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Band Nr. V51-1, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Zehnder: Paul-Scherrer-Institut Wührenlingen (1990, Fredi Murer) Band Nr. V51-2, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Fredy Breitschmid: Geologe, Oberassistent Allgemeine Ökologie (Universität Bern), (1990, Fredi Murer)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9103-51
BestandF_9103 Dokumentation DER GRÜNE BERG [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand der Bevölkerung und die politischen Aushandlungsprozesse. Der Film wurde 2025 digitalisiert und restauriert. In diesem Zusammenhang wurde auch das S-VHS-Kassetten vorhandene Rohmaterial der Interviews digitalisiert. Der Bestand Dokumentation DER GRÜNE BERG umfasst 57 Interviews, die Fredi M. Murer 1989 und 1990 mit der betroffenen Bevölkerung, Vertretern der NAGRA, Widerstandsgruppen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen führte. Das Material wurde im Rahmen eines Memoriav-Projekts und der Unterstützung des Kantons Nidwalden (Amt für Kultur) digitalisiert. Als Basis für die Erschliessung dienten schreibmaschinengeschriebene Transkripte von 1990 (oft ins Hochdeutsche übertragene Wortprotokolle), die orginal wiedergegeben werden. Zur besseren Orientierung im digitalen File wurden sie mit Timecodes versehen und mit einem Abstract ergänzt.

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand… — mehr...

AbstractFredy Breitschmid, Geologe, Oberassistent Allgemeine Ökologie, UNI Bern. Er erläutert die Entstehung der heutigen Wellenberg Landschaft aus geologischer und klimatologischer Sicht. Die Bannalp (ca. 1’800 m ü M.) liegt mitten in der Faltenkaskade der Achsendecke, umfasst von der Drusberg und Stanserhorn Decke. Der Gipfel des Wellenberges hat feste Kalke, Valanginiens-Kalke und Kieselkalke, die in Wellen durch die alpine Faltung aufgeworfen sind.
Während der letzten 500’000 Jahre kam es im Alpenraum zu vier grossen Eiszeiten. Vor circa 24’000 Jahren lag Luzern unter Gletschereis; lokale Gletscher im Engelbergertal und Oberrickenbach trafen aufeinander. Seither zog sich das Eis zurück, doch heutige Temperaturanstiege durch industrielle CO₂ Emissionen verhindern künftige Vereisungen – mit Folgen wie Meeresspiegelanstieg und Verschiebung klimatischer Vegetationszonen (Reisanbau statt Getreide).
Für das Endlagerprojekt für radioaktive Abfälle ist der Valanginiens Mergel entscheidend.
Die Frage ist, wie die Struktur dieser Valanginiens-Mergel an der Basis des Wellenberges aussieht. Der Valanginiens Mergel diente während der alpinen Überschiebung als Schmierhorizont und lagerte Gesteinsblöcken aus benachbarten Gesteinsdecken ein. Unklar bleibt, wie gross und homogen die Mergel Einheit am Wellenberg Fuß tatsächlich ist. Vor einer allfälligen Stollenanlage müssten daher Sondierungen klären, ob versteckte Kalklinsen oder Störungszonen die Langzeitsicherheit radioaktiver Abfälle beeinträchtigen. Breitschmid warnt, dass ohne präzise Kenntnis dieser Untergrund Strukturen jede Prognose zur Eignung des Wellenbergs als Atommülllager Spekulation bliebe.
Zehnder ist Betriebsleiter im Paul Scherrer Institut (PSI), Würenlingen.
Er erläutert, wie das PSI jährlich rund 3’300–3’500 Fässer schwachradioaktiver Abfälle aus Kernkraftwerken, Forschung, Medizin und Industrie entgegennimmt und in seiner Verbrennungsanlage verascht. Rund 70% des Volumens (Polyethylen) stammen aus den Schweizer Kernkraftwerken Leibstadt und Gösgen; die übrigen 30% entfallen auf Industrie und medizinische Isotopenabfälle wie Jod Labormaterial oder Leuchtfarben und Feuermelderreste, Zellstoff, Holz oder Gummi. Die kontrollierte Strahlung liegt im Milliröntgen Bereich und stellt für Personal und Umwelt bei sachgerechter Handhabung keine Gefahr dar.
Die ursprünglich brennbaren Abfälle gelangen in orange Fässer und werden verbrannt; die verbleibende Asche wird mit Zement zu einem Pressling vermischt, wodurch sich das Volumen um den Faktor 160 reduziert. Der Presslinge ist mit einer 5 cm starken Mörtelschale, und abschliessend mit einer armierten, inaktiven Schicht umhüllt. Aus 3’500 Ausgangsfässern entstehen so etwa 40 schwarz lackierte, endkonditionierte Fässer, die als Transportverpackung dienen. Diese Endverpackung garantiert, dass selbst bei Beschädigung der Stahlhülle kein radioaktives Material entweichen kann.
Zehnder hebt hervor, dass das PSI Konzept dank hoher Reduktionsraten und sicherer Endkonditionierung ein tragfähiges Modell für die Zwischenlagerung schwach radioaktiver Abfälle bietet, bis langfristige Endlagerlösungen bereitstehen.
Urheber
  1. Murer, Fredi M.
Copyright
Schlagwörter
  1. Umwelt
  2. Umweltpolitik (allgemein)
  3. Abfallwirtschaft
  4. Abfalllagerung
  5. Lagerung radioaktiver Abfälle
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Nidwalden
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1989
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1990
Verleger
  1. Murer, Fredi M.
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. S-VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation
Herr Zehnder / PSI Wührenlingen

00:01:01 Mein Name ist Zehnder, ich bin Betriebsleiter im Paul Scherrer Institut in Wührenlingen, meine Aufgabe ist die Entsorgung von schwachradioaktiven Abfällen aus der Industrie, Medizin, Forschung und aus den Kernkraftwerken. Wir verarbeiten hier im Jahr ca. 3’300 Fässer, tun die brennbaren Abfälle veraschen und nachher die Asche einbetonieren in 2001 Fässer.

00:01:30 Fredi: Woher kommen die Fässer, was ist drin?

00:01:46 Die Abfälle kommen, die die wir hier sehen, aus den Kernkraftwerken, aus den Kernkraftwerken Leibstadt, Gösgen, darin hat es volumenmässig ca. 70% Polyäthylen, der Rest besteht aus Zellstoff, also Overall und Holz. Die Abfälle, die wir dort drüben haben, die kommen aus der Industrie… (Abbruch)

00:02:14 Fredi: Farben, genauer Inhalt?

00:03:06 Also in diesen Fässern drin, in diesen orangen Fässern drin haben wir leicht radioaktives Material, das besteht aus Stiefel, Überkleider, Holzmaterial, Plastik. Und das tun wir verarbeiten in unserm Institut und veraschen es nachher in unserer Verbrennungsanlage, und die Asche wird einbetoniert in 2001 Fässern. Wir haben ... (Abbruch)

00:03:32 Unterbruch

00:03:42 Wir verbrennen an unserm Institut im Jahr ca. 3500 Fässer schwachradioaktive Abfälle. Das Endprodukt, also die Asche gibt, besteht nachher aus 40 endkonditionierten Fässern. Wir haben also etwa einen Volumenreduktionsfaktor von 1 zu 160.

00:04:04 Fredi: Farben?

00:04:10 Die Funktion der Farben ist so, was wir in orangen Fässern drin haben, das sind nichtkonditionierte schwachradioaktive Abfälle. In den schwarzen Fässern drin, das sind endkonditionierte Abfälle, die sind endlagerfähig, nach der Verordnung, also wie soll ich es jetzt sagen, nach den Transport-, nach den Transportvorschriften endkonditionierte Abfälle, also lagerfähige Abfälle.

00:04:41 Unterbruch

00:05:05 Gut, die Abfälle in diesen orangen Fässern drin stammen von den Kernkraftwerken, in dem Fall jetzt Kernkraftwerk Leibstadt hier, Kernkraftwerk Gösgen dort. Die Abfälle fallen an bei Revisionsarbeiten und sind leichtradioaktive Abfälle, schwachradioaktive Abfälle. Die kommen hierher zur Endkonditionierung, gehen in die Verbrennungsanlage, werden da verascht, also verbrannt und wir tun im Jahr etwa 3500 Fässer hier verbrennen, und das Endvolumen ist 40 Fass radioaktive Asche.

00:05:44 Fredi: Prozentuale Verteilung?

00:05:56 Also aus den Kernkraftwerken, aus dem Kernkraftwerkbereich kommen ca. 70% radioaktive Abfälle. Die restlichen 30% stammen aus der Forschung und aus der Industrie.

00:06:11 Fredi: Beispiele?

00:06:19 Aus der Forschung und Industrie kommt vorwiegend, also Forschung Jodabfälle, das ist aus der Isotopen Produktion, die Rückstände aus diesen Isotopen, dann nachher aus der Industrie kommen aus der Leuchtfarben Industrie, dann nachher aus den Feuermeldern Rückstände ... das wäre es wahrscheinlich.

00:06:44 Fredi: Wiederholung

00:07:30 Also diese Abfälle, die wir hier verarbeiten aus Forschung, Industrie und Medizin, das stammt einmal aus der chemischen Industrie haben wir da Abfälle, wir haben aus der Feuermelderindustrie haben wir Abfälle, dann haben wir aus der Forschung wie unser Betrieb, Paul Scherrer Institut, das Isotopen herstellt für die Medizin... (Abbruch)

00:08:00 Fredi: Wiederholung, weil Punkt fehlt.

00:09:03 Aus Forschung und Industrie, die setzen sich zusammen aus ... (Abbruch)

00:09:20 Also diese Abfälle aus der Industrie, Medizin und Forschung setzen sich folgendermassen zusammen: Wir haben Zifferblätter, wir haben Rauchmelder, wir haben Putzmaterial aus der Industrie heraus ... das wärs.

00:09:38 Fredi: Medizin?

00:09:45 Medizin haben wir von den Isotopen für die Diagnostik bei den Spitälern, die aus unserm Betrieb kommen, aus dem Paul Scherrer Institut, das sind diese Abfälle, die wir da aus diesen Bereichen heraus bekommen.

00:09:58 Fredi: Unterbruch, jetzt zeigt er was im orangen Fass ist.

00:10:56 Ich kann Ihnen an einem Beispiel zeigen, was wir hier in diesen Fässern drin haben, das ist jetzt schwachradioaktiver brennbarer Abfall aus unserem Institut. Wir haben da Polyäthylen, wir haben Gummihandschuhe, wir haben Schuhüberzüge, die die Leute tragen in der Zone drin, und das geht in die Verbrennungsanlage hinauf und wird dort verascht. Wir erzielen dort einen Volumenreduktionsfaktor von 1 zu 160. Das heisst also bei einer Verbrennungskampagne fällt bei uns etwa 40 Fass endkonditionierter schwachradioaktiver Abfall an. (es pfeift, Lüftung)

00:11:44 Unterbruch. Handlung ohne Kommentar

00:12:36 Fredi: Gefahren

00:12:49 Also diese Strahlung ist sehr schwach, wir haben da einige Milliröntgen pro Stunde, man kann das so handhaben, weil das Material sauber in Plastiksäcken drin verpackt ist, und für den Menschen, so wie wir das handhaben, keine Gefahr besteht.

00:13:16 Unterbruch, aussen

00:13:50 Da sind wir in der Bereitstellungshalle, da haben wir die endlager-behördlich-genehmigten Verpackungen, das sind im Jahr etwa 350 Fässer, die bei uns anfallen ...

00:14:02 Unterbruch (Dialog mit Fredi und einem Herrn im off)

00:16:49 Also von den ca. 3500 Fässern, die wir pro Jahr bekommen (Abbruch)

00:17:04 Also vom angelieferten Volumen von 3500 Fässern im Jahr bekommen wir 350 Fässer endkonditionierte 2001 Fässer, und das wäre der Fasstyp, der in ein Endlager geht.

00:17:22 Fredi: Inhalt schwarzes Fass.

00:19:28 Die Asche, die beim Verbrennungsprozess anfällt, tun wir in so ein Fass hinein konditionieren, wir tun die Asche mit Sand, Zement mischen, wird die vermischt in einem Zwangsmischer drin, und füllen den ab in so einen Fasstyp hinein. Die Asche ist nur das Volumen, hingegen das hier ist der inaktive Beton, und der dient zur Abschirmung. Das hier ist ein Pressling, wo wir mit einer 100t Presse nicht brennbare Abfälle zusammendrücken, d.h. wir erzielen so durch Pressen eine Volumenreduktion.

00:20:12 Fredi: Pressling wird auch entsorgt?

00:20:18 Dieser Pressling kommt nachher in so ein schwarzes Fass hinein, 4, 5 je nach Grösse des Presslings, wird mit Mörtel eingegossen, und anschliessend machen wir eine inaktive Schicht, eine armierte, inaktive Schicht wird noch obendrauf gebracht.

00:20:39 Unterbruch

00:21:26 An Stelle dieses roten Aschenfasses werden diese Presslinge in so ein 2001-Fass eingefüllt, wird rundherum eingegossen mit Zementmörtel, anschliessend tut man eine inaktive Schicht, eine armierte, inaktive Schicht einbringen, und das ist dann die Endverpackung, die in ein zukünftiges Endlager geht.

00:21:54 Fredi: schwarzes Fass?

00:22:10 Also das schwarze Fass, diese Verpackung, das dient nicht als Schutzhülle für den radioaktiven Abfall, sondern ist rein ein Transportgebinde.

00:22:26 Unterbruch, abgebrochener Versuch

00:23:26 In diesem Pressling drin haben wir nicht brennbare radioaktive Abfälle. Die werden im Abfalllabor unten mit einer 120t Presse verdichtet, also eine Volumenverminderung. Der Pressling kommt in so ein 2001-Fass hinein, werden 3, 4 bis 5 Stück werden da aufeinander gebeigt, werden anschliessend eingeschlossen mit einer inaktiven Schicht Mörtel. Wir haben da nachher etwa 5cm inaktiven Mörtel. Anschliessend tut man da oben einen inaktiven Deckel aufsetzen, der ebenfalls armiert ist, wie die Seitenwände, und der Stahlbehälter dient nur als Transportverpackung, auch selbst wenn der kaputt gehen sollte, besteht also absolut keine Gefahr, dass radioaktives Material frei wird.

00:24:28 Ende V-51-Zehnder


Fredy Breitschmid, Geologe, Oberassistent Allgemeine Ökologie, UNI Bern, vor dem Wellenberg

00:25:14 Breitschmid: Also wir sind hier auf der Bannalp, 1800m über Meer ungefähr, und sind hier mitten in der Faltenkaskade der Achsendecke drin. Und zwar mitten in dem Gebirgsgebilde der Wallenstöcke. Wenn wir da rechts hinaufschauen, sieht man schone Faltenstrukturen dieser Faltenkaskade, die wir auf dem Profil kennen gelernt hatten. Wenn wir jetzt da weiter ins Tal hinausschauen, kommt der Blick weiter auf den Wellenberg hinunter. Den Wellenberg sieht man hier als Felskopf mit hellen Felsen, und wie ein Elefantenrücken geht es nach hinten, der Eggeligrat, der aus diesen Valanginiens-Mergeln besteht. In diesen Valanginiens Mergeln hier, von diesem Eggeligrat möchte man das Atommülllager machen.

00:26:19 Ich möchte jetzt aber hier erklären, wie es hier zu dieser Landschaft gekommen ist: Vor den Eiszeiten haben wir jetzt schon berichtet bekommen, wie der ganze Gebirgsaufbau abgelaufen ist, und jetzt möchte ich Euch etwas erzählen, wie diese Landschaft entstanden ist während den Eiszeiten oder auch zwischen den Eiszeiten. Man weiss, im Alpenraum sind vier grosse Eiszeiten aufgetreten im Zeitraum von einigen 100'000 Jahren. Die letzte Eiszeit hatte vielleicht ca. vor 50'000 Jahren ihre Hauptverbreitung. Da ist der Gletscher hier aus dem Engelbergertal hinausgeflossen, mit dem Reussgletscher zusammengestossen, und der Reussgletscher ging nachher ins Mittelland, und traf sich dort auch mit andern Gletschern. Die weiteste Ausdehnung einer Begletscherung in der Schweiz ging sogar so weit, dass der Rhonegletscher über das Rhonetal hinweg bis über das Mittelland in die Gegend von Wangen an der Aare, das ganze Mittelland in dieser Gegend überdeckt hat. Und hier oben während dieser Zeit ist hier tief im Tal unten, das Kirchlein von Rickenbach hören wir eben läuten, in diesem Talboden unten hockte auch ein Lokalgletscher. Der hat sich dann vorne rechts vom Wellenberg, traf sich der dann mit dem Hauptgletscher, der aus dem Engelbergertal herauskam.

00:28:11 Um einen Massstab zu geben, wie damals die Menschen, die es damals schon gab, etwa gelebt haben: Vor der letzten Eiszeit, die ich vorhin ein wenig beschrieben habe, gab es eine Warmzeit, wo ungefähr die gleichen Verhältnisse waren wie heute. Und während dieser Warmzeit gab es im süddeutschen Raum oder vielleicht auch im Mittelland Neandertalerhorden, die ihrem Essen als Jäger nachgerannt sind. In der vorletzten Warmzeit, von dort her, vor ca. 450'000 Jahren hat man die ersten menschlichen Überresten gefunden, also einen Faustkeil von der menschlichen Gesellschaft, die vor 450'000 Jahren im Raum von Pratteln bei Basel gelebt hat.

00:29:11 Fredi: Zeitverhältnisse Luzern, Halbwertszeit?

00:33:11 Vor 24'000 Jahren also, das ist ungefähr die Halbwertszeit von Plutonium, in der Zeit gab es im Luzerner Raum eine dicke Eismasse, wo die Stadt Luzern einige 100m, kann man sagen, unter dem Eis noch zugedeckt war. Der Gletscher hat sich nachher mehr und mehr zurückgezogen, aber auch vor 10'000 Jahren war hier im Tal unten bei Oberrickenbach sicher noch ein Gletscher vorhanden. Wie geht das weiter mit diesen Eiszeiten: Wir wissen, dass heute die Gletscher im Alpenraum im Rückzug sind, wir wissen aber auch, dass einige Gletscher im Vorstossen sind. Und wenn man zeigen kann, dass im alpidischen Raum eben in diesen letzten 500'000 Jahren verschiedene Eiszeiten gekommen und wieder weggegangen sind, in diesen Wellenbewegungen drin von diesen Eiszeiten, könnte man sich vorstellen, dass wieder eine Eiszeit auf uns zukommt. Aber wir wissen von Messungen und Beobachtungen grad von den letzten Jahren, dass wir durch unser Leben vor allem in den industrialisierten Ländern dazu beitragen, dass sich die Atmosphäre langsam erhitzt. Das sind nur einige 1/10 Grade, um die die Atmosphäre im Durchschnitt wärmer wird, aber diese wenigen Grade oder 1/10 Grade bewirken, dass eine Eiszeit eben kommt oder verhindert wird. Und wir leben vorläufig wahrscheinlich in einer Phase, wo wir eine Eiszeit verhindern, weil wir die Atmosphäre aufheizen. Das hat aber auch wieder seine Folgen und seine negativen Folgen auf unser Leben. Wenn man nämlich alles Eis auf der Erde schmelzen würde, dann würde natürlich der Wasserstand der Meere wesentlich steigen, und würde sämtliche Hafenstädte, wo wir heute ein grosses Leben drin haben, würde es verschwemmen und überschwemmen.

00:35:20 Wir sind hier auf der Bannalp, ca 1800m über Meer und stehen hier mitten in der Faltenkaskade der Achsendecke. Wie sehen hier die Wallenstöcke, die schönen Verfaltungen der Wallenstöcke, und wenn wir ins Tal hinausschauen, sehen wir hier unten den Wellenberg mit einem ganz hellen Teil, der feste Kalk, und mit einem Rückenteil wie ein Elefantenrücken, der Eggeligrat, der aus dem Valanginiens-Mergel besteht, wo man das Atommülllager drin bauen will.

00:36:05 Wir haben die grossen Gebirgszusammenhänge bereits gelernt, was ich Euch hier jetzt zeigen möchte, wie die Landschaft ungefähr während der verschiedenen Eiszeiten ausgesehen hat. (Verschiedene Fehlstarts).

00:36:58 Wir sind hier auf der Bannalp, ca 1’800m über Meer und stehen hier in der Faltenkaskade der Achsenbecken. Wir sehen hier schön die Verfaltungen der Wallenstöcke, und wenn wir das Tal hinausschauen, sehen wir hier unten den Wellenberg mit diesen hellen Felsen, das sind Kalke, und im Rücken, wie ein Elefantenrücken sehen wir den Eggeligratll mit den Valanginiens-Mergel, wo die Nagra das Endlager hineinprojektieren will.

00:37:33 Wir haben also jetzt den Gebirgsbau ein wenig kennen gelernt, jetzt möchte ich noch etwas erzählen über die letzten 500'000 Jahre, nämlich als die Eiszeiten einen grossen Teil des Mittellandes bedeckt hatten. Vor der letzten grossen Eiszeit gab es auch eine Warmzeit, und in dieser Warmzeit hausten im Mittelland, bei Luzern und im süddeutschen Raum Neandertaler. Nachher brach die letzte Eiszeit ein, und dann hat es das Alpengebiet grossräumig übergletschert. Man kann zum Beispiel nachweisen, dass der Rhonegletscher über das ganze Mittelland hinaus bis in die Gegend von Wangen an der Aare kam, und in der Zeit war natürlich auch hier alles von Gletscher bedeckt, von Engelbergertal aus ging der Engelbergergletscher hinaus und traf im Tag draussen, im heutigen Vierwaldstättersee-Gebiet den Reussgletscher, und hier unten sieht man Oberrickenbach, das Kirchlein, da in diesem Tal, in dieser Talsohle unten hockte der Oberricvkenbachergletscher, und traf dort unten rechts vom Wellenberg den Engelbergergletscher.

00:39:01 Vor ca. 24'0000 Jahren, das ist etwa die Halbwertszeit des Zerfalls des Plutoniums, schlummerte also die Stadt Luzern unter einer grossen Eisbedeckung. In den nächsten 10'000 Jahren gab es einen Gletscherrückzug, die Zeit wurde immer wärmer. Hier im Tal hauste etwa noch vor 10'000 Jahren der Oberrickenbachergletscher, und heute sieht man, hat sich der Gletscher hier zurückgezogen, bis in das kleine Feld, das man da oben heute noch sieht. Wo stehen wir also heute, wenn man die ganze Vergletscherungsgeschichte der Alpen in Betracht ziehen will? Man könnte ja sagen, die Vergletscherungsgeschichte sei so wellenartig in den alpiden Raum eingefahren, könnte es jetzt nicht noch eine neue Eiszeit geben. Wir wissen aber, dass wir mit unserem industriellen Leben vor allem die Atmosphäre erwärmen. Und zwar, das kann bis zu einigen Graden gehen, (im Durchschnitt pro Jahr,) und man kann ausrechnen, dass das reicht, nur wenige Grade Erwärmung, um das ganze Eis auf der ganzen Welt zum Fliessen zu bringen, zum Schmelzen zu bringen, und das würde ja unsere Küstenstädte auf der ganzen Welt einige Meter überschwemmen.

00:40:36 Die Klimaveränderung, die durch die Erwärmung stattfindet, die hat man sich auch schon überlegt, was da in der Schweiz passieren würde, da würde nämlich langsam nach und nach ein mitteljapanisches Klima einfahren im Schweizer Raum, d.h. es würde nasse Winter geben, und wärmere Sommer, und da würde eine andere Vergesellschaftung von Pflanzen nötig sein, d.h. die Bauern des Mittellandes oder auch im voralpinen Raum müssten anfangen Reis anzupflanzen, und sich so auf die neuen klimatischen Verhältnisse eingliedern.

00:41:16 Bergbilder

Wir sind hier in Oberrickenbach, in der Nähe der Kirche auf ca. 900m und schauen hier jetzt auf den Wellenberg, auf die Hinterseite des Wellenbergs, da sehen wir ganz markante Felsköpfe (Auto)

00:45:31 Wir sind hier in Oberrickenbach, in der Nähe der Kirche auf ca. 900m Höhe und schauen hier jetzt an die Hinterseite des Wellenbergs, an die markanten Felsköpfe. Und man sieht hier rechts aussen, da sind die Felsen ein wenig gelblicher, das ist der Kieselkalk und man ahnt schon eine Geschwungenheit in diesen Schichten drin, eine Faltenstruktur. (Auto)

00:46:26 Wir sind hier in Oberrickenbach, in der Nähe der Kirche auf etwa 900m über Meer, und schauen hier auf den Wellenberg von hinten. Der Wellenberg ist ja eine Einheit der Drusbergdecke und ganz markante Gesteine sehen wir hier in diesen Felsköpfen. Rechts aussen, die gelbliche Felspartie ist eine Falte des Kieselkalk, in der Mitte haben wir mehr weisslich graue Kalke, das ist der sog. Valanginiens Kalk, und links im Wald drin sieht man die rötlich violetten Gesteine der Valanginiens-Mergel. Wenn man nachher weiter geht, sieht man den Rücken des Eggeligrats, der aus diesem Valanginiens-Mergel besteht. Die Krete und die Hügel sind so lieblich geformt, weil das Gestein eben weicher ist als der Kalk, den wir hier drüben jetzt gesehen haben, und auf der Oberfläche sieht man, dass der Boden fliesst. Und das ist eigenartig, mehrheitlich meint man, das Wasser fliesse, wir hören ja hier gerade den Bach, hier von Oberrickental, das Wasser fliesst, aber auch das Gestein kann fliessen.

00:47:50 Wir haben vorhin die Felsen gesehen von der Felswand des Wellenbergs, und das Fliessen ist zustande gekommen, weil über uns während der Alpenfaltung einie 1000m Gesteine lagen. Und unter dieser Überlast, unter diesem Druck, gab es die Falten dieses Felskopfes…

00:48:33 Wir sind hier in Oberrickenbach ca auf 900m über Meer in der Nähe der Kirche, und schauen da jetzt an die Hinterseite des Wellenbergs. Wir sehen hier ganz markante Felsköpfe, rechts aussen die gelblichere Partie ist der Kieselkalk, in der Mitte eine grau-weissliche Partie, das ist der sog. Valanginiens-Kalk, und links im Wald drin die rötlich violetten Mergel, die sog. Valanginiens-Mergel. Und diese drei Gesteine sind Einheiten der Drusbergdecke, die während der Alpenfaltung unter mehreren 1000m Überlast sich da vorgewälzt haben. Und in diesem Fliessen dieser Deckeneinheiten haben sich diese sehr schönen Faltenstrukturen gebildet, die man in diesen Gesteinspartien des Kieselkalk und des Valanginiens-Kalks von hier aus gut sieht. Weiter sehen wir da drüben den Grat, den Eggeligrat, der aus diesen Valanginiens-Mergeln besteht. Der Eggeligrat hat eben ein weicheres Gestein, es ist ein Mergel, und bildet eine liebliche Landschaft, eine Hügellandschaft. Und hier ist auch wieder ein Fliessen zu sehen, nämlich das Fliessen der Oberfläche, des Humus, der so in diesen Hang hinein eine eigenartig schöne Landschaft ermöglicht. Nicht, also nicht nur das Wasser fliesst, vom Oberrickenbacherbach, sondern auch die Landschaft fliesst, und die Steine flossen während der Alpenfaltung. Alles fliesst.

00:50:45 Ich bin der Fredi Breitschmid, ich habe an der Uni Bern Geologie studiert, und habe nach dem Geologiestudium einen Kartierungsauftrag angenommen im Berneroberland. An der Dissertation habe ich geschrieben in den Nachbargebirgen im Kanton Uri, und habe dadurch Kontakt bekommen mit dem Volk dahinten, die sich mit dem Atommüllprojekt der Nagra beschäftigen. Ich bin Oberassistent an der Koordinationsstelle für allgemeine Ökologie an der Uni Bern, und möchte Euch kurz einführen ins Gebirge, wie es entstanden ist, hier in dem Engelbergertal.

00:51:29 Auf der Gegenseite unseres Hanges ist der Wellenberg. Um den dreht sich ja die ganze Geschichte. Der Wellenberg und die umliegenden Gebirge, die sind sagen wir mal, vor 100 Mio. Jahren sicher nicht da gewesen, denn damals war in der Gegend hier ein Meer, das sich über grosse Teile von Europa ausgebreitet hat. Die Nordküste war etwa im süddeutschen Raum, und gegen Süden Richtung Po-Ebene wurde das Meer immer wie tiefer. Und in der Shelfszone, etwa bis 200-300m Tiefe haben sich Kalke, Sande und Mergel abgelagert. Eine gleiche Küste, wie sie damals vor etwa 100 Mio. Jahren ausgesehen hat, könnte man heute beobachten in der Nordwestzone von Australien. Also wir haben heute ein gleiches Verhältnis, ein ähnliches Verhältnis wie es vor etwa 100 Mio. Jahren hier in dieser Gegend war.

00:52:39 Während vielen Hunderttausenden von Jahren füllte sich das Meer nachher allmählich mit den verschiedenen Sedimenten auf. Tausende von Metern von Sand, Kalk und Mergel haben sich abgelagert, und dann kam das grosse Leben in die Kontinente. Ein griechischer Philosoph drückte es einmal so aus, als er über das Leben und die Erde nachdachte, in zwei Worten: "Alles fliesst", und das wusste er nicht, was man heute weiss, nämlich, dass auch die Kontinente gewissermassen fliessen. Also vor über 100 Mio. Jahren floss Afrika langsam gegen Europa zu, aufgebrandet, sagen wir, und türmte die Sedimentablagerungen dieses Meeres auf. Die ganzen manch 1’000m hohen Sedimentablagerungen wurden zusammengestossen und bilden heute den Alpenbau. Und zwar nicht einfach in einem Fächer, sondern die Gesteinsmassen haben sich Deckenstrukturen, sagen wir in der Geologie, in Falten haben sich diese riesigen Gesteinsmassen gelegt. Und ich möchte Ihnen jetzt weiter über den Faltenbau dieser drei Deckeneinheiten, die man von hier aus sieht, weiter erzählen.

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00:54:12 Das ist ein geologisches Profil, das die Berge in meinem Hintergrund darstellt. Und zwar im Süden vom Weissberg bis nach vorn in den Rotterberg im Gebiet des Vierwaldstättersees. Diese Zone hier ist, wie ich gesagt habe, durch drei grosse Deckenelemente charakterisiert, und es ist schön zu sehen, dass jede Decke eben auch ihren eigenen Charakter hat. Mit diesen Farben hier ist die Achsendecke ausgeschieden, und man sieht hier bei den Wallenstöcken ganz schön den Faltenbau, die Faltenkaskaden, die sich hier hoch auftürmen. Die zweite Deckeneinheit ist die Drusbergdecke. Das sind hier die grünen Gesteine, die sich hier auch in Falten legen, aber in ein wenig grosszügigere Falten. Bis nach vorne in den Muotaschwandenberg schön langgezogene Falten. Darauf oben hockt das dritte Element dieser Region, das Stanserhorn, die sog. Klippendecke. Aber jetzt konzentrieren wir uns auf die Position hier, auf den Kontakt der Achsendecke zur Drusberdecke. Weil hier ist im Zentrum der Wellenberg ausgezeichnet. Wir haben hier im Gipfel des Wellenberges feste Kalke, Valanginiens-Kalke und Kieselkalke, die hier in Wellen durch die alpine Faltung aufgeworfen sind. Deshalb wahrscheinlich der Name Wellenberg. Darunter mit diesen feinen Strichleich sind die sog. Valanginiens-Mergel aufgeschlossen. Das Wort Valanginiens kommt vom Schloss Valangin, das ist im Kanton Neuenburg, und dort sind ähnliche Gesteine aufgeschlossen wie hier. Das kommt davon, dass ja eben das Meer das gleiche war.

In diesen Valanginiens-Mergel in dieser Position ist jetzt das Projekt der Nagra vorgesehen, den Atommüll zu lagern. Wie Ihr seht, sind hier Unsicherheitsfaktoren. Die Geologen können nicht sagen, wie das unter diesen Valanginiens-Mergeln aussieht. Man hat hier mal einen Vorschlag gezeichnet, aber da weiss man heute noch wenig darüber. Die Frage ist jetzt, wie sieht die Struktur an der Basis dieser Valanginiens-Mergel aus, d.h. wie gross ist das Volumen dieser Mergel, die man dann ev. als Wirtgestein brauchen könnte. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass während der Überschiebung der Drusbergdecke hier auf die Achsendecke während der alpiden Faltung haben diese Valanginiens-Mergel als Schmierhorizont gedient und haben zum Teil Gestein aus diesen Decklernenten mitgerissen, und diese Gesteine sind zum Teil in diesen Valanginiens-Mergel hängen geblieben. Das ist eine weitere Frage, die man klären muss, ob in diesem Wellenberg drin grössere Kalkmassen vorhanden sind, die sich nachher negativ auswirken würden im Stollenbau.

00:58:26 Ende V 51-Breitschmid

ZitationsvorschlagVideo: Murer, Fredi M./F 9103-51
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