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GTCP-Sitzung 18.12.1977 (Teil 6)

SignaturF 9013-022
BestandF_9013 Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Auch: Syndicat industrie et bâtiment (SIB), Sindacato dell'edilizia e dell'industria (SEI). — Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Die Verbreitung von Consumerformaten wie U-Matic, VCR und VHS machte die Aufnahme von Videos finanziell erschwinglich und technisch auch für Laien schnell erlernbar. Im Unterschied aber zur Jugendbewegung etwa, die sich in kürzester Zeit die Möglichkeiten des Mediums aneignete, sich innovativ der verschiedensten Ausdrucksformen bediente und Agitations-, Kunst- und parodistische Videos drehte, beschränkte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen in den Pionier- und Experimentierjahren auf rein Dokumentarisches: Aufnahmen existieren etwa vom Kongress der Gewerkschaft Textil Chemie Papier GTCP von 1978 in Luzern (Signatur: F 9013-025ff.), von einer Krisensitzung derselben Gewerkschaft 1977 (F 9013-019ff.) und von einer Jugendkonferenz der Gewerkschaft Bau und Holz (GBH von 1980, F 9013-031). Die Aufnahmen sind zwar laienhaft, mit Tonstörungen behaftet und manchmal kurios lückenhaft oder langatmig. Als Zeitdokumente sind sie trotzdem von Bedeutung. Gerade die Aufnahmen des GTCP-Kongresses von 1978 und der erwähnten Krisensitzung geben einen Eindruck über den Zustand einer Gewerkschaft in schwieriger Zeit: Zum einen sorgten die Absatzeinbrüche in der Textilindustrie der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre und spektakuläre Schliessungen wie die des Firestone-Werks in Pratteln 1977 zu einer Krisenstimmung. Zum andern entwickelten sich auch in der GTCP Spannungen zwischen einer eher konsensorientierten alten Garde und jungen Kräften, die die bestehenden Verhältnisse mit kämpferischer Einstellung zu verändern trachteten. Die Kongressaufnahmen sind ein konzentriertes Zeugnis dieser konjunkturell und ideologisch bestimmten Krisenstimmungen der GTPC. Als Bonus können wir auch miterleben, dass der als Festredner engagierte Bundesrat Willy Ritschard nicht nur Reden hielt, die von Wortwitz und träfen Sprüchen sprühten, sondern auch schlechtere Tage hatte... Im Verlauf der 1980er Jahre professionalisierte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen. Mit der Herstellung von Bildungs- und Imagevideos nahm die Arbeiterbewegung eine Propagandamethode wieder auf, die zwischen 1930 und 1960 bereits zu einer ansehnlichen Reihe von Gewerkschaftsfilmen geführt hatte. Hervorzuheben sind aus dieser Zeit "Treu und Glauben – 50 Jahre Friedensabkommen in der Maschinen- und Metallindustrie" von 1988 (F 9011-002, dt. und frz. Fassung) oder „Sumoteam“ von 1995 (F 9011-007), der aus gewerkschaftlicher Perspektive eine partizipativere Form der Arbeitsgestaltung in einer Textilmaschinenfabrik schildert. Kämpferische Töne – wie sie zuletzt im Filmschaffen der Arbeiterbewegung der frühen 1930er-Jahre auftauchten – liessen lange auf sich warten. Die massiven weltwirtschaftlichen Umwälzungen und die neoliberale Offensive vieler Unternehmer in den 1990er-Jahren führten zu Betriebsschliessungen, Entlassungen und Verlagerungen der Produktion in Billiglohnländer. Die Gewerkschaften reagierten darauf zum Teil mit Kampfmassnahmen und unter anderem auch damit, mit Videoproduktion für eine grössere Öffentlichkeit und mehr Verständnis für ihre Anliegen zu sorgen. Schöne Beispiele dieser Strategie sind die Videos „Zyliss – Der Streik wird salonfähig“ von 2003 (Regie: Verena Endtner im Auftrag von SMUV und GBI, F 9011-014) oder „Les bras fonctionnent, c'est la tête qui va pas!“ von 2003, eine leidenschaftliche Dokumentation des Einsatzes von Giessereiarbeitern für ihre Arbeitsplätze bei den beiden jurassischen Von Roll-Werke in Choindez und Les Rondez (F 9011-016).

Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen… — mehr...

AbstractDie GTCP steckt in der Krise. Es bestehen grosse Differenzen zwischen Gewerkschaftsführung und Basis. Die organisatorischen Probleme, Konzeptlosigkeit und vor allem fehlende Kommunikation führen zu einer grossen Unzufriedenheit. Die Basis reagiert mit Desinteresse oder sogar mit Kündigungen und Austritten. Der Gewerkschaft laufen die Mitglieder sprichwörtlich davon. In einer Sitzung soll der „Ist-Zustand“ der Gewerkschaft analysiert und Lösungsansätze diskutiert werden.
Die Diskussion bricht inhaltlich immer wieder aus, dadurch wirkt sie ziemlich verzettelt. Die Kamera ist während der gesamten Sendezeit auf Sitzungsleiter Peter Vonlanthen gerichtet.
Copyright
Schlagwörter
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  5. Sozialpartner
  6. Gewerkschaft
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Schwyz, Kanton
  4. Gersau
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1971-1980
  5. 1977
Personen
  1. Vonlanthen, Peter
Verleger
  1. Unbekannt
weitere Beteiligte
  1. Memoriav (Projektmitfinanzierung)
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. U-Matic
Sprache
  1. deutsch
Detailinformation

00:00:11 Filmbeginn; Die Filmsequenz beginnt mitten in der Diskussion; Vonlanthen erörtert zusammen mit den Anwesenden die Situation

00:03:00 Wortmeldung aus dem Plenum: Funktion und Arbeit der Gewerkschaften ist bei der Arbeiterschaft häufig unbekannt; oder sie interessiert sich nicht dafür

00:03:15 Vonlanthen: Warum interessiert sich ein z.B. ein Schichtarbeiter nicht für seine Gesundheit? Oder wieso gibt es Schwangere, die Nacharbeit verrichten?

00:00:35 Antwort: Materialismus steht heute im Vordergrund - mehr verdienen auf Kosten der Gesundheit.

00:04:00 Wortmeldung aus dem Plenum: Solange der dreijährige Vertrag (GAV?) läuft, ändert sich an der Passivität der Arbeiter nichts

00:06:45 Verschiedene Probleme der GTCP werden durch Vonlanthen zusammengefasst: GTCP und ihr Auftrag ist bei den Arbeitern unbekannt; alle profitieren, ohne sich aktiv beteiligen zu müssen; allg. Desinteresse; „Das Geschäft macht sowieso,
was es will!“

00:07:00 Vonlanthen thematisiert noch das (negative) „Kommunistenbild“ / „rote Bild“, welches den Gewerkschaften anhaftet; In der Folge kommen die Teilnehmer auf ihre GTCP-Gewerkschaftszeitung zu sprechen;

00:08:30 Vonlanthen weist ausdrücklich darauf hin, dass die Zeitung sehr wohl gelesen wird (entgegen der Meinungen von einigen Anwesenden); er erwähnt in diesem Zusammenhang auch, dass viele Berichte, die in der Zeitung abgedruckt werden, aus den Betrieben stammen;

00:09:10 Die GTCP-Zeitung wrid jedoch aber von oben angegriffen / unterdrückt. In diesem Zusammenhang nennt Vonlanthen hierzu die DDR als abschreckendes Beispiel; Vonlanthen: „Die DDR ist für mich kein Vorbild“; er fügt weiter an: „Mein Bild von Sozialismus ist nicht dasjenige der Sowjetunion“

00:09:52 Weiteres Statement von Vonlanthen: „Mein Sozialismus geht nicht auf Kosten der Freiheit“

00:10:09 Vonlanthen weist darauf hin, dass GTCP-Zeitung der Einmarsch der Sowjets in die Tschechoslowakei verurteilt wurde

00:12:58 Wortmeldung zum 1. Mai; Gewerkschaftsprobleme sind in den Hintergrund gerückt; politische Bewegungen sind tonangebend

00:13:48 Vonlanthen wirft die Frage in die Runde, warum denn nur noch so wenige Arbeiter an die Demonstration gehen würden? Antwort: Fehlende Identifikation

00:15:00 Vonlanthen spricht von fehlender Solidarität / Bewegung; 1. Mai hat seine ursprüngliche Bedeutung verloren

00:15:50 Vonlanthen bricht die Diskussion an dieser Stelle ab und geht zum nächsten Problempunkt „innergewerkschaftliche Rechte“; es existiert ein Gefühl, keine Stimme zu haben bzw. nicht gehört zu werden

00:16:20 Bei demokratischen Abstimmungen unterliegt die Chemie-Branche regelmässig der beiden anderen Textil und Papier; das führt unter den Gewerkschaftsmitglieder der Chemie zu Resignation und schliesslich zur Passivität; „Man wird nicht ernst genommen“

00:19:50 Wortmeldung: „Viele haben das Gefühl, sie können / dürfen nichts sagen“; Angst und Intoleranz hindern eine aktive Beteiligung der Mitglieder

00:22:26 Filmende


ArchivbezugGewerkschaft Bau und Industrie, Syndicat industrie et bâtiment, Sindacato dell'edilizia e dell'industria
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