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"Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus" - Interview von Rayelle Niemann mit Michèle Meyer, 2019


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SignaturF 9081-012
BestandF_9081 Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus
Bestandesbeschrieb

Zwischen dem 1. November 2019 und dem 5. Januar 2020 fand in der Shedhalle Zürich die Ausstellung "Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus" statt. Die Kuratorin Rayelle Niemann thematisierte historische, medizinische, gesundheitspolitische und künstlerische Aspekte des individuellen und gesellschaftlichen Umgangs mit Hiv und Aids. Zentraler Bestandteil der Ausstellung waren 17 Interviews: Sie vermitteln Erfahrungen von Menschen, die sich beruflich seit dem Auftauchen der Krankheit mit Hiv und Aids beschäftigen und geben Einblicke ins Leben von Menschen, die seit Jahrzehnten Hiv-positiv sind oder seit ihrer Geburt mit dem Virus leben. Die Sammlung dieser 17 Videogespräche ist ein in der Schweiz bis jetzt einzigartiger Zugang zu Oral History im Zusammenhang von Hiv und Aids. Dank der Unterstützung von Memoriav, dem Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts in der Schweiz, konnte der Videobestand digitalisiert und erschlossen werden.

Zwischen dem 1. November 2019 und dem 5. Januar 2020 fand in der Shedhalle Zürich die Ausstellung "Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus" statt. Die Kuratorin Rayelle Niemann thematisierte historische, medizinische, gesundheitspolitische… — mehr...

AbstractGespräch mit Michèle Meyer, Aktivistin und Hiv Betroffene, über ihr positives Testergebnis 1994, den darauffolgenden Reaktionen und wie dieses zu ihrem jahrelangen Engagement für Betroffene führte. Meyer hat sich durch ihren damaligen, Hiv-positiven Partner angesteckt. Ihre Erfahrungen mit dem Outing, das teilweise unfreiwillig über ihren Partner erfolgte, waren durchmischt. Da zu dieser Zeit keine wirksamen Medikamente auf dem Markt waren, prognostizierten ihr Ärzte eine kurze Lebensdauer. Dies änderte sich mit der Verfügbarkeit der ersten wirksamen Medikamente 1996 schlagartig. Meyer hatte wieder eine Zukunft und fand einen Sinn in dieser unter anderem im Aktivismus. Sie fordert eine Frauengruppe in der Aids Hilfe Basel und engagiert sich bei People living with Hiv (PWA) und verschiedensten anderen Organisationen, sowohl durch Schulbesuche als auch durch radikalere politische Aktionen. Sie bespricht die aus ihrer Sicht vorhandenen Vor- und Nachteile des Swiss Statement, der PrEP (Präexpositionsprophylaxe) und der PEP (Postexpositionsprophylaxe). Ebenso kritisiert sie die Love Life Kampagne und fordert stattdessen zielgruppenunspezifische Kampagnen gegen Stigmatisierung. Ein besonderes Anliegen ist Meyer ein gerechterer globaler Zugang zu Hiv Medikamenten. Dies äussert sie sowohl im Aufnehmen von konkreten Projekten als auch in ihrem politischen Aktivismus.
Schlagwörter
  1. soziale Fragen
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. AIDS
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
Periode
  1. Neuzeit
  2. 21. Jh.
  3. 2001-2050
  4. 2011-2020
  5. 2019
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. digitale Videoaufnahme
Detailinformation

00:00:26 Gespräch mit Michèle Meyer, Aktivistin, Clown und Mutter

00:00:42 Beziehung mit Hiv-positivem Mann; Hiv Test 1994 nach Drängen der Eltern

00:01:30 Mitteilung des positiven Resultats

00:01:59 Dissonanz zwischen dem, was betroffener Partner erzählt und dem Wissen aus der Öffentlichkeit

00:03:21 Unterschiedliche Reaktionen des Umfelds; Outing durch Partner

00:03:43 Meldet sich bei Aids-Hilfe Basel um andere betroffene Frauen zu treffen; kämpft für Frauengruppe; fast ausschliesslich drogenabhängige Frauen

00:05:49 Keine guten Medikamente verfügbar; Ärzte prognostizieren kurze verbleibende Lebensdauer

00:06:54 Hohe Dosierung der ersten Medikamente; Misstrauen; unklare Zukunft auch mit ersten Medikamenten

00:07:14 Erste wirksame Medikamente ermöglichen plötzlich eine Zukunft, aber: abgebrochene Ausbildung, keine finanziellen Rücklagen, keine Pläne; grosse Unsicherheit

00:09:16 Forschung; Unsolidarische globale Verteilung der Last bei Studien zu Hiv Medikamenten

00:10:06 Erfahrung von Vorurteilen gegenüber Hiv Betroffenen

00:10:49 Findet wieder Sinn im Leben im Aktivismus

00:11:44 Politisierung durch Gründung Frauengruppe: Workshops, Theater, Podiumsdiskussionen; Bedürfnis die eigene Geschichte zu verarbeiten; Selbstbestimmung

00:13:52 Welt Aids Konferenz 1998; Sicherbarkeit der globalen Ungleichheiten; Aufnehmen eines Godmother-Projects: Zusammenbringen von Betroffenen in verschiedenen Verhältnissen

00:15:25 Mitarbeit in Vorstand People living with Hiv UNAIDS (PWA); Schwierigkeiten in Startphase führen zu Konkurs; Aids Hilfe Schweiz übernimmt einen Teil der Projekte

00:17:53 Names-Project; Nähen von Quilts als Teil der Trauerarbeit; Präsentation an Welt-Aids-Tag; Kultur der Erinnerung

00:20:00 Etablierung des Schulprojekt der PWA; Engagement bei Schulbesuche über 10 Jahre

00:21:47 Proklamation von Swiss Statement

00:23:46 Strafbarkeit von sexuellen Handlungen als Hiv Betroffener unterstreicht Wichtigkeit von Swiss Statement; Nachteile des Swiss Statement bezüglich einer Unterscheidung von «guten» und «bösen» Hiv Betroffenen

00:26:02 Reaktionen auf Swiss Statement; Aufklärung in Bevölkerung unzureichend aber bessernd

00:28:10 Schuld und Rechenschaft bei Betroffenen; Traumatisierte Gesellschaft; Aids als Schock in einer Phase der sexuellen Befreiung

00:31:25 Scheitern und Scham; internalisiertes Stigma

00:33:29 Meinung zu Love Life Kampagne; Zusammenhang von Solidarität und Prävention

00:36:00 Wunsch nach Kampagne gegen Stigmatisierung (bspw. durch Angehörige)

00:37:11 Offene Kommunikation aller Informationen; es gibt kein/e Liebe/Sex ohne Risiko; sexuell übertragbare Krankheiten

00:38:38 Kampagnen sollte nicht zielgruppenspezifisch sein; Stigmatisierung von Homosexuellen; Forschung zu Medikamenten ist zu männerspezifisch

00:40:40 Alle Hiv Betroffenen teilen sich Stigma

00:41:07 Verteidigung und Relativierung der Kosten einer Hiv Behandlung

00:42:28 PrEP und PEP als Medikalisierung der Sexualität vs. als Chance; PrEP Profiteure sind vor allem privilegierte, schwule Männer

00:44:25 Panikmache um PEP

00:45:16 Verbleibendes Engagement im Verein Positiv EV.: Organisation von Treffen für Betroffene

00:46:25 Wunsch nach politischem Hiv Aktionismus, Zugang zu Medikamenten für alle, global gerechter Medikamentenforschung, Reduktion des Stigmas

00:47:35 Performance an Hiv Konferenzen zu ungleichem globalem Medikamentenzugang; unterschiedliches Feedback auf einige Aktionen

00:51:49 Kunst/Performance als Möglichkeit auf Hiv aufmerksam zu machen

00:52:08 Mitarbeit in unterschiedlichsten Organisationen; Spagat zwischen Kompromissbereitschaft und Radikalität

00:53:22 2011 Aktion an Demonstration gegen Papst während dessen Deutschlandbesuch; «Päpste sind Mörder»

00:54:22 Ende des Gesprächs

siehe auchhttps://www.bild-video-ton.ch/bestand/signatur/F_5177
ZitationsvorschlagVideo: Urheber:in unbekannt/F 9081-012
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