AKW-Sitzung II (Fortsetzung) (Arbeitsgruppe kritisches Wolfenschiessen)
Elisabeth Brugger, AkW, Wolfenschiessen
Werner Blättler, AkW, Lehrer, Gemeinderat
Pius Frey, AkW, Wolfenschiessen
Weitere Personen die im Film an der AkW Sitzung erscheinen, aber im Film nicht mit Namen erwähnt sind:
Pia Blättler, Wolfenschiessen
Ursula Decker, Wolfenschiessen
Klaus Decker, Wolfenschiessen
Vreni Niederberger, Landwirtin
Theodor Niederberger, Landwirt
Trudi Odermatt
Klara Zumbühl, Wolfenschiessen
Hanspeter Niederberger, Landwirt
Isabelle Frey
Luzia Zumbühl
Theo Zumbühl
Noldi Lindinger
00:00:09 Fredi: Soziales Gefüge und Landschaft wird gestört?
00:02:34 Hans Peter Niederberger: Ja, die Situation ist schone chli so, dass der Bauer sich wehren muss, selber diese Einsprachen und so machen, aber ich möchte da schon sagen, der Bauernverband Nidwalden hat ja auch eine Einsprache gemacht, und zwar ziemlich klar. Wo man dann wieder auf die andere Seite sagen muss, wir haben eigentlich eine gute, oder grosse Vertretung, d.h. wir haben zwei Regierungsräte aus der Landwirtschaft, und die sind leider ganz auf einer anderen Seite. Das gibt eben schon Spannungen, auch dort hinauf, das merke ich jeweils, aber der Bauer da hinten muss sich selber wehren.
00:03:18 Zum Glück haben wir die Unterstützung dieser Gruppe, denn es ist ja nicht so einfach, nur schon so eine Einsprache, so etwas, allein zu formulieren und anzubringen. Und ich muss auch sagen, seit ich in dieser Gruppe bin habe ich ganz ein anderes Bild von der ganzen Sache bekommen, weil hier sind Informationen gekommen, die man sonst einfach nirgends bekommt. Von dem her bin ich sehr froh, dass ich hier ab und zu mithören kommen durfte, ich war nicht ganz an jeder Sitzung, ich habe auch manchmal wieder versucht, den Standpunkt einzunehmen, möglichst von einer neutralen Seite das Ganze anzuschauen, denn man kann sich natürlich auch in etwas hineinsteigern, wenn man nur immer von dem, von dem hört, oder. Dann habe ich immer wieder versucht, alles ein wenig zusammenzunehmen, und von einer neutralen Seite hineinzugehen, aber ich war immer sehr glücklich, wenn ich an diese Sitzungen kommen durfte. Da habe ich einfach wirkliche Informationen bekommen… die mir wieder geholfen haben.
Dann hat man nachher etwas gewusst, und ich muss einfach, ich stelle immer wieder fest, wenn man mit anderen Leuten redet, sie wären wahrscheinlich schon auf unserer Seite, wenn sie informiert wären. Und sonst hält man sich einfach still, oder. Oder weil, ich meine das hat man ja gemerkt, wie sagen wir so Unternehmer und so wurden da wieder angeschossen und so, sie dürften nicht dagegen sein, sonst würde man dann schon ... usw. Und das ist einfach nicht so gut. Das können wir, so viel Glück haben wir Bauern, uns nimmt man nicht so schnell die Arbeit weg, das ist selten, dass einer sagen kommt, er arbeite jetzt für mich, ich müsse dann nicht mehr!
00:04:59 Hans Peter: Ich darf jetzt auch sagen, ein wenig bin ich auch als Grundeigentümer in dem Sinn betroffen, die Korporation, wo die Tiefenbohrung auf der Allmend gemacht wird, das ist Korporationsland, und da bin ich eben auch dabei als Korporationsbürger, und interessiere mich aus dem Grund auch noch mit, weil das Land gehört in dem Sinn auch ein bisschen mir. Das wäre etwas das.
00:05:27 Fredi: Gab es von höherer Stelle Kontakt und Anteilnahme?
00:06:35 Pächter, Theodor Niederberger: Ja, bei uns sind schon von der Regierung, sie kamen schon schauen, aber direkt mit dem Bauer in Verbindung gesetzt haben sie sich nicht. Da ist einfach die ganze Regierung über das Land einmal gegangen, und wir als Pächter haben sowieso nicht so viel zu sagen, sie schauen uns einfach an wie: Ja der ist ja da und hat noch Land genug, und das kommt ja nicht so drauf an. Weil diese Leute sind ja nicht im Bauernstand aufgewachsen, die haben eine andere Beziehung als wir, denn wir leben einfach auf dem Boden und mit dem Land, und wir wollen mit dem auskommen, was wir haben, und die andern verstehen das nicht, wenn wir Freude haben an dem.
00:07:30 Fredi: Gab es nie Diskussionen um den Standort?
00:07:52 Theodor Niederberger: Dass sie hier eben, also ebenerdig hineinwollen, ist schon der einzige Grund, weil es ist nah bei der Strasse, es ist eben, von der Bahn her, es könnte ein Bahnanschluss gemacht werden, und ist eine grosse, also relativ grosse Fläche, wo es nicht, also die bewohnbaren Gebäude stehen ein bisschen am Rand, und dazwischen haben sie ein paar ha wo sie drüber kehren könnten, und aus dem Grund befinden sie es eben geeignet. Und ein anderer Grund ist auch, die Korporation ist eben eine Gemeinschaft, und da kann einer allein…, wenn das jetzt ein Grundeigentum wäre, so hätte man noch eher eine Gegenwehr, als wenn ein paar beteiligt sind, so geht das immer ringer. Und eine Korporation, die finanziell ja nicht so gut dasteht, die denkt: Ja das gibt uns dann wieder ein wenig Geld, und dann nicken sie auch wieder ein wenig eher dazu.
00:08:56 Fredi: Wasser, Grundwasser? Erdbeben?
00:09:53 Blättler Gemeinderat: Ja es ist schon ein bitz eine, 1963, oder 1964 im Frühling war es, bebte die Erde hier recht, es gab nochmals ganz ein leichtes später wieder, allerdings ohne Schäden, und die grössten Schäden, die es dort anno 63, 64 gab, waren schon in Obwalden, also ein Tal weiter drüben, aber man weiss natürlich schon, dass sie diese Erdbeben nicht berechnen können. Man hat schon 1600 herum, hatte man drei Erdbeben, wo es glaube ich der Kapelle in Oberrickenbach oben den Helm genommen hat, also doch rechte Schäden. Wenn die wieder kämen, wäre klar, kann doch einiges passieren. Das Argument wird relativ schnell unter den Tisch gewischt: Ja es liege in der Erdbebenzone so, aber, eh, sonst müsse man einfach ein wenig Vertrauen haben.
00:10:40 Fredi: Ist diese Erdbebenfrage so verharmlost?
00:10:50 Pius Frey: Ja, das Argument ist einfach das, dass sie sagen, erdbeben-gefährdet seien eigentlich hauptsächlich Gebäude, also Gebäude, was quasi über der Erdoberfläche stehe, oder. Im Innern, da müsse man sich an und für sich keine Sorgen machen, da habe ein Erdbeben praktisch keine Wirkung auf so ein Endlager. Das ist auch die Argumentation der Nagra, die muss man halt dann einfach glauben, wenn man will.
00:11:21 Fredi: Glaubenskrieg?
00:12:50 Frau, sitzt hinten, dunkle Brille: Ja das ist schon für uns ein wenig ein Problem, denn ein paar von uns sind da gar nicht Experten, oder, und dann muss man sich eben selber damit befassen, soweit als man einfach auch logisch denken kann, und dann muss man selber zu einem Schluss kommen. Und auch von der Haltung der anderen Leute ist das manchmal e chli…, dann sagen sie: Ja man kann ja glich nichts machen, es kommt ja glich so wie es kommen muss, und die machen glich was sie wollen mit uns. Und dann muss man einfach ein wenig selber sehen, und etwas nachgehen, und dem glauben, oder. Und dass diese Gefahr einfach da ist, von dem bin ich jetzt auch überzeugt.
00:13:34 Werner Blättler, Gemeinderat: Vielleicht noch zu dem Glaubenskrieg: Da ist man sich glaube ich schon einig, dass die Wahrheit, die wir möchten, noch nicht da ist, wir haben noch keine Erfahrung mit diesen Endlagern. Es ist jetzt anfangs in Frankreich ist das erste richtig in Betrieb, in Schweden fangen sie an, einzufüllen. Aber was in einer nur kleinen Halbwertszeit von 30 oder 40 Jahren geht mit dem Zeug da innen, da hat niemand eine Ahnung, aber wirklich niemand, weder der Befürworter noch der Gegner. Und dann muss ich schauen, ja wer hat jetzt recht, der oder der andere, und dann schaue ich, wer macht es fairer, und da sind mir die Wissenschaftler, die nicht an die Wirtschaft gebunden sind, halt einfach glaubwürdiger als die andern. Dann wenn einer sagt: Nach meinen Kenntnissen läuft es so, es ist gefährlich, dann frage ich mich, weshalb sagt er das, wenn der andere sagt: Das ist nicht gefährlich, der hat einen Hintergrund, nämlich die Banknote. Ich will ja nicht sagen, jeder Wissenschafter lasse sich kaufen, aber es gibt einfach zu viele, wo das Geld zu viel dahinter hockt. Und ich möchte auch sagen, in der Gemeinde da hinten ist es eben so, dass das Geld zu stark winkt. Beim einzelnen und bei der Gemeindekasse.
00:14:50 Noch etwas zur Spaltung der Gemeinde, die ist nach meiner Ansicht effektiv da. Ich finde es nur ein bisschen bemühend, dass immer wir als Gruppe angeschossen werden, wir sind schuld, dass diese Gemeinde gespalten ist. "Ihr habt die Gemeinde entzweit", das ist mehrmals gesagt worden, offiziell, und es sieht so aus, als ob wir die Nagra geholt hätten. Und wenn man nicht mehr eine andere Meinung haben darf, und deswegen angeschossen wird, sei jetzt das persönlich, wie wir das gehört haben, auch mir ist man zum Teil schon ein wenig an den Karren gefahren, nur so meistens leider nicht direkt, sondern man hört es so auf Umwegen, es sei das und das gesagt worden, ich weiss nicht was die haben, ob die doch ein wenig Angst haben vor mir oder so überzogen sind, dass sie sowieso recht haben. Mir persönlich hat noch nicht mancher etwas gesagt, einzelne kleine Sachen hört man etwa, so zwischen den Tönen hindurch, aber ich finde das eigentlich schade. Wie wenn wir jetzt da schuld wären, dass da die Gemeinde entzweit sei. Logisch haben wir sie aufgerufen, die kritischen Stimmen, aber ob es dann besser wäre, dass es jetzt schön ruhig wäre in der Gemeinde drin, und dafür die ganze Sache noch mehr «verkachelt» würde, das ist dann die andere Frage. Und dass es nicht sauber lief am Anfang, das kann mir einfach niemand «durchtun». Auch die Herren von der Nagra übrigens nicht.
00:16:10 Fredi: Was nicht sauber gelaufen?
00:16:12 Werner Blättler, Gemeinderat: Ja die ganze Auswahl des Standortes. Das ist doch einfach nicht sauber, wenn ein Standort zwar in einem Verzeichnis von 100 existiert, und dann nicht mehr drin ist, und dann plötzlich kommt er als vierter hinein, den der Bundesrat ja auch nicht will. Der Bundesrat hat bei den dreien, die vorgegeben waren, die die Nagra vorgeschlagen hat, gab er als Auflage: Jetzt kommt mit einem vierten, aber aus dem Mittelland usw. usf. Dann sagten wir, das trifft ja auf den Wellenberg nicht zu, und dann sagte die Nagra: Ja das ist ja gar nicht der vierte, sondern das ist ein anderer. Warum? Warum kommen die mit einem andern, wenn der Bundesrat sagt, Ihr müsst es so machen und die Nagra macht es anders? Wenn ich einem Schüler eine Aufgabe gebe, jetzt machst du Aufgabe 1 bis 7, und der kommt und sagt: Ja ich habe jetzt dafür 8 bis 20 gemacht, das ist ja nichts, dann sage ich: Ich will nicht 8 bis 20, ich will 1 bis 7. Jetzt nimmt es mich wunder, ob der Bundesrat einfach sagt, ja ja es ist gut, macht 8 bis 20! Und es sind viele so Sachen, wo ich immer wieder sagen muss, das ist nicht sauber, das läuft nicht sauber, und dann heisst es dann, wenn man sagt, es laufe nicht sauber, ja man muss Vertrauen haben. Das ist der Weisheit letzter Schluss, und das ist für mich ein wenig einfach.
00:17:30 Fredi: Demokratie und Grosstechnologie?
00:19:33 Pius Frey: Also vordergründig ist es ganz sicher schon so, es ist ein demokratisches Verfahren, wo schlussendlich eben dann das Endlager, der Standort entschieden werden soll. Das ist aber ein Hauptpunkt, den wir letztendlich kritisieren. Ich glaube, die Grosstechnologie setzt die Demokratie ausser Kraft. Wie gesagt, vordergründig hat man hier die Demokratie, wir können diskutieren, wir sind hier wieder zusammen, wir reden miteinander. Aber letztlich hat diese Grosstechnologie, schafft die so viel Sachzwang, entwickelt sie so viel Eigendynamik, dass am Schluss einfach der Entscheid, ob jetzt im konkreten Fall ein Endlager in der Schweiz, ist das möglich oder nicht, es darf ja gar nicht möglich sein. Es wird möglich sein müssen. Also es ist die Grosstechnologie, die bestimmt eigentlich letztlich, ob der Entscheid ja oder nein ist. Und das ganze vorher ist wohl, nach aussen sieht es wie Demokratie aus, aber letztlich ist es der Sachzwang der Grosstechnologie.
00:20:45 Pius Frey: Und für uns ist es in dem Zusammenhang auch wichtig, dass wir uns klar gegen die Anwendung der Atomtechnologie, der Kernenergie wenden. Und wir möchten auch unsere Aktivität auch in dem Sinn verstanden haben, dass wir Impulse geben möchten in eine Politik hinein, und zwar in eine Energiepolitik, die eben die extreme Grosstechnologie eben ein bitz weit ausschalten würde, und wieder zurückkäme zu kleineren Einheiten, dezentrale Energieversorgung, und das ist für uns auch an und für sich ein wichtiger Punkt, wo wir uns eigentlich auch von der Gruppe aus auch, eigentlich einsetzen möchten dafür. Das ist einfach jetzt auch, so im Verlauf der ganzen Arbeit fing das an, sich herauszukristallisieren, dass wir uns nicht einfach nur auf das Problem Endlager am Wellenberg, nur mit dem beschäftigen können, sondern dass wir auch die grösseren Zusammenhänge erkennen müssen, und die Vernetzung begreifen, und daran anfangen müssen zu arbeiten.
00:21:57 Fredi: Vertrauen haben in die Behörden?
00:22:39 AkW Präsidentin, Elisabeth Brugger: Mich dünkt es noch wegen dem schlechten Gewissen, Irgendwie haben Ogi und die Regierungsräte irgendwie einfach auch ein schlechtes Gewissen. Sie müssen doch das Problem lösen können. Sie können doch nicht sagen, ja es war wieder nichts, für die hochaktiven Abfälle, das Gestein war einfach nichts, wir haben jetzt so lange in gefehltem Zeug herumgestochert. Es ist einfach so ein Druck da auch, moralisch, dass die die die Verantwortung tragen auch, als Regierungsräte und als Bundesräte, dass die sagen müssen, wir haben jetzt diese AKWs gebaut und wir betreiben sie, und jetzt bringen wir das zu Ende. Es ist ein wahnsinniger Druck drauf, und die Bewilligung da am Wellenberg war für uns wie eine Ohrfeige, wie einfach schön ein anderer Massstab angelegt wurde, im Vergleich zu überbauen, das ist einfach nicht zum glauben. Also wir sind ja nicht Fachleute, aber das merkt man, das könnte jeder in Wolfenschiessen durchlesen, und würde den Unterschied sehen und würde sich an den Kopf greifen, und würde sagen, warum ist es jetzt so? Es gibt keinen richtigen Grund! Es ist einfach, der Druck wird immer mehr kommen: Jetzt muss es doch einfach an einem Ort gehen, wir müssen das können. Es ist ein richtiger Druck, und es ist auch ein nervöses Zeug obendurch. Sie kommen langsam in Panik, das merkt man.
00:24:03 AkW Präsidentin, Elisabeth Brugger: Und grad mit den Experten noch, welchen Experten glaube ich jetzt. Ich glaube doch ja dem, der mal endlich sagt, man kann es machen, es ist gut da. Und das macht uns auch Angst, dieser Druck, den wir einfach spüren, den Zeitdruck und den Erfolgsdruck. Und das wird uns dann auch ein wenig angelastet, oder, wir sind dann wieder schuld, und wir sind dann die, die wieder so eine blöde Einsprache machen, damit es wieder nicht vorwärts geht, wieso machen wir das? Wir machen das, weil wir merken, dass es wie eine Lawine hinter uns drückt. Die müssen jetzt diesen Erfolg haben. Und unsere Steine müssen recht gross und stark sein, dass die Lawine nicht kommt.
00:24:44 Fredi: Wird Euch nicht vorgeworfen, Ihr haltet Euch nicht an die demokratischen Regeln?
00:25:58 Frau, sitzt hinten, mit dunkler Brille: Was dann mich noch e chli erschreckt, ist, dass man das Gefühl hat, dass die Leute, oder, die eigentlich das Sagen haben von der Regierung, würde man erwarten, die sollten doch einfach diese Sache kennen, das Metier, durch und durch. Was wir jetzt nur Arbeit lesen mussten und studieren, und was man da wissen muss, und das haben wir, damit man wirklich auch etwas zu sagen hat, sollte man das ein wenig studieren, und mich dünkt es einfach, ich war mal an einer Landratssitzung, und das lief mir kalt den Rücken hinunter. Dort wurde einfach gar nichts geredet, man hatte das Gefühl, die wüssten gar nichts von dem allem. Obwohl ich selber sicher auch nicht viel weiss, aber wenn man ein wenig sich damit befasst und das liest, und sich halt durchfragt, was man nicht versteht, oder, das ist wirklich nicht ein einfaches Gebiet, diese ganze Atomtechnologie, aber es hat mich einfache chli erschreckt, dass man das Gefühl hat, ja die wissen ja gar nicht so viel über das. Und diese Berichte, wenn die gelesen worden wären, dort ist das alles, und diese Fragwürdigkeit, es ist einfach so eine Lüge dahinter, oder von dieser Nagra, oder.
00:27:12 Pia Blättler: Ich denke noch etwas anderes. Ich finde es ganz wichtig, dass von uns einfachen Bürgern aus, die jetzt vielleicht nicht das Wissen haben, aber ein Gespür für das was angeht, und ein bitz weit auch für das was machbar ist, dass wir einen Druck haben müssen, oder wir bauen einen Druck auf, und zwar nicht nur wir da hinten, das wird immer weitergezogen… das wird von der ganzen Schweiz aus, und von der ganzen Gesinnung her, wird der Druck kommen, dass die Wissenschaft, dass die, die die Technologie so befürworten, viel kritischer sind, und nach andern Wegen suchen. Ich habe schon lange einmal gesagt, sie haben mich zwar ab und zu ein wenig ausgelacht: Ich habe immer noch die Hoffnung, dass es eine Möglichkeit gibt, plötzlich, dass man so ein Atom spalten kann, dass es eine Möglichkeit gibt, das weniger gefährlich zu versorgen. Und wenn wir einfach alles stillschweigend annehmen, passiert nichts. Dann kostet es ja auch weniger. Aber wenn von uns her der Druck kommt, dass wir sagen, so wollen wir es nicht, dann müssen sich diese gescheiten Leute, diese Wissenschafter viel mehr dahinter setzen, die müssen dann wirklich dran, wenn der Druck bis zum Bundesrat so gross ist, wenn der Widerstand da ist, dass die sagen müssen: Jetzt müssen wir einen anderen Weg suchen. In das hinein habe ich eine grosse Hoffnung.
00:28:30 Fredi: Ethische Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen?
00:29:43 Pius Frey: Das muss man ja verdrängen, wenn man so argumentiert wie an und für sich einzelne Leute, besonders eben auch die Politiker in unserm Kanton, da muss man doch den Gedanken an eine ferne Zukunft muss man verdrängen, weil damit wird man ja gar nicht fertig. Und ich glaube, das ist doch das, was uns sicher letztlich sehr stark berührt und beschäftigt, einfach diese Langfristigkeit dieses Problems in jeder Hinsicht. Es geht ja hier nicht nur um schwachaktiv und um das Lager, wir müssen auch noch starkaktiven Müll in unserm Land verbuddeln, dass einfach diese Langfristigkeit, dass das einfach ungeheuerlich ist. Und ich frage mich manchmal, ja wie man eigentlich so etwas bejahen kann, wo man genau weiss, dass man sich solche Probleme an den Hals hängt, aber bei vollem Bewusstsein, und entweder verdrängen die das einfach, und haben das Gefühl, ja irgendwie kommt das dann schon richtig heraus.
00:30:45 Fredi: Fazit?
00:31:22 Ursula Decker: Jedenfalls sollte man eben sehen, dass man von der Atomkraft wegkommt, dass man Energie sparen kann, dass Energie intelligenter benutzt werden kann, und eben, das ist ja auch die Auflage des Bundesrates, wenn das Endlager da ist, oder der Nachweis des Endlagers da ist, kann Atomkraft weiterbetrieben werden. Das ist ja auch noch die Gefahr. Man soll endlich damit aufhören. Und die einen Experten sagen, es ist ungefährlich, die andern sagen, es ist nicht ungefährlich, bewiesen ist, dass es nicht ungefährlich ist, also ich bin auch der Ansicht, und auch von dem uns angeeigneten Wissen her, dass es nicht ungefährlich ist. Und eben, darum bemühen wir uns.
00:32:24 Mann mit grünem Pulli und Bart: Und das gleiche wäre, wenn man ein Haus bauen will, muss man zuerst die Pläne einholen, bevor man das Haus aufstellen kann, und dann muss das abgesegnet werden, da hätte man das eben auch so machen sollen, damals als sie diese Kernkraftwerke noch gar nicht hatten, hätten sie zuerst ein Endlager bauen sollen, oder jedenfalls die Möglichkeit, endlagern zu können, dann hätten sie ein Kernkraftwerk aufstellen können. Und sonst, einfach mal bauen, und nachher schauen, es geht dann schon, das finde ich einfach ein wenig daneben.
00:33:01 Fredi: Nagra muss nachträglich Toiletten bauen für Hochhäuser, die ohne gebaut wurden.
00:33:24 Werner Blättler, Gemeinderat: Ja, aber der gleiche Rometsch sagte aber persönlich: Doch, doch, sie hätten dann schon gesagt, es gäbe dann Abfälle. Dann sagte ich: Aber nicht in der Öffentlichkeit, vielleicht in Wissenschafter Kreisen, in der Öffentlichkeit wurde kein Wort von diesen Abfällen gesagt, ich kann mich erinnern, ich war dort im Collegi. Da hat der Rektor, der immerhin ein Doktor war, was nicht alles heisst, aber immerhin, der hat also auch 10 und 10 zusammenzählen können, der sagte: Jetzt haben wir die Lösung, das ist die Energie. Braucht wenig, mit einem Kilo kann man quasi die Schweiz heizen, und es gibt keine Abgase, nichts. Problem gelöst! Und zwar echt überzogen, weil der wissenschaftliche Stand in der Öffentlichkeit damals nicht da war, man hat vielleicht in den Fachgremien schon, aber nach aussen ist das nicht getragen worden.
00:34:12 Werner Blättler, Gemeinderat: Vielleicht noch etwas zu Wolfenschiessen, ich komme immer mehr zur Überzeugung, ich kann es nicht beweisen, aber ich komme immer mehr zur Überzeugung, dass die Gemeinde auch ein wenig gewählt worden ist, weil sie bis anhin politisch eine sehr ruhige Gemeinde war, es gab keine nennenswerte Opposition, es gibt praktisch keine zweite Partei, ja jetzt gibt es eine, aber die ist also sehr klein und in der Wirkung nicht extrem bei Wahlen und Abstimmungen und so, und die gab es vorher überhaupt nicht, es gab kaum eine Gruppierung, eine politische, die nicht gleich gedacht hätte, wie die grosse Allgemeinheit. Das ist eine sehr ruhige Gemeinde, jawohl, das läuft wunderprächtig, das kann man schon nach dort hinten geben, die sagen wie bisher ja und amen, zudem sind sie ein wenig arm, dann kann man e chli mit Geld locken… und wenn dann ein paar aufmucken, dann kann man immer sagen: Das ist nicht Wolfenschiesser Art, was man uns hier auch schon gesagt hat, als wir diese Kundgebung machten, das sei nicht Wolfenschiesser Art. Also schön folgen und ja und Amen sagen, und die Hand hinhalten, wäre dänk Wolfenschiesser Art. Gegen die sind wir, und deswegen sind wir gegen den ganzen Ablauf.
00:35:18 Fredi: "Strom ist das ganze Leben"?
00:36:50 Pius Frey: Es ist einmal am Fernsehen, also ich darf vielleicht e chli korrigieren, im "Wort zum Sonntag" hat einmal ein Priester, aber ich weiss nicht mehr wie er heisst, ich habe das per Zufall, nein es war nicht der Sieber, hat das zum Thema, hat das thematisiert, diesen Slogan, und hat natürlich genau in dem Sinn hat er das zerpflückt, dass er von seiner ethischen, religiösen Seite sagen musste, dass das ein barer Unsinn ist und eine Verdrehung von Werten, eine furchtbare Verdrehung von Werten, oder, die aber genau heute zeigt, wie wir heute materiell denken, sehr stark und teilweise es sehr wahrscheinlich gar nicht mehr realisieren und merken, dass das fast schon in uns drin ist. Und ich glaube, das ist schon etwas, das auch jetzt, wenn man jetzt in dieser ganzen Sache da aktiv ist, wo man dann… Irgendwo kommt man dann schon zu dem, dass man einfach seine Grundwerte überdenken muss, und denkt, für was sind wir eigentlich auf dieser Welt da, und diese Welt, die ja eben auch unsern Nachkommen gehört, was machen wir da letztlich, und was ist richtig, was müssen wir machen, wann arbeiten wir wirklich an unserer Lebensqualität und an der Qualität unserer Nachkommen, und wann arbeiten wir eigentlich nur, indem wir kurzfristig unsern materiellen Wohlstand äufnen, also verbessern.
00:38:22 Hans Peter Niederberger: Ich möchte noch dem Pius hinten anhängen: Ich tue, ich musste, ich sage jetzt, wie es ist. Ich musste in den Gaden rüber einen Radio hineinnehmen, ich hatte früher nie keinen im Gaden drin, weil ich das Gefühl hatte, das Getschätter und Gelärme wolle ich einfach nicht haben, ich wolle lieber die Kühe hören, die im Gaden drin fressen, und nicht einfach diese Musik oder so. Aber weil einfach diese Informationen liefen im Regionaljournal usw., und dann war ich einfach im Gaden und habe gearbeitet, und dann bekam ich das nicht mit, und diese Informationen sind eben relativ wichtig für mich, oder. Und jetzt habe ich einen Radio im Gaden, und ich höre "all Morgen", dann bin ich ja schön am Melken, etwa um zwanzig vor sieben kommt das "Wort zum neuen Tag", oder wie das heisst, und da fiel mir einfach auf, wenn die, das ist ja meistens e chli von der religiösen Seite ein paar Worte zum Tag. Und die kommen immer auf das zu reden irgendwie auf die Natur, es kommt immer wieder auf die Natur.
00:39:30 Und ich sehe einfach das Problem, da haben wir doch etwas, das unsere Natur furchtbar verändern kann, was wir nie mehr zurecht machen können. Und das möchte ich noch e chli ausdeutschen, es wurde eigentlich heute abend gar nie richtig gesagt, wir redeten immer nur bis daran heran, dass es eben ein Problem ist, es gibt ein, wir machen mit Autobahnen bauen auch Probleme usw., aber ich habe das Gefühl, dort kann man wieder sagen, ja jetzt sind wir an der Grenze angelangt, jetzt können wir wieder aufhören oder wir können sie wieder vernichten. Aber wenn da etwas passiert in atomarer Hinsicht, das können wir nicht mehr bremsen, das ist dann nachher passiert und ist dann unsere Katastrophe unabwendbar. Da werden zum Beispiel Vergleichungen gezogen mit da zumal dem Bannalp-Kraftwerkbau, der ja in Nidwalden ein irrsinniges Drama hinter sich gelassen hat oder aufgerührt hat, aber das kann man nicht vergleichen, das ist nicht vergleichbar. Das sind doch einfach Sachen, auch wenn jetzt der Bannalpsee einmal herunterkäme, was ja eine grosse Angst war bei vielen Leuten, es könnte einmal diesen Staudamm putzen, ich meine, das ist ja auch eine gewisse Realität, aber das ist einfach, der der im Wasser drin ist, ist dann halt im Wasser drin, aber die die drüber sind, sind drüber. Aber wenn hier etwas passiert, der ist dann nicht drüber.
00:41:00 Hans Peter: Und dann kommt noch etwas dazu, viele Leute sagen, meinen, haben immer Angst, wir hätten Angst wir würden sterben. Ich habe eigentlich nicht so viel Angst vor dem, oder Angst, ich habe nicht das Gefühl, dass ich sterben muss, so schnell, deswegen, und auch meine Nachkommen vielleicht nicht, aber was ich ja noch als viel schlimmer anschaue, wenn wir verkrüppelte Leute haben, deswegen, wenn wir Mütter haben, die vielleicht nicht mehr im Stand sind deswegen, ein Kind zu gebären, das vielleicht irgend ein Fleischklumpen ist. Wenn man so etwas erleben muss, das ist ja viel schlimmer, als wenn man sterben kann. Wenn man gestorben ist, tut es einem nicht mehr weh, was auf der Welt oben ist. Aber die Leute meinen immer, wir hätten Angst vor dem Tod, das stimmt doch hinten und vorne nicht. Ich sehe das andere noch als viel die grössere Gefahr, wenn wir nachher dahinserbeln müssen in einem gewissen Sinn, es geht vielleicht noch das Leben, es ist irgendwie noch ein Leben, aber es ist nicht mehr das, weit nicht mehr das, was wir eigentlich möchten.
00:42:00 Fredi: bestätigt.
00:42:19 Hans Peter Niederberger: Und als Bauer sind wir eben grad diejenigen, die mit dem Leben gehen, es sieht vielleicht nicht mancher das Leben grad so wie es weitergeht, wie wir, und wir schaffen damit tagtäglich, oder. Und ich habe mich jetzt z. Bsp. als ich mein Haus ein wenig zwäg gemacht habe, das hat man ja gesehen, ich musste zwei Plätze in der Zivilschutzanlage im Dorf vorne bezahlen, für mich zwei Plätze. Da musste ich sagen, also eine grössere Idiotie habe ich jetzt meiner Lebtag noch nie gemacht, was nützt mir das was, wenn ich dann diese zwei Plätze habe, auch wenn ich noch vorne wäre einmal, aber meine Kühe sind in der Milchmatt hinten, 3 km vom Dorf weg, der Boden und die Kühe vielleicht würden nur noch serbeln, sie können vielleicht leben, aber ich darf die Milch nicht davon trinken, was nützt mir dann das, das ist doch einfach ein Horror. Aber wir können dann so etwas eben, wie ich vorher gesagt hatte, nicht mehr abstellen, wenn es einmal passiert ist, und das, drum ist das Risiko doch zu gross! Und man kann nicht einfach da in einen Bundesrat da Vertrauen haben, der vielleicht einmal ein paar Seiten über das gelesen hat, oder einem beratenden Team, das den Bundesrat beraten sollte, das in diesem gewissen "Gewähr-Projekt-Gewähr" hineinschrieb. Wir haben es nicht studiert, aber da alle andern Gruppen sagten, wir sind dafür, es geht schon, dann geht es jetzt auch, wir sind auch dafür. Das ist doch keine Weise, keine Sache, wo der Bundesrat nachher sagen kann, wir zwingen es dieser Gegend auf. Er muss damit rechnen, dass er sich selber noch den Kopf abhaut.
00:44:02 Fredi:
00:44:15 Klara Zumbühl (Kläri):
Aber ich kann nicht einmal…, müssen wir das wirklich zuerst erleben, so wie die Natur, der Wald, das Wasser heute verseucht ist, langsam, vielleicht ganz langsam, man will es ja nicht wahrhaben, aber müssen wir wirklich am eigenen Leib erleben, dass wir auch so serbeln müssen? Das ist Leben, ja das ist Leben wie wir auch, das spüren wir, es tut mir ja auch weh, wenn mich jemand schlägt, ich schaue das eigentlich schon eher so an, wenn wir dann so langsam abserbeln wie der Wald oder wie die Natur, müssen wir das so lernen, um endlich umzukehren, um anders zu denken, ich meine das ist Leben und Leben zerstört man nicht.
00:45:06 Fredi: Daraus nimmst Du Deine Energie, um Widerstand zu machen?
00:45:12 Klara Zumbühl: Ja, sicher, ich meine, ich spüre das. Es tut mir ja auch weh, sei es ein Baum oder irgendetwas, das man einfach zerstört, es ist Leben, es kommt alles im Frühling wieder, es lebt, und ich lebe auch, und mir tut es auch weh, wenn mich jemand schlägt, ich spüre das einfach auch in dem Sinn, auch die Erde, der Boden, der lebt immer wieder, und wir vertrampen, wir beuten ihn aus auf jegliche Art, und vielleicht müssen wir das wirklich einmal so erfahren.
Fredi: Bezug Endlager?
Klara Zumbühl: Ich sagte es wegen Hans Peter, was passieren kann, wenn einmal wirklich etwas passiert, weil es kommt einfach nie mehr. Ein Bach, wenn er überschwemmt, wenn es übersalet, das lebt drunter wieder, das kommt wieder, aber wenn wirklich einmal etwas passiert, dann wächst ja nichts mehr, und wir leben ja davon, sie gibt uns ja das zum Leben. Das ist für mich schon ein Grund, mich einzusetzen und dazu zu stehen.
00:46:32 Pia Blättler: Mir scheint der Gedanke noch wichtig, die Entwicklung, die wir in der Gruppe in den letzten zweieinhalb Jahren durchgemacht haben, und wie wir eigentlich dastanden bei den Leuten. Also in der Gruppe ist es ganz sicher so, dass wir viel, viel bewusster umgehen mit der Energie. Das ist also daheim, wie wir leben, kommt das ganz klar zum Ausdruck, wir predigen nicht etwas, und machen nachher das konträre. Oder wir, also ich möchte sagen, wir alle zusammen geben uns Mühe, bewusster zu leben. Und dann kommt dann einfach der Druck von der Gemeinde her, ich meine es sei ein schlechtes Gewissen im Hintergrund: Ihr Grünen, oder, Ihr seid gegen die Wirtschaft, und ich finde das eigentlich einen traurigen Gedanken, wir sind ja weder gegen Strom noch gegen die Wirtschaft. Wir sind für das vernünftige Brauchen des Stroms und für das vernünftige Brauchen der Wirtschaft. Und wenn man immer sagt, eben, die Grünen machen alles zusammen zu «Hudeln», ich habe schon von anderen Seiten gehört, dass es eigentlich nie besser geht als heute, dass es uns sehr wohl geht, und ich weiss, es wäre sehr wohl möglich, umzudenken, und Technologie, also auch dort diese Wandlung zu vollziehen. Und ich bin gespannt in zehn Jahren, wenn wir diesen Film anschauen, was wir dann denken werden. Ich sehe da auch einen Wandel bei den Politikern, da bin ich, wenn ich dann nicht, ich bin ganz überzogen, wenn es nicht so ist, entschuldige ich mich dann bei Ihnen.
00:48:09 Fredi: verdankt
00:52:02 Ende V 31