AKW- Sitzung I (Arbeitsgruppe kritisches Wolfenschiessen)
Elisabeth Brugger, AkW, Wolfenschiessen
Werner Blättler, AkW, Lehrer, Gemeinderat
Pius Frey, AkW, Wolfenschiessen
Weitere Personen die im Film an der AkW Sitzung erscheinen, aber im Film nicht mit Namen erwähnt sind:
Pia Blättler, Wolfenschiessen
Ursula Decker, Wolfenschiessen
Klaus Decker, Wolfenschiessen
Vreni Niederberger, Landwirtin
Theodor Niederberger, Landwirt
Trudi Odermatt
Klara Zumbühl, Wolfenschiessen
Hanspeter Niederberger, Landwirt
Isabelle Frey
Luzia Zumbühl
Theo Zumbühl
Noldi Lindinger
00:01:31 (Totale des ganzen Tisches mit Präsidentin frontal hinten am Tisch)
Elisabeth Brugger, Präsidentin: Ich begrüsse alle herzlich zur 48. Arbeitssitzung. Ganz besonders herzlich heisse ich Fredi Murer mit seiner Filmgruppe bei uns willkommenen. Wir werden heute Abend von seiner Gruppe gefilmt, wie wir ja vor eineinhalb Monaten in einem Brief gehört haben von ihm, von seinem Projekt, wo er am Wellenberg filmt, und er macht das jetzt in dieser Form, dass wir die ganze Gruppe da sind, jedes einzelne Gesicht gezeigt wird, nicht wie Guido Merler einmal gemeint hat, 2, 3. Unsere Gruppe funktioniert doch so, mit jedem einzelnen, und jedes steht so fest dahinter, ganz persönlich. Drum wird man alle unsere Gesichter auch sehen, und Fredi Murer wird uns noch ein paar Fragen stellen, in die Runde werfen, und spontan kann sich dann jedes melden, mit seiner Meinung.
00:02:39 Wir haben heute 9 Punkte auf der Traktandenliste. Der wichtigste ist unsere Mitgliederversammlung am 10. Mai. Die werden wir dann noch «zufadenschlagen», die wichtigen Punkte miteinander zusammenstellen und dann noch die Aufgaben verteilen.
Dann als 10. Punkt kommt dann noch das Filmen. Damit jedes wirklich gesehen wird, und jedes seine Meinung grad spontan sagen kann, damit die Kamera nach mag, sitzen wir dann im Halbkreis, setzen wir uns dann anders, ohne Tisch, einfach im Halbkreis.
Wir gehen jetzt zum ersten Punkt: Das Protokoll möchte ich wieder herzlich verdanken… usw.
00:06:36 Hauptthema Mitgliederversammlung, Diskussion um Aufbau der Gruppe, ob Vorstand, Büro, Struktur usw.
00:16:36 (linke Ecke des Tisches stärker von oben) Diskussion um Beitrittsformular.
00:18:44 (rechte Ecke des Tisches) Diskussion um Jahresbeitrag.
00:20:13 (rechte Ecke des Tisches) Diskussion, ob sich die bestehenden Mitglieder der Gruppe an der Mitgliederversammlung persönlich vorstellen sollen oder nicht
00:23:49 (linke Ecke, Schwenk gegen Mitte) Diskussion um öffentliche Ankündigung der Veranstaltung
00:25:22 Präsidentin: … grad zum nächst en Punkt, der Situationsbericht, wie stehen wir jetzt, das wäre gut, wenn wir das vielleicht hören und wissen würden, da weiss man nämlich wenig. In diesem Juristen-Hin und Her, das jetzt grad läuft, sind wenig Leute noch durch und kommen überhaupt noch draus, was jetzt grad läuft und was jetzt kommt, und wann was kommt. Und das wäre der wichtigste Punkt dann vom Abend, mal aufzeigen: Wie ist es jetzt, wie kann es weitergehen, wo stehen wir. Und wir haben gedacht, Trudi ist vom MNA da am nächsten beim Puls der Initiative und wäre sicher gut informiert. (Ämter werden verteilt usw.)
00:26:28 (Schwenks über die ganze Gruppe stehend, zuhörend)
00:28:29 Pia Blättler , Initiantin des AKW: Ja und nein, also ausgelost hat es natürlich schon der 1. Dez. 1986, als die erste Sitzung einberufen wurde von der Nagra, und dann stand ich also spontan auf, aus einer Panik heraus, dort, und habe mich also gewehrt. Und ich hatte dann noch eine Mitverfechterin in der Elisabeth Bruggisser, war also nicht allein Frau, und habe mich dort also wirklich gewehrt. Ich habe das aber vorher schon gemacht, drei Tage vorher schon. Am Donnerstag kam das in die Haushaltungen, wussten wir, dass am Montag ein Informationsabend sei, und ich hatte verschiedene Telefone gestartet, und die Antwort erhalten: Da lässt man unsere Mannen doch machen! Und ich war sehr unbeholfen, und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich habe mich dort schon ein wenig in eine Angst hineingesteigert. Ich denke heute nicht mehr so voller Angst daran, ich denke heute anders, und habe mich in diesen zweieinhalb Jahren entwickelt.
Fredi: 00:29:38 Wie entstand die Gruppe?
00:29:54 Trudi Odermatt: Wir waren am Heimgehen von diesem Info-Abend, und ich sagte: Also ich kann noch nicht schlafen, kommt einen Kaffee nehmen, es muss etwas gehen! Ich fand es einen Wahnsinn. in einem bewohnten Gebiet so etwas realisieren zu wollen. Nachher besprachen wir, wen wir einladen könnten für so einmal eine Zusammenkunft. Da wussten wir ja nachher, oder, von diesem Abend, die, die aufgestanden waren und geredet hatten, wer da auf unserer Seite sei. Nachher telefonierten wir denen und trafen uns das erste Mal da, bei uns, und nachher kamen immer mehr dazu. Und so entstand das.
00:30:31 Fredi: Wie setzt sich die Gruppe zusammen? Legitimation?
00:31:36 Gemeinderat, Werner Blättler: Ja, also die Gruppe setzt sich stark aus Lehrern zusammen, das wird uns auch vorgeworfen, respektive es wird gesagt, solche Lehrer sollte man eigentlich nicht mehr Schule halten lassen, es sei eine Gefahr da für die Kinder, wir würden da einseitig informieren. Ob das Zufall ist, dass jetzt da so viele Lehrer beieinander sind, oder dabei sind, ich weiss es auch nicht, oder ob da die Lehrer besonders kritisch sind? Mich persönlich hat es sehr bald unangenehm berührt, dass die ganze Sache undurchsichtig lief. Man hat dann vor allem so Tabellen zu Gesicht bekommen, die eigentlich schon länger draussen waren, aber mit denen man sich nicht befasst hatte. Paradebeispiel war der "Technische Bericht 81", wo der Wellenberg zwar unter 100 gesuchten Standorten dabei ist, aber nachher rausflog, und plötzlich tauchte er dann wieder auf. Das wurde bis jetzt noch nicht erklärt, ich fragte auch Nagra-Leute, und eine gültige Erklärung können sie auch jetzt noch nicht abgeben. Sie sagen einfach, er sei günstig gelegen und das Gestein ginge tief hinunter und eh…, aber das ist keine Erklärung, warum er plötzlich wieder auftaucht, und warum er nicht immer drin war, wenn er doch so günstig sei. Es ist auch am ersten Abend oder am zweiten war da von einem "charmanten Berg" die Rede, und dann merkten wir bald, um was es geht, und man merkt es jetzt immer mehr, um was es geht, nämlich um das Geld! Die, die da Befürworter sind, oder nicht so kritisch wie wir, die sehen immer irgendwo das Geld winken. Und im Nachhinein haben wir eben erfahren, dass es eben leider im Kanton das ein starker Beweggrund war.
00:32:42 Gemeinderat, Werner Blättler: Und die "nationale Aufgabe", die da immer in den Vordergrund gestellt wird, die ist sicher da, die muss gelöst werden, aber ob man es mit solchen Ränkli und Winkelzügen macht, ist die andere Frage. Wenn wir schon bei der "nationalen Aufgabe" sind, frage ich mich… ob nicht zum Beispiel die Asylantenfrage nicht auch so eine "nationale Aufgabe" war, die auch an die Gemeinde herangetragen worden war, auch nicht auf eine sehr komfortable Art. Und dort haben sich also alle männiglich von zuoberst bis zuunterst gewehrt mit Händen und Füssen, und es kam dann nicht hierher, und nun soll plötzlich das eine "nationale Aufgabe" sein, die nach unserer Ansicht jedenfalls x-mal gefährlicher ist als diese Asylanten. Bei den Asylanten hat man Erfahrung, spätestens seit dem Melchtal, dort wurde meines Wissens nicht so mancher umgebracht, wie da befürchtet worden war, und bei Atomunfällen sind leider schon mehr gestorben.
00:33:36 Wir haben sehr viele Frauen, extrem viele Frauen bei uns, das ist sicher die Angst vor etwas Unbekanntem, etwas noch nicht Bekanntem, das man noch nicht abschätzen kann, wo der Mann vielleicht als Typ eher bereit ist, zu sagen: Ja doch, das ist schon machbar, man hat es im Griff. Also die, die sagen, man hat es im Griff, das sind meistens Männer. Das sieht man in anderen Bereichen ebenfalls. Und die Frauen haben da mehr unbestimmte Angst, die eben hie und da doch richtig ist.
Fredi: Andere Motive?
00:34:15 Frau mit schwarzen Haaren und Brille: Also ich hätte ein schlechtes Gewissen, wenn ich einfach nichts machen würde, wenn ich passiv bleiben würde, bei dieser ganzen Sache. Nur schon gegenüber meinen Kindern, ich habe drei kleine Kinder, und ich möchte auch später…, ja ich muss ihnen auch einmal Rechenschaft ablegen können, was habe ich dazu getan, und fühle mich verpflichtet, mich zu informieren. Ja am Anfang war ich sehr ohnmächtig, und jetzt habe ich doch das Gefühl, in dieser Gruppe, wir können etwas machen, ein wenig etwas erreichen.
00:34:54 Deutschsprechender Herr: Angst würde ich eigentlich nicht sagen, ich bin vielleicht der Einzige in der Runde, der die technischen Kenntnisse dazu mitbringt und auch Erfahrungen damit hat, und zwar schon seit fast 30 Jahren, habe mich also in Karlsruhe z.Bsp. als der erste Reaktor in Betrieb genommen wurde, vorher sehr gut informieren können, und all die Jahre hat mich das Thema eigentlich nie losgelassen. Was mich eigentlich veranlasst hat, diese Kenntnisse zur Verfügung zu stellen, dieser Gruppe, das ist eigentlich keine Angst, das ist eher eine Art Unmut, um nicht zu sagen Ärger oder Wut über die Situation, wie sie in der Branche anzutreffen ist heute, dass man sich über technische Probleme hinwegsetzt. Und wir haben uns an und für sich hier in diese Gegend zurückgezogen, das kann man ruhig so sagen… in der Annahrne, dass diese Entwicklung uns verschonen würde. Und wir hatten also hier gebaut und kaum waren wir fertig, kam diese Offerte der Nagra, dass man keine 1000m vor der Haustüre ein Endlager macht. Und wir sind woanders weggegangen, weil dort genau dieselbe Situation war. Und das ist natürlich klar, dass einen das ein bisschen erbost.
00:36:16 Und ich muss sagen, die Mitarbeit ist also von der Gruppe sehr positiv aufgenommenen worden, und ich stelle das also gern zur Verfügung, und ich kann auch feststellen, und das muss ich sagen, dass dieses Engagement von anderen Stellen nicht goutiert wird.
00:36:26 Fredi: Wo ist Eure Legitimation für die Einsprache?
00:37:21 Junger Mann mit Schnauz: Also mich dünkt es, als wir die Unterschriften sammelten für die Unterstützung unserer Einsprache, sah man, dass das Bedürfnis da ist bei vielen Leuten, und vor allem eben auch bei Frauen. Die sind viel kritischer und denken auch mehr an die Kinder und sind viel mehr zukunftsorientiert, hat es mich gedünkt. Und da hinten ist einfach… ist ein kleines Dorf, und die Leute haben Angst, auch vielfach zu dem zu stehen, was sie denken. Mich hats gedünkt, da ist ein Bedürfnis, und die Leute sind froh, dass jemand da ist, der sich engagiert, der sich einsetzt und etwas macht, oder. Und obwohl das ja vielfach im Dorf abgestritten wurde, und es ist uns ja schier gesagt worden, wir hätten die Unterschriften schier lieber erzwungen, jene Sachen, auf jeden Fall, mich hats gedünkt, es ist ein Bedürfnis da, und die Leute sind froh, oder, dass es diese Gruppe gibt, und es jemand hat, der sich auseinandersetzt damit.
00:38:26 Fredi: Angst, Kinder, Gefühle?
Frau mit schwarzen Haaren und Brille: Mich dünkt es oft, bei Männern ist es sehr oft so, dass sie es verdrängen. Also ich habe das Gefühl, viele lassen diese Angst gar nicht heraufkommen, und eine Frau lässt das vielleicht mehr heraufkommen, also sie hört auf sich, auf ihre inneren Gefühle, und ich glaube, Angst ist weiter herum, als die Leute zugeben. Und deshalb vielleicht auch der grosse Anteil von Frauen, ich glaube, auch Männer haben Angst. Es hängt nicht nur mit dem Wissen zusammen, sondern, ob man sich die Angst zugestehe.
00:39:00 Fredi: Emotionen schüren?
00:39:34 Präsidentin, Elisabeth Brugger: Also ich möchte grad sagen wegen den Emotionen: Grad am 1. Dezember dort kam glaube ich, bei vielen Frauen diese Emotion schon hoch, sie sprachen ja dort von einem Restrisiko, das bleibe. Und so ein kleines Restrisiko, vielleicht so etwas wie Tschernobyl, das war uns halt noch in den Knochen, es ist etwas, das vielleicht mal ein wenig herauskommt, wenig Strahlung, aber man weiss ja, die kleine Strahlung kann auch letztlich gefährlich sein, das ist noch nicht letztlich abgeklärt, und diese kleine Strahlung, die da herauskommen könnte, könnte unsere Nachkommen wahnsinnig treffen. Wenn es auf einmal heissen würde: Ja also Milch trinkt ihr lieber nicht mehr von den Wolfenschiesser Bauern, nehmt Pastmilch von irgendwo aus dem Luzernbiet, es ist schon besser für Eure Kinder, oder wenn Ihr stillt, dann ja nicht, oder Euren zweijährigen Kindern gebt dann gescheiter auch nicht von der Wolfenschiesser Milch. Das ist einem in den Knochen! Wenn es noch heissen würde, es bringt niemanden grad um, aber es ist trotzdem besser, dann ist ein Gebiet einfach verloren, es ist so nicht zum Leben! Und ich habe das damals so erlebt, ich hatte ein drei Wochen altes Kind, als ich mal am Morgen Radio höre: Aufpassen stillende Mütter, und ich hatte noch ein eineinhalb-jähriges, wir waren also drei von der Familie betroffen, und diese Unsicherheit und das Erlebnis, das ist also schlimm. Und ich glaube, Frauen und Väter haben das einfach noch ganz fest in den Knochen und das kann man einfach, das ist nicht Angst scheuern oder etwas, das Restrisiko ist da. Das konnte uns die Nagra bei keiner Sitzung sagen: Es kann sicher nichts herauskommen, und dann ist das auch ernst zu nehmen, und dafür darf man kämpfen.
00:42:11 Pius Frey, Lehrer: Also zu den Emotionen möchte ich also nur noch sagen, ich glaube, dieser Vorwurf, dass die Gegner emotional argumentieren würden, der fällt an und für sich auch auf die Befürworter zurück. Erstens mal, in dieser Sache drauszukommen, das ist nicht einfach, und das tun auch die Befürworter bis hinauf zum Regierungsrat an und für sich nicht, dass sie absolut genau da sähen, was da passiert, welches Risiko wir da auf uns nehmen müssen bei dieser ganzen Sache. Jetzt warum kommt es zurück, dieser Vorwurf der Emotionen? Sie argumentieren an und für sich auch sehr sehr oft sehr emotional. Ein Beispiel dazu ist das, es wird oft im Zusammenhang natürlich mit einem Endlager, mit der Kernenergie generell, wird von Energie geredet, Energie, die wir brauchen, die die Industrie brauche, sonst, was passiere sonst, die Arbeitsplätze gingen verloren, also die seien gefährdet. Also so argumentiert man, und was ist das, das ist nichts anderes als den Leuten Angst gemacht. Angst gemacht mit dem Argument, dass sie ihren Arbeitsplatz eventuell mal verlieren könnten. Also ich sehe da keinen Unterschied, dass Angst eben mal im Zusammenhang mit der Kernenergie herum ist.
00:43:30 Fredi: Entsorgung ja aber? Einsprache?
00:46:04 Deutsch sprechender Herr, grauer Pullover: Ja, natürlich, die unglücklichste Lösung, die man sich vorstellen kann, ist, dass man Material, das ja nicht, wenn es vergraben ist, aufhört zu reagieren, sondern sich weiterentwickelt, das heisst, dass weitere Spaltungen stattfinden, dass man dieses Material in ein Bergtal deponiert. Das ist das Ungeschickteste, das man machen kann, das lässt sich also mit der Kanalküste oder andern Stätten überhaupt nicht vergleichen. Es gibt Alternativen, selbstverständlich, es hat z. Bsp. noch niemand daran gedacht, dass man diese Kraftwerke als Ruine stehen lassen kann, und man kann sie zumauern, mit sämtlichem Inventar, so wie das in Deutschland letzte Woche angekündigt worden ist, das war seit Jahren vorauszusehen, dass man den Hochtemperaturreaktor stilllegen wird und auf diese Weise entsorgen wird. Jetzt ist es beschlossen. Das gilt natürlich auch für alle andern Kraftwerkanlagen, dass sie dort stehen gelassen werden, wo sie bis heute auch nicht gestört haben.
00:47:06 Deutschsprechender Herr: Es gibt auch die Möglichkeit, dass man dieses Material z. Bsp. in die Kavernen, die entstanden sind bei Kernexperimenten, z. Bsp. unterirdischen Explosionen und ähnlichen Sachen, dass man die aufbereitet. Also es gibt, die Welt ist gross genug, durchaus Möglichkeiten, wo der Anteil aus unseren Reaktoren mit untergeht in der Menge, ohne dass es auffällt, aber eine solche Lösung, das hier so zu konzentrieren, in dieser engen und sehr stark bewohnten Gegend, das ist meiner Überzeugung nach, und das kann man auch sehr gut nachempfinden, oder glaubhaft machen, das ist keine Lösung.
00:47:49 Fredi: Was sind die Gründe der Befürworter?
00:48:15 Pia Blättler: Also ich finde, ein Grund ist ganz sicher das finanzielle Interesse. Unsere Gemeinde ist da hinten nicht stark mit Finanzen… und wir hatten am 1. Dez. 1986 diese Sitzung, und im März hatte ich zufällig einen Befürworter am Telefon, der mir in der ersten Euphorie, die diese Leute hatten, wegen diesem Geld, ganz klar am Telefon sagte, wir machen dann dort drüben eine Umfahrung, und das wird dann gleich untergedonnert. Und das ist ganz klar, am Anfang hörte man von den Befürwortern, ich habe das gehört, und andere der Gruppe sicher auch, ganz klar, was sie... also teils Sachen, wo sie also die Hoffnungen nur aufs Geld gesetzt haben. Inzwischen, als wir kritischen kamen, und als sie sich wahrscheinlich selber hinterfragt haben, haben sie sehr wenig mehr gesagt, weil sie wussten, dass es schwierig ist, so zu politisieren. Aber ich hatte also so ein Telefon, und dort hiess es ganz klar, also wir machen das dort, obwohl es nicht jemand war vom Gemeinderat, aber einer, der vermutlich sehr gut informiert war.
00:49:23 Fredi: Gibt es da konkreten Zugeständnisse der Nagra?
00:49:41 Pia Blättler: Eben hat man nicht. Man hat, immer von 300 Mio haben da herumgegeistert, aber etwas Konkretes wissen wir bis heute noch nicht.
00:49:54 Fredi: Weiss es der Gemeinderat?
00:50:00 Werner Blättler, Gemeinderat: Also 300 Mio Investitionsvolumen, hiess es, und das wäre dann Stufe Regierungsrat gewesen, oder Kanton eben, dass der Kanton sagt, es käme da 300 Mio. herein, diese Zahl ist also verbürgt. Das ist also klar und eindeutig. Ob jetzt da einige Wolfenschiesser meinen, wir bekämen da einfach blutt auf die Hand 300 Mio., so dumm glaube ich, ist man schon nicht, aber viele erhoffen sich schon sehr viel von der Nagra. Seien das jetzt einzelne, die im Bereich gewisser Bohrstellen sind und sich gewisse Vorteile ausrechnen, und sich zum Teil bereits solche Vorteile vertragsmässig erwirtschaftet haben, das ist auch bereits Tatsache. Dann weiter kann man hören, dass in der Gemeinde drin also mit direkten Abgaben gerechnet wird, also pro wieviel, dass da gerechnet wird, das weiss man allerdings auch nicht genau, ob da pro m3, oder pro Tonne oder pro Curie oder was Donners da reingehenkt wird, abgerechnet wird, aber man rechnet also in der Gemeinde damit, dass Geld reinkommt. Man sagt, man hat auch schon gehört, dass Arbeitsplätze da kommen werden, so und so viele Leute dort arbeiten würden. Das einheimische Gewerbe rechnet sich tatsächlich etwas aus, was da an Bauten gemacht werden könne, und so fort, aber eben konkrete Zahlen auch an Zusatzstellen und so, da ist schon noch nichts herum, vor allem nicht konkret.
00:51:24 Fredi: Sind Befürworter vertrauensvoll zum Bundesrat oder sind es nur wirtschaftliche Interessen?
00:51:43 Werner Blättler, Gemeinderat: Es ist schon eine Mischung, es wird schon immer gesagt: Ja nein, da kann doch nichts herauskommen, das ist doch unmöglich. dass da etwas herauskommt, oder so ein dicker Berg und so, es wird ja so gut verpackt. Und nachher kommt dann ganz schnell: Wenn wir das nicht machen, wenn es nicht hierherkommt, nachher geht uns so und so viel Flöten (verloren), diese Brücke müssen wir selber machen, diese Strasse müssen wir selber übernehmen, und der Kinderspielplatz in Oberrickenbach kommt dann nicht, und die Zufahrt zu diesem Wohngebiet kommt dann nicht: also nicht gerade es komme nicht, aber wir müssten dann alles selber berappen, und es käme teurer usw., und sonst zahlt uns doch alles die Nagra!
00:52:20 Werner Blättler, Gemeinderat: Und gewisse Zugeständnisse wurden da bereits gemacht, eben auch von der Nagra, dass sie gewisse Sachen da übernehme. Oder wenn man weiss, wer hinter der Nagra steht, wer alles für sie da reinbuttert an Geld, dann ist es für sie schon relativ ring, zu sagen: Jawohl, das Strässlein übernehmen wir, und den Spielplatz übernehmen wir dann auch noch und so. Das ist also für sie ein Klacks. Ja wenn der Nagra-Finanzdirektor das hört, wird er sagen, selbstverständlich ist das kein Klacks, aber in Wahrheit ist es einen, wenn man die EW’s sieht, die dahinter stehen, oder, das sind natürlich Mia.
00:52:53 Fredi: Plausibilität des Standorts?
00:54:12 Pius Frey: Zu unserem Standort: Zuerst einmal macht uns stark Sorgen, dass die politische Situation, davon haben wir schone chli geredet, dass die eigentlich… gut, sie ist jetzt einfach anders als in den anderen Standorten für Endlager, und das verfälscht dann einfach die ganze Situation, besonders ist dann die Gefahr, dass dann die Wissenschaftlichkeit nicht mehr richtig garantiert ist, dass man dann eben wirklich nur dort das Endlager realisieren will, wo es politisch am ringsten ist. Und dagegen wehren wir uns natürlich ganz heftig. Das ist für uns…, darüber machen wir uns sicher ein Gewissen, wenn wir das nicht verhindern könnten mit unserer Arbeit.
00:54:59 Pius Frey: Zum andern, wir haben das schon angesprochen, der Standort am Wellenberg hat auch gewisse geologische Fragezeichen. Die sind bald einmal schon gesagt worden… und es ist an und für sich verrückt, die Tatsache, dass die drei anderen Standorte schon im Voralpengebiet sind, und man jetzt einen vierten Standort auch wieder im Voralpengebiet wählt, wo man weiss, dass es einfach noch unruhig ist, wo nach Faltungen stattfinden, und sogar das gleiche Gestein hat, das nur, wie viel sind es, etwa 15 km dänk, am Oberbauenstock man das genau gleiche schon untersucht hat. Das sind einfach Gründe, die wir einfach fast nicht akzeptieren können von der Plausibilität her von diesem Standort.
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