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Band Nr. V11, Video-Protokoll: "Der Grüne Berg", Familie Röllin: Landwirte Ober Gerenmattli, Teil 1 (1990, Fredi Murer)


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SignaturF 9103-11
BestandF_9103 Dokumentation DER GRÜNE BERG [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand der Bevölkerung und die politischen Aushandlungsprozesse. Der Film wurde 2025 digitalisiert und restauriert. In diesem Zusammenhang wurde auch das S-VHS-Kassetten vorhandene Rohmaterial der Interviews digitalisiert. Der Bestand Dokumentation DER GRÜNE BERG umfasst 57 Interviews, die Fredi M. Murer 1989 und 1990 mit der betroffenen Bevölkerung, Vertretern der NAGRA, Widerstandsgruppen, Politiker:innen und Wissenschaftler:innen führte. Das Material wurde im Rahmen eines Memoriav-Projekts und der Unterstützung des Kantons Nidwalden (Amt für Kultur) digitalisiert. Als Basis für die Erschliessung dienten schreibmaschinengeschriebene Transkripte von 1990 (oft ins Hochdeutsche übertragene Wortprotokolle), die orginal wiedergegeben werden. Zur besseren Orientierung im digitalen File wurden sie mit Timecodes versehen und mit einem Abstract ergänzt.

Die Nationale Genossenschaft zur Beseitigung radioaktiver Abfälle (NAGRA) plante Ende der 1980er im "Wellenberg" bei Wolfenschiessen im Kanton Nidwalden ein Endlager. Fredi M. Murer dokumentierte in seinem Film "Der grüne Berg" (1990) den Widerstand… — mehr...

AbstractBruno und Annamarie Röllin berichten, wie sie nach 18 Jahren aus der Stadt aufs Land zurückkehrten, um einerseits ihren Kindern ein naturverbundenes Aufwachsen zu ermöglichen und andererseits selbst bauern zu können. Die Idylle wurde durch die Tschernobyl-Katastrophe und Pläne für ein nukleares Endlager getrübt. Konkret hätten sie zunächst den Bau einer mobilen Bohrstelle im Fellboden befürchtet, was inzwischen fallengelassen wurde. Sorge bereitet ihnen vor allem ihr Land am Hang des Wellenberges: Das steile, rutschgefährdete Gelände soll seismisch untersucht und in Stollen durchbrochen werden, obwohl das eidgenössische Verkehrs- und Energiedepartement vor Sondierstollen auf solchem Gelände warnt. Eine gemeinsame Begehung bei Regen bestätigte die Rutschgefahr, in den folgenden Antworten der Nagra fanden die Besprechungsergebnisse jedoch keine Erwähnung. Die Einsprachen konnten den Baubeginn verzögeren und nun fordern die Bauern Gleichbehandlung gegenüber anderen Standorten für mögliche Endlager.
Die Röllins kritisieren ferner, dass die Nagra rein sachlich und bürokratisch auf Einsprachen reagiert, menschliche und emotionale Aspekte aber ignoriert.
Im Gemeinderat sitzt nur ein Kritiker; die Mehrheit befürwortet das Vorhaben offenbar aus finanziellen Motiven. Androhungen von Enteignung seitens der Gemeindebehörde motivierten die Röllins, sich zu wehren. Es folgen weitere Ausführungen der Röllins zu den wirtschaftlichen Aspekten ihres Hofes und ihres Alltags; zu den ersten Berührungspunkten mit der Nagra und der Endlagerthematik; zu den Methoden der Nagra bzw. wie diese – bspw. durch Veröffentlichung von Einsprachen – sich gegen die Opposition wehrt und zu der Involvierung der Röllins in der MNA (Mitsprache vom Nidwaldner Volk bei Atomanlagen).
Insgesamt fühlen sie sich in ihren Existenz- und in emotionalen Belangennicht ernst genommen, beklagen politische Untervertretung und fordern Transparenz, Mitsprache sowie Berücksichtigung langfristiger Folgen.
Von Minute 15–25 sind ebenfalls noch Videoportraits der Kinder zu sehen.
Für den zweiten Teil des Gesprächs siehe das Videomaterial in Sozarch_F_9103-12.
Urheber
  1. Murer, Fredi M.
Copyright
Schlagwörter
  1. Umwelt
  2. Umweltpolitik (allgemein)
  3. Abfallwirtschaft
  4. Abfalllagerung
  5. Lagerung radioaktiver Abfälle
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Nidwalden
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1989
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1990
Verleger
  1. Murer, Fredi M.
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. S-VHS
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation
Bruno und Annamarie Röllin, Landwirte, Ober Gerenmattli, Oberrickenbach
Mädchen: Martina, Bub: Peter (rechts bei Mutter), Mädchen: Andrea

00:01:23 Annamarie: Also verbunden mit diesem Ort, ich bin ja eigentlich hier geboren, oder, da aufgewachsen. Und wir sind erst fortgezogen, als ich 7-jährig war, dann waren wir 18 Jahre fort, und weil dann mein Mann und ich einfach auf dem Land leben wollten, und auch bauern, sind wir dann wieder hier heraufgekommen, damit auch unsere Kinder so aufwachsen können, wie wir aufgewachsen sind, oder, «e chli» naturverbunden, und dass man auch mit der Natur lebt.

00:01:54 Fredi: Unterbruch, Wiederholung

00:02:31 Also ja eben, ich bin hier geboren, und wir sind dann die ganze Familie fortgegangen, als ich 7-Jährig war, ich bin noch hier in die erste Klasse, wir haben eine Schule hier in Oberrickenbach. Und dann nach 18 Jahren habe ich geheiratet, und mein Mann und ich, wir hatten eben wieder Lust, dass wir wieder so leben könnten, wie wir uns eben von zuhause aus gewohnt gewesen waren zu leben. Nicht in der Stadt in einem Block, und dann bot sich die Gelegenheit, dass wir wieder da auf das Elternheimet zurück konnten, und eben wir wollten auch, dass die Kinder so aufwachsen könnten wie wir auch aufgewachsen sind. Das waren eigentlich die Gründe, weshalb wir wieder hier herauf sind, und vor allem, dass man auch ein wenig selbständig ist, dass man wirklich weiss, wofür man arbeitet.

00:03:26 Fredi: Die Idylle ist empfindlich gestört?

00:03:44 Also die friedliche Atmosphäre wurde dann gestört, vor allem dann, als dann Tschernobyl passiert ist. Also für mich war das ein wichtiger Punkt, dass ich angefangen habe. mich zu wehren gegen solches Zeug, oder. Und als es dann hiess, sie wollten da nicht nur bohren kommen, sondern auch gleich noch das Endlager bauen, den Stollen bauen, die 3 km, dann gab es einem dann schon langsam ein wenig zu denken.

00:04:15 Fredi: Seid Ihr betroffen?

00:04:25 Anfangs schon, ja, wir haben da im Fellboden hinten, das ist da noch ein Bitz … eigentlich zuhinterst von Oberrickenbach, wollten sie ja eine fahrbare Bohrstelle montieren, und dann hätten sie bei uns durch die Strasse hindurch, oder, durch das Land hindurch, aber das kommt jetzt nicht. Das haben sie fallen lassen.

Fredi: Und sonst?

00:04:47 Und dann wäre eben noch der Hang, den wir am Wellenberg haben, dort haben wir auch noch etwa 1,7 ha Land, das ist ziemlich stotzig und rutschgefährdet. Ja, das ist dort, dort drüben, so halb oben am Wellenberg. Und das ist eben auch ziemlich rutschgefährdet, und drum haben wir auch Einsprachen gemacht, oder, dass wenigstens, dass man sich absichern kann.

00:05:15 Fredi: Was ist die Gefahr?

00:05:19 Ja, weil sie Sprengungen machen … seismische Messungen und so, oder da hat ja in dem Schreiben, das wir vom Bundesrat bekamen, steht ja drin, dass man an solchen Hängen keine seismischen Messungen machen solle. Und jetzt machen sie es einfach trotzdem.

Fredi: Gefühle werden von der Nagra negativ bewertet?

00:06:15 Eben, heutzutage darf man ja gar keine Gefühle mehr haben, da. heisst es bald einmal: Ja dummes «Weibergewschnorr» auf deutsch gesagt. Und ja eben, nur emotionelle Gründe, des zählt einfach bei der Nagra gar nicht, über das gehen sie einfach hinweg. Und schlussendlich sind wir doch auch ein wenig auf das angewiesen, wir brauchen doch die Freude an der Natur und die Freude an der Arbeit, das brauchen wir, und sonst würden wir doch nicht vom Morgen bis am Abend krampfen. Für das Einkommen, was wir haben. Da hätten wir es vorher in der Stadt um einiges ringer gehabt, und mehr verdient. Also wegern grossen Batzen muss man nicht hier herauf bauern kommen. Aber über das lachen die nur, das nehmen die überhaupt nicht ernst.

Fredi: haben die keine Gefühle?

00:07:14 Man kennt ja die nur auf dem beruflichen Weg, wie sie sonst sind, das weiss ich nicht, aber sie tun so Sachen auch … das merkt man ja bei ihren Antworten auf die Einsprachen, hat man einfach das Gefühl, dass sei auf dem Bürotisch behandelt worden. Also und auf dem Bürotisch stellt man ja nicht menschliche Aspekte in den Vordergrund. Da ist einfach, da gehts um sachliche Gründe und fertig.

Fredi: Begehungen?

00:07:50 Eine Begehung hat man gemacht. Also alle, die da auf dem Wellenberg Land haben, die sagten, sie wollten eine Begehung. Haben die Nagra dazu eingeladen, und das Bundesamt für Energiewirtschaft. Und die sind gekommen, bei strömendem Regen sind sie den ganzen Tag da am Wellenberg herumgeklettert, und das Land angeschaut. Man hat das auch aufgenommen, dass das Rutschgebiet ist. Dort ist man Mann dabei gewesen, der kann das noch ein wenig besser erklären. Aber eh, nachher in den Antworten, haben sie einfach so Sachen, die man dort drüben besprochen hatte, einfach entweder weggelassen oder überhaupt so geschrieben, dass es sinnlos ist. Zwecklos.

00:08:34 Fredi: Alibiübung?

00:08:46 Also die Einsprachen, man hat immerhin das bewirkt, dass sie auch jetzt noch nicht bohren. Sie haben ja … im letzten Herbst am liebsten schon angefangen zu bohren, man konnte es wenigstens ein wenig hinausschieben, und wenn man hinausschieben kann, hat man mindestens die Möglichkeit, immer mehr dazuzulernen, oder, nicht nur wir, die von dem überhaupt keine Ahnung haben, sondern auch für die, die meinen. sie hätten eine Ahnung, können noch dazulernen.

Fredi: Lernprozess von der Gegenseite?

00:09:22 Ja gut, von der Gegenseite, die müssen ja mit dem Güsel an einen Ort hin, für die besteht das Problem nach wie vor, oder. Und das sind wir uns eigentlich auch bewusst, dass das an ein Ort hin muss, aber wir verlangen wenigstens Gleichbehandlung von der Nagra gegenüber den andern Standorten. Das ist auch noch ein Punkt, wieso wir uns gewehrt haben: Wieso behandelt man uns hier in Wolfenschiessen hinten nicht gleich wie an den anderen Standorten? Also das hat mich auch am meisten verrückt gemacht. Irgendwie hatte man schon das Gefühl, weil das jetzt politisch interessant ist, und die Zufahrtsstrassen und alles gemacht ist, dass man für die am interessantesten ist, obwohl sie immer gesagt haben, Geld spiele für sie keine Rolle. Es spielt dann schlussendlich doch auch wieder eine Rolle.

Fredi: Und die politische Machbarkeit!

00:10:21 Ja eben, weil es politisch schon interessant war, oder. Wenn sie die natürlich schier einladen, also, sie wollen es ja nicht wahrhaben. Und wir haben uns auch gewehrt, so wie von der Gemeindebehörde mit uns umgegangen wurde, einfach mit den Direktbetroffenen. Also da hiess es einfach: Ja die Nagra kommt da bohren, sie wollen ein Endlager machen, wenn ihr euch wehrt, werdet ihr enteignet. Also das ist das Erste, was wir vernahmen, als sie uns erklärten, dass es hier hinten ein Endlager geben solle. Und dann fand ich dann, wenn sie einem schon von Anfang an drohen müssen, also, also drohen lassen wir uns nicht! Und ein Enteignungsverfahren, das braucht auch viel Zeit, und das hätten wir dann noch drauf abkommen lassen! Aber jetzt betrifft es uns nicht, in Sachen Enteignung, das ist ja jetzt nicht.

00:11:16 Fredi: Das war die Gemeinde?

00:11:20 Ja, nicht die Nagra, also uns sagte das die Gemeindebehörde.

Fredi: ist die Gemeinde inzwischen eine Nagra-Agentur?

00:11:28 Ja die sind ja … jedenfalls ein Teil des Gemeinderats ist sicher interessiert, dass die Nagra nach hier hinten kommt. Es gebe scheints einen haufen Geld, und, man weiss zwar nicht wieviel, sie sagten ja nie wieviel! Wenn schon, dann möchte man dann lieber mal konkret wissen, wieviel dass es gibt, oder.

00:11:44 Fredi: Denken sie bei der Gemeinde nach über die langzeitige Verantwortung?

00:12:06 Die sind einfach überzeugt, dass das eine ganz sichere Sache sei, die waren ja da in Schweden schauen gegangen, und … Ich meine, die Nagra hat schon ihre Fachleute, und wenn ich diesen Fachleuten hörig bin, dann bin ich überzeugt von dem, was die machen, oder. Die glauben sicher nicht einem Laien, einem Bauer, oder, wenn der Bedenken hat, also … ! Und die müssen ja die Wirtschaft vorantreiben, oder, ich meine die Behörde ist in einem gewissen Sinn auch verantwortlich dafür, dass es nicht so viele Arbeitslose gibt. Und damit kommen sie jetzt auch, es gäbe dann Arbeit für die Einheimischen und für die Unternehmer und so, oder.

Fredi: Demokratie?

00:13:44 Das merkte man ja auch anhand der Einsprachen, die sie dann selber gemacht haben, oder, die Gemeinde hat auch eine Einsprache gemacht, aber schlussendlich gab es einfach auf jedes ein Wenn und ein Aber. Also bei gewissen Sachen sagten sie: Wenn Ihr nicht…, ohne es wäre es - wie haben sie es jetzt geschrieben - wissenschaftlich notwendig, oder. Dann kann man es trotzdem machen. Und dann kann ja die Nagra einfach sagen. es ist wissenschaftlich notwendig gewesen, und dann macht man es einfach, oder. Da hatte es so viele Wenn und Aber drin. dass man das nicht akzeptieren konnte.

Fredi: hakt nach

00:14:45 Ja sicher, wir haben nur einen drin, jetzt seit der letzten Gemeinderatswahl kam einer rein vom "Kritischen Wolfenschiessen".

00:14:58 Fredi: Verhältnis Gegner, Untervertretung im Gemeinderat?

00:15:15 Das ist jetzt «ä chli» schwierig für mich, ich kenne einfach die Gemeinderäte, eben. Wir sind jetzt 6 Jahre da, und ich kenne die Gemeinderäte jetzt eben durch diese Nagra-Geschichte eigentlich so richtig. Und es hiess einfach von Anfang an, der Gemeinderat ist dafür, und er war auch dafür, der ganze Gemeinderat, also das hat man schon gemerkt. Die wollten das einfach, wahrscheinlich wirklich nur wegen dem Geld, ich sehe keinen anderen Grund, weshalb die das wollen.

Fredi: Es wäre anders, wenn…

00:15:54 Ja, dann wäre es eine ganz eine andere Situation für uns, oder. Wenn nur die Hälfte des Gemeinderats dagegen wäre, dann wären sie wenigstens kritisch! Aber da der ganze Gemeinderat. als sie kamen, damals noch, dafür war, da blieb uns keine Chance.

Fredi: Wie die Regierung in Stans…

00:16:31 … auch dafür sein, also ich glaube es auch nicht, wieso die so zusammenhalten, ich weiss es nicht!

00:16:47 Kinderbilder

00:24:38 Röllins auf der Bank

00:25:30 Er: Wir sind seit Anfangs April 1983 da heraufgekommen, das andere hast Du oben ja schon gesagt, am Bach oben, wie wir raufgekommen sind.

00:26:24 Er: Also was zuerst einmal festzustellen war, war, dass die Gebäulichkeiten relativ schlecht im Zustand waren, und das wussten wir eigentlich, bevor wir heraufkamen. Und dann hat man einfach mal angefangen, so wie es etwa vorderweg war, oder, man hatte auch keine Milch abgegeben, und es ist ja nie Milch abgegeben worden auf diesem Betrieb. Und dann hat man einfach so angefangen. Und auf der Alp, es hat uns da oben einfach viel Arbeit gegeben, oder, und weil man zugleich auch unten da diesen Betrieb da bewirtschaftet hat. Und man hat dann an beiden Orten sein müssen, hinauf und hinunter. Und dann kamen wir mal auf di e Idee, nur noch Ammen- und Mutterkuhhaltung zu machen, eben eigentlich deswegen, oder, es hat uns im Sommer zu viel Arbeit gegeben, und im Winter da haben wir eher zu wenig Arbeit, oder. da bin ich auf den Nebenerwerb angewiesen, und das geht eigentlich gut, dank dem ich Zimmermann gelernt habe, oder, und da eigentlich eine gute Ausbildung habe.

00:27:36 Fredi: Was machen Sie als Zimmermann?

00:27:44 Er: Ja, also nicht grosse Arbeiten, sagen wir, es sind vielleicht mehr Anbauten, mehr Anbauten/Umbauten, oder.

00:27:51 Fredi: Fragen einbeziehen!

00:28:24 Er: Also wir sind auf einen Nebenerwerb angewiesen, oder, dass wir überhaupt leben können hier. Und dann kam das Problem eben mit den Gebäudeinvestitionen, oder, die waren einfach dringend, weil sonst war es kein schaffen, oder.…

Fredi: Arbeitsteilung?

00:29:25 Sie: Also die Arbeit müssen wir schone «chli» teilen miteinander, oder, wenn er fort ist, dann muss ich auch in den Gaden, und wenn ich fort bin, dann muss er manchmal auch zu den Kindern schauen, und grad weil wir an zwei Orten bauern, oder, im Sommer ist man zu Alp, dann muss vielleicht einmal das eine hinunter, dann muss einfach das andere oben schauen und umgekehrt, oder. Und das ist einfach klar, beim Heuen und bei allem, das macht man einfach miteinander.

00:29:52 Fredi: Habt Ihr beide schon gebauert?

00:29:58 Sie: Also Du bist auf einem Bauernhof aufgewachsen, und ich auch, also die Elternbauern beide auch. Bei ihm bauert einfach der Bruder zuhause, und drum konnte er zuhause nicht, obwohl er immer gerne gebauert hätte, oder. Drum war das eine Gelegenheit, dass man das verwirklichen konnte. Und wir haben es dann einfach mal so übernommen, wie es war, und man musste einfach etwas anderes machen, es war so arbeitsintensiv noch mit kleinen Kindern, immer hinauf und hinunter, und das war dann einfach der Grund, warum wir umgestellt haben auf diese Ammen- und Mutterkuhhaltung. Und auch im Winter, wenn er zimmert, er hat nicht immer Arbeit hier in Oberrickenbach, jetzt das Jahr ist es zwar so, kannst Du voll in Oberrickenbach arbeiten, aber manchmal muss er dann auch auf die Baustellen arbeiten gehen, und dann ist er dann manchmal auch den ganzen Tag weg, und dann ist es eigentlich auch gut, wenn der Gaden nicht so viel Arbeit gibt, und jetzt so wie wir es jetzt machen, das geht eigentlich gut.

00:30:59 Fredi: Wieviel seid Ihr unten und wieviel auf der Alp?

00:31:06 Er: Ja, wir sind jetzt im Sommer drei Monate auf der Alp, und während diesen drei Monaten ist man auch wieder unten, oder, am heuen, ich möchte sagen, fast jeden zweiten Tag ist man wieder unten, der Sommer ist also recht streng für uns.

Fredi: Und der Winter?

00:31:27 Sie: Es kommt ein wenig auf den Winter drauf an, es dünkt mich jetzt, der Winter, das war ein recht ringer Winter, man muss nicht so heizen wie verrückt, es gab nie viel Schnee zu schaufeln, und einfach es schlägt nicht so aufs Gemüt, für uns jetzt, wenn es nicht so viel Schnee gibt, oder, also uns ist es «gliich». Wir sind nicht so verrückte Skifahrer, und drum, oder. Wenn der Winter nicht so streng ist von der Kälte, dann tut man es auch viel ringer bewältigen, oder und schaffen muss man immer, da ist es egal, ob es Sommer oder Winter ist. Ich meine, er zimmert im Winter mehr, dann hat er dort mehr zu tun, und dann macht man einfach das Bauern ein wenig mehr nebenher, und im Sommer ist es dann wieder umgekehrt, also man ist immer voll ausgelastet.

00:32:10 Fredi: Wann habt Ihr zuerst von der Nagra gehört?

00:32:47 Sie: Also wir waren da grad am Planen vom neuen Gaden, ganz am Anfang, und haben dann auch den Gaden gebaut, den Sommer durch, und hatten einfach keine Zeit, dem einfach näher nachzugehen, oder. Und erst nachher, so gegen den Herbst hinein hat man dann mit dem "Kritischen Wolfenschiessen" zusammen «e chli» die Informationen eingeholt, und die Gemeinde hat uns eingeladen, oder. Wir waren dann einmal eingeladen von der Gemeinde Wolfenschiessen. wo sie uns eben klipp und klar gesagt, haben, dass wenn wir uns wehrten, dass man dann einfach enteignet würde. Und drum haben wir uns dann auch angefangen zu wehren!

00:33:30 Fredi: Habt Ihr das ernst genommen?

00:33:44 Er: Ja, man hat zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht genau gewusst, wo was hinkommt, wo was gemacht werde. Oder, das weiss man jetzt noch… z. Bsp. etwas ist grad letzte Woche wieder definitiv geworden, wegen den seismischen Messungen, oder. Das wird uns jetzt nicht so stark betreffen, nicht so schlimm wie wir zuerst gemeint haben, dafür kommen jetzt einfach wieder der anderen Bauern dran.

Fredi: Was ist die Gefahr der seismischen Messungen?

00:34:22 Er: Also da in der Stecksehwand, da ist stotziges, sehr stotziges Gelände, und es sind Magerwiesen und z. Teil auch Rieter, oder, es ist rietig (sumpfig). Und da würde man Sprengungen machen, wir konnten da letzthin an eine Vorführung schauen gehen. Etwa 2m Tiefe, oder. 100 – 200 gr Sprengstoff täte man da hinein, und dann tut man da mit einem Echolotverfahren, irgend, tut man das Gestein oder den Untergrund tut man eine Art einfach messen, oder. Und dann haben wir einfach Angst, wenn die Sprengung stattfindet unter dem Boden, dass es nachher ein Loch gibt, dass es die Erde oder den Boden, das Gestein verdrängt, und dass dort nachher Wasser hinein kann, oder dass es Wassersäcke geben kann. nachher. Und das hätte nachher einfach zur Folge, dass der Druck grösser würde, hätten wir das Gefühl, oder, dass das Wasser nachher drückt. Und dann ist alles lehmig drüben, sobald das Wasser sich wieder sammeln kann drin, dann tut doch das zusätzlich wieder schmieren. Und dann ist es dann einfach schlimm, wenn es einmal richtig nass ist, wenn es einmal eine Woche lang regnet. Dann ist dann plötzlich genug geschmiert darunter, und dann fährt die Ware dann hinab! Es ist natürlich jetzt schon verrissen … und es geht immer etwas, oder, und ich meinte, man sollte das nicht noch so zusätzlich belasten oder fast herausfordern.

00:35:59 Sie: Und da schreibt ja das eidgenössische Verkehrs- und Energiedepartement zum Gesuch der Nagra für die Lagerung für radioaktive Abfälle: "Die rutschgefährdeten Gebiete in der Gegend des Wellenbergs wären durch die Untersuchungen verursachten Erschütterungen besonders ausgesetzt. Seismische Untersuchungen und Bohrungen sind in diesen Gebieten … äh, seismische Untersuchungen und Bohrungen in diesen Gebieten sollten daher vermieden werden", und die Nagra macht es einfach trotzdem, und sie bauen auch den Stollen hin. Also der Bundesrat hat ja von allen anderen Standorten verlangt, dass sie zuerst Ergebnisse haben müssen, bevor sie überhaupt den Stollen bauen dürfen oder, und hier dürfen sie jetzt einfach einen bauen, bevor sie Ergebnisse haben von den Bohrungen, oder. Da ist noch ein gewisses Risiko, sagt die Nagra, ein finanzielles Risiko wird da gemacht, oder.

Fredi: Eigenmächtiges Verhalten der Nagra?

00:37:37 Sie: Nicht nur die geforderte Begehung. Sondern, zuerst haben wir ja eine Einsprache gemacht. Die Antworten auf diese Einsprache haben sie ja, trotzdem dass sie versprochen haben sie würden alles vertraulich behandeln, die haben sie öffentlich aufgelegt. Also konnte es jedermann in Wolfenschiessen auf der Gemeinde, in Grafenort im Restaurant drin anschauen gehen, und in anderen Gemeinden auch noch, ich glaube im Kanton Obwalden auch noch. Und die Adressen der Einsprecher waren alle drin! Aber sie hatten zugesichert, sie würden das vertraulich behandeln, und im Nachhinein ist das ja schier wie eine Provokation gegenüber den Einsprechern, oder, damit sie vielleicht dann Angst bekämen und sich zurückziehen würden.

00:38:24 Er: Es ist dann einmal an einem Orientierungsabend in Wolfenschiessen wurde über das geredet auch, den die Nagra da durchgeführt hat, und dann haben sich Unternehmer, oder vielleicht Angestellte, die das schon ein wenig kommen sahen, dass sie vielleicht könnten. oder, Nachteile für sie entstehen könnten so, oder, wenn sie eben Einsprache machen würden. Und dazumal wurde von der Nagra eine Diskretion, eine absolute Diskretion zugesichert, oder, und man hat damals weiss ich nicht was versprochen.

00:39:03 Fredi: Haben Sie das mit Methode übergangen?

00:39:12 Er: Gut, uns stört jetzt das vielleicht nicht, wir sind selbständig und deswegen bauern wir trotzdem, oder.

00:39:21 Sie: Aber einer, der vielleicht eben ein Geschäft hat, oder jetzt mehr Mühe hat, öffentlich zu dem zu stehen, oder, der hat einfach mehr Mühe.

00:39:30 Fredi: Der Gemeinderat vertritt die Gemeinde schlecht?

00:39:52 Sie: Eigentlich müsste ja die Hälfte des Gemeinderates dagegen sein und die Hälfte dafür, dann wäre es etwa einigermassen gerecht aufgeteilt, oder, nicht wie es jetzt ist, nur einer dagegen und alle andern dafür.

Fredi: Was heisst …

00:40:07 Sie: Entsprechend der Bevölkerung, entsprechend jetzt eben der Abstimmung, die war, wo ja das Volk entschieden hat, aber der Gemeinderat besteht halt schon länger als das Gesuch der Nagra. Die sind sicher auch daran beteiligt, dass wir überhaupt die Nagra hier hinten haben.

00:40:27 Er: Eben das ist ja eigentlich der Grund. die wirtschaftlichen Interessen stehen da halt schon ein wenig im Vordergrund. Und zwar war das ja von Anfang an schon so, wo die Regierung ja praktisch, wo sie ihnen ja gewunken haben, oder. Das ist einfach wahr, das stimmt halt leider!

00:40:42 Fredi: Geopferte Demokratie?

00:41:50 Sie: Ja sicher ist das die Tendenz, das sieht man ja auch, wie hier die Abstimmung mit Geld beeinflusst wird von denen die das Geld haben, von der Wirtschaft und eben von denen, denen es dann eventuell schaden könnte, das sind ja nie die Schwachen, die haben ja das Geld gar nie, um irgend etwas zu beeinflussen. Das hat man ja gesehen bei der Stadt-Land-Initiative, da haben sie ja Mio. ausgegeben, um die Leute zu beeinflussen, oder!

00:42:27 Fredi: In dieser Sache wurde ja gar nie abgestimmt?

00:42:32 Sie: Wegen der Nagra? Also an der Landsgemeinde, gut da ging es eigentlich um die Einsprache des Regierungsrates, ob man das annehmen wolle oder nicht, oder. Aber dort ging es eben schon auch drum, ein Nein, weil man auch das Endlager nicht möchte, da hinten, oder. Es ging schon um das. Und da sagten eigentlich zwei Dritte! der Bevölkerung des Kantons nein, an der letzten Landsgemeinde.

Fredi: Redeten Sie? Wen vertraten Sie?

00:43:13 Sie: Ja, wir waren schon eine Gruppe, aber jedes hat eigentlich seine Anliegen selber vertreten.

00:43:25 Er: Ja, Du hast eigentlich die Anliegen von uns vertreten. Von dort her werden die Existenzen …

00:43:30 Sie: Es ist nicht so, wie der Bundesrat Ogi sagte, es habe ihm gefallen, wie der Leo Oderatt seine «Meitli» vorgeschickt habe. Es waren dann nicht dem Leo Odermatt seine Mädchen, es waren alles 30-jährige Frauen. Das hat er danach gesagt in einer Pressedings ...

00:43:47 Fredi: Wer ist Leo Odermatt

00:43:48 Sie: Der Präsident vom MNA (Mitsprache vom Nidwaldner Volk bei Atomanlagen). Wir sind natürlich schon unter der Organisation des MNA an die Landsgemeinde reden gegangen, oder, wir haben uns einfach zusammengeschlossen, und etwa jedes sagte, über welches Thema es rede, und man konnte also über seine Anliegen reden, oder?

00:44:06 Fredi: Und der Ogi hat?

00:44:08 Sie: … hat gesagt: «es habe ihm gefallen, wie der Leo Odermatt seine «Meitli» vorgeschickt habe, oder. Der hat uns nicht schicken müssen, wir sind freiwillig gegangen.

* Schnitte

00:44:23 Ende V11

ZitationsvorschlagVideo: Murer, Fredi M./F 9103-11
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