Datenbank Bild + Ton

mehr Suchoptionen…Hilfe

Band Nr. V23-1, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Walter Zumbühl: Gemeinderat Wolfenschiessen (1990, Fredi Murer) Band Nr. V23-2, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Roland Christen: Gemeindepräsident Wolfenschiessen (1990, Fredi Murer) Band Nr. V23-3, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Roland Gröbli: Mitglied der "Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen" (MNA), (1990, Fredi Murer)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9103-23
BestandF_9103 Dokumentation DER GRÜNE BERG [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand der Bevölkerung und die politischen Aushandlungsprozesse. Der Film wurde 2025 digitalisiert und restauriert. In diesem Zusammenhang wurde auch das S-VHS-Kassetten vorhandene Rohmaterial der Interviews digitalisiert. Der Bestand Dokumentation DER GRÜNE BERG umfasst 57 Interviews, die Fredi M. Murer 1989 und 1990 mit der betroffenen Bevölkerung, Vertretern der NAGRA, Widerstandsgruppen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen führte. Das Material wurde im Rahmen eines Memoriav-Projekts und der Unterstützung des Kantons Nidwalden (Amt für Kultur) digitalisiert. Als Basis für die Erschliessung dienten schreibmaschinengeschriebene Transkripte von 1990 (oft ins Hochdeutsche übertragene Wortprotokolle), die orginal wiedergegeben werden. Zur besseren Orientierung im digitalen File wurden sie mit Timecodes versehen und mit einem Abstract ergänzt.

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand… — mehr...

AbstractWalter Zumbühl, in Oberrickenbach geboren und aufgewachsen, entstammt einer bäuerlichen Familie (12 Geschwister). Seine schulische Grundbildung absolvierte er vor Ort.
Beruflich begann er als Forstarbeiter bei der Korporation Oberrickenbach, absolvierte die Rekrutenschule und eine Försterausbildung. Rund 14 Jahre leitete er das 3. Forstrevier im Kanton Nidwalden. Anschließend arbeitete Zumbühl zehn Jahre in der Grundbachvermessung, bevor er vor fünf Jahren als Techniker auf dem Flugplatz Buochs tätig wurde. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder.
Politisch engagiert er sich seit 1976 im Gemeinderat Wolfenschiessen. Zunächst leitete er das Ressort Kehrichtentsorgung, wechselte 1982 in die Baukommission und ist heute Bauchef: Er bereitet Kommissionssitzungen vor, formuliert Bauanträge und überwacht Baugesuche, Auflagen und Ausführungen.
Zudem präsidiert er eine Fachkommission zum Verbauen von Wildbächen (aktuell Hummeren- und Buoholzbach; in Planung: Haldibach, Fallenbach, Gärlibach). Diese Ämter erfordern erheblichen Zeitaufwand und gehen zulasten seiner Freizeit: Er war früher aktiver Schütze, heute zieht er Erholung als begeisterter Skifahrer.
Ein zentrales Anliegen Zumbühls ist die Schaffung von bezahlbarem Bauland und lokalen Arbeitsplätzen, damit junge Einwohner in Wolfenschiessen wohnen und arbeiten können. Er warnt, dass steigende Grundstückspreise und mangelnde Arbeitsmöglichkeiten sonst zur Abwanderung führen.

Roland Christen, aus Wolfenschiessen, schildert seine familiären Wurzeln: frühe Verluste in der Ahnenreihe, ein traditionsreicher Gasthofbetrieb und schließlich der Wechsel seines Zweiges ins Bau- und Ingenieurwesen. Er ist seit 1974 im Gemeinderat aktiv, seit 1984 dessen Präsident und war 1978–87 Mitglied beziehungsweise Präsident des Nidwaldner Landrats. Seine Frau Elisabeth und die beiden Kinder – Tochter Bea (11 J.) und René (9 J.), stehen im Zentrum seines Privatlebens.
Christen betont die Komplexität der Verwaltung in einer flächenmäßig großen Gemeinde mit rund 1 800 Einwohnern: fünf Wildbachverbau-Projekte, drei Schulen, über 20 km Kanalisation und ein dichtes Wanderwegsnetz erfordern laufende Investitionen, die nur dank kantonalem Finanzausgleich zu stemmen sind. Als Gemeindepräsident arbeitet er mit einem elfköpfigen Rat, nimmt aber nur im Gleichstandsfall eine Stimme ein. Sein größter Wunsch ist, den sozialen Zusammenhalt nicht durch das nationale Endlagerprojekt auf dem Wellenberg zerstören zu lassen; er plädiert für offene Information und gegenseitigen Respekt, um das Dorf nicht in zwei Lager zu spalten.
Ein besonderer Familienbesitz ist das kleine Wasserkraftwerk das Gleichstrom erzeugt und vor rund 70 Jahren von seinem Grossvater errichtet wurde. Erst jüngst wurde es auf Wechselstrom umgebaut. Überschüssige Energie speist die Familie ins kantonale Netz ein – so lebt Christen zu Hause frei von Atomstrom, während er am Arbeitsplatz darauf angewiesen bleibt.

Gröbli: Dr. Roland Gröbli, 29 Jahre alt und in Nidwalden aufgewachsen, hat Germanistik und Geschichte in Zürich studiert und soeben seine Dissertation über den Einsiedler «Bruder Klaus» abgeschlossen. Beruflich gestaltet er neben dem wissenschaftlichen Vortrag einen kleinen Fachverlag und verdient als freier Journalist. Privat engagiert er sich seit Jahren im MNA-Komitee (Mitsprache des Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen), um sich kritisch gegen das nationale Endlagerprojekt der NAGRA im Wellenberg zu engagieren und Bedingungen für Mitsprache zu schaffen.
Parallel dazu schrieb er gemeinsam mit einem Weggefährten ein Buch über die Geschichte seiner Heimatgemeinde Ennetmoos – ein Ausdruck seiner Überzeugung, dass fundierte Ortskenntnis und Identifikation mit der eigenen Region die Basis für politisches Engagement bilden.
Gröbli betont, wie viel Aufwand das politische Engagement erfordert: unzählige Bücher und Akten, viel Zeit, Geld und Mitstreiter, um gegenüber Nagra und politischen Amtsstellen glaubwürdig Auskunft einzufordern. Er schildert das Ungleichgewicht gegenüber professionellen Stellen (Politik, Nagra) und wie Laien regelmässig an die Grenzen ihres Machbaren stossen und trotz intensiver Recherche immer wieder nur Ausreden statt Antworten erhalten. Genau diese Diskrepanz zwischen professionellen Akteuren und engagierten Bürgern motiviert ihn, hartnäckig zu sein – nicht nur für den Wellenberg, sondern aus Sorge um die Menschheit und Natur insgesamt.
Urheber
  1. Murer, Fredi M.
Copyright
Schlagwörter
  1. Umwelt
  2. Umweltpolitik (allgemein)
  3. Abfallwirtschaft
  4. Abfalllagerung
  5. Lagerung radioaktiver Abfälle
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Nidwalden
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1989
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1990
Verleger
  1. Murer, Fredi M.
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. S-VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation
Walter Zumbühl, Gemeinderat, Wolfenschiessen

00:01:18 Ich heisse Walter Zumbühl, ich komme von Oberrickenbach. Ich bin dort oben geboren und aufgewachsen. Meine Vorfahren waren schon dort oben, z. Bsp. der Vater und der Grossvater, und soweit ich es weiss, auch der Urgrossvater. Sie sind bäuerlicher Abstammung, ich habe in Oberrikkenbach die Schule besucht, soweit das möglich war. Damals gab es in Oberrickenbach keine Sekundarschule, auch in Wolfenschiessen nicht, man musste, wenn man von Oberrikkenbach aus, diese Schule besuchen wollte, musste man nach Stans oder nach Engelberg, wenn man eine Sekundarschule machen wollte. Ich habe 12 Geschwister, komme also aus einer grossen Familie.

00:02:09 Ich arbeitete dann nach der Schulzeit bei der Korporation Oberrickenbach als Forstarbeiter. Und dann kam die Rekrutenschule dazwischen, und habe später eine Ausbildung gemacht als Förster, und habe dann im Kanton Nidwalden das Forstrevier betreut, das 3. Forstrevier, wir haben eine Forstrevier-System im Kanton Nidwalden, und habe diesen Beruf 14 Jahre ausgeführt. Ich wechselte dann von diesem Beruf in die Grundbachvermessung, und war anschliessend 10 Jahre in der Grundbachvermessung tätig. Und vor 5 Jahren wechselte ich den Beruf noch einmal und bin jetzt auf dem Flugplatz Buochs tätig also in Banf Buochs Ennetbürgen. Ich bin verheiratet, bin Vater von 3 Kindern.

00:03:17 Ich betätige mich seit anno 1976 politisch, bin anno 76 in den Gemeinderat gekommen… stand dort dem Ressort Kehricht vor, wurde gleich Mitglied verschiedener Kommissionen. Ich übte das Amt aus bis 1982, und rutschte dann nach in die Baukommission, wurde dort Chef der Baukommission. Ich betreue heute also zusammen mit meiner Kommission das Ressort Bauwesen, d.h. ich bereite die Kommissionssitzungen vor, ich formuliere, oder wir formulieren dann die Anträge zu Handen des Gemeinderates, wir überwachen das gesamte Bauwesen selber, in der Regel ist es dann der Bauchef, der das macht, das fängt an Baugespanne abnehmen, Schnurtest abnehmen (?), Ausführungen überwachen, Bedingungen und Auflagen, die man macht bei den Bauten. Das ist die Tätigkeit, die ich als Bauchef ausübe.

00:04:32 Ich bin dazu noch Präsident einer Fachkommission. Da geht es drum, Wildbäche zu verbauen. In unser Gemeinde haben wir eine ganze Anzahl gefährlicher Wildbäche. Grad um die wichtigsten zu nennen, ist das der Hummerenbach und der Buoholzbach, die wir gegenwärtig verbauen. Anstehen tun zwei, aber auch Haldibach, der Fallenbach und der Gärlibach, also Sie sehen, es sind eigentlich riesige Aufgaben, die der Gemeinde warten. Das sind sehr zeitaufwendige Ämter, die man da hat, weil wir ja kein Mitarbeiterstab zur Verfügung haben, wie Gemeindetechniker usw. usf. Dann lastet auf dem einzelnen Ressortchef je nach dem viel. Drunter leiden tut dann die Freizeit, respektive die Hobbies, die man gerne ausüben würde.

00:05:30 Ich bin ein begeisterter Skifahrer und ein ebenso begeisterter Tourenfahrer. Da kann ich mich wieder erholen und ausspannen vor allem in der Natur draussen, wenn es schön ruhig ist, und wenn es ein wenig einsam ist. Das gefällt mir sehr. Ich war auch früher ein recht aktiver Schütze, so ein Sturmgewehrschütze, wo ich 300m schoss, und daneben schoss ich noch ein wenig mit der Pistole. Leider ist eben heute diese Zeit praktisch nicht mehr vorhanden, solange ich das jetzige Mandat hier ausübe.

00:06:07 Fredi: Anliegen zur Entwicklung der Gemeinde?

00:06:44 Ja, ich habe schon Anliegen, was die Entwicklung der Gemeinde anbelangt, und zwar wäre es mein Wunsch, dass sich die Gemeinde so entwickeln würde, dass junge Wolfenschiesser, die hier wohnen möchten und hier arbeiten möchten, dass wir diese Möglichkeit schaffen könnten. Das Hauptproblem ist ja heute das Bauland, die Preise steigen fast ins Unermessliche, und ist für viele Arbeitnehmer kaum erschwinglich. Das wäre ein Hauptanliegen, dass man diese Möglichkeit schaffen könnten, und ein weiteres Anliegen wäre auch, dass man vermehrt Arbeitsplätze in der Gemeinde schaffen könnte, dass nicht alle Leute, oder ein grosser Teil auswärts arbeiten gehen musste, sondern dass man in der Nähe Arbeitsplätze zur Verfügung hatte.

00:07:35 Rest der Kassette Bilder von Wolfenschiessen, Haus Zumbühl etc.

00:14:36 Ende V 23-Zumbühl


Roland Christen, Gemeindepräsident, Wolfenschiessen

00:15:34 Mein Name ist Roland Christen und ich bin auch in Wolfenschiessen geboren. Das Christen-Geschlecht ist auch ein Wolfenschiesser-Geschlecht. Das beweist, dass wir Uertler (?) sind, und unser Stammbaum, so viel ich mich erinnern kann, geht ca. ins 14. Jahrhundert. Dann was meine Familie selber betrifft, bin ich ein wenig in einem gewissen Problem, meine Vorfahren starben immer früh, so dass mein Vater seinen Vater mit 20 verlor, ich habe meinen Vater mit 20 verloren, sodass die eigentliche Familientradition, wie man so sagt, darunter ein wenig gelitten hat. Wenn man dann wieder in den Büchern ein wenig nachschaut, sieht man daraus heraus, dass wir schon seit Generationen eigentlich in der Gastwirtschaft tätig gewesen sind, mindestens mein Ururgrossvater wirtete schon, aber ich tue nicht mehr, bin davon weggekommen, ich hatte nie so richtig Beziehung dazu, und bin dann aufs Baufach hinüber, und bin gegenwärtig tätig in einem Ingenieurbüro, wo man mit dem Bau zu tun hat, das wäre eigentlich so was, ganz kurz.

00:17:15 FMM: Familie?

00:17:19 Selber bin ich verheiratet, meine Frau heisst Elisabeth, und ich habe zwei Kinder, das grössere, das Mädchen ist 11-jährig und heisst Bea, und der Bub wird jetzt dann 9 jährig und ist der Rene. Der Rene ist gehörlos und ist dadurch in einer Spezialschule, und wir hoffen, dass wir ihm auf seinen Lebensweg einmal etwas geben können, dass er die Sprache und die Kommunikation erlernen mag, aber den Film, den wir heute drehen, den wird er nie verstehen, weil er nämlich immer alles auf hochdeutsch sagen muss.

00:18:05 Denn das Politische habe ich vielleicht ein wenig geerbt, mein Grossvater war Regierungsrat in Nidwalden, mein Grossonkel war Regierungsrat, Landamman und Ständerat und war der Kämpfer des Panalpwerkes oder einer dieser Mitbekämpfer, der Werner Christen. Ich selber bin durch die Schulhausbaukommission so ein wenig ins Politische hineingerutscht, und kam dann anno 1974 in den Gemeinderat und bin nun seit anno 1984 Gemeindepräsident von Wolfenschiessen. In den Landrat hinein kam ich dann 1978 und war damals mit dem heutigen Nationalratspräsident Iten waren wir die jüngsten beiden, die im Landrat waren, nämlich beide 32. Und dann durfte ich noch von 1986 / 87, also zwei Jahre lang, der Landratspräsident sein des Kanton Nidwalden. Das wäre so ein wenig politisch.

00:19:26 FMM: Gemeindepolitik?

00:20:11 Da wir eine grosse Gemeinde sind, Wolfenschiessen, und rund ein Drittel des Kantons Nidwalden die Fläche ist, sind wir auch ein grosser Gemeinderat, wie haben 11 Mitglieder. Das ist eine Gemeinsamkeit mit Stans, sonst hat das keine Gemeinde in Nidwalden, so viele Gemeinderäte. Das ist aber vor allem auch praktisch und gut, dass alle Aussenregionen der Gemeinde auch vertreten sind im Gemeinderat, und die Anliegen von Oberrickenbach, Altzellen, von Mettlen usw. in den Rat eingebracht werden können.

00:20:48 Wir haben in unserer Gemeinde durch die Grösse sehr vielfältige Aufgaben, und das sind zum Bsp.: Es hat ca. fünf Wildbäche, von diesen fünf Wildbächen sind gegenwärtig zwei im Verbauen. Dann haben wir drei Aussenschulen, d.h. wir haben drei Schulen, zwei sind Aussenschulen, das beschäftigt den Gemeinderat insofern, weil das einen Haufen Geld braucht, und das der Gemeinde weggeht. Hingegen die Schule ist für sich allein politisch abgedeckt durch den Schulrat. Dann haben wir natürlich dadurch auch ein riesiges Netz von Kanalisationen, das ist weit über 20 km, das Kanalisationsnetz. Es fängt an in Titlis-Stand oben, nach Engelberg hinunter, und hört auf, fängt wieder an in Grafenort hinten schier, und hört auf an der Gemeindegrenze Dallenwil, das sind weit über 20 km. Und durch die vielen Aufgaben, dann haben wir natürlich auch das grösste Wanderweg-Netz, das ist ja logisch, und durch diese vielen Aufgaben drückt uns eigentlich meist immer diese Finanzen… weil mit 1’800 Einwohnern das alles bewältigen zu können, braucht einen Haufen Geld. Glücklicherweise haben wir noch den Finanzausgleich kantonal, worauf man sich abstützen kann, sonst wüsste ich nicht, wie man so eine Gemeinde überhaupt leiten und führen könnte.

00:22:35 Der Gemeinderat selber ist wiederum unterteilt in verschiedene Kommissionen, diese Kommissionen müssen ihre Aufgaben dann bewältigen, und kommen dann mit Vorschlägen an den Gemeinderat, wo sie dann nochmals durchberaten, und dann zum Beschluss erhoben werden. Wir haben so alle 14 Tage Gemeinderatssitzung, und dann darf man sagen, dass jedes Gemeinderatsmitglied innerhalb dieser 14 Tage in der Regel mindestens noch einmal zu einer Kommissionssitzung gehen muss, also dass man praktisch wöchentlich mindestens einen Abend für den Gemeinderat braucht.

00:23:19 FMM: Ist man als Gemeinderatspräsident Mitglied von sämtlichen Kommissionen?

00:23:24 Nein, nein, man lässt hier die einzelnen Gruppen schon selber schaffen, und versucht einfach die Sitzung zu leiten im eigentlichen Gemeinderat, und tut die Beschlüsse, in die sich die verschiedenen Kommissionen ja viel besser drin vertiefen können, als wenn man das nur so husch… probieren wir die zu analysieren. Und ich habe ja keine Stimme im Gemeinderat, d.h. nur wenn wir nicht einig sind, dann hätte ich dann den Stichentscheid.

00:24:04 FMM: Wunsch für die Gemeinde Wolfenschiessen?

00:24:12 Ja ein Wunsch. Also der grösste Wunsch von mir und mein grösstes Bestreben ist, wenn man jetzt da im speziellen Fall auf den Wellenberg zu reden kommen möchte, das ist durch so ein Problem, dass so eine Aufgabe für eine solche Gemeinde von gewaltigem Ausmass ist, und von nationaler Ebene eigentlich sehr stark beeinflusst wird, indem unsere Möglichkeiten mitzureden, Mitsprache zu haben, sehr beschränkt sind, ist mein grösster Wunsch, der Gemeinde… der Charakter der Gemeinde, die Bevölkerung der Gemeinde nicht in zwei Lager gerissen wird, dass sie weiterhin miteinander am selben Tisch hocken können, am gleichen Tisch einen Kaffee trinken oder ein Glas Wein. Nicht einer in einem anderen Ecken sitzt und einander nicht mehr anschauen. Wir möchten das zusammen lösen können… wir haben das immer zu machen probiert, indem man möglichst schnell orientierte, möglichst offen seine Probleme darlegt. Dass es zwei Meinungen gibt, ist mir ganz klar, die estimieren wir auch. Man muss, jeder muss aber die Meinung des andern estimieren, und soll das Dorf nicht durch einen, in einen Graben geteilt werden, das ist eigentlich meine Sorge. Diese Sorge wird noch lange anhalten, dann bis nur einmal die erste Untersuchungsphase durch ist, die nach meiner Überzeugung sicher durchgeführt werden wird. Und auch wenn es über die Köpfe hinweg gehen würde, da ist das Bundesgesetz hier eindeutig zu stark, dass das nicht gemacht werden könnte… dann geht so die erste Phase mindestens zehn Jahre, und die sind schnell vorbei, wenn ich denke, dass wir jetzt schon mehr als zwei Jahre hinter uns haben, und noch nicht sehr viel gegangen ist.

00:26:16 Unterbruch, draussen:

00:26:40 Also von hier aus sieht man jetzt hier mein Vater-Heimet, das ist das Parkhotel, das ist dem Untergang geweiht, das fällt eigentlich dem neuen jungen Tourismus zum Opfer, und wir müssen das dann etwa hinausschneiden, ...
Unterbruch wegen Lärm

00:27:33 Von mir aus sieht man jetzt mein Vater-Heimet, das ist das Parkhotel, das ist leider dem Untergang geweiht, und zwar fällt das eigentlich dem modernen Tourismus ein wenig zum Opfer. Vor diesen 50 und mehr Jahren war das noch ein blühendes Hotel, das eine grosse Familientradition hatte, wo die Feriengäste wochenweise blieben, und sich hier trafen und Freundschaften schlossen. Das ist leider heute nicht mehr so. Was noch übriggeblieben ist aus dieser Zeit, ist unser kleines Kraftwerklein.
Da hat mein Grossvater oder Urgrossvater eine Pioniertat geleistet, indem er damals, schon lange bevor es ein kantonales Elektrizitätswerk gegeben hat, sein Haus verelektrifizierte. Da war noch Gleichstrom drin, und man musste damals immer aufpassen, dass alles gut funktionierte, das waren Handsteuerungen, man musste aufpassen, dass immer genug Wasser war, sonst hatte man dann einfach im ganzen Haus kein Licht, und das wurde bis vor fünf oder sechs Jahren noch mit Gleichstrom betrieben, jetzt haben wir es vor genau zwei Jahren umgebaut auf Wechselstrom, können heute etwa 16 kW Strom in der Stunde produzieren, und den Überschuss, was das Haus von mir und meinem Bruder nicht brauchen mag, geben wir ins Netz ab des kantonalen EW. Somit bin ich einer der wenigen, der im Kanton Nidwalden behaupten darf, er brauche zumindest bei sich zuhause keinen Atomstrom.
Hingegen wenn ich an den Arbeitsplatz gehe, dann brauche ich dann eben wieder solchen, das wird auch wieder von vielen vergessen. Wir könnten jetzt vielleicht nach hinten gehen, und einmal einen Augenschein nehmen, und schauen, die alten Maschinen, wie die früher funktionierten, und wie die heutige moderne Technik das gleiche uns viel besser leisten kann. Ich könnte ihnen noch Angaben machen…

00:29:55 FMM: Wiederholung?

00:30:23 Ja, da draussen sieht man mein Vater-Heimet, das ist das Hotel da vorne, das jetzt leider dem Untergang geweiht ist. Hingegen etwas ist geblieben, und das ist das kleine Kraftwerklein da hinten, das wir immer noch betreiben. Vor rund 70 Jahren, wurde das in Betrieb genommen, damals gab es noch kein Elektrizitätswerk Nidwalden, es war also eine eigentliche Pioniertat meines Grossvaters, der damals mit Gleichstrom das Hotel beleuchten konnte. Heute haben wir es umgebaut auf Wechselstrom, der Überschuss-Strom, der in meinem Haushalt und in dem meines Bruders nicht gebraucht wird, können wir dem EW abgeben. Somit bin ich einer der wenigen, der sagen darf, ich bin in meinem Haus drin nicht auf Atomstrom angewiesen, hingegen am Arbeitsplatz bin ich es dann wieder.

00:31:38 Bilder Wolfenschiessen

00:33:53 Kraftwerk innen

00:36:06 Ende V 23-Christen


Dr. Roland Gröbli, MNA, Ennetmoos
(MNA: Komitee für Mitsprache der Nidwaldner Volkes bei Atomanlagen)

00:37:55 Also mein Name ist Roland Gröbli, ich bin 29, hier in Nidwalden aufgewachsen, habe aber zwischen hindurch in Zürich gearbeitet. beziehungsweise in Zürich studiert, Deutsch und Geschichte, und an dem, was ich hier gerade schreibe, das ist ein Vortrag über den «Brüder Klaus». Der Bruder Klaus ist ein Thema, das mich in den letzten Jahren stark beschäftigt hat, weil ich auch darüber meine Liz-Arbeit geschrieben habe, und jetzt an Ostern auch die Dissertation abgeschlossen. Das war ein Bereich, der mich jetzt drei Jahre lang beschäftigt hat, und daneben (Abbruch)

00:38:45 Unterbruch

00:39:57 Ich arbeite hier grad an einem Vortrag über den «Bruder Klaus». Das ist eines der Themen, das mich in den letzten Jahren am meisten beschäftigt hat, und ich habe meine Doktorarbeit jetzt grad an Ostern zu dem Thema abgeschlossen. Weil der Computer so laut ist, stelle ich ihn jetzt ab. Also mein Name ist Roland Gröbli, ich bin 29, bin in Ennetmoos aufgewachsen, wohne hier allein in Stans jetzt. Beruflich habe ich jetzt eigentlich drei Bereiche, wo ich drin arbeite. Das eine war «Bruder Klaus», ich habe jetzt die letzten drei Jahre ein Liz-Arbeit und jetzt die Dissertation gemacht. Das zweite ist, ich bin jetzt eigentlich gleich lange dran, einen kleinen Verlag aufzubauen und an dem zu arbeiten, und der dritte Bereich, und davon habe ich eigentlich auch gelebt, ist, dass ich für Zeitungen schreibe. Es gibt es jetzt zwar immer je mehr, wie das Beispiel hier, dass ich mit Vorträgen und so kann, zum Thema Mystik oder Bruder Klaus, dass auch da ein wenig Geld hereinkommt.

00:41:03 Privat war der Bereich dann eigentlich in den letzten drei Jahren ziemlich stark das MNA, also unser Komitee, wo wir uns da gegen den Wellenberg, gegen die radioaktiven Abfälle wehren. Vor allen Dingen, dass wir auch skeptische Fragen stellen wollen. Der zweite Bereich ist, ich möchte mich nicht einfach vereinnahmen lassen von so politischen Sachen, dass ich jetzt auch ein Buch gemacht habe, zusammen mit Leo über Ennetmoos, über die Gemeinde, wo wir aufgewachsen sind. Es ist für mich etwas eigentlich noch Wichtiges, denn ich habe es eigentlich noch gerne, dass da, wo ich wohne, dass ich mich da auch auskenne, dass ich es genau weiss, dass ich es gründlich weiss. Und ich habe wahrscheinlich auch deshalb Geschichte studiert, habe zwar Germanistik im Hauptfach gehabt, aber vom Typ her hat mich eigentlich vor allem Geschichte interessiert, das Vertiefen in die Vergangenheit, das Schauen, wie sich etwas entwickelt, wie etwas zustande kommt, und wie es eben dann rauskommt, so wie es heute ist, wo das die Wurzeln hat. Und ich merke es auch, meine Wurzeln sind hier innen, und das ist auch der Grund, dass ich mich hier engagiere, weil mit diesem radioaktiven Abfall, kommt etwas in unsere Zeit hinein, und jetzt halt ganz konkret auf uns zu, das nicht zu uns passt. Und zwar zur Menschheit als Ganzes, es geht hier nicht nur um den Ort und um den Wellenberg, sondern es geht da um die Natur insgesamt.

00:42:23 Wenn man vielleicht noch da drüben sehen würde, diese Masse an Büchern, die ich dort habe, diese Masse an Ordnern, die sich ansammeln, ich komme gar nicht mehr nach mit einordnen all dieser Unterlagen, dann sieht man auch einfach diese Grenze, die uns gestellt ist, wenn man Opposition machen will. Es braucht enorm Zeit, es braucht auch viel Geld, es braucht auch einen Haufen Leute, die helfen, hier das zusammenzutragen, damit man eine Opposition machen kann, die glaubwürdig ist. Und wir merken jetzt einfach ständig, wie wir da an Grenzen stossen, wie wir gegenüber den Profis, einerseits die Politiker andrerseits jetzt in unserm Fall die Nagra, wie wir einfach unterlegen sind, wie wir ständig kaum nachmögen mit schnaufen, wie wir kaum nachmögen, immer wieder die Fragen zu stellen, die uns plagen, und wo wir doch keine Antwort bekommen, sondern nur einen Haufen Ausreden.

00:43:14 Bilder Bücherwand

00:50:41 Bilder aussen, Velo

00:52:22 Ende V 23-Gröbli

ZitationsvorschlagVideo: Murer, Fredi M./F 9103-23
Hinweise auf unvollständige oder fehlerhafte Objekt- und Bildinformationen nehmen wir gerne entgegen. Senden Sie uns mit folgendem Link via E-Mail ihre