| Signatur | F 9049-187 |
| Bestand | F_9049 Videoladen Zürich [Video] |
| Bestandesbeschrieb | Das Archiv des Videoladens Zürichs umfasst rund 180 Videos, die in Zusammenarbeit mit Memoriav 2016-2018 digitalisiert wurden. Der Bestand umfasst den Zeitraum zwischen 1976 und 2002. Mit Abstand am meisten Videomaterial ist aus den frühen 1980er Jahren erhalten. Der Videoladen übernahm damals die Rolle eines Chronisten der Jugendbewegung in Zürich. Demonstrationen, Vollversammlungen, Polizeieinsätze und das Leben im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) wurden aufgenommen. Weitere Themenschwerpunkte sind diverse Häuserbesetzungen und das kulturelle Leben in der Roten Fabrik. Es handelt sich fast ausschliesslich um Rohmaterial, das für verschiedene Produktionen verwendet wurde, u.a. auch für "Züri brännt". Mit diesem Video erreichte der Videoladen 1981 ein grosses Publikum auch über die Landesgrenzen hinaus. Das Archiv des Videoladens Zürichs umfasst rund 180 Videos, die in Zusammenarbeit mit Memoriav 2016-2018 digitalisiert wurden. Der Bestand umfasst den Zeitraum zwischen 1976 und 2002. Mit Abstand am meisten Videomaterial ist aus den frühen… — mehr... |
| Abstract | Biographisches Interview mit Erwin Vogelsang (*06.12.1895). Vogelsang wurde mit 11 Jahren als Verdingkind nach Friedrichshafen gebracht. Er ist freiwillig mitgegangen, hätte von den Eltern aus nicht müssen. Kam zu einem Bauern in Berg bei Friedrichshafen. Ihm gefiel es sehr und er ging weitere zwei Jahre von April bis Oktober dort hin. Er bekam 60 DM und Kleidung als Lohn. Im dritten Jahr durfte er Kühe melken und mit Pferden auf die Weide. Das fand er sehr romantisch. Danach ging er zurück nach Hause. Man zog nach Horgen. Dort arbeitete bei der Firma Wanner in der Dreherei. Davor hat er drei Lehren angefangen. In Chur sollte er Feinmechaniker lernen. Hat auch im Kino dort gearbeitet. Er hat hinter der Leinwand mit verschiedenen Utensilien Geräusche gemacht. Die dritte Lehrstelle war in Arbon. Dort gefiel es ihm nicht und er ging nach einer Woche wieder weg und auf Wanderschaft. Bei Frauenfeld in der Nähe begann er, in einer Schraubenfabrik zu arbeiten. Dort trat er 1912 einem Gesangsverein bei. Zurück in Horgen gründete er 1919 mit anderen den Arbeiter-Gesangsverein. Davor hatte er keine Ahnung von Musik gehabt. Hat sich eine Konzert-Zither gekauft und Musik-Stunden genommen. Gründete mit vier anderen aus dem Männerchor ein Gesangsquartett. Innert eines halben Jahres waren sie bereit, öffentlich aufzutreten und hatten ziemlich Erfolg damit. Er zeigt ein altes Foto vom Jodelquartett Alperösli. Sie begannen auch, kabarettistische Einlagen zu machen. Zeigt ein Foto von sich in Zylinder im Alter von ca. 26 Jahren. Noch mit 80 trat er auf - zeigt ein zweites Bild von sich mit 80 im Zylinder. Alle Mitglieder des Jodel-Chörlis waren Fabrik-Arbeiter und kamen aus der Arbeiterbewegung. Nach dem 1. Weltkrieg war die Situation von Arbeitern sehr schlecht. Im Kampf um soziale Besserstellung wurden auch politische Lieder in den Chören gesungen. Nimmt einen Ordner mit Liedertexten und liest vor: "Empor zum Licht". Er blendet etwas zurück: 1925 kam zum Männerchor noch ein Frauenchor und er begann auch zu dirigieren. Er kaufte sich ein Klavier und nahm Klavier-Stunden, wo er auch etwas über Chor-Technik lernte. Hat einen Vize-Dirigenten-Kurs besucht. Er bekam dann auch ein Angebot aus Zug, ob er zuerst den Frauenchor und kurz darauf auch den Männerchor als Dirigent übernehmen könnte. Und auch der Chor in Richterswil wollte von ihm dirigiert werden. Im Casino in Zug fand ein grosses Konzert statt, wo er mehrere Chöre und ein Orchester dirigierte, zu Gunsten von Arbeitslosen. Das Konzert war ein grosser Erfolg. Die Idee hinter den Arbeiter-Sport- und Gesangsvereinen war, dass sich die Arbeiter auch in der Freizeit zusammenschliessen und gemeinsam für eine bessere Zukunft einstehen. Er stellte jeweils die Programme für Konzerte zusammen. Und dabei waren immer sehr viele revolutionäre Lieder. Hat mit seinen Chören auch Operetten aufgeführt, wo er mitspielte, Regie machte und dirigierte. Er bezeichnet sich als "Mädchen für alles". Er hat das alles neben der Arbeit an der Drehbank gemacht, einstudiert und umgesetzt. Er beschreibt die grosse Kollegialität, die er mit den Chören erlebte. Kleine Rückblende: Nach dem Eisenwerk bei Frauenfeld ging er in die Rekrutenschule und danach arbeitete er zehn Jahre bei Wanner in Horgen. Danach arbeitete er bei der Firma Prevo. Danach Anstellung bei Bührle, an der Revolver-Drehbank. In den 1930er Jahren [?] war man überzeugt davon, dass die Weltrevolution bald alle Länder erfassen wird. Um 1920 kam es in der SP zu einer Spaltung. Er war bei denen, die sich der Internationalen anschlossen und der Kommunistischen Partei beitraten. Trat aber bald wieder aus der Partei aus, weil ihm das als Dirigent Probleme gemacht hätte und er auch gar keine Zeit mehr für die politische Arbeit hatte. War aber 63 Jahre lang Mitglied bei der Gewerkschaft SMUV und hat sich da engagiert. Sein zweites Hobby ist das Fotografieren. Hat wiederum Kurse besucht. War zwei Wochen Wandern, hat Dias (das war damals neu) mitgebracht und seinen Kollegen gezeigt. Sie haben ihn motiviert, die Bilder auch anderswo zu zeigen. Als Mitglied bei den Naturfreunden hat er sie auch da gezeigt. Da er nicht so gut kommentieren konnte, hat er die Dia-Show musikalisch begleitet. Hat dann jedes Jahr seine Urlaubsbilder als Dia-Vorträge mit musikalischer Begleitung und gelesenen Texten, die er auf Tonband aufnahm, umgesetzt. Nach der Pensionierung hat er diese Tätigkeit noch mehr ausgeweitet. Insgesamt hat er über 700 Vorträge gehalten. Ein Kollege schlug ihm vor, dass die Stadt Zürich diese Tonbildschauen übernehmen sollte. 1967 gründete er eine Rentnergruppe. Er betreute sie organisatorisch bis vor ein paar Monaten. Man besuchte kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und unternahm Reisen. Inzwischen hat die Gruppe 220 Mitglieder (ursprünglich waren es 30). Im letzten Oktober wurde er für seine Verdienste geehrt. |
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| Copyright | Videoladen: Zürich |
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| Zitationsvorschlag | Video: Videoladen: Zürich/F 9049-187 |