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"Biografisches Interview: Walter Kreis, Oerlikon" (20.02.1981)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 9049-188
BestandF_9049 Videoladen Zürich [Video]
Bestandesbeschrieb

Das Archiv des Videoladens Zürichs umfasst rund 180 Videos, die in Zusammenarbeit mit Memoriav 2016-2018 digitalisiert wurden. Der Bestand umfasst den Zeitraum zwischen 1976 und 2002. Mit Abstand am meisten Videomaterial ist aus den frühen 1980er Jahren erhalten. Der Videoladen übernahm damals die Rolle eines Chronisten der Jugendbewegung in Zürich. Demonstrationen, Vollversammlungen, Polizeieinsätze und das Leben im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) wurden aufgenommen. Weitere Themenschwerpunkte sind diverse Häuserbesetzungen und das kulturelle Leben in der Roten Fabrik. Es handelt sich fast ausschliesslich um Rohmaterial, das für verschiedene Produktionen verwendet wurde, u.a. auch für "Züri brännt". Mit diesem Video erreichte der Videoladen 1981 ein grosses Publikum auch über die Landesgrenzen hinaus.

Das Archiv des Videoladens Zürichs umfasst rund 180 Videos, die in Zusammenarbeit mit Memoriav 2016-2018 digitalisiert wurden. Der Bestand umfasst den Zeitraum zwischen 1976 und 2002. Mit Abstand am meisten Videomaterial ist aus den frühen… — mehr...

Abstract(Zusätzliche Informationen zu Walter Kreis siehe: Brigitte Studer, "Un parti sous influence".) Ist im Tösstal aufgewachsen, in Bauma. Es waren sieben Kinder. Sein Lehrer war "en tumme Siech", ein Frömmler. Er liess etwa dreimal am Tag von der Lieblingsschülerin das Vaterunser beten. Das fand W. Kreis schon damals blöd. Der Lehrer war ein Prügel-Pädagoge. - 1916 Rekrutenschule als 19jähriger, danach zwei Jahre Aktivdienst im 1. Weltkrieg. – Eintritt in die Kommunistische Partei in Oerlikon. Hat dann viele kommunistische Publikationen gelesen, nächtelang. Die Internationale Arbeiterhilfe sammelte Geld und Kleider für Hunger leidende im Wolgagebiet. Im Kino in Oerlikon wurden russische Filme gezeigt: Panzerkreuzer Potemkin u.a. Als die Partei verboten wurde, hat man dennoch Flugblätter produziert, die er nachts in der Unterführung im Bahnhof Oerlikon verstreute, für die Arbeiter, die am nächsten Morgen zur Arbeit kamen. Wurde bei einer Kundgebung am Helvetia von der Polizei zusammengeschlagen. Das weckte ihn auf und er trat dem Arbeiterverband bei. - In der Nähe, wo er wohnte, machten sich Fröntler breit. Er schrieb darüber im "Kämpfer", dass sie doch auf den Mond ihre Nazi-Sachen machen sollen. Aber nicht in seiner Nähe. Er veranstaltete auch Konzerte in der Kirche. Dafür musste er mit dem Pfarrer verhandeln, welcher dachte, es werden revolutionäre Reden geschwungen. Kreis konnte ihn beruhigen, dass wirklich nur Konzerte stattfinden. Der Flügel wurde vom Musikhaus Jecklin gemietet. Das gesammelte Geld wurde dem IAH übergeben. Er verkaufte auch Abonnemente an der Wohnungstür für kommunistische Zeitungen und Publikationen. - Hat nach dem Militär-Dienst bei einem Dienstkollegen als Maler auf dem Bau begonnen zu arbeiten. Hat es bis zum Vorarbeiter gebracht. Wurde in den 1930er Jahren arbeitslos und musste Notstandsarbeiten verrichten, mit einem Stundenlohn von 1.20 oder 1.30 Fr. Die Wohnungen kosteten zwischen 50 und 70 Fr. - Heirat 1923. - Er wurde immer wieder von Sozialdemokraten denunziert, weil er in der KP sei. - Erzählt von der Familie und den Kindern, die in den Kriegs-Jahren sehr bescheiden leben mussten. Jahrelang dieselben Kleider tragen, wenig zu essen. Als das Kommunistenverbot in Kraft trat, eilte er mit dem Fahrrad aus dem Militärdienst nach Hause, um belastendes Material zu entsorgen. Die Kommunistische Partei traf sich ab dann zum Debattieren im Wald. Es wurden zwar keine Zeitungen, aber noch Flugblätter verteilt. - Erzählt nochmals die Geschichte, wie er zusammengeschlagen wurde, vergleicht es mit den Jugendunruhen und sagt, er habe Mitleid mit den jungen Demonstranten, die von der „Schroterei“ verprügelt werden. - Er wird nach seinem Bezug zu den Spanienkämpfern befragt. Er hatte alle gekannt, die im Krieg gefallen waren. War Leiter des Strick-Zirkels, wo Frauen Socken, Kappen und Handschuhe für die Genossen in Spanien strickten. Er war zuständig für das Unterhaltungsprogramm. - Seine Kindheit und Jugend, wo er viel verprügelt wurde, liessen ihn später Freiwilligenarbeit für das IAH und andere machen, weil er es nicht ertrug, wenn es anderen schlecht ging. Als Kommunist wurde er mit wenigen Ausnahmen kaum gequält. - Frage nach der politischen Haltung der Kinder: die Tochter hat einen Prokuristen geheiratet und da konnte man nichts mehr machen...! - Nach dem 2. Weltkrieg fand die nun nicht mehr verbotene Partei der Arbeit PdA grossen Zulauf. Als herauskam, was Stalin alles angerichtet hatte, war er sich sicher, dass er dennoch nicht aus der Partei austreten würde. Sein Vorbild war immer Lenin, der sich auch verständlich ausdrücken konnte, so dass es auch die Arbeiter verstehen konnten. Arbeiter, die einen ganzen Tag lang pickeln oder Decken anstreichen, können abends nicht mehr hochkomplexe Texte erfassen. Er selber liest alle Zeitungen, um sich umfassend zu informieren.
Früher wurden bei linken Veranstaltungen im Volkshaus Musik gespielt und Reden gehalten. Das ist heute nicht mehr so und deswegen kommen nicht mehr so viele Leute zu den Veranstaltungen. - War ungefähr in den 1950er Jahren auch in der Streikleitung. Er war sich auch für Kleinarbeiten nicht zu schade: Flugblätter verteilen. - Liest immer noch die Zeitungen bis nachts um 23:00 oder 24:00 Uhr. Macht sich über Ronald Reagan lustig. Hält ihn für ziemlich dumm. - Vor etwa 3 Jahren war er für 10 Tage in Russland. Moskau, Baku, in verschiedenen Fabriken. Er wäre gerne länger geblieben. - Sagt über seine Generation: wir haben etwas erreicht: 8-Stunden-Tag, Samstag frei, Urlaub hat man erkämpft. - Wird nach anderen Vorbildern ausser Lenin gefragt. - Höhepunkte in seinem Leben: Wenn man zusammen etwas unternommen hat. Mit zwei Flossen den Rhein runterfahren. - Den Sieg über die Nazis im 2. Weltkrieg. Worte Lenins: aus Fehlern kann man lernen. Spricht über die Bibel: Die Hälfte davon ist Schwefelzeug, aber Jesus kann man als Revoluzzer betrachten. Soziale Entwicklungen brauchen viel Zeit. Darum sei er seit 60 Jahren dabei. Hat auch im Militär "Der Kämpfer" abonniert. Hat deswegen viele Diskussionen gehabt, auch mit Offizieren, die die Zeitung auch lesen wollten. Zieht nochmals über Ronald Reagan her. Da kann ja jeder Idiot Präsident werden.
Urheber
  1. Videoladen: Zürich
Copyright
Schlagwörter
  1. politischer Rahmen
  2. politische Partei (allgemein)
  3. politische Richtung
  4. äussere Linke
  1. politischer Rahmen
  2. politisches Leben (allgemein)
  3. politische Ideologie
  4. Kommunismus
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Zürich, Kanton
  4. Zürich, Stadt
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1981
Personen
  1. Kreis, Walter (1897-1982)
Verleger
  1. Videoladen: Zürich
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. VHS
Detailinformation

00:00:00 Biographisches Interview Walter Kreis, Oerlikon

02:23:38 Ende

ZitationsvorschlagVideo: Videoladen: Zürich/F 9049-188
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