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Band Nr. V24-1, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Dr. Leo Odermatt: Mitglied der "Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen" (MNA), (1990, Fredi Murer) Band Nr. V24-2, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Sepp Hossler: Förster Bettelrütiwald (1990, Fredi Murer)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9103-24
BestandF_9103 Dokumentation DER GRÜNE BERG [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand der Bevölkerung und die politischen Aushandlungsprozesse. Der Film wurde 2025 digitalisiert und restauriert. In diesem Zusammenhang wurde auch das S-VHS-Kassetten vorhandene Rohmaterial der Interviews digitalisiert. Der Bestand Dokumentation DER GRÜNE BERG umfasst 57 Interviews, die Fredi M. Murer 1989 und 1990 mit der betroffenen Bevölkerung, Vertretern der NAGRA, Widerstandsgruppen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen führte. Das Material wurde im Rahmen eines Memoriav-Projekts und der Unterstützung des Kantons Nidwalden (Amt für Kultur) digitalisiert. Als Basis für die Erschliessung dienten schreibmaschinengeschriebene Transkripte von 1990 (oft ins Hochdeutsche übertragene Wortprotokolle), die orginal wiedergegeben werden. Zur besseren Orientierung im digitalen File wurden sie mit Timecodes versehen und mit einem Abstract ergänzt.

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand… — mehr...

AbstractSepp Hossler ist Förster im Bettelrütiwald am Westhang des Wellenbergs (ca. 800 m ü. M.), einem fruchtbaren Buchen-Tannen-Mischwald. Der Wald ist im Privatbesitz von 10-12 ansässiger Bauern. Die meisten Bäume sind bis 250 Jahre alt und erreichen Volumina von 12 – 15 m³ pro Stamm.
Als Förster zeichnet Hossler vor jedem Holzeinschlag die Bäume an, berät Eigentümer bei Naturverjüngung und Aufforstung und misst nach dem Fällen das Holz für den Verkauf. Diese gesetzlich vorgeschriebene Kontrolle verhindert unkoordinierte Holzschläge und sichert eine nachhaltige Waldnutzung.
Auf Initiative der Waldbesitzer entstand in Eigenregie eine neue Forststraße. Sie ermöglicht nun einen Zugang zu entlegenen Parzellen, ist aber keine Durchgangsstraße.
Der Boden am Westhang ist eher feucht und fördert Beerenarten wie Him- und Brombeeren; wenige Pilze wachsen ebenfalls. Hossler sieht bislang keine negativen Auswirkungen geplanter Nagra-Untersuchungen in Bezug auf den Wald, da diese den Privatwald im Bettelrütiwald kaum berühren.
Dr. Leo Odermatt entstammt einer Familie, die in Dallenwil eine Mühle und Sägerei betrieb, dann nach Ennetmoos umsiedelte und einen Landwirtschaftsbetrieb führte. Nach dem Besuch der Primarschule in Ennetmoos und des Kollegiums in Stans studierte er Volkswirtschaft in St. Gallen und schrieb eine Dissertation über die Alpwirtschaft im Kanton Nidwalden. Anschließend leitete er ein Caritas-Erdbebenprojekt in Süditalien und ist seit Herbst 1984 als Wirtschaftslehrer an der Verkehrsschule Luzern tätig.
Sein politisches Interesse weckte zunächst die Gründung der Regionalpartei „Demokratisches Nidwalden“. Ausschlaggebend wurde jedoch die Mitwirkung am MNA (Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen): Als Kopräsident trieb er ein überparteiliches Komitee voran, sammelte Unterschriften gegen das geplante Endlager für radioaktive Abfälle am Wellenberg, organisierte Einsprachen und Informationsveranstaltungen sowie die Strategie des Geschäftes an der Landsgemeinde.
In dieser Rolle erlebte Odermatt erstmals die Realität politischer Entscheidungsprozesse. Im Grossen und Ganzen war es eine der grössten Desillusionen in seinem Leben. Er erwartete, dass Politiker, die im Dienst der Öffentlichkeit arbeiten idealistisches Engagement mitbringen, sich Zeit nehmen, vorausdenkend sind und gut überlegen, was Entscheidungen für Auswirkungen haben. Aber gerade in dieser Frage wurde er sehr enttäuscht.
Urheber
  1. Murer, Fredi M.
Copyright
Schlagwörter
  1. Umwelt
  2. Umweltpolitik (allgemein)
  3. Abfallwirtschaft
  4. Abfalllagerung
  5. Lagerung radioaktiver Abfälle
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Nidwalden
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1989
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1990
Verleger
  1. Murer, Fredi M.
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. S-VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation
Dr. Leo Odermatt, MNA (Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen), Stans

00:01:13 Aufnahmen durchs Fenster

00:05:58 Ich heisse Leo Odermatt, ich bin in Ennetmoos aufgewachsen und wohne jetzt hier in Stans. Unsere Familie ist schon manches Jahr in Ennetmoos, der Urgrossvater kam von Dallenwil, und hat dort draussen eingeheiratet, und damals sagte man denen die Mühlewisels, und jetzt sagt man uns die Leopolden, weil mein Vater und Grossvater Leopold hiessen, und vorher waren auf dem Heimet Gröblis. Das Haus, wo ich aufwuchs, das brannte ab beim Überfall und wurde kurz nachher wieder aufgebaut. Das hat also ein Gröbli aufgebaut, und diese Odermatten, woher ich komme, die waren vorher in Dallenwil in der Mühle, und ich habe noch Mühlesäcke von einem Vorfahren von mir, der betrieb dort hinten eine Mühle.

Fredi: Hakt nach

Also mein Vater der hat in Ennetmoos gebauert, der Grossvater schon und mein Urgrossvater natürlich auch. Und die Odermatten in Dallenwil, die machten einen Haufen, die hatten eine Sägerei, eine Mühle und hatten auch Land, haben auch gebauert, und drum, den Odermattenstamm selber, den kann man manches Jahrhundert zurückverfolgen, etwa bis ins 14. Jahrhundert.

Fredi: Gegenwart?

Also ich bin im Ennetmoos am Allweg oben in die Primarschule gegangen und nachher ging ich acht Jahre lang nach Stans hinein ins Kollegi, habe dort die Matura gemacht, und nachher ging ich nach St Gallen und habe dort Volkswirtschaft studiert. Und nach dem Studium machte ich noch eine Dissertation über Alpwirtschaft in Nidwalden, habe relativ lange an dieser Arbeit gearbeitet, im Gesamten fünf Jahre. Und die habe ich zum grössten Teil hier gemacht diese Arbeit. Und nachher. als ich diese Arbeit fertig hatte, war ich etwa zweieinhalb Jahre im Ausland, ich leitete dort bei der Caritas ein Erdbebenprojekt in Süditalien. Und dann nachher seit anno 1984, also anno 84 kam ich zurück und seit dem Herbst 1984 unterrichte ich jetzt an der Verkehrsschule in Luzern, und ich unterrichte dort Wirtschaftsfächer.

00:09:22 Fredi: Politische Tätigkeit?

00:10:01 Also der Auslöser für meine politische Betätigung war ein wenig emotional, also ich habe einfach gesehen, wie sich sehr viel verändert, wie vieles, woran ich hänge, sagen wir, es sei landschaftlich oder so, wie das verschwindet, und ich habe auch gesehen, dass wir hier in Nidwalden in eine Richtung gehen, die mir nicht ganz passte. Und ich bin Gründungsmitglied des "Demokratischen Nidwalden", wir gründeten diese Partei, einfach um vielleicht ein Gegengewicht geben zu können zu den anderen Parteien, oder auch um Anliegen vorbringen zu können, die in den anderen Parteien nicht so ohne weiteres zur Sprache kommen. Aber ich war eigentlich nur bei der Gründung dabei, kurz nach der Gründung ging ich ja nach Italien zurück.

00:11:07 Und mein eigentliches politisches Engagement, das fing mit dem MNA an, das ist das Komitee für eine «Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen». Weil, als es auskam, dass die Nagra nach Nidwalden kommt, da war ja noch der Niederbauen im Gespräch, da war das wie ein Schock eigentlich in der ganzen Bevölkerung, und man fing sofort an herumzutelefonieren, ja was meint ihr, was macht ihr usw. Und dann kam man ein paar Mal zusammen, und dann kam dann bald noch einmal die Idee, man könne doch ein überparteiliches Komitee machen, man solle das nicht einfach einer Partei anhängen oder so. Und dann nachher wurde ich dort als Kopräsident gewählt, wir hatten zuerst ein Kopräsidium, also ich war Kopräsident, zusammen mit der Heidi Lustenberger von Beckenried. Und wir zogen das ganze durch, und das war ziemlich hart. Wir hatten keine Erfahrung, alles war ein frisches Gebiet, wir konnten nicht abschauen, wie hat man das in einem anderen Kanton gemacht, weil es auch nichts genützt hätte, weil man ja immer die eigenen Verhältnisse anschauen muss. Wenn ich mich jetzt zurückerinnere, die erste Zeit war schon die schwerste, weil man nie wusste, ob das richtig sei, was man jetzt macht, wie kommt das heraus. Wir kannten auch die Mehrheitsverhältnisse nicht. Wir zitterten also recht auf die erste Landsgemeinde, weil wir also wirklich bis zur Landsgemeinde nicht wussten, ob wir durchkommen oder nicht.

00:12:55 Und im MNA habe ich auch meine politischen Erfahrungen gesammelt, ich habe das nicht gekannt vorher eigentlich, ich hatte mich auch nie so damit befasst, wie der Landrat arbeitet. wie das alles so funktioniert, wie diese Mehrheitsverhältnisse zustande kommen, und wie diese ganze politische Arbeit abläuft. Und im Großen und Ganzen muss ich sagen, das war für mich eigentlich eine der grössten Desillusionen in meinem Leben, weil ich hatte mir immer so Vorstellungen gemacht, dass jemand der Politik macht, der sich für die Öffentlichkeit engagiert, der nehme sich besonders viel Zeit, er habe gewisse Ideale, täte auch lange voraussehen, und sich lange überlegen, was das für Auswirkungen hat, wenn man das und das macht. Und also grad in dieser Frage, da bin ich also furchtbar enttäuscht worden, also da habe ich jede Illusion verloren.

00:14:03 Bilder durchs Fenster

00:16:33 Aufnahmen Stans

00:19:19 Ende V 24-Odermatt


Sepp Hurschler, Förster, Altzellen, Wolfenschiessen
Kinder: Astrid Hurschler, Andreas Hurschler, Angelika Hurschler, Seppi Hurschler Neumatt

00:20:00 Ich bin der Hossler Sepp, von Beruf bin ich Förster dieser Gegend hier, wir sind hier im Bettelrütiwald auf etwa 800m. Der Bettelrütiwald ist da ein Teil des Wellenberges, da auf der Westseite sind wir hier, das ist ein Buchen-Tannenwald, ein richtiger, die Waldgesellschaft ist Buchen-Tannenwald hier. Man sieht auch hier oben hat es ziemlich schwere Bäume, die sind bis 250-jährig, das ist also, der Boden ist ganz fruchtbar hier.

00:20:53 Fredi: Feuchtigkeit?

00:21:01 Da ist es also, der Boden ist also nicht so trocken, weil wir hier nicht extrem auf der Südseite sind, es ist so ein Westhang, also ein guter Standort für den Wald da.

00:21:21 Fredi: Unterbruch

Der grösste Teil ist da Privatwald, das sind etwa 10 bis 12 verschiedene private Bauern meistens, die da Wald haben.

00:21:30 Fredi: Wiederholung

00:22:03 Ich bin der Hossler Sepp, ich bin Förster, wohne da am Altzellener Berg, das ist beim Wellenberg zu, fast. Wir befinden uns im Bettelrütiwald, das ist am Westhang des Wellenberges.

00:22:25 Fredi: Besitzverhältnisse?

00:22:27 Hier sind wir im Privatwald drin vom Hinterstein Sepp, der hat da ziemlich grosse Bäume, weil man die früher da durchs Loch hinab reisten musste, hatte man Angst, mit denen da hinab, und dann liess man sie einfach stehen.

00:22:51 Fredi: Alter?

00:22:54 Diese Bäume sind ca. 200 bis 250-jährig, die grössten sind so 12 bis 15 m3, das gibt also ein Lastwagenfuder von einem Baum hier.

00:23:10 Fredi: Was ist das für eine Art Wald?

00:23:15 Hier sind wir im Buchen-Tannenwald drin, typisch, der Boden ist relativ feucht, man hat nicht so viel trockene Standorte, jetzt auf der Seite des Wellenberges, auf der andere Seite, der Südseite ist dann der Wald auch kürzer, aber hier ist es ziemlich fruchtbarer Boden.

00:23:40 Fredi: Beeren, Pilze?

00:23:46 Wenn genug Licht auf den Boden kommt, kommen da schon auch Beeren, vor allern auch diese Himbeeren und Brombeeren, und auf der Südseite dann die Heidelbeeren oben durch.

00:24:03 Fredi: Pilze?

00:34:04 Pilze, ja das weiss ich auch nicht so recht, aber es hat sicher auch Pilze, wenn man schauen gehen würde, ich bin da nicht so Kenner davon.

00:24:31 Fredi: Mitleidenschaft durch Nagra?

00:24:42 So viel, als ich weiss vorläufig sicher nicht. Es wird nicht gross der Wald in Mitleidenschaft gezogen da, nein. Das sehe ich nicht.

00:24:43 Fredi: Besitzverhältnisse?

00:25:19 Ja hier das sind jetzt ca. 10 bis 12 private Besitzer, und das sind Bauern, meistens, es hat etwas vom Dorf vorne, die nicht Bauern sind, aber die meisten sind Bauern, die haben da ihren Wald da drin oben, und die nutzen ihn. Jetzt wo wir da erschlossen haben sowieso besser, oder, vorher war es einfach ein Problem mit dem Holz da hinab.

00:28:44 Fredi: Was ist ihre Arbeit?

00:25:53 Ich gehe ihnen Holz anzeichnen, ich berate sie, wie sie, also welches sie draus nehmen sollen… was man mit dem Wald noch machen sollte, wenn irgendwie zum aufforsten Flächen sind, die man aufforsten muss, da veranlasst man das, dass die aufgeforstet werden, oder Naturforstungen betreiben, dass der Wald stark wird. Und dann misst man auch das Holz, wenn es gefällt ist, wenn es der Bauer gerüstet hat, dann misst man es zum Verkaufen, damit sie ein neutrales Mass haben. Das sind eigentlich die Aufgaben, die man hat als Förster im Privatwald.

00:26:36 Fredi: Bedingungen für Privatbesitzer?

00:26:43 Sie müssen einfach das Holz, wenn sie Holz zeichnen wollen, müssen sie das zeichnen lassen vom Förster, das ist bestimmt durch das Gesetz, dass man nicht einfach Bäume fällen kann, wie man will, sonst gäbe es da unkontrollierte Holzschläge, die man nicht gross Massnahmen ergreifen könnte, es ist ...

00:27:10 Fredi: Etwas weiteres?

00:27:30 Ja eben diese Waldstrasse da, das ist eigentlich auch auf Initiative dieser Bauern, die da sind, die wollten ihren Wald bewirtschaften, und dann schaute man halt, was man machen wollte, und dann hat man von der Strasse da vorne aus das Projekt geplant und dann hat man das in Eigenregie ausgeführt, und damit einiges Geld gespart, d.h. man konnte dann mit dem Geld, das man da zur Verfügung hatte einfach hinten weiter nach hinten Strassen, damit die hinteren eigentlich auch etwas davon hatten. Das war noch gut.

00:28:13 Fredi: Absichten?

00:28:17 Nein ganz und gar nicht, sonst nützt uns diese Strasse auch nichts, wenn man da eine Durchgangsstrasse haben muss, dann kann man auch nicht mehr ungehindert holzen, oder, dann hat man da immer Holz drin, und muss das jedes Mal wegräumen, dann ist das eine Durchgangsstrasse nachher, und dann hat das mehr Nachteile als Vorteile, oder.

00:28:48 Aufnahmen Wald, Strasse

00:29:36 Kinderbilder

00:47:02 Schwenk auf Mann und Kind, die zusammen Holz hacken, Schwenk weg

00:49:02 Ende V 24-Hossler

ZitationsvorschlagVideo: Murer, Fredi M./F 9103-24
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