Familie Niederberger Thedor (Thedi) und Vreni, Landwirte, Allmend
Kinder: 1. Heidi, 2. Monika, 3. Regula, Toni
00:01:26 Sie (Vreni): Ich bin' s Vreni Niederberger und er ist Thedi Niederberger. Wir haben 4 Kinder: Heidi ist 14-Jährig. Toni 13, Monika ist 10 und Regula 5 1/2-Jährig.
ER (Thedi): Ja hier sind gut 10 Ha. Wir sind 50 Jahre schon hier drauf, die 3. Generation, ich bin 15 Jahre hier. Haben und 20 Kühe und 10, 12 Stück Jungvieh. Ackerbau ist keine, ist reine Graswirtschaft, Milchwirtschaft. … Betrieb ist der Korporation "Boden" Wolfenschiessen. … ich bin die dritte, also mein Grossvater, Vater und ich bin schon 15 Jahre da. … Ja das ist von den Geschlechtern, den Wolfenschiesser-Bürgern, die Anrecht haben auf das Land, auf die Genoss-same … Korporationen, sagt man hier … (diffus Über Genossenschaften) … ja der Wellenberg ist, das ist Korporation "Boden" auch beteiligt und viel ist auch privat, der grösste Teil. Zuoberst ist ein kleiner Bauernbetrieb, was seitlich ist, ist der Allzellener-Berg und hier runter sind zwei Betriebe noch …
00:05:36 Da sind um den Wellenberg herum, -Oberrickenbach ist ja auch am Fuss des Wellenbergs-, Talzone und der Allzellener-Berg das sind 50 bis 60. Bauernbetriebe, und Wolfenschiessen hat 90, gut 90 Bauernbetriebe…
(Sie und er basteln eher Halbwissen über Gemeindevertreter zusammen, zählen einzelne auf, lachen, FMM, fragt und redet immer dazwischen …)
00:08:01 ER: Also wir hier haben das Gefühl, wir seien gut vertreten im GR, von uns Bauern aus. Bis anhin ist unsere Sache gut vertreten worden für den Bauernstand.
Sie: Das erste Mal wo wir gehört haben, dass es direkt Wolfenschiessen betrifft, ist es über das Radio gewesen. Also wir da, ist es am Radio, im Regionaljournal, haben wir es gehört. Dann sind wir darauf aufmerksam gemacht worden, dass doch heute ein Brief gekommen sei von der Nagra. Ich habe doch gemeint es sei sonst eine Reklame und habe es auf die Seite getan, dann bin ich es suchen gegangen und da ist es dann gestanden, sie wollen eine Versammlung abhalten. Am 1. Dezember haben sie dann uns Auskunft gegeben, was sie da machen wollen …
00:09:46 Also sie (GR) sagen, sie hätten es auch erst dann erfahren, 2, 3 Tage vorher vielleicht, aber so wie ich mal mit einem Herrn von der Nagra geredet habe, hat er gesagt, sie seien schon den ganzen Sommer durch mit ihnen in Verhandlungen gewesen. Aber der Gemeindepräsident hat uns an diesem Abend gesagt, er habe es auch erst jetzt vor 2, 3 Tagen an der Pressekonferenz vernommen …
(Sie und FMM -Geplauder… )
00:10:44 ER: (Sie: Eigentlich NEIN, befasst haben wir uns nicht gross damit.
Er: Wo's so weit gewesen ist, dass am WB ein Endlager soll kommen, ist für mich eigentlich klar gewesen, – obwohl nie jemand etwas gesagt hat, wo es hineingehen soll, dass es mit 90% Sicherheit hier auf der Allmend kommen soll. Denn all diese Leute, die diesen Sommer durch auf dem Land "umägschuened" sind, und einer davor schon, und etwas Steine in den Rucksack gepackt haben, das hat einem nie gefallen, und von dort her, ist es schon klar gewesen, dass sie unten hinein gehen, wenn es mal kommen sollte. Und dies hat sich nun bestätigt.
00:11:51 Man hat schon das Gefühl gehabt: Ein normaler Bürger kommt nicht hierher mit einem Rucksack und packt Steine ein, dass diese etwas besondriges im Sinne haben. Ein Feriengast da drüben hat mal zu einem gesagt, ihr seid glaube ich von der Nagra. Dann hat er gesagt: Nein, nein, sie täten nur etwas einpacken und schauen. Aber die haben damals schon gewusst, warum sie kamen. Sie durften halt nichts sagen, sonst wäre der Widerstand zu früh ausgebrochen schon.
Sie: Zuerst ist es schon um den Niederbauen gegangen und das haben wir gewusst, dass die Regierung sie eingeladen hat nach NW zu kommen. Und danach haben sie immer vom Niederbauen geredet und plötzlich ist das auf den Wellenberg gekommen und es hat geheissen, der Niederbauen sei jetzt nicht mehr im Gespräch. …
00:13:26 Sie: ja das schon, Diskussion ist schon Nieder- und Oberbauen gewesen. Aber eben, weil das schon zu weit weg ist, hat man sich gar nicht so stark befasst, oder.
ER: Ja da bin ich Skifahren gegangen, da habe ich es mit einem GR zusammengepreicht und dann sagt er zu mir: Gestern hatten wir auch Sitzung gehabt mit der Nagra, – habe ich gedacht, was ist da nicht gut – und dann sagt er, du kannst dich dann freuen auf der Allmend, die Nagra kommt da "cho" bohren. Dann bin ich erschrocken. Bin nach zwei Stunden wieder heim, es hat mir keine Ruhe gelassen. Am selben Tag hatte ich noch den Korporationspräsident und der Schreiber eingeladen gehabt wegen einem Umbau im Stall, dann habe ich es denen auch gesagt und die haben von allem nichts gewusst und dann ist er auf die Gemeindekanzlei fragen gegangen was da los sei und dann ist es eigentlich herausgekommen, was da los ist. Vorher ist alles so geheim gelaufen, hätte niemand etwas vernehmen sollen. Das ist natürlich für den Gemeinderat nicht gut gewesen, er hat den "Schwarzen Peter" sein müssen … Ja er hätte natürlich Schweigepflicht gehabt als Gemeinderat und er hat das so harmlos gesagt, wir sind zufällig darauf gekommen; da ist so ein Fass gestanden mit Sand drinnen, und ich habe gesagt, da ist auch so ein Nagra- Fass, und dann ist dann das so losgegangen. Bald darauf ist dann die Nagra mit Plänen hier auf den Betrieb gekommen und wir konnten sie anschauen. …
00:15:29 Frage: erste Begegnung mit der Nagra?
Er: und Sie: Von der Korporation haben wir es gewusst. Er: ja dann ist ein Teil vom GR, der "Hirti-Präsidert und der Nachbauer, der Schreiber und ich haben das Zeug "ä chli" angeschaut, dagegengeredet, gewehrt und Reue gehabt ums Land und alles. Die sind geteilter Meinung gewesen, auch nicht so begeistert, zum Teil … einer ist eher nagrafreundlich gewesen und andere wieder schon dagegen. Es hat beiderlei darunter.
00:16:31 Er: Ja, die Korporation hat nicht so viel Geld, oder kein Geld und es bringe ihnen paar Franken. Die einen haben am Geld Freude, die am Land nicht so Freude haben und der andere schätz den Boden mehr und hat lieber der Boden als das Geld. Vom Boden kann man überleben, mit dem leeren Geld kann man nicht überleben.
00:17:01 Ja da ist knapp ein Drittel Bauen, der Rest sind Gewerbetreibende und ältere, Pensionierte … nein das Interesse ist nicht gross … dumme haben das Gefühl, der Betrieb sei gross genug, auch wenn sie ihm etwas davonnehmen. Von den Korporationsbürgern gibt es schon paar, die es kritisch anschauen und andere denken da sei keine Gefahr da passiert nichts, da ist 100%ige Sicherheit. Die sehen nur den Nutzen, den es in die Gemeinde bringt, aber dieser Nutzen wird jedenfalls klein sein.
00:18:41 Sie: ja viele wissen ja schon nicht, was da hinein kommt die meinen Spitalabfälle kämen da hinein, viele haben keine Ahnung, was dabei ist.
00:19:06 Er: Ja wir haben zwei Abende gehabt, wo die Nagra gekommen ist und das Zeug ein wenig erklärt hat, an einer Versammlung, was da mit dem radioaktiven Abfall … aber für eine der sich nicht befasst mit dieser Sache, kann sich kein Begriff machen, da kommt man erst, vielleicht wenn man sich Jahre mit dem Zeug befasst, ungefähr eine Ahnung. Wir haben jetzt eine Ahnung. Nur allein, wenn man nur hart, was da gesagt wird und etwa so hört, weil diese Abfälle sind viel giftiger, als man überhaupt meint und wer sich nicht befasst, der meint: ja ein wenig Gift, das ist ja nicht so schlimm, und doch ist es eben viel schlimmer das Gift selber, das sind die Strahlen, das ist das Schlimme. Die Strahlen kann man nicht einpacken, die gehen, wo sie wollen.
00:20:28 Sie: Ja wir haben zuerst gar nicht gewusst, wo die Informationen holen. Wir sind schon an diese Informationsabende gegangen, aber – einmal ist es 4 Std. gegangen – da haben sie auf einen eingeredet, aber da hat man wirklich am Schluss nicht viel mehr gewusst als am Anfang. Das ist alles so kompliziert, die Namen und alles, was man sowieso nicht verstanden hat. Und dann sind wir einmal angefragt worden, von der Gruppe "Kritisches Wolfenschiessen" eine Arbeitsgruppe, ob wir nicht mal kämen bei ihnen zuzuhören. Sie würden über das lesen und sich damit befassen und sie haben Sachen gesammelt über das, und Referenten kommen lassen; sie haben auch einen Informationsabend gemacht. Zuerst bin ich einmal gegangen an einem Abend und danach dachte ich, ich gehe nicht mehr, da ist alles auf einen eigekommen,–ich komme ja sowieso nicht mit – dann haben sie Sachen zum Lesen mitgegeben und hat zugehört und wir konnten unsererseits Informationen geben, ob er wieder gekommen sei und sich ergänzt.
00:22:11 Sie: Ja Probleme … im Großen und Ganzen haben sie schon darüber geredet aber nur vom guten, aber Nachteile oder so … und die Bevölkerung von W.S. die haben das gar nicht mitbekommen, da hat niemand mehr davon geredet und auch aussenstehende Gemeinden die meinten, es sei nichts mehr und plötzlich ist wieder etwas gekommen, vor der Landsgemeinde ist wieder etwas «geloffen».
00:23:16 Sie: Die Gemeinde hat schon immer gesagt, wir informieren aber von der Information der Gemeinde allein, wüsste man überhaupt nichts, sozusagen.
(Gross:Schwenk auf ihn)
Er: Und die Gemeinde hat sich auch dieser Sache nicht annehmen können, die waren überfordert worden. Da hätte sich ein GR mit der ganzen Nagra-Sache befassen müssen, dann hätten sie eine Ahnung bekommen. Es ist unmöglich, nur was man hört; das ist nur die halbe Sache, was man vernimmt. Die kritischen Wolfenschiesser haben das Zeug intensiv verfolgt und diese Ware gelesen über diese Radioaktivität und haben eine Ahnung gehabt, wie stark radioaktiv dass die ganze Ware ist. Und mit dem haben wir selber ein wenig Stützen bekommen, gewusst, wo können wir hingehen, wer hilft uns und das hat uns diese Sache erleichtert. …
Wir haben gewusst, wir haben jemand, der uns doch noch hilft, als nur wir, die paar Nachbauern hier, es gibt doch noch Leute, die intelligenter sind als wir, die etwas im Kopf behalten können und referieren können an einem 0rt.
Während wir, gegen die Nagra, wir sind nur so kleine "Mändili", die machen mit uns was sie wollen, auch wenn wir noch möchten dagegenhalten, aber die sind geschult dafür, die Leute herumzunehmen und sagen wie sie es haben wollen.
… da wo es um das Abschliessen von Verträgen gegangen ist, da sind sie gekommen. Mit den Verträgen und Plänen, dann haben wir gesagt, wir unterschreiben nicht, wir wollen das der Gruppe zeigen, dann haben wir eine Ahnung, was wir mehr fordern dürfen und was nicht gut ist. Wenn wir unterschreiben und wir nicht verstehen was die Juristen schreiben in ihrer Juristensprache, sind wir schon beim ersten Mal verkauft. Da haben sie 3, 4 Verträge gebracht und bis jetzt haben wir noch keinen unterschrieben.
FMM: zu was würden die Verträge verpflichten?
00:27:03 Sie: im 87-i, im Juli ist dieses Sondiergesuch eingereicht worden. Gerade so schön auf die Sommerferien ist es gekommen. Dann konnte man Einsprachen machen, wir konnten dann noch verlängern um einen Monat, sonst wäre es gerade so schön über die Sommerferien gewesen. Da drin ist dann gestanden, was sie machen wollen und die verschiedenen Orte in Oberrickenbach, Altzellen und hier unten die Sortdierb. auf der Allmend und der Stollen auch schon, alles war schon drauf und die seismischen Messungen und dieses Zeugs. Und bei uns auf der Allmend betrifft es eben die Tiefenbohrung. … auf 15-hundert Meter hinunter wollen sie eine Tiefenbohrung machen.
Sie und Er erzählen, dass es einen Installationsplatz von ca 80 Aaren und wenn die Bohrungen abgeschlossen seien, werde es wieder rekultiviert, aber das sei eine Frage der Zeit.
00:28:59 Er: Die Bohrungen dauern etwa rund ein Jahr. …
Bohren werden sie Tag und Nacht, Samstag Sonntag und die Beleuchterei und der Bohrlärm wird man dann etwa hören und sehen.
Ja hier von unserem Haus entfernt ist es etwa 50 m, die Bohrstelle vielleicht 60 m und das wird schon einen Einfluss haben auf unser Leben, wenn man es immer ansehen muss und hört die Maschinen laufen. Hauptsächlich während der Nacht, wenn man schlafen sollte und es taghell beleuchtet ist, das wird schon ein Problem sein.
00:30:11 Sie: Einsprachen haben wir wegen dem Lärm und wegen der Strasse, dem Verkehr, hauptsächlich wegen dem Verkehr, Lastwagenverkehr, ... Kinder auf dem Schulweg müssen die Strasse überqueren etc. …
Sie: Ja, die Gemeinde hat ein Jurist angestellt und zu dem konnte man gehen. Aber es ist noch lustig, wie man das überhaupt vernommen hat. Wir sind mal mit dem Ordner, den wir von der Gruppe bekommen haben zum Nachbar hinunter gegangen, in der Oberst-Ei, der auch betroffen ist, dann haben wir ihm das gezeigt und dann hat er gesagt, dass er im August zu diesem Matter gehe, da können sie ihre Einwände und Wünsche sagen … und dieser muss dann wieder mit der Nagra verhandeln …
00:32:26 Sie: Wir haben dann den Gemeindeschreiber gefragt, ob wir auch kommen dürften, weil uns hat niemand informiert. Weil wahrscheinlich die Korporation, die Grundeigentümer eingeladen wurde. Dann sagten sie ja, dann und dann können sie kommen und dann haben wir eine Viertel-Stunde Zeit gehabt. Das war schon etwas wenig … aber es ist dann gleich länger gegangen, es hat sich alles verzögert. Wir hatten alles aufgeschrieben. Anhand von unseren Einwänden und Einsprachen haben sie das der Nagra gemeldet und dann haben sie das in die Verträge hineingenommen. Das geht über Bodenerschütterungen, Steinschlag, Verkehr und eigentlich die gleichen Sachen waren das. Dann ist es nicht lange gegangen sind die gekommen mit den Vertragsentwürfen, schon bereit zum Unterschreiben, wir hätten unterschreiben können. Wir haben gesagt, wir tun nichts unterschreiben und dann sind sie einfach 2, 3 Mal wiedergekommen und wir haben immer gesagt, bis die Bewilligung vom Bundesrat draussen ist, dass sie da überhaupt etwas machen dürfen kommt es doch nicht in Frage, dass wir – wir haben das Gefühl gehabt, die wollen die unterschriebenen Verträge dem Bundesrat vorlegen und sagen, es ist alles parat. Und sie sind immer wieder gekommen und wir haben das der Gruppe gemeldet und sie sind uns beigestanden und konnten sie so wieder etwas forthaben. Und das ist so weit gegangen, dass wo sie gemerkt haben als die von der Gruppe fort waren, sind sie nochmals retour gekommen und wollten uns noch einmal überreden und hat gesagt, dass wenn es hier einmal ein Endlager geben sollte, auf der Allmend und auf der Oberst-Ei, dass er nicht mehr sehe, dass es eine Existenz für uns gebe. Und er wolle dann schon schauen, dass wir etwas bekämen an einem anderen Ort und das hat einem so komisch … das hat dann wieder wie … der andere Jurist hat dann wieder gesagt, nein, wenn das einmal ein Endlager gibt, dann sieht man nur ein Verwaltungsgebäude am Wald unten und ihr könnt leben wie davor. Und der andere hat wieder gesagt, da wird alles überbaut und da könnt ihr nicht bleiben. Der ist auch von der Nagra.
00:35:11 Er: (im Off) Das ist ein junger Jurist, der noch nicht so lange bei der Nagra angestellt ist, der ist noch so eingelebt, der kennt die Finessen dieser Herren noch nicht so gut.
Sie: Ja das haben wir schon gedacht, wahrscheinlich wissen die schon mehr, wenn einer so redet und der andere wieder anders. Oder gefragt haben wir immer wieder: wie sieht es dann einmal aus. Ja, dass wisse er noch nicht, hat der Jurist gesagt von der Nagra. Und der andere sagt wieder so etwas. Weiss nicht ob er gemeint hat, wir sollten ihm eher vertrauen, der hilft uns sicher.
00:36:19 Er: und wo ich es einmal, – als sie das erste Mal kamen, gefragt habe, wie sieht es dann aus wenn es gut ist, wenn es das Endlager einmal geben sollte, haben sie einen fertigen Plan hervorgenommen und gesagt, hier gibt es dann noch einen zweiten Stollen, also rund 70, 80 m vom andern Stollen entfernt. Durch ein Loch wird die Ware herausgenommen und durchs andere tun wir es hineinbeigen. Und das brauchte dann noch viel mehr Land. Diese Herren sind schon viel weiter. Das ganze Endlagerprojekt ist schon schubladisiert, die müssen nur die Schublade herausziehen und das Zeug herausnehmen. Das habe ich zu ihnen gesagt und sie durften mir nicht NEIN sagen. Sie hätten schon das System von Schweden … dort sind sie glaub am fortschrittlichsten in der Tiefenlage.
00:37:16 Er: schon zweimal haben wir eine Einladung bekommen an eine Nagra-Reise zu gehen, da wo wir da verhandelt haben über die Verträge und sie so knauserig getan haben und wir gen ein paar Batzen mehr gehabt hätten für die Entschädigung, habe ich gesagt, für alles andere habt ihr Geld, für Reisen machen, wir gingen auch gerne mal auf eine Reise. Dann haben wir eine Einladung bekommen, um auf diese Nagra-Reise zu gehen. Aber ich habe gedacht, ich ginge lieber an ein anderes Ort auf Reisen, mit der Nagra gehe ich schon nicht auf Reisen. Schon zwei Mal hätten wir gehen können. Nach Belgien, Osmark und Schweden, hä?
Sie: und Frankreich.
00:38:16 Er: jaja. da ist ein "Schibel" (eine Gruppe) gegangen, vereinzelte vom GR (Gemeinderat), von der Korporation ist einer gegangen und von der Gruppe ... die Nagra tut das begrüssen, wenn möglichst viel kämen.
Sie: Ins Felslabor Grimsel hätte man auch mal gehen können, aber wir konnten nicht weg, von da ist niemand gegangen, aber es wurde gesagt, man habe nicht viel verpasst.
Er: Die Nagra versucht den Leuten näher zu kommen. Da wird rechtes Essen offeriert und ein rechtes Dessert. Das ist das, was die einen und die andern anlockt, mit dem machen sie die Leute weich. Das ist einfach nicht der richtige Umgang, geradeheraus gesagt.
Sie: Im Nov. haben wir wieder eine Einladung gehabt nach Siblingen. Dort sind wir gegangen, beide. Wir wollten mal hören, wie laut dass das tönt, wenn sie da bohren. Am Samstag haben sie nicht gebohrt, und in der 2. Gruppe am Sonntag haben wir es dann gehört. Auch wenn schon einige gesagt haben, das sei nicht so laut, nicht lauter als der Verkehr, es war immer der gleiche murrige Ton, aber wenn man das Tag und Nacht hört, wird das einem sicher auf die Nerven gehen, oder.
Er: Sie machen Erdwälle, 2,5 m hoch, aber das Bohrgerät ist ja höher und der Lärm vom Gerät geht darüber hinweg.
00:40:16 Aber hier, wo das Tal so eng ist, die Bergen so nah, da könntest du 10 m hohe Wände machen, das tönte genau gleich, denn diese Felsen geben diesen Schall zum Teil noch wieder stärker retour, als wenn er am Platz passiert.
Sie: jaja. Das sieht man schon vom Verkehr … Wenn nachts ein Auto durchfährt, das geht manchmal durch Mark und Bein. Tagsüber kann eines gleichschnell fahren, das achtet man kaum. Wenn es so ruhig ist das hört man viel besser.
Sie: Ich habe die Idee, dass sie hierhergekommen sind, weil die Regierung sie quasi eingeladen haben. Sie haben ja da nach hinten alle Berge abgeklopft, die Weissifluh, im Lauterseegebiet haben sie auch alles probiert und sie haben gesucht nach etwas, weil sie dableiben wollen.
00:42:05 Er: und der diengste haben sie dann gewählt, der W. weil sie ihn von allen Seiten anfahren können und anbohren, es gibt kein schöneres Gebiet, das ist eigentlich so der Grund, und auch nahe bei der Autobahn, nicht weit weg vom grossen Verkehr. Aber wir hätten in der CH drinnen so manches verlassenes Bergtal und Gegenden, wo weit und breit kein Mensch wohnt, wo sie das vergraben könnten. Dann müssten sie nicht in ein so schönes Tälchen kommen, wo so dicht bewohnt ist und fruchtbares Gebiet ist.
Er: Ich habe das Gefühl, diese Regierung hat nicht weit gedacht, wo sie das gemacht hat. Wenn sie sich davor mit dieser Nagrasache befasst hätten, mit dem Atom, mit dem Gift; ich weiss nicht, die hätten es sich schon noch mal überlegt, bevor sie gesagt haben, hier in NW könnte man es verlochen. So wie ich es so sehe.
Die NW-Regierung hat schon etwas gelernt, wir haben das Gefühl, dass sie die Augen eher offen haben und die Ohren und machen nicht alles was die Nagra fordert.
Das ist schon auch wieder das Positive, was man sieht.
00:44:48 Er: Als Pächter hat man eigentlich nicht viel Recht einzig für den Ertragsausfall, dass müssen sie mir vergüten … Jeder Korporationsbürger hat das Recht etwas zu sagen, wollen wir’s oder wollen wir’s nicht. Und Korporation ist hier unten die ersten gewesen, die einen Vertrag unterschrieben haben. Seit dieser Vertrag unterschrieben ist, haben alle wieder Ruhe, wo es be-trifft. Ich vermute, die Nagra wollte einmal ein Grundeigentümer haben, der unterschrieben hat, damit sie etwas in den Händen haben. Solange sie noch keinen hatten, seien sie immer wieder gekommen: ihr müsst diese Verträge unterschreiben. Jetzt wo sie einen haben, hat man Ruhe.
00:45:46 Er: (erzählt umständlich von einer Gemeindeversammlung, an der ein Vertrag kurz vorher noch abgeändert wurde, das nicht rechtes gewesen wäre.)
Sie: (erzählt die Geschichte von den 300 Franken, die sie als Bestechungsgeld empfanden, weil es die anderen Bauern auch nicht bekommen haben.
Er: wundert sich, dass die Nagra mit ihnen so ungeschickt waren wegen Mitgliedschaft bei den AkW.
00:54:40 Sie: Man macht sich schon Sorgen darum, wie das einmal später geht - und jetzt vorläufig -das geht ja einmal so lange bis das nicht mehr gefährlich ist und ich frage mich immer wieder, bis in 200, 300, 400 Jahren, weiss das noch jemand, dass dort etwas drinnen ist?
Oder da kann man jetzt denken, Sachen, die vor 400, 500 Jahren – da weiss man schon nicht mehr genau, was ist da eigentlich - was haben sie da gemacht. Vielleicht weiss man schon noch, dass etwas ist, aber keine Ahnung was? – ja das tut mich schon auch beschäftigen.
Ja ich habe die Idee, die wollen nun endlich einmal ein Loch haben, um diese Ware hineinzutun. Und ich habe einfach Angst, dass wenn sie hier mal ein Loch haben, dass sie nicht nur so schwachaktive Ware hineintun, dass einfach alles hinein-"geschtungt" wird. Weil für die hochradioaktiven Abfälle ist es ja noch viel schwieriger etwas zu finden. Und wer kontrolliert das, was da drinnen ist? Das können wir ja nicht kontrollieren! Und das kann auch der GR nicht kontrollieren. Und da habe ich die Idee, wenn da mal ein Loch ist, dass da Ware hinein kommt - das kommt dann erst mal aus in 100 in 200 Jahren, dass da noch ganz andere Ware, viel schädlichere Ware noch drinnen ist.
00:56:51 Er: ja das ist - je mehr man mit der Nagra reden kann, je mehr Erfahrung tut man von ihnen sammeln. Und so wie sie mit einem umgehen, gehen sie auch mit den radioaktiven Abfällen um. Die nehmen das nicht ernst. Der ist einfach da und der muss versorgt werden, und was dann passiert ist ihnen gleich, wichtig ist: Wir haben ihn versorgen könne. Ist ja gleich was da hinein geht. Die sind sich auch nicht bewusst, was sie da auf Generationen hinaus auf sich nehmen. Ein Normalsterblicher könnte das ja nicht verantworten.
00:57:39 Sie: Ja und wenn einmal etwas passieren sollte? Wie merkt man das? Das merkt man, wenn es schon zu spät ist.
00:57:52 Ende Rolle V 1