisher gleich behandelt worden ist, auch vom Bundesrat. In einer ersten Phase möchte man ja diese Standorte mal untersuchen im Hinblick auf Ausschlussgründe, gibt es geologische Gründe, die dafürsprechen, dass der Standort nicht geeignet wäre. Und in dieser ersten Phase sind seismische Messungen an der Oberfläche vorgesehen, sind eine Reihe von Sondierbohrungen vorgesehen, und sind auch ein Sondierstollen, aber noch nicht in den eigentlichen Endlagerbereich vorgesehen. Das wäre die Basis, um einen Vorentscheid treffen zu können, an welchem der Standorte dann die eigentliche Detailerkundung erfolgen solle. Das wäre dann eine Phase 2. Und diese Phase 2 beinhaltet dann den Bau eines eigentlichen Sondierstollens in den Endlagerbereich hinein. Und das Projekt soll dann die definitive Bestätigung der Standorteignung bringen. So ein Sondierstollen in den eigentlichen Endlagerbereich hinein ist bisher vom Bundesrat am Wellenberg noch nicht bewilligt worden.
00:35:40 Fredi: Kann der Bundesrat auf seinen Entscheid zurückkommen? Ist eine Tiefenbohrung noch möglich?
00:36:07 Issler: Also zurzeit ist diese Frage vom Tisch. Der Bundesrat ist auf das Gesuch, die Erkundung des tieferen Endlagerbereichs im Hinblick auf die langlebigen Abfälle nicht eingetreten. Die Nagra hat aber die Freiheit, in einem späteren Zeitpunkt dem Bundesrat allenfalls ein neues Gesuch zu stellen, und dann müsste diese Frage aufgrund der geologischen Begebenheiten neu beurteilt werden. Zurzeit, und solange kein neues Gesuch gestellt ist, steht die Frage aber nicht zur Diskussion.
00:36:37 Fredi: Zusammenhang "Gewähr" und Wellenberg?
00:36:50 Issler: Zwischen dem "Projekt Gewähr" und dem Standort Wellenberg besteht keine unmittelbare Beziehung. Im "Projekt Gewähr" ist es um eine Machbarkeitsstudie gegangen. Ist eine sichere Entsorgung von radioaktiven Abfällen in der Schweiz überhaupt möglich und wie könnte man das realisieren? Das ist die Aufgabenstellung des "Projektes Gewähr" gewesen. Der Bundesrat befand dann zusammen mit seinen Experten, dass die Nagra technische Lösungswege aufgezeigt hat. Und insbesondere, dass die Endlagerung der kurzlebigen radioaktiven Abfälle unter der Voraussetzung, dass man ein seriöses, ein aufwendiges technisches Einschlusskonzept realisiert, sicherheitstechnisch möglich ist. Gestützt auf diesen Entscheid hat dann der Bundesrat der Nagra den Auftrag gegeben, jetzt dieses Konzept zu vollziehen, d.h. die Realisierung eines solchen Endlagers in die Wege zu leiten. Und zu diesem Zweck möchte jetzt die Nagra die vier Sondierstandort auf ihre Eignung untersuchen.
00:38:07 Fredi: Eignung des Wellenberges?
00:38:32 Mein Name ist Theo Küpfer, ich habe in Bern Geologie und in Neuenburg Hydrogeologie studiert, ich arbeite seit 1986 für die Nagra. Ich bin hier Leiter der Fachgruppe operationelle Hydrogeologie, und bin in der Funktion zuständig für die Felduntersuchungen, also die hydrogeologischen Untersuchungen vorort, u.a. am Wellenberg.
00:39:06 Bezüglich Eignung des Standort Wellenberg und allfälligen Ausschlussgründen ist zu sagen, dass der Standort Wellenberg ja ausgewählt worden ist aufgrund von gewissen Annahmen, die man auf der Oberfläche gefunden hat und auch sogar in der dritten Dimension im Taleinschnitt, die Annahmen resultieren jetzt in einem Modell, und das Modell gilt es jetzt durch Felduntersuchungen zu verifizieren. Falls es sich herausstellen sollte, dass die Sicherheit dieses Endlagers aus irgendeinem Grund, gestützt eben auf die Untersuchungen, die wir machen werden, nicht gegeben ist, dann ist das in jedem Fall ein Ausschlussgrund. Ein möglicher Ausschlussgrund könnte zum Beispiel sein, erhöhte Wasserwegsamkeiten im Gebirge, Wasser ist das Transportmittel, das radioaktive Isotope wieder an die Biosphäre bringen kann, und wenn jetzt zum Beispiel erhöhte Klüftung, oder irgendwie grössere Einlagerungen von kalkigem Gestein im mergeligen Wirtgestein drin gefunden werden, dann könnte das eben ein Ausschlussgrund darstellen. Aber bevor wir eben irgend so etwas sagen können, müssen wir sondieren können.
00:40:42 Fredi: Können Sie bitte schildern, mit welchen Methoden sie diese Sondierungen vornehmen!
00:41:04 Die erste Phase dieser Standortuntersuchungen sieht Bohrungen vor. Diejenigen, die uns bewilligt wurden, sind Bohrungen, welche je nachdem bis 1300m erreichen, andere Bohrungen nur 500 - 700m. Und nachher ist selbstverständlich wichtig, dass wir ins Gebirge hineingehen, eben mit dem horiziontalen Stollen. Die Methoden, die wir dort anwenden, sind, vielleicht ganz kurz zusammengefasst ausgedrückt, man bohrt in der Regel Bohrkerne heraus in den Bohrlöchern, man führt dort schon physikalische Untersuchungen durch, und eine ganze Palette von hydraulischen Versuchen, wir nehmen, soviel vorhanden, Proben des Grundwassers in Anführungszeichen, vom Wasser dort im Gebirge und lassen diese hinsichtlich ihrer chemischen und isotopischen Zusammensetzung analysieren, von, wie das bereits gesagt wurde vorher, von einer Menge von mitarbeitenden wissenschaftlichen Instituts, sei das an Hochschulen oder auch privatwirtschaftlich organisierten.
00:42:37 Fredi: Befürchtungen von Rietern, dass das Land abrutsche?
00:43:21 Küpfer: Es ist sicher ein Nebenziel dieser Untersuchungen, dass man die Tiefe dieser bekannten Rutschmassen der Altzellen erkundigen tut, das ist quasi ein Beiprodukt dieser Bohrungen, und wenn man das mal hat, dann kann man das mechanisch zurückrechnen, man kann diese Gleitkreise ausrechnen und auch entsprechende Prognosen stellen, wie sich die Rutschmassen weiter verhalten werden. Ob das mit dem Endlagerbereich direkt etwas zu tun hat, ist sehr unwahrscheinlich, ich persönlich glaube nicht daran, aber man sollte es eben erkunden.
00:44:12 Fredi: Wasserfluss und Quellenbereich?
00:44:35 Küpfer: Die Überwachung der Quellen hat die Nagra bereits vor fast zwei Jahren angefangen, da ist ein geologisches Büro tätig und macht dort periodisch Beprobungen, tut sowohl Schüttungsmengen wie auch die chemische Beschaffenheit dieses Wassers zuerst durch Beprobungen und anschliessend durch Analysen im Labor überwachen, und das hat eigentlich zum Ziel eine Beweissicherung, wir wissen alle, Wasser ist ein wichtiges Gut, und wenn jemand ein Quellenbesitzer ist, dann ist er daran interessiert und auch an der Bewahrung der Schüttung einerseits und auch an der Qualität des Wassers andererseits, und die Nagra hat aus diesem Grund rein aus Beweissicherungsmassnahme das Überwachungsprogramm angefangen, lange bevor die ersten Sondierungen ins Gebirge überhaupt gemacht werden.
00:45:45 Fredi: Kennen Sie sich Vorort aus?
00:47:12 Mein Name ist Walter Gassler, ich bin ein Aargauer, ich bin Bauingenieur HTL, ich bin seit 6 Jahren bei der Nagra als Projektleiter Tiefbau. D.h. überall dort wo die Nagra Felduntersuchungen macht, bin ich verantwortlich für die nötige Infrastruktur, damit die Untersuchungen durchgeführt werden können. Zum Beispiel ein Bohrplatz. Ich bin also zuständig für die Herstellung und auch für das Wiederabräumen, das ist ebenso wichtig, dieser Bohrplätze. Und in dieser Aufgabe bin ich einer der ersten, die auch draussen mit der Bevölkerung in Kontakt kommt, und am Schluss dann auch wieder einer der letzten.
00:48:03 Jetzt, wenn ich die Frage der Beeinträchtigung, oder auch die Auswirkungen der Nagra-Aktivitäten auf die Gegend und Leute des Wellenberges, vor allem auch jetzt in der ersten Untersuchungsphasen beurteilen möchte, dann müsste ich vielleicht zwei Sachen kurz festhalten:
Das eine ist da der Umfang dieser Untersuchungen vorerst. Das sind ja die Grössenordnung dieser Bohrplätze, die wir im Sinn haben, der Installationsplatz, den man für den Stollenausbruch braucht, da muss ich vielleicht einfach kurz festhalten, wie gross das ist. So ein Bohrplatz entspricht einem Ausbau einer Quartierstrasse von vielleicht 400 - 500m, damit man einmal eine Grössenordnung hat.
Das Zweite ist der Stellenwert, der diese Arbeiten hat, die wir hier am Wellenberg machen wollen. Es ist ja unbestritten, dass der Stellenwert sehr gross ist, weil die Ausgangslage ja eigentlich das Bundesgesetz ist, das Atomgesetz. Also wir machen am Wellenberg eine Aufgabe, die einzigartig ist, es ist ja nicht anzunehmen, dass die nächsten Generationen noch weitere solche Lager bauen müssen. Also wir gehen im Moment davon aus, dass das das einzige Lager ist für schwach-radioaktive Abfälle das wir bauen werden, und damit ist glaube ich doch der Stellenwert gegeben, es handelt sich um eine nationale Aufgabe, wir entsorgen eine Sache, die einmalig ist, die in dieser Art auch einmalig angegangen wurde. Wenn man da vergleicht mit anderen nationalen Aufgaben, dann sind das eigentlich sehr kleine Eingriffe, die da passieren. Also wenn ich den Vergleich meine, dann sind das Strassen, Autobahnen, Bahnlinien, grad heute zum Beispiel, wo ja der Trend zum öffentlichen Verkehr ist, bleiben wir am Ort hier, am Wellenberg. Es sind ja da auch Vorhaben, die LSE besser auszubauen, damit die Leute mehr auf die Bahn gehen, damit die LSE aber schneller wird, muss man sie da oder dort neu trassieren, und auch das wird natürlich ein Eingriff sein, in die Landschaft. Es werden Leute beeinträchtigt werden. Und wenn man jetzt wieder zurückkommt, auf unser Vorhaben, dann darf man glaube ich sagen, dass das, was wir hier hinten im Sinn haben, zumutbar ist, und wenn man die Wichtigkeit des ganzen anschaut, dann glaube ich halt doch, die eine oder andere Gewichtung anders legen müsste, weil es eben um eine einzigartige Aufgabe geht.
00:51:25 Gassler: Vielleicht was die Leute davon haben, es ist ja so, dass wir ja, in den Arbeiten, die wir hier machen, gewisse Sachleistungen bringen, das ist vielleicht ein kleines Trostpflaster für die Leute. Wir müssen gewisse Erschliessungen machen, die wir brauchen, die wir ihnen nachher weitergeben können an die verschiedenen Leute, namentlich sind das verschiedene Strassenausbauten, es ist auch Ausbau der Wasserversorgungen, und das wird sicher auch ein wenig dazu beitragen, dass diese Leute auch noch ein wenig einen direkten Nutzen, mindestens in der Anfangsphase haben.
00:52:17 Fredi: Zumutbarkeit für die Betroffenen?
00:54:38 Gassler: Also für die Geometrie ist ja grundsätzlich das vorhandene Gestein massgebend, und es ist klar, wo immer man auch etwas macht, da hinten, betrifft man irgend jemand, betrifft man irgend jemand näher, wobei die Frage ja im Moment ist, was das für Eingriffe seien in der ersten Phase, in der Untersuchungsphase. Wie schon angetönt wurde, wird es sicher, wenn es im Wellenberg zu einem Endlager kommen sollte, betreffend Zugang nicht unbedingt von der Geometrie her, aber von den Anlagen her, die ja dann sonst noch dazu gehören, eine Lösung geben müssen mit den direkt betroffenen Anwohnern. Wie diese Lösung sein wird, ist schwer jetzt im Voraus zu sagen, vor allem weil man ja auch noch nicht genau festgelegt hat, welche Anlagen im Berg drin sein werden, die niemand stören, und was für Anlagen sind am Schluss vernünftigerweise ausserhalb. Aber das wird nachher im Zusammenhang mit dem Gesuch für die Erstellung des Endlagers, muss das mit den direkten Betroffenen abgeklärt werden.
00:56:12 Fredi: Nachhaken
00:58:31 Ende V-59