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"Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus" - Interview von Rayelle Niemann mit Claudine Müller, 2019 (Name und Stimme anonymisiert)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9081-006
BestandF_9081 Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus
Bestandesbeschrieb

Zwischen dem 1. November 2019 und dem 5. Januar 2020 fand in der Shedhalle Zürich die Ausstellung "Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus" statt. Die Kuratorin Rayelle Niemann thematisierte historische, medizinische, gesundheitspolitische und künstlerische Aspekte des individuellen und gesellschaftlichen Umgangs mit Hiv und Aids. Zentraler Bestandteil der Ausstellung waren 17 Interviews: Sie vermitteln Erfahrungen von Menschen, die sich beruflich seit dem Auftauchen der Krankheit mit Hiv und Aids beschäftigen und geben Einblicke ins Leben von Menschen, die seit Jahrzehnten Hiv-positiv sind oder seit ihrer Geburt mit dem Virus leben. Die Sammlung dieser 17 Videogespräche ist ein in der Schweiz bis jetzt einzigartiger Zugang zu Oral History im Zusammenhang von Hiv und Aids. Dank der Unterstützung von Memoriav, dem Verein zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturguts in der Schweiz, konnte der Videobestand digitalisiert und erschlossen werden.

Zwischen dem 1. November 2019 und dem 5. Januar 2020 fand in der Shedhalle Zürich die Ausstellung "Problem gelöst? Geschichte(n) eines Virus" statt. Die Kuratorin Rayelle Niemann thematisierte historische, medizinische, gesundheitspolitische… — mehr...

AbstractGespräch mit der von Hiv Betroffenen Claudine Müller über ihre Krankheitsgeschichte, ihr Engagement und Aktivismus in der Szene der Betroffenen und über Kenntnisse und Aufmerksamkeit von Hiv/Aids in der Öffentlichkeit. Müller hat sich 1986 auf Anraten eines Arztes und ihres damaligen Freundes hin auf Hiv testen lassen. Das eher Fragen als Trauer aufkommende positive Testresultat – verursacht durch ungeschützten Geschlechtsverkehr – verarbeitete sie indem sie sich mit anderen Betroffenen zusammenschloss. Konkret gründete Claudine Müller, nach Inspiration durch amerikanische Vorbildorganisationen ActHiv, wo Betroffene zu Informationen und Austausch gelangen konnten. Hiv war zu dieser Zeit allerdings noch ein Todesurteil: viele Wegbegleiter verstarben früh und auch Müller behandelte ihre Infektion erst ab 1996 mit der aufkommenden Dreierkombination – zuvor bediente sie sich Chinesischer Medizin. Claudine Müller berichtet von grosser Solidarität und Aktivismus unter Betroffenen und in der Lesbischen Community zu dieser Zeit aber auch von der Abgrenzung von Organisationen wie der Aids-Hilfe Schweiz. Sie spricht ausserdem über Erfahrungen mit Ärzten, über bewusstes Leben und die Wichtigkeit des Swiss Statements, welches – damals wie heute – in der Bevölkerung aber noch zu wenig verankert sein. Müller schliesst mit Gedanken zu dem für sie gewichtigen Welt-Aids-Tag und über Trauer und die Gestaltung von Trauerfeiern.
Schlagwörter
  1. soziale Fragen
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. AIDS
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
Periode
  1. Neuzeit
  2. 21. Jh.
  3. 2001-2050
  4. 2011-2020
  5. 2019
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. digitale Videoaufnahme
Detailinformation

00:00:26 Gespräch mit Claudine Müller, Sozialarbeiterin, seit 1986 mit Hiv Infiziert

00:00:43 1986 war die Ansicht verbreitet, dass nur Schwule und Drogensüchtige Hiv haben; Hiv Test nach Anraten des Partners (Arzt); Entschluss zu Test nach einem Jahr; positives Ergebnis

00:01:48 Symptome: Nachtschweiss, geschwollene Lymphknoten

00:02:41 Mut sich zu outen kam bei vielen erst später; aus Sicherheitsgründen

00:03:28 langes Schweigen gegenüber Eltern; Wenden an Freundin; eher Fragen als Trauer

00:04:12 Freund/Arzt liess sich trennen; Diagnose: noch 2-3 Jahre zu leben

00:05:14 AIDS-Hilfe Zürich; Aufsuchen von anderen Betroffenen; Zynismus und Alkohol als Reaktion auf AIDS Schlagzeilen in den Medien; Betroffener starb an AZT-Überdosierung

00:06:50 Meidung des Universitätsspitals Zürich (USZ); gesunde Ernährung und Sport; erster Hiv-Arzt erst 1996 nach Drängen des Umfelds; davor chinesische Medizin

00:08:20 Bei Erkrankung 1996 war Dreierkombination auf dem Markt; Entschluss doch Medikamente einzunehmen; erfolgreiche Medikation ohne Nebenwirkungen

00:09:56 Positive Lebenseinstellung und Geniessen des Lebens durch Betroffenheit; Dankbarkeit; Schuldgefühle; Engagement;

00:12:13 Ansteckung durch ungeschützten Sex mit drogensüchtigen Mann

00:12:52 Aufmerksam auf Act up durch Reisen in den USA; 1989 Gründung ActHiv in der Schweiz

00:13:56 Über die Idee von ActHiv; Angebot von öffentlichen Beratungen; Makrobiotik; die beiden anderen Gründungsmitglieder starben früh; Austausch unter Betroffenen; Kontakte und Austausch mit Ärzten

00:16:23 Gründung People with AIDS (PWA); Austritt aus ActHiv; Verhältnis und Trennung zwischen Zürcher/Schweizer AIDS-Hilfe und ActHiv

00:17:46 AIDS als «Schwulen- oder Drogenkrankheit»; ActHiv auch Anlaufstelle für Schwule; Frauen in der Minderheit

00:19:35 Unterstützung durch Partnerin; Engagement der Lesbische Szene; Solidarität und Aktivismus

00:21:08 Kongress 1998; Internationaler Aktivismus; Propagierung von Medikamenten

00:22:20 Generika aus Thailand; 1997/98 Umschwung der öffentlichen Meinung durch Verfügbarkeit von Medikamenten

00:23:26 Abgrenzung gegenüber Betroffenen der AIDS-Hilfe Schweiz; Wichtigkeit der Kondom Kampagne

00:24:50 Regelmässigkeit von Arztbesuchen; Viread greift Knochendichte an; Wechsel von und Beziehungen mit Ärzten

00:28:23 Sinn des Lebens; Geniessen; bewusst älter werden; Zurückhaltung beim Reden über die Krankheit

00:30:25 Wichtigkeit von Testresultat «Nicht nachweisbar»; Neue Beziehungen und Schwierigkeit den richtigen Zeitpunkt zu finden um über Hiv zu sprechen

00:31:35 Veränderungen in öffentlichem Interesse und Engagement Betroffener; Vorurteile; Outing

00:33:16 Aufmerksamkeit von Hiv/AIDS; Überforderung durch Anzahl relevanter Ereignisse

00:34:28 Wichtigkeit von Swiss Statement; Fairplay in neuen Beziehungen

00:36:16 «Nicht nachweisbar»; Swiss Statement in Gesellschaft noch nicht verankert; Diskriminierung

00:37:29 Wunsch nach Gesundheit und guten Medikamenten; mehr Beachtung an Welt-AIDS-Tag

00:39:07 Trauerkultur; Quilts; Gestaltung von Beerdigungen; Tod als Teil des Lebens

00:42:13 Welt-AIDS-Tag; Hiv Seelsorge; Fackelumzug in Zürich; Gedenksteine beim Fraumünster; Aids & Kind

00:46:00 Ende des Gesprächs

siehe auchhttps://www.bild-video-ton.ch/bestand/signatur/F_5177
ZitationsvorschlagVideo: Urheber:in unbekannt/F 9081-006
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