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Band Nr. V13-1, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Familie Niederberger: Landwirte Ober und Hinter Ey, Teil 4 (1990, Fredi Murer) Band Nr. V13-2, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Andreas Scheuber, Präsident Unterwaldner Bund für Naturschutz (UBN), (1990, Fredi Murer)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9103-13
BestandF_9103 Dokumentation DER GRÜNE BERG [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand der Bevölkerung und die politischen Aushandlungsprozesse. Der Film wurde 2025 digitalisiert und restauriert. In diesem Zusammenhang wurde auch das S-VHS-Kassetten vorhandene Rohmaterial der Interviews digitalisiert. Der Bestand Dokumentation DER GRÜNE BERG umfasst 57 Interviews, die Fredi M. Murer 1989 und 1990 mit der betroffenen Bevölkerung, Vertretern der NAGRA, Widerstandsgruppen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen führte. Das Material wurde im Rahmen eines Memoriav-Projekts und der Unterstützung des Kantons Nidwalden (Amt für Kultur) digitalisiert. Als Basis für die Erschliessung dienten schreibmaschinengeschriebene Transkripte von 1990 (oft ins Hochdeutsche übertragene Wortprotokolle), die orginal wiedergegeben werden. Zur besseren Orientierung im digitalen File wurden sie mit Timecodes versehen und mit einem Abstract ergänzt.

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand… — mehr...

AbstractIn der ersten Hälfte sind Videoportraits der Familie Niederberger zu sehen. (Zum Schluss ist noch eine Gruppenaufnahme der Familie Niederberger vom Hof Allmend angehängt). Für die weiteren Teile des Gesprächs mit den Niederbergers siehe das Videomaterial in Sozarch_F_9103-28b (Teil 1), Sozarch_F_9103-29 (Teil 2) und Sozarch_F_9103-04 (Teil 3). In der zweiten Hälfte folgt das Rohvideomaterial aus dem Gespräch Murers mit Andreas Scheuber.
Andreas Scheuber, Präsident des Unterwaldner Bundes für Naturschutz (UBN), erläutert die Kritik an der geplanten Deponie bei Wolfenschiessen. Der UBN intervenierte bereits im öffentlich ausgeschriebenen Gesuch und reichte eine Einsprache beim Bundesamt ein, die jedoch ohne Folgen blieb. Obwohl die Regierung die Berücksichtigung von Landschaft und Natur ankündigte, wurde im Amtsblatt ein Baubewilligungsverfahren publiziert, welches die schematische Aufschüttung des Bodens zu einer ebenen Deponiefläche vorsieht, die drei bis vier Metern über dem jetzigen Terrain liegen würde.
Scheuber bezeichnet diesen Entwurf als „mangelhaft“ und „Frechheit“, da er die feingliedrige Terrassierung der historischen Engelberger Au zerstöre. Statt technokratischer Ingenieurslösungen verlangt der UBN zusammen mit dem betroffenen Bauern, einen Landschaftsarchitekten einzubinden, der das Gelände modelliert, Hecken und Uferbepflanzung gestaltet und die vorhandenen Strukturen erhält.
Verfahrensrechtlich weist Scheuber darauf hin, dass neben der baupolizeilichen Bewilligung eine Ausnahmebewilligung des Departements des Innern nötig ist, da sich das Projekt ausserhalb der Bauzone befindet. Er kritisiert die Nagra dafür, dass man trotz hohem Werbebudgets und dem Ruf, landschaftsfreundlich zu sein, eine landschaftsunfreundliche und kostenbillige Lösung vorlegt, wo Mehrkosten von wenigen zehntausend Franken im Gesamtkontext von mehreren Millionen bzw. Milliarden marginal wären.
Der UBN schlägt vor, die Deponie nicht zu genehmigen, bevor nicht die Stollenbewilligung vorliegt, um Missbrauch zu verhindern. Er betont, dass eine behutsame Gestaltung für den Landwirt von Vorteil sei und gleichzeitig Natur und Landschaft schütze. Die Nagra habe im persönlichen Kontakt Bereitschaft signalisiert, schriftlich aber alle Argumente verworfen und den UBN nicht ernst genommen. Die Kritik des UBN richtete sich auch nie gegen das Endlager als solches, sondern nur gegen die unzureichenden landschaftlichen Eingriffe.
Urheber
  1. Murer, Fredi M.
Copyright
Schlagwörter
  1. Umwelt
  2. Umweltpolitik (allgemein)
  3. Abfallwirtschaft
  4. Abfalllagerung
  5. Lagerung radioaktiver Abfälle
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Nidwalden
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1989
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1990
Verleger
  1. Murer, Fredi M.
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. S-VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation
Niederberger Sepp und Bernadette, Landwirte, Ober Ey, Wolfenschiessen

00:00:50 Gruppenbild mit Hund

00:02:36 2. Version

00:02:46 Portrait von Sepp (00:03:30 "der Matter sprent noch")

00:03:43 Portrait Bernadette (Sprengknall im off) (00:04:04 )

00:04:20 Schwenk auf Hund (brauchbar) (bis: 00:04:50)

00:04:55 Bernadette im Garten mit Schaufel sieht und hört dem Sepp zu. Als Unterschneidung für sein Gespräch im Freien.

00:06:08 Schwenk über den Nachbarhag vom Thedors Stall aus bis zum Stollen.

00:07:04 2. Version: Schwenk über Nachbar Hag (enger) Zoomöffnung beim Waldrand … bis Stopp auf Stolleneingang.

00:08:23 Holzschopf mit Wellenberg

00:08:38 Franz schaut um die Ecke (bei 00:09:08 )

00:10:07 2. Version: Franz schaut um die Ecke

00:11:14 3. Version: Franz blickt um die Ecke (halbnah)

00:11:32 4. Version Franz blickt um die Ecke (00:11:49 )

Andreas Scheuber, Präsident UBN, Naturschutz

00:16:00 Mein Name ist Andreas Scheuber. Ich wohne in Ennetbürgen, bin aber hier als Präsident des Unterwaldner Bund für Naturschutz. UBN abgekürzt, und wir sind eine Sektion des Schweizerischen Bunds für Naturschutz. Wir haben hier, nicht, wir schauen vorallem für die Landschaft und für die Natur von Unterwalden, und waren deshalb auch besorgt, als wir lasen, dass es hier auf diesem Gelände eine Deponie geben soll. Wir haben bereits schon im Gesuch, das im Bundesblatt ausgeschrieben war, haben wir interveniert und haben auch an das Bundesamt eine Einsprache gemacht, im Zusammenhang mit dem SBN auch, haben aber gesehen, dass es nicht gefruchtet hat, also der Bundesrat trat nicht auf unsere Anliegen ein. Die Regierung, die uns zum Mitspracheverfahren eingeladen hatte, sagte wohl, man solle oder man müsse auf die Landschaft und auf die Natur Rücksicht nehmen. Jetzt war diese Deponie ausgeschrieben im Amtsblatt als Baubewilligungsverfahren. Wir gingen diese Pläne anschauen, beobachteten auch hier das Gelände genauestens, und führten noch detaillierter noch einmal eine Beschwerde an das Bundesamt, via den Gemeinderat von Wolfenschiessen.

00:17:25 Unsere Anliegen sind hier in dieser feingliedrigen Landschaft, dass es nicht einfach, wie man jetzt von den Profilen her sieht, eine topfebene Fläche gibt, rund drei, vier Meter höher als das jetzige Terrain, sondern, dass man die Landschaft, wie sie jetzt einigermassen besteht, wieder ein bisschen nachformt, einfach etwa drei, vier Meter höher. So wie das Gesuch jetzt daliegt und die Planung hier ist, ist es sehr mangelhaft, und ich möchte sagen, schier eine Frechheit, dass man noch getraut, in der Landschaft draussen so etwas zu planen, nachdem man weiss, wie in den Natur- und Heimatschutzgesetzen, dass für solche Anlagen viel schärfere Bedingungen sind, dass sie sich in die Landschaften einpassen.

00:18:20 Wir haben das Gefühl, mit dieser Fläche hier sei die ganze Kammerung da von diesem Hintermettlen nachher kaputt, wir haben da leichte Terrassierungen, die von der Engelberger Au in Jahrhunderten gemacht worden sind, kleine Flächen und Hügel, und die würden einfach mit dieser Fläche wieder kaputt gemacht. Es wäre alles einförmig. Wir haben mit dem Bauern auch gesprochen hier auf dem Gelände, wir gingen es mit ihm anschauen, und wir verstehen, dass er in Zukunft noch besser wirtschaften können will als jetzt, wir glauben aber, dass es möglich ist, seine Anliegen und unsere Anliegen, unter einen Hut zu bringen.

00:19:04 Wir haben deshalb in unserer Beschwerde gefordert, dass diese Deponie hier nicht durch einen Ingenieur einfach technokratisch gelöst wird, sondern dass ein Landschaftsplaner, ein Landschaftsarchitekt die Deponie zusammen mit dem Bauern und mit uns das dann gestaltet. Wir hoffen jetzt, dass der Gemeinderat von Wolfenschiessen dem zustimme, nachher muss die Nagra ein besseres Projekt vorlegen, wenn sie hier deponieren will.

00:19:34 Fredi: Wird das Gesuch vom Gemeinderat Wolfenschiessen in erster Instanz bewilligt?

00:19:47 Ja, nach meinen Erfahrungen gibt es zuerst eine baupolizeiliche Bewilligung, also wie ein Bauverfahren als solches, und in zweiter Linie muss dann wahrscheinlich auch das Departement des Innern eine Ausnahmebewilligung geben, weil das ausserhalb der Bauzone ist.

00:20:05 Fredi: Was hat die Nagra da dagegen?

00:20:24 Also ich persönlich kann es nicht verstehen, dass die Nagra, die ja sehr viel Geld ausgibt auch für Werbung, und da es in anderen Kreisen schon geheissen hat, die Nagra sei sehr landschaftsfreundlich, dass sie jetzt hier, wo sie in Nidwalden einmal hätten zeigen können, also ihre Landschaftsfreundlichkeit beweisen, dass sie hier so eine unerträgliche Lösung präsentieren.
Sicher wird das mehr kosten, wenn man das ein wenig gestalten muss, aber ich meinte, wenn es sonst schon so um Mio und Mia-Beträge geht in der ganzen Angelegenheit, sollte es hier um ein paar 10'000 Fr. nicht reuen.

00:21:07 Fredi: Einsprache gegen Stollenort?

00:21:15 Also wir sagten nur in der Einsprache, wenn der Stollen nicht gebaut werde, oder man muss es vielleicht so sagen, diese Deponie hier solle nicht bewilligt werden, bevor die Stollenbewilligung vorliege. Nicht dass diese Deponie festgelegt ist, einfach als Deponie im Kanton Nidwalden, und nachher als etwas anderes gebraucht wird, angenommen der Sondierstollen werde nie gemacht.

00:21:41 Fredi: Rechte des Bauern?

00:22:07 Das kann ich jetzt nicht sagen, aber ich glaube, der Bauer kommt schon auch … also für ihn selber ist es eher ein Gewinn, nachher für die Landwirtschaft, also für die Bewirtschaftung, wenn es richtig gemacht wird. Es hat auch solche Gefahren wegen Steinnässe und weiteren Bodenverdichtungen, da muss er auch schauen mit den Bauernfachleuten, dass sie ihn gut beraten. Aber für die Bewirtschaftung ist es für ihn nachher sicher ein Vorteil.

00:22:40 Jetzt für uns ist es so, dass der Bauer einfach zu seinem Heimet auch noch Sorge haben sollte, und sicher unsere Anliegen auch noch zum Teil unterstützen kann. Also wir wollen auch, dass er besser bewirtschaften kann, aber dass gleich die Landschaft einigermassen so erhalten bleibt. Und ein Landschaftsplaner müsste eben diese Anliegen ganz fein nachher modulieren, und hier auf dem Gelände dann anschauen und ausstecken gehen, und nicht so wie man es jetzt da bei diesem Profil sieht. Das ist einfach unannehmbar.

00:23:15 Fredi: Einschub

00:23:22 Ja vielleicht noch etwas zum Bauern. Wir sind zum Teil viel besser dokumentiert und auch informiert als der Bauer, das habe ich gesehen, als ich mit meinen Unterlagen zu ihm gekommen bin, und wir haben dann mit den Plänen und dem Profil verglichen, wie das aussehen würde, und sind vor allem bei der Uferböschung, das ist auch ein Anliegen von uns, dass die Engelberger Au, dass das Ufer dort drüben jetzt nicht einfach, wo jetzt diese Uferbestockung aufhört, nachher ein Blockwurf kommt, und nachher hier eine Ebene ansetzt, sondern dass dieser Übergang von der Engelberger Au in dieses Wiesengelände wieder schön fliessend vor sich geht, und auch wieder entsprechend bestockt wird, mit einer Hecke, mit Büschen und Sträuchern.

00:24:07 Fredi: Kontakt mit der Nagra?

00:24:18 Also wir hatten mit der Nagra schon früh Kontakt im Rathaus Nidwalden, als diese Akten das erste Mal auflagen, respektive erklärt wurden, und wir haben diese auch persönlich, also der UB hat sie zugestellt bekommen, und wir nahmen auch dazu Stellung. Unsere Anliegen sind eigentlich nur natur- und landschaftsschützerischer Natur, also wir haben uns nicht für oder gegen die, gegen das Lager verwendet oder etwas vorausgesagt, sondern mehr die Landschaft, die nachher darunter leidet und die Auswirkungen. Und von der Nagra selber, im mündlichen Kontakt sind wir eigentlich gut gefahren mit ihnen, das war eben das erste Mal in dem Rathaus. Im schriftlichen Kontakt haben wir das Gefühl, sie liessen keinen guten Faden an uns, würden alles verzerrten und auch nichts akzeptieren. Zum Beispiel hier sagten sie auch, diese Kammern, diese Landschaftskammern, die seien gar nicht mehr intakt, weil da oben eine kleine Deponie ist, also sei hier alles schon kaputt, und ich habe einfach das Gefühl, sie wollen unsere Anliegen nicht ernst nehmen, sie wollen uns vor allem nicht recht geben, und kein bisschen und …

00:25:42 Fredi: Angst vor Kosten oder vor Kritik?

00:26:03 Ich glaube schon eher, dass die, die dagegen sind, oder die die etwas gesagt haben … nicht gerade Hurra gelärmt haben, sind alles Gegner, und wir werden auch immer, auch im Kanton zum Teil von den Befürwortern, die sagen zum Teil wir seien unterwandert von der MNA, oder wir seien dieser Partei angehörig, und ich weiss nicht was. Unsere 800 Mitglieder, die wir haben, die sind aus allen Bevölkerungsschichten, aus allen Parteien, und es ist darum einfach müssig zu sagen, wir seien jetzt einfach gegen die Nagra als solches.

00:26:40 Fredi: Die 800 Mitglieder tragen die Einsprache mit? Können Sie auf alle Mitglieder zählen?

00:26:59 Ja das können wir natürlich schon nicht, das ist ein Mehrheitsentscheid des Vorstandes und wir informieren regelmässig unsere Mitglieder, und haben sie auch über unsere Nagra-Aktivitäten informiert, und wir erhielten eigentlich nie negatives oder auch positives Echo. Sonst ist eigentlich nur die Generalversammlung, die da Korrekturen anbringen könnte, dass man z. Bsp. dort ein Geschäft traktandieren müsste, wo wir uns hinter die Nagra stellen müssten oder keine Opposition machen dürften. Aber das wäre eigentlich gegen unsere Ziele, die wir in den Statuten haben wo es heisst, wir sollten zur Natur und Landschaft von Unterwalden Sorge tragen und möglichst schauen, dass die Eingriffe, die gemacht werden, verantwortbar sind. Und es ist ja immer so, wir müssen immer beweisen, dass eine Natur oder eine Landschaft schön oder schützenswert ist, und es sollte eigentlich umgekehrt sein, dass die Bauwirtschaft beweisen müsste, dass sie die Landschaft oder die Natur nicht kaputt machen mit ihren Anlagen, und es ist immer umgekehrt. Komischerweise.

00:28:19 Ende V 13

ZitationsvorschlagVideo: Murer, Fredi M./F 9103-13
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