Joller Josef und Sonja, Bauernfamilie, Wilersdörfli,
00:01:50 Kinderportraits: Jüngeres Mädchen Joller, älteres Mädchen Joller.
Familie Joller vor dem Haus, Wilersdörfli.
00:11:25 FMM: Langfristige Entwicklung der Technik und deren unabschätzbaren Folgen auf Mensch und Umwelt
00:13:35 Josef: Wir sind im Wilersdörfli, Sulzern. Die Liegenschaft ist 7ha und die Feh sind ca. 18 bis 20 Grossvieeinheiten und noch Mastvieh 50 bis 60 Stück. Und es ist uns ein bisschen «steissmeh». Ein selbstfahrender Radiowagen – mit einem Traktor kann man dies nicht machen – und ein Bergmäher und -Wässerer und ein Fahrzeug um die Feh zu leeren um diese Arbeit zu machen.
00:14:23 FMM: Familiengeschichte?
00:14:28 Josef: Selbst besitze ich es seit ’75 und konnte es von meinem Onkel kaufen und davor waren meine Eltern hier als Pächter (auch vom Onkel gepachtet). Und diese waren seit anfangs 50ern hier.
00:14:53 FMM: Wie weit geht dieses Grundstück zurück?
00:15:05 Sonja: 14./15. Jahrhundert
00:16:00 FMM: Wie viele Generationen in der Familie geht die Liegenschaft zurück
00:16:05 Josef: Jetzt die dritte Generation. Davor gehörte es dem jetzigen Posthalter seinem Grossvater.
00:16:27 FMM: Stolz oder Meinung der Wohnregion auf Gesamtschweizerischen Ebene
00:16:49 Sonja: Keine Ferienhäuser und ähnliches
00:16:55 Josef: Man kann auf beiden Bergseiten hoch und sieht keine Ferienhäuser oder Wohnblöcke. Es ist alles Landwirtschaft und das sollte man erhalten, ansonsten hat es in der Schweiz hat es nicht mehr viele Täler oder Gebiete, die man von oben hinunter kann bewundern oder… Man sieht sonst immer Blöcke, die nicht in die Landschaft hineinpassen – oder sonst was. Hier sieht man das eben nicht. Und eben mit der NAGRA versucht man dies schon zu erhalten, aber es ist ja trotzdem noch was unter der Erde. Dann ist es ja auch nicht mehr das gleiche.
00:17:55 FMM: Reicht das Wissen über das Endlager für Unbehagen
00:18:11 Josef: Anfangs Dezember vor 2 Jahren war man richtig geschockt. Und da war man total dagegen, aber danach hat man ein bisschen darüber nachgedacht. Irgendwohin muss ja diese Ware und es trifft nun halt einfach uns. Es ist wie mit den Autobahnen – das ist auch nicht so interessant, wenn mitten durch das Tal eine Autobahn gebaut wird. Aber ich will doch sagen, dass es auch in der Innerschweiz noch andere Orte gibt, die weniger bewohnt wären, wo man Ware unter der Erde verstauen könnte. Es ist ja schon wichtig, dass man die Ware richtig versorgt. Es hat ja kein Wert, wenn man es einem anderen Staat verkauft und der es an der Grenze unter die Erde tut und ein bisschen Humus drüber tut. Zuletzt haben wir ja doch den Schaden. Aber eben es gibt in der Schweiz auch andere Gebiete – ich muss ja jetzt nicht sagen wo, aber es gibt Gebiete, wo niemand lebt und da belastet es niemanden. Hier sind wir in so einem engen Tal und wenn etwas passiert sind wir sowieso vernichtet
00:19:42 FMM: Angst um Kinder
00:19:50 Sonja: Irgendwie ist es ja wie eine Zeitbombe unter einem. Dann muss man ja denken, dass plötzlich was… Passieren kann ja immer was. Gut, wenn etwas passiert, kommt es ja nicht wirklich darauf an, wo es vergraben ist. Die Strahlungen sind ja eh in der Luft. Aber dass man darauf wohnen muss und immer daran denken muss, dass unter einem was ist…
00:20:40 FMM: Auslieferung als Laie gegenüber den Experten. Wem soll wan vertrauen?
00:21:30 Josef: Wenn was passiert, ist man selbst Schuld. Wenn was passiert, bringt einem die Verantwortung aber auch nicht viel, wenn man selbst nicht mehr da ist.
00:21:49 FMM: Aber es gibt Politiker, die die Verantwortung übernehmen
00:21:56 Josef: Ich weiss, es gibt solche, die voll davon überzeugt sind, dass nichts passieren kann… Aber woher nehmen sie die Sicherheit. In Schweden? Dort konnten sie das auch nur anschauen gehen und das ist ja auch noch nicht so alt. Da weiss man noch nicht was passieren wird.
00:22:29 FMM: Gestein in Schweden ist aber viel älter
00:22:48 Josef: Etwas verstehe ich nicht ganz. Diese «Rieter» sind ja Schutzgebiete. Letztens habe ich jemanden gefragt, der meinte, dass sie dies eben noch nicht in die Schutzzone getan haben. Das haben sie doch extra nicht hineingenommen, damit sie mit dem hier eher durchkommen… Zweitens ist doch das Ganze ein Rutschgebiet… Das haben Geologen schon früher vorgesagt. Plötzlich kann man Messungen und Sprengungen machen. Das passt doch nicht
00:23:59 FMM: Was ist das mit dem Schutzgebiet?
00:24:02 Josef: Ein Schutzgebiet hat man gewollt. Zuerst hat es nationale Bedeutung, dass man diese Rieter total nicht mehr darf düngen… Von der Regierung her passt dies nicht ganz richtig. Uns viel man verbieten, dass man nicht mehr darf düngen und so weiter. Aber sie dürfen auf der anderen Seite, dann gleich so kommen. Das passt nicht zusammen. Aber unsere Regierung sieht nur das Geld und die Gemeindebehörden sieht mit diesem Gesetz auch nur das Geld. Für den Moment gibt es vielleicht Geld in der Gemeinde, aber in nächsten oder vielleicht drei, vier Generationen muss man dafür bezahlen für diese Sache.
00:25:20 FMM: Was passiert mit diesen Sprengungen
00:26:05 Josef: Dass sie vor dem Bohren einen Ansatzpunkt haben.
00:26:23 FMM: Was genau müssen sie machen?
00:26:25 Josef: Alle 20 Meter über 4 Kilometer wird 2 Meter tiefgebohrt und dann 100-200g geladen und dann alles gleichzeitig abgelassen. Angenommen es würde was treffen – hier hat es über 1000m Drainageleitungen drin – dann habe ich sie das gefragt und sie haben mich nur ausgelacht. Das kann man nicht garantieren. Sie haben mich nur ausgelacht. Das können sie nicht. Was sollen wir dann? Ein Bauer hat sonst schon genug tun. Zuletzt muss man nicht auch noch die Drainageleitungen für die NAGRA zahlen.
00:28:00 FMM: Diese Drainageleitungen finde ich ein wichtiges Detail
00:28:23 Josef: Wenn die diese Sprengungen machen, dann können die Leitungen verrutschen. Dann kann das 5 bis 6 Jahre dauern, bis was passiert. Dann ist die NAGRA, dann schön raus und wir können diese Leitungen reparieren.
00:28:40 FMM: Wäre das nicht ein Anliegen der Gemeinde, hier Auflagen zu setzen?
00:29:10 Josef: Es hat geheissen, dass die NAGRA mit allen Bauern verhandeln würde über diese Sprengungen. Da gib es aber nicht wirklich ein Verhandeln, wenn überall Drainageleitungen drinnen sind.
00:30:06 FMM: Wie viele Bauern sind betroffen?
00:30:12 Josef. Etwa fast die Hälfte.
00:30:20 FMM: Was sagen die dazu?
00:30:22 Josef: Ja, es gibt ja eben nicht viel zu sagen dazu.
00:30:27 FMM: hackt nach
00:30:29 Josef: Zuerst hiess es, man müsse hier Bohrungen machen. Niemand hat etwas über Messungen gesagt. Als die Bohrplätze und alles erledigt waren kam der nächste Schritt mit den Messungen. Und nachher kommt dann noch ein Schritt. Und langsam… Sie konnten nicht von Anfang an… Wir wurden ja mal eingeladen in die Mehrzweckhalle und dort hätte man ja eigentlich im Vorhinein alles sagen können. Sie haben immer nur ein Teil geteilt und jetzt kommen
00:31:16 FMM: Fühlt man sie sich so «versecklet»
00:31:21 Josef: Ich habe ja Einsprache eingelegt für verschiedenes. Man konnte schon tiptop mit ihnen verhandeln, aber es hat ja verschiedene und die schauen nur, dass es ihnen selbst finanziell gut geht.
00:31:58 FMM: Im Gemeinderat sind doch 3 oder 4 Bauern. Vertreten die nicht eure Interessen? Weiss man überhaupt wer in der Regierung für was ist?
00:32:32 Josef: Angefangen hat es mit dem Regierungsrat Waser. Der hat vor Jahren damit «gewunken» und das ist einer, der nur das Geld sieht… Das ist einer der auf hohen Füssen lebt.
00:33:12 Josef: Ich will ja nicht sagen, dass es falsch ist, was sie [die Gemeindebehörden] … dagegen sein können sie ja nicht, aber sie sollten nicht voller Begeisterung sein. Voller Begeisterung sind sie auch nur, weil wir in unserer Gemeinde viel zu viele Selbständige haben. Wenn ich als Bauer auch einfach nur die hohle Hand hinhalten könnte, dann wäre ich auch dafür. Das ist eben hier ein bisschen der Fall.
00:34:24 FMM: Interessenskonflikt bei den Gemeinderatsmitgliedern und deren nichtpolitischen Beschäftigungen?
00:34:48 Josef: Er ist sonst ein guter Gemeindepräsident. Und auf der einen Seite kann er nichts dafür, dass er diese Firma hat… Er kann ja nicht sagen: «Nur weil ich Gemeindepräsident bin, übernehme ich diese Arbeit nicht.» - das ist ja klar. Er will schon - Eine Zeit lang… Eine Zeit lang wollte man, dass er bei den Verhandlungen mit der NAGRA nicht mehr mitmacht. Aber dann ist er ja nicht mehr Gemeindepräsident. Sonst schaut er schon unserer Gemeinde. Wir haben schon gute Gemeinderäte, sie sollten einfach nicht voller Begeisterung sein. Zuerst – und das ist ja das schlimme – zuerst waren gewisse auch nicht dafür und plötzlich waren alle zusammen. Da mussten einige die Füsse stillhalten, auch wenn sie innerlich nicht dafür waren. Und die Bauern sollten ja sowieso zu unserer Landschaft schauen.
00:36:27. FMM: Eigentlich sollten ja alle der Landschaftspflege schauen. Generelle Verantwortung gegenüber den Nachkommen.
00:37:44 Sonja: Also ich habe schon das Gefühl, dass an das nicht gross gedacht wird. Eben gerade an die Kinder und so, oder? Dass die sich da nicht gross Gedanken machen, wie das hier weitergeht.
00:38:14 FMM: Es geht hier um mehrere Tausend Jahre Verantwortung
00:39:18 Josef: Ich würde sagen, dass sie sollten doch gleich viel Garantie geben, wie sie in diesen alten Bahnen und Brücken geben haben. Da hiess es auch, dass wir für was-weiss-ich für viele Generationen Ruhe haben. Und jetzt müssen die nach 19 Jahren schon wieder repariert werden. So viel Garantie können sie etwa uns geben. Viel mehr können auch sie nicht. Man denkt nicht viel kann fehlgehen, aber es geht eben doch fehl… Darum sollte man es auch an einem Ort machen, wo Kilometer weit niemand wohnt
Josef: Hier am Berg ist, dann auch das Wasser dran. Hier hat jeder eine eigene Quelle. Und wenn dann das Wasser abgebohrt wird, wollen sie dann uns das Wasser Tankweise rauf bringen. Da bringt uns eine Garantie auch wenig, wenn das Wasser nicht mehr da ist. Geredet ist schnell. «Wir passen dann schon auf». Aber unten kommt dann auch kein Wasser mehr. Das Wasser kommt ja von den Bergen nicht vom Meer.
00:40:45 FMM: NAGRA sind Experten in Sache Endlager. Die hiesigen Bauern in Sache der Landschaft. Müsste man da nicht zusammensitzen
00:41:43 Josef: Da bekomme ich nur ein paar mehr Graue Haare.
00:42:02 FMM: Hat die kritische Gruppe was erreicht?
00:42:10 Josef: Es ist ja richtig, dass sie kritisch sind, aber so viel haben sie nicht erreicht.
Sonja: Sie haben es nur mehr hinausgeschoben. Sie haben Einsprache erhoben, dann hat es wieder Verzögerung geben, aber zuletzt kommt es trotzdem. Genützt hat es also nicht viel.
00:44:00 Josef: Die Regierung hat ja jetzt Einsprache gemacht. Das haben sie aber nur gemacht, dass sie das Volk beruhigen können. Hinten rum läuft die Sache trotzdem
FMM: Ein Scheinmanöver
Josef: Ja
FMM: …
00:46:26 Josef: Aber diese NAGRA, wie lange ist das nun her?
FMM: 2.5 Jahre ist das das Gesuch der NAGRA an den Bundesrat her
Josef: Aber, wenn man es denkt. Ihr Loch ist schneller genehmigt, als ich mit der Sanierung meines «Kappeli». Vier Jahre musste ich das Lärm machen. Zuerst kamen 4,5 schauen, dann ist wieder ein Jahr niemand gekommen. Dann sind sie wiedergekommen und haben das gleichgemacht. Zuletzt musste ich ihnen dann drohen bis es weitergegangen ist. Aber an einem Ort, an dem sie profitieren können, dort geht es dann wieder schneller. Und das ist nicht ganz richtig. Dass man den kleinen immer mehr unterdrückt und der Grosse immer mehr mitnimmt. Und dass sie das Geld mitnehmen können, ist nicht gesagt.
00:50:14 Josef: «Tätsch»; haben wir ein Schreiben bekommen. Innert einer Woche gibt es eine Versammlung. Keiner von den Behörden wusste zuvor was. Und wenn das möglich ist… das kann man nicht glauben. Für was gehen unsere Landräte nach Stans, dann können sie auch gleich hierbleiben.
00:51:21 Ausführungen über «Asylanten-Zwischenfall»
00:53:09 Josef: Am Montag habe ich in der Zeitung gelesen, dass sie über die Messungen verhandelt haben. Da hat Christengust unser Landrat ein kleines Artikelchen. «Er versteht nicht, warum die Bauern so ängstlich sind mit den Sprengungen». Um den Wellenberg herum hat es 22-30 Kilo Sprengstoff im Boden dann. Wenn jemand so was raus lässt, dann muss er nicht mehr nach Stans… Heute darf auch kein Bauer mehr Sprengstoff haben. Ich will nicht sprengen, aber es würden nicht lange gehen, bis man gefragt würde, wo man den Sprengstoff herhätte. Aber so einer lässt solche Sache raus.
Sonja: In der Zeitung hat er uns regelrecht ausgelacht, dass wir Angst hätten um die Draniageleitungen
FMM: Ist er Bauer?
Josef: Nein, er ist Versicherungsagent für Fellhändler
Josef: Sicherlich ist er keiner, der hilf Sachen auszugraben…
00:55:45 FMM: Glaubt ihr dem Versprechen, dass das Endlager nicht gebaut wird, wenn der Felsen sich nicht eignet, nach all dem noch?
00:56:01 Josef: Wenn sie mal mi dem Stollen angefangen haben, dann kommt das 100%...
Josef: Ganz richtig wäre ja, wenn sie diese Bohrungen täten und dann die Bevölkerung informieren würden, wie es aussieht. Dann kann jeder sagen, ob der Felsen nun taugt oder nicht.
00:58:07 *Schnitt
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