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Band Nr. V29, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Familie Niederberger: Landwirte Ober und Hinter Ey, Teil 2 (1990, Fredi Murer)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9103-29
BestandF_9103 Dokumentation DER GRÜNE BERG [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand der Bevölkerung und die politischen Aushandlungsprozesse. Der Film wurde 2025 digitalisiert und restauriert. In diesem Zusammenhang wurde auch das S-VHS-Kassetten vorhandene Rohmaterial der Interviews digitalisiert. Der Bestand Dokumentation DER GRÜNE BERG umfasst 57 Interviews, die Fredi M. Murer 1989 und 1990 mit der betroffenen Bevölkerung, Vertretern der NAGRA, Widerstandsgruppen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen führte. Das Material wurde im Rahmen eines Memoriav-Projekts und der Unterstützung des Kantons Nidwalden (Amt für Kultur) digitalisiert. Als Basis für die Erschliessung dienten schreibmaschinengeschriebene Transkripte von 1990 (oft ins Hochdeutsche übertragene Wortprotokolle), die orginal wiedergegeben werden. Zur besseren Orientierung im digitalen File wurden sie mit Timecodes versehen und mit einem Abstract ergänzt.

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand… — mehr...

AbstractSepp und Bernadette Niederberger erfuhren erstmals mittels eines Informationsblatts von den Nagra-Plänen am Wellenberg, was bei ihnen in den folgenden Monaten Angst, schlaflose Nächste und generell starke psychische Belastungen mit intensiveren Druckphasen auslöste. Um diesem Druck zu begegnen, suchen die Niederbergers Erholung in ruhigeren Perioden und verzichten bewusst auf eine aktive Rolle in offiziellen Gremien.
In der Familie standen sie zunächst isoliert, bis ihr Bruder Unterstützung anbot und sie durch eine lokale Bauern-Arbeitsgruppe in Versammlungen eingebunden wurden – ohne sich jedoch dauerhaft zu engagieren. Gespräche im Dorf meiden sie, da ihre Haltung sowohl Zustimmung als auch Ablehnung hervorrief, sie aber lieber aus der Entfernung beobachten.
Abschliessend diskutieren die Niederbergers und Murer noch über den Sinn des Filmes – spezifisch was sich Murer mit diesem zu Erreichen hofft – und über die kantonale Politik bzw. Wahlen von Nidwalden.
Für die weiteren Teile des Gesprächs siehe das Videomaterial in Sozarch_F_9103-28b (Teil 1), Sozarch_F_9103-04 (Teil 3) und Sozarch_F_9103-13 (Teil 4).
Urheber
  1. Murer, Fredi M.
Copyright
Schlagwörter
  1. Umwelt
  2. Umweltpolitik (allgemein)
  3. Abfallwirtschaft
  4. Abfalllagerung
  5. Lagerung radioaktiver Abfälle
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Nidwalden
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1989
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1990
Verleger
  1. Murer, Fredi M.
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. S-VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation
Niederberger Sepp und Bernadette, Landwirte, Ober Ey (auch Hinter Ey), Wolfenschiessen (Beat Zumbühl: Vater von Bernadette)

00:00:00 FMM: wie habt ihr von dem Nagra Projekt vernommen:

00:01:42 Sie: Es ist einmal ein "Blättli" gekommen, so ein gelbes uns sie (weist auf Sepp) waren z'Holz gewesen im Brand oben und dann hat es eben geheissen, die Nagra komme in den Wellenberg. Dann haben wir immer über das geredet, der Schwager und die Schwester sind auch noch dort oben gewesen und haben geholfen. Dann haben wir zueinander gesagt, dann können sie ja denn im Tobel vorne hinein, und immer so. Und dann, –es ist ja denn nicht so lange gegangen, haben wir dann gewusst, dass sie da hinten hinein gehen. Da hat es uns also schon "Einen gegeben"! Und wo wir dann gewusst haben, wieviel Land es uns wegnimmt, hat es uns schon unsinnig getroffen und dann haben wir dann schon hie-und-da schlaflose Nächte gehabt.

FMM: Wie war das in der Familie, wart ihr allein?

00:02:43 Sie: Wir sind eigentlich schon allein gewesen

ER: ja ja

Sie: zuerst, bis es dann einisch die "Brugg'', äh, diese «Gruppe» gegeben hat.

ER: jaja mein Bruder hat mir auch geholfen, das muss ich sagen, und dann ist die Gruppe auch gekommen und haben uns so ä chli – in die Versammlungen mitgenommen. Sie hab auch gesagt, wir sollen in den Verein kommen, aber das haben wir auch wieder nicht wollen. Und jetzt, – was soll man da noch sagen, was?

FMM: ... Wird auf euch Druck ausgeübt? Einschüchterung

00:06:15 Sie: Also es ist eigentlich schon so, jetzt hat es sich wieder beruhigt, aber eine Zeitlang ist es schon so gewesen. Oder dann haben die Leute, die einen Leute haben gesagt was wollt ihr da hinten, die einen sagen, die sollen doch kommen und die andern sagen: nein das gibts ja nicht, oder. Aber in letzter Zeit hat es sich normalisiert, wieder. Aber eben, wenn sie immer wieder kommen und etwas wollen.

Er: Auch wenn wir in diesen Wirtschaften noch sind, wir sagen eigentlich nicht so… wir tun nicht so ausrufen, oder, das können wir nicht, wir tun das eigentlich so verfolgen, oder, was sie so reden, und dann können wir wieder etwa selber weitersehen. Sonst, da kommt man nicht weit, wenn man von dem anfängt zu reden, das ist nicht so gut. Und, es gibt ja schon solche, die sind dafür, und viele andere sind dagegen. (Schweigen)

FMM: Hat sich das seelische Wohlsein verändert?

00:11:30 Er: Ja, so, da kann man schon sagen, gesundheitlich hat uns das nicht gutgetan. Vorher hat man sich gar nicht so bekümmert, wenn das noch im Radio gekommen ist über die Nagra, diese Stelle ist ja schon lange. Und wo es geheissen hat, im Wellenberg wolle sie das auch machen, dann hat man das immer verfolgt, wenn wieder etwas gekommen ist von dem. Also das muss ich selber sagen, das ist schon etwas anderes als… – und jetzt, jetzt sind wir ja sowieso immer – ja, ist es einfach. Zum Glück ist jeweils wieder eine ruhigere Phase drinnen, oder, und sonst das wäre ja – (Kopfschütteln) – es ist ja auch nicht mehr schön so, wenn man mit dem Druck herum muss… oder mir der Last, oder, ich weiss auch nicht, wie man das ausdrücken kann.

00:12:36 FMM: Geht es Ihnen auch so:

Sie: Ja, (lacht) Es ist schon auch so!

Er: Es (sie) hat es dann noch mehr mit dem Schlaf, ja es (sie) kann nicht einschlafen, oder es bedrückt "ihns" und – es ist wahr.

Sie: da haben wir wieder einen "Schutz" Ruh und plötzlich kommen die wieder, und wollen etwas "Dümma Cheibs".

Er: Es ist auch manchmal – auch von der Arbeitsgruppe hat es das manchmal auch gegeben, dass wir gesagt haben, dass wir auch wirklich studiert haben: ja, müssen sie jetzt wieder – auch von dem her – die haben auch verschiedene Ansichten. Wenn wir mit dem schon Probleme haben, haben wir nicht gedacht, dass wir zu denen in den Verein kommen. Sie haben es schon gewünscht, aber es ist jetzt glaube ich besser, und es ist uns wohler, irgendwie.
Es hat ja solche gegeben, dass sie aus dieser Gruppe aussteigen mussten, weil sie nicht mehr konnten, dann sind sie auch wieder dazugekommen.

FMM: Aus was für Gründen?

Er: Ja irgendwie …?

Sie: Aus seelischen Gründen!

Er: Auch aus seelischen, ja genau!

Sie: Oder die haben zu fest studiert, "a dem umä"!

Er: "a dem umä!" Das ist also wahr!

Sie: Wenn man durch die Nacht nicht mehr schlafen kann, so drei vier Tage hintereinander, so denkt man, nein, also jetzt, schaue ich lieber auf die Gesundheit als auf das!

00:14:11 Er: … "ä chli" abschalten kann!

FMM: Denken die Nagra Leute an solche Aspekte?

Er: Jaa (Kopfschütteln) sie wollen schon helfen, aber ich weiss nicht, ob sie helfen können? Dieser Druck…

FMM: Und Jetz kommen wir Filmer noch!

00:15:50 Sepp und Bernadette hören in Grossaufnahme zu:

FMM: Was soll man mit den AKW's machen?

Sie: (lacht) Abstellen! Wir können wirklich nicht mehr so viel brauchen, oder. Es geht manches auch ohne oder z.Bsp. auch beim Kochen. Man kann mit dem kombinierten Kochherd auch kochen.

ER: Holzware genug da.

Sie: Aber äbä!

Er: Es geht ringer…

Sie: …wenn man nur andrehen kann.

Er: Als so ein "Schutz" dem Holz nachlaufen.

FMM: Milch wird ja auch kontingentiert, warum nicht auch der Strom?

00:17:27 Er: Mit Kontingent ist auch nicht jeder zufrieden.
(Sepp schüttelt ungläubig, nach Gedanken suchend herum. Sepp hört mit tragisch-interessantem Gesicht zu!!!)
Wieder schwenk auf Bernadette.

00:19:40 FMM: Habt ihr auch über den Sinn des Films nachgedacht?

Er: Das haben wir schon auch nachgedacht.

Sie: Das ist sicher gut.

Er: Dass es kann Wirkungen haben. Wenn jetzt einer dafür ist, in dieser ganzen Sache, und dann einer kommt und immer jammert, der sagt dann schon: schau jetzt dort, und so. Das glaube ich schon, dass es solche gibt, und dann gibt es wieder andere die sagen: Ja, das ist wirklich ein armer Cheib, oder so. Aber es gibt es. Es gibt solche. Da sieht man ja noch manchen Film… lacht ...

00:24:07 Ende V 29-Niederberger

ZitationsvorschlagVideo: Murer, Fredi M./F 9103-29
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