Bruno und Annamarie Röllin, Landwirte, Ober Gerenmattli, Oberrickenbach
Mädchen: Martina, Bub: Peter (rechts bei Mutter), Mädchen: Andrea
00:00:55 Fredi: Frauen?
00:03:28 Annamarie: Nein. Eigentlich überhaupt nicht. Gut man kann natürlich etwas immer nur vom Gefühl her anschauen, und man muss schon mit dem sachlichen auch noch «e chli» verbinden, oder, und sonst werfen sie einem eben wieder Emotionen vor, und über das lachen sie in der Regel sowieso.
00:03:52 Gut, man hat natürlich verschiedene Gemüter, sagen wir jetzt unter Mannen und Frauen oder so. Und schlussendlich sucht man irgendwie einen Partner, damit man sich gut ergänzen tut. Ich meine, dass Frauen jetzt sagen wir, in der Politik oder irgend sonst, im Beruf, dass eine Frau da nicht fähig wäre, das ist jetzt heute absolut vorbei, oder, da gibt es jetzt von mir aus gesehen keine Unterschiede mehr. Oder es sollte keine mehr geben, eigentlich, oder!
00:04:20 Fredi: Wie gehen die Männer der Nagra und der Politik mit den Gefühlen um?
00:05:09 Sie: Ja, nicht direkt, aber man hört hintenherum, dass es solche Reaktionen gegeben hat, oder. Und ich glaube, da hinten ist es schon noch eher ein wenig so, dass die Männer es nicht so gerne haben, wenn die Frauen sich wehren, oder, ja, an der Öffentlichkeit sich wehren, oder. Es hat da hinten einfach noch Männer, die das nicht gerne haben, wo es dann wieder heisst: Diese Weiber wieder mit ihren Ideen und …, oder ich weiss auch nicht, und deshalb hat man dann eben das Tschernobil gar nicht so … weil ich meine, dort waren ja effektiv wirklich vor allem die Frauen betroffen. die eben schwanger waren, und das ist ja logisch, dass das einem kein Mann nachfühlen kann. weil das nur eine Frau empfinden kann, oder, was dort passiert ist.
00:06:04 Er: Ich habe mir dort natürlich auch meine Gedanken gemacht, oder, und wir hatten damals ja grad noch eingestellt gehabt, oder …
Fredi: Was?
Bruno: eingestellt gehabt, das Vieh, also wir hatten noch Winterfütterung, und dann war es für uns auch nicht im ersten Moment grad so ein Schock, oder, sonst sagten sie ja, man sollte das nicht mehr, die Milch auch nicht mehr konsumieren, oder, eben schwangere Frauen sollten keine Milch mehr konsumieren. Wir haben sie dann noch vom Heu gefüttert, und dann konnte es das für uns vielleicht noch ein bisschen abschwächen, oder. Ich weiss nicht, was wir gemacht hätten, wenn wir jetzt auch schon ausgelassen hätten und so, dann wäre man halt auch noch auf Milchpulver «losgeseckelt», oder irgend so etwas, oder. Es war damals eben schone «chli» verrückt, wenn man so ein Kleines erwartet, und dann …
00:06:54 Sie: Ja, nicht nur das, auch die bis drei-jährigen Kinder, gaben sie ja am Radio durch, sollten keine Frischmilch trinken und frischen Salat und so, und im Nachhinein hatten sie dann trotzdem wieder das Gefühl, ja das wäre nicht nötig gewesen das ganze Theater, und wenn die nicht einmal wissen, was gut und was nicht gut ist, wie sollen wir es dann wissen, dann haben wir doch Angst! Wenn nicht einmal die es wissen, die das studiert haben, die schon jahrelang mit dem Zeug arbeiten, wie wollen die einem beweisen, dass ein Endlager nie etwas passiert, oder in der Schweiz mit einem Atomkraftwerk, oder. Und dann glaubt man es einfach nicht mehr!
00:07:31 Fredi: Frauen haben ein Langzeitgedächtnis in diesen Sachen!
Er: Das ist eigentlich jetzt in dieser Beziehung, auf die Nagra bezogen, auf das Endlager ist das allgemeine «chli» so, ich meine man hat auch, man arbeitet wieder, man hat Arbeit, man hat noch andere Probleme, das ist nicht das einzige, das einem aufliegt, das man zu lösen hat, und dann nachher fällt das schon manchmal einfach ein wenig in Vergessenheit, man wird doch einfache chli abgestumpft einfach mit der Zeit! Ich meine, wenn jetzt dieses Theater hier noch X Jahre geht, oder, dann lebt man einfach schon ein wenig mit dem mit, oder. Zwar tut man immer noch, versucht noch ein wenig, sich zu wehren, aber doch irgendwie, der Biss fehlt einfach ein wenig, trotzdem, oder, es wird fast so ein wenig …
00:08:40 Fredi: Ein Bauer ist mehr betroffen als ein Industriearbeiter etc.?
00:08:57 Er: Ja, gut, das ist klar, ich meine ausser den, sagen wir, Landschäden, die es geben könnte, da durch Bohrungen jetzt durch seismische Messungen, ist natürlich die Langzeitwirkung, die erst nach Generationen übertragen werden kann, oder, das wird uns vielleicht nicht bewusst, wenn wir vielleicht 5 Jahre früher sterben, oder, uns tut das wohl nicht betreffen, mich dünkt einfach jetzt für die Zukunft, oder, es tut einem einfach weh!
00:09:26 Sie: Und mich ärgert eben das auch noch wahnsinnig, eben, man geht so in ein Berggebiet, man denkt sowieso, da hinten seien alles «Tschumpel», die nicht drauskamen, also drauskommen, ich will nicht sagen, dass wir drauskommen, aber man befasst sich einfache chli damit, und es gibt einem zu denken. Und wenn man jetzt denkt, eben wenn sie jetzt am Zürichberg bohren gingen, die Reaktionen, die es dann an einem solchen Ort geben würde, wo jetzt halt Leute wohnen, die halt mehr Geld haben. Es ist ja egal wo, einfach an einem Ort, wo die hocken, die den grossen Zapfen verdienen. Da könnten wir dann schauen, was die machen würden. Das macht mich noch verrückt, dass man einfach in so eine, man pickt einfach eine Berggemeinde heraus, die ein wenig ärmer ist … Gut, die Nagra wurde ja eingeladen, aber eben, man denkt dann sowieso, diese Leute da hinten, die wehren sich nicht, und ...
Fredi: Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen?
00:12:14 Sie: Das ist ja auch ein Grund, wieso man sich wehrt, oder, diese Verantwortung kann ja gar niemand übernehmen. Es ist ja fast unmöglich, dass die wissen, was in 10 000 Jahren ist. Also es könnte ja mal ein Erdbeben geben, was passiert dann mit so einem Endlager? Ich weiss nicht, ich glaube nicht, dass da einer die Verantwortung übernehmen kann für 10 000 Jahre, und zudem heisst es dann sowieso, oder, wenn etwas passiert, so manches Jahr zurück, kann man ja niemand haftbar machen. Dann hat man dann einfach die Suppe und fertig!
00:12:52 Fredi: Wer würde jetzt haftbar gemacht?
00:13:24 Sie: Die Verantwortung ist eine juristische Sache ja, an und für sich, und die wissen dann schon, wie man das lösen muss.
00:13:32 Das ist natürlich bei diesen Umweltfragen allgemein so, oder! Das ist ja das gleiche, was jetzt sagen wir mit der Ostsee passiert. Wer hat dort die Verantwortung? Das sind eben ganze Länder oder, sagen wir, ganz Europa vielleicht, oder. Wen macht man da verantwortlich für so etwas?
00:13:52 Sie: Eben, und die, die so Sachen bestimmen und bewilligen, die übernehmen ja auch keine Verantwortung. Dann dürften sie auch ein wenig mehr auf das Volk hören, wenn sie schon gar keine Verantwortung übernehmen wollen.
00:14:09 Fredi: Wer ist das namentlich?
Sie: Ja, auch der Bundesrat und die Regierung des Kantons.
00:14:20 Fredi: War das je ein Thema für die, oder?
00:14:24 Sie: Ja ich glaube kaum! Ich weiss es nicht.
Fredi: Diese Frage werde ich ihnen stellen!
00:14:39 Sie: Ich meine, sie sollten ja Volksvertreter sein, sie können es dann wieder aufs Volk abschieben, das Volk habe das schlussendlich gewollt, oder. Aber das will eben das Volk nicht! Und wie es dann aussieht mit der Verantwortung, oder?
00:14:57 Fredi: Begehung?
00:15:27 Er: Wir fingen eigentlich unten an, und dann jeder, den es dann effektiv betroffen hat, oder, hat etwa seine Anliegen dargebracht nachher, oder. Und dann nachher, als wir etwa halb oben waren, kam man dann immer intensiver noch ins Gespräch. Es wurde dann noch ein wenig mehr geredet. Und man ist dort eigentlich, man hat dort immer gesagt, von der Nagra aus, oder, das Gebiet rutsche eigentlich sonst schon ab, ob sie jetzt hier noch Sprengungen machen. Und was sie unten machen, der Stollen, das gebe ja sowieso keine Erschütterungen, sagen sie, oder.
00:16:17 Fredi: Aussage gegen Aussage?
00:16:21 Er: Ja, eben, das brachte uns eigentlich auch nichts, von dem her, oder. Und wir wollten mit dem eigentlich mal bezwecken, dass die mindestens mal das Gelände hier anschauen würden, oder, vielleicht nicht nur einmal hier hinüberschauen, sondern auch einmal hindurchgehen, damit man sieht, wie es drüben wirklich aussieht. Ich glaube sie waren zum Teil selber noch ein wenig überrascht. Und dann gingen wir auch noch wegen dem Stein schauen, wegen dem Fels, der da auf der Kippe hockt, oder.
Fredi: Vorstellen des Heimet?
00:17:24 Als wir hier heraufkamen, wusste ich eigentlich schon, was uns erwartete, und dann … Unterbruch
00:18:31 Er: Grad da ums Haus herum sind 4 ha, das ist eigentlich sehr wenig zum bauern, und dann ist aber noch eine Magerwiese da drüben, von 1,5 ha, und dahinten noch eine von 1,5 ha, gibt das da unten gut 6 ha Land, 6,5 gibt das dann. Und dann ist noch die Alp auf der Bannalp oben, die wird uns jetzt angerechnet, buchhalterisch für 5,5 ha, dann gibt das doch etwa 12 ha, also ist es wieder eine Existenz. Und dann können wir etwa 13 Grossvieheinheiten, 13, bis 14 Grossvieheinheiten haben. (Sie: Und im Sommer ...) Und im Sommer hat man dann natürlich eher mehr, weil die Tiere, grad die Mastermonten (?), die wir machen, die wachsen dann natürlich im Sommer stark, oder, und brauchen dann entsprechend ein grösseres Futterangebot. Und im Herbst sind sie dann wieder weg, oder, jedenfalls für die Winterfütterung haben wir die dann nicht, haben wir eigentlich nur noch die Kühe, und vielleicht noch den Stier, und dann wieder die jungen Kälber, die frischen Kälber.
00:19:45 Sie: Wir haben ja noch fremde Rinder auf der Alp, oder.
Er: Ja, dann kommen die noch dazu.
Sie: zwischen 30 und 35 Rinder, die wir noch annehmen im Sommer, oder zum Alpen.
Fredi: Nebenerwerb?
00:20:09 Er: Also ich habe Zimmermann gelernt, und das kommt mir jetzt eigentlich sehr zu gut hier oben.
Sie: Dank dem konnten wir auch den Gaden bauen, sonst hätten wir dann länger warten müssen.
Er: Es wäre für uns fast nicht, oder noch viel schwieriger gewesen, das überhaupt finanziell zu tragen, klar haben wir mit Subventionen gebaut und Investitionskredit, aber es käme dennoch auf genug, grad wenn nicht viel hereinkommt, eben. Und das hat uns natürlich schon geholfen, oder. Und ich kann es eigentlich so gut einteilen, weil ich jetzt selbständig zimmere, oder. Ich muss nicht unbedingt schnell auf eine Zeit dort und dort sein, sondern ich kann jetzt vielleicht diesem Bauern schnell sagen, du ich komme dann wenn es mir etwa geht, oder. Und dann kann ich wieder einmal einen Tag nicht gehen, das mag es leiden. Das ist eigentlich besser, als wenn ich auswärts arbeiten gehe, sagen wir in eine Zimmerei, dort muss ich natürlich schon ein wenig die Zeiten einhalten, oder. Sonst ist es eben für den Arbeitgeber auch nicht interessant. Ich habe das das erste Jahr ein wenig so erlebt, oder.
00:21:25 Fredi: Seid Ihr hier akzeptiert?
00:21:45 Sie: Ja, ich meinte es schon. Man ist schon, da oben ist jeder ein wenig für sich, oder, weil man hat einfach den ganzen Tag zu tun, man hat nicht die Zeit, zum Nachbarn rüber zu springen und Kaffee trinken. Und Kontakt unter den Frauen, das hat man etwa im Verein, im Turnverein oder im Mütternverein, und so, macht man etwa einen Ausflug oder kommt wieder einmal zusammen, aber sonst, wenn man einander braucht, dann ist sicher jemand da, wo man anrufen kann und fragen, und umgekehrt bietet man das auch an, aber sonst hat man eigentlich wenig Kontakt mit diesen Leuten. Man sieht einander nicht alle Tage, manchmal jede Woche einmal, manchmal jeden Monat, je nach dem.
Er: Ich glaube, es kann sogar einen Vorteil haben, oder, sagen wir einmal, wenn man jetzt ein Weilchen hier ist, wenn man sich dann wirklich gibt wie man ist, und wenn man seine Sache recht macht, dann wird man akzeptiert, und man hat dann vielleicht nicht so Vorurteile, wie sagen wir jetzt hier oben, wo viele miteinander verwandt sind, und vielleicht noch alte …
Sie: … Streite noch bestehen, die noch nicht verdaut sind ...
Er: Genau, also da haben wir sogar noch Vorteil in der Beziehung, oder. Wir kommen jetzt wirklich mit allen gut aus. Man kann mit allen reden, oder. Man kann also bei niemanden sagen, das ist der Bessere oder das der Schlechtere.
00:23:08 Fredi: Spaltung unter der Bevölkerung?
00:23:39 Sie: Eine Spaltung würde ich jetzt nicht grad sagen, aber es gibt einfach manchmal so Spannungen. Wenn man nicht recht weiss, ja was denkt jetzt der andere. Man hat eben lange nicht gewusst, wer … ja man weiss es eigentlich heute noch nicht ganz genau, oder, wer dafür und dagegen ist. Man hat einfach so Vermutungen … ja nun schlussendlich man muss ja gliich leben da oben, alle miteinander, es ist egal was der eine oder der andere denkt oder macht, oder. Und das finde ich eben noch wichtig i n so einem Dorf, dass man eben gliich schaut auszukommen miteinander und auch zu reden miteinander, Befürworter und Gegner.
00:24:14 Fredi: und das findet statt?
Sie: Vielleicht das Thema Nagra nicht so stark, das schaut man schon ein wenig zu umgehen, weil es sagt niemand gerne seine Meinung offen, sei er jetzt dafür oder dagegen. Es wird also selten diskutiert, wenn man vielleicht nur annehmen kann, es sei jemand dabei, der jetzt vielleicht nicht die gleiche Meinung hat wie die andern, die anwesend sind. Dann wird das Thema ein wenig vermieden.
00:24:35 Fredi: Ist das Rücksicht oder fehlender Mut?
Sie: Ja, vielleicht beides.
Fredi: …
00:25:33 Er: Ich glaube, dass es da oben schon nicht so schlimm ist, und von mir aus gesehen, wäre das eigentlich das Schlimmste, was passieren konnte, in so einem kleinen Dörfchen noch eine Spaltung, ja, noch eine Spaltung, oder. Und das hofft man natürlich schon, dass es das nicht gibt.
Fredi: Was denken die Befürworter? Politisches Bekenntnis?
00:25:58 Sie: Aber sie sehen ja vor allem nur den wirtschaftlichen Vorteil!
Fredi: hakt nach
00:26:40 Sie: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die aus solidarischen Gründen sagen: Doch, kommt jetzt zu uns, das glaube ich also den Leuten nicht.
Fredi: sondern?
Sie: Eben aus wirtschaftlichen Gründen, die denken dann eben, es gehe uns nachher besser hier in Wolfenschiessen hinten, man habe mehr Geld für öffentliche Sachen usw. Es hiess sogar, man müsse dann schon fast gar keine Steuern mehr bezahlen, und dann wären wir auch nicht verrückt, aber nicht, wenn man so einen Preis dafür bezahlen muss.
00:27:14 Fredi: Freund eidgenössische Solidarität? Unter welchen Bedingungen könntet Ihr es akzeptieren?
00:29:01 Er: Schlussendlich ist es doch so, so auf einem Endlager oben hocken will wahrscheinlich sicher niemand! In der Stadt drin, will man es ja auch nicht, wo es viele Leute hat, oder, und ich meinte da, grad Wellenberg, Oberrickenbach, Altzellen, mich dünkt es hat da noch zu viele Leute da in der Nähe, man ist zu nahe bei der, wie sagt man, Agglomeration, oder wie man sagt.
Sie: Und in die dritte Welt abschieben können Sie auch aus den Gründen nicht mehr. weil die denen auch nicht mehr trauen, oder, die wollen das ja auch nicht mehr. Nicht nur weil sie jetzt den Dreck nicht mehr wollen, sondern auch aus anderen Gründen, weil sie auch skeptisch geworden sind, und auch informiert wurden, was für Abfall das ist. Solange sie es noch bringen konnten, wurden einfach die auch «verseckelt».
00:29:53 Fredi: Was wäre die Konsequenz?
00:29:58 Sie: Die eiserne Konsequenz wäre sicher das Sparen, das Energiespargesetz, alle gleich. Und nicht wieder die, die Ferienwohnungen haben und Hallenbäder usw., dass die wieder mehr brauchen können. Aber das wird man in der Schweiz nie fertig bringen. Das glaube ich nicht!
Fredi: …
00:30:26 Er: Man hat das ja gesehen bei dem Sonntagsfahrverbot, wo sie da, wenn war das, im Januar, als überall da der Smogalarm war, hat ja Genf ein Sonntagsfahrverbot einführen wollen, aber sie hätten wahrscheinlich schon immer im geheimen gehofft, sie müssten es nicht, und haben es dann schlussendlich auch nicht. Es hatte dort niemand den Mut, zu sagen, so jetzt ist fertig! Es wird nicht mehr gefahren am Sonntag, es ist Schluss! man hatte Angst, die Leute würden verrückt, oder ich weiss auch nicht was. Sie getrauen …
00:30:52 Sie: Ja sie haben wahrscheinlich Angst, sie müssten viel zu viele Sonderbewilligungen schreiben, oder!
Fredi: Also muss man auf die Katastrophe warten?
00:31:21 Er: Und es ist eben so, es geht so rasant, oder diese Entwicklung! Wenn man denkt, heute hat man Umweltschutz als Fach in der Schule, das hattet Ihr auch noch nicht gehabt, oder sagen wir, bei uns hatte man das Gefühl, es könnte vielleicht mal so etwas kommen, oder man hatte es schon gehört, Umweltschutz und so. Aber vor 25 Jahren, da redete doch kein Mensch von solchem Zeug, man dachte niemals daran, dass es je einst so etwas geben könnte. Aber doch hat man damals schon Atomstrom gemacht, und, schlussendlich hätten es die Techniker damals wissen sollen, es gibt ja Abfall, radioaktiven Abfall, was damit passieren solle. Da hat man einfach schon zu wenig geschaut, oder.
Sie: Die wussten das schon …
Er: Klar wussten sie es, sie wussten auch wieviel das geben wird. Sie haben es einfach vorerst an einem Ort hingeworfen, und alles war einfach die hochgelobte Energie, oder, die Kernenergie, saubere Energie, oder, und jetzt sieht es halt ein wenig anders aus.
00:32:21 Sie: Es sind einfach viele … und das merkt man einfach, einfach viele, die erstens mal keine Kinder haben, zweitens im Wirtschaftsleben stehen, die einfach sagen: Ja ich will doch nicht auf das verzichten, ich will auf das und dieses nicht verzichten, wollt Ihr denn das? Also wir verzichten schon auf manches, nur schon, weil wir jetzt hier sind! Aber wir sind zufrieden mit dem, was wir haben! In Gottes Namen musst du halt alle Tage Holz holen gehen und immer ein wenig feuern, und schauen, dass du warm hast, anstatt dass du auf einen Knopf drückst und immer eine warme Wohnung hast. Sicher ist das nicht zu realisieren in einer Stadt, aber es gäbe sicher andere Möglichkeiten. Aber die Leute wollen das einfach nicht!
00:33:10 Er: Schlussendlich ist es einfach ein Kreislauf, schlussendlich ist da halt wieder die Wirtschaft dahinter, die muss produzieren, die Ware muss verkauft werden.
Sie: Aber es wäre doch eine Herausforderung für die Wirtschaft, nur schon sagen wir jetzt im Stromverbrauch, Geräte zu entwickeln, die effektiv weniger Strom verbrauchen als bisher. Ich habe auch Elektrogeräte verkauft. Da ging es einfach immer drum, dass die Geräte immer noch mehr und noch mehr Strom verbrauchten. Das sind jetzt 10 Jahre zurück. Und jetzt sollte doch gerade das Gegenteil der Fall sein, dass man versuchen würde, Geräte zu entwickeln, die ein Minimum an Strom verbrauchen würden, und eine vernünftige Leistung hervorbringen würden. Also ein Haarföhn braucht sicher nicht 1000 Watt, also da kann ich mit weniger Leistung die Haare föhnen, und ein Staubsauger braucht auch nicht 1200 Watt, dass es jedes Mal die Sicherung herausjagt.
Mich dünkt das einfach, das sind doch Verkaufsargumente, ein Staubsauger mindestens 1000 Watt, ein Haarföhn auch 1000 Watt, das gleiche Gerät, also die gleiche Leistung und zwei so verschiedene Geräte, das ist eine Spinnerei!
00:34:23 Fredi: Wenn Sie im Bundesrat wären, was für radikale Sachen würden Sie vorschlagen?
00:35:01 Sie: Mich dünkt es, ich würde mich schon gar nicht wählen lassen! Denn mich dünkt es, umso höher oben die sind, umso weniger Macht haben sie. Also im National- und Ständerat könnten sie doch viel mehr, wenn sie es wollten, viel mehr erreichen als jetzt der Bundesrat, der muss ja nach denen tanzen! Der kann ja auch nicht mehr seine eigene Meinung voll vertreten.
00:35:27 Fredi: Rolle der Opposition?
00:35:57 Sie: Es sind einfach die falschen Leute, die Opposition machen, es ist das einfache Volk, das das macht, und es hat einfach weniger Gewicht, als wenn das so, wie soll ich sagen, als wenn, wie jetzt der Blocher, wenn der jetzt auf unserer Seite wäre, der könnte schon reden! Der redet zwar auch von Dorftrotteln!
00:36:30 Er: Ich glaube einfach, es ist im Menschen drin, es hat es auch schon immer gegeben, vielleicht nicht gerade in der Form, die wir heute haben, oder, aber sagen wir jetzt, dass es immer welche gegeben hat, die vielleicht irgendwie etwas anderes, die humaner gesehen hätten, und die andern wollten immer vorwärts, vorwärts, und die haben einfach immer mehr … die Macht war immer dort grösser, oder. Das ist einfach im Menschen drin, oder. Ein Tier, das weiss wann es genug hat, oder so, das rührt nachher nichts mehr an, oder irgend ist zufrieden, aber der Mensch, es geht einem manchmal auch ein bisschen so, der schaut immer voraus, man denkt schon viel zu weit voraus, und das könnte man noch und dieses noch, es ist immer ein Vorwärts, Vorwärts, das ist einfach ein Problem der Menschheit, grundsätzlich auch.
00:37:23 Fredi: Gibt es noch etwas Wichtiges?
00:37:40 Er: Ein Wunsch an Hugo Waser, er solle abtreten!
00:37:45 Sie: Die Sonnenenergie viel mehr fördern! Dass das Ozonloch immer grösser wird, müssen wir annehmen, dass wir immer mehr Sonne haben, oder, immer mehr Wärme, folglich Chancen, diese Wärme wenigstens zu nutzen. Das glaubt ja auch niemand, mit diesem Ozonloch, ich habe schon manchmal auch zu Dir gesagt: Wieso kann der Bundesrat diese Spraydosen nicht verbieten? Das wäre doch jetzt etwas gewesen, wo man hätte sagen können, von einem Tag auf den andern: Spraydosen dürfen keine mehr produziert werden, von mir aus, was noch umher ist, kann noch verkauft werden, aber dass keine mehr fabriziert werden! Wieso geht das nicht? Es geht eine Ewigkeit bis sie endlich feststellen: Doch, das könnten wir doch machen, und jetzt sind sie verboten worden. Einfach die mit dem Treibgas drin, die die Ozonschicht angreift, dabei es hat ohne, gerade in so Autospritzwerken und in der Industrie und so, gibt es sicher Sachen, wo es nicht geht, aber nur so für den Haushalt, man könnte für alles eine Spraydose haben, wo es eben andere Produkte auch gibt …? Und eben, das kreide ich dem Konsumenten ein wenig an, der Konsument macht eben auch nicht mit, viel zu wenig, der Konsument hätte es ja in den Händen! Oder, wenn die keine Spraydosen mehr kaufen, dann nachher sehen sie es ein, ich meine dann können sie es ruhig zurückziehen.
Er: Eben schlussendlich ist es einzig der Mensch. Es ist schlimm!
00:39:35 Sie: Wir haben ja jetzt das gleiche Problem mit dem Fleisch, oder, sie wollen immer, dass der Bauer naturnäheres Fleisch produziert, aber kaufen tun sie trotzdem das billige Importfleisch, wie Geflügel und Truten Fleisch usw. Der Konsument stellt so viele Forderungen, und dann nachher, die, die dann eben Alternativsachen machen, diese zu unterstützen, das tut er dann trotzdem nicht, oder auf alle Fälle viel zu wenig. Sie reden davon, und wenn Du sagst: hast Du auch schon gehabt, dann: ja wo bekomme ich dann das? Also man informiert sich gar nicht, oder.
Fredi:
Sie: Ja, der Mensch ist einfach unsinnig bequem geworden.
Fredi: Merci
00:40:55 Familienbilder
00:44:22 Ende V12