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GBH - Arbeitskampf Marmor Granit 92

SignaturF 9013-009
BestandF_9013 Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI) [VIDEO]
Bestandesbeschrieb

Auch: Syndicat industrie et bâtiment (SIB), Sindacato dell'edilizia e dell'industria (SEI). — Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen Gründen bemerkenswert. Die Verbreitung von Consumerformaten wie U-Matic, VCR und VHS machte die Aufnahme von Videos finanziell erschwinglich und technisch auch für Laien schnell erlernbar. Im Unterschied aber zur Jugendbewegung etwa, die sich in kürzester Zeit die Möglichkeiten des Mediums aneignete, sich innovativ der verschiedensten Ausdrucksformen bediente und Agitations-, Kunst- und parodistische Videos drehte, beschränkte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen in den Pionier- und Experimentierjahren auf rein Dokumentarisches: Aufnahmen existieren etwa vom Kongress der Gewerkschaft Textil Chemie Papier GTCP von 1978 in Luzern (Signatur: F 9013-025ff.), von einer Krisensitzung derselben Gewerkschaft 1977 (F 9013-019ff.) und von einer Jugendkonferenz der Gewerkschaft Bau und Holz (GBH von 1980, F 9013-031). Die Aufnahmen sind zwar laienhaft, mit Tonstörungen behaftet und manchmal kurios lückenhaft oder langatmig. Als Zeitdokumente sind sie trotzdem von Bedeutung. Gerade die Aufnahmen des GTCP-Kongresses von 1978 und der erwähnten Krisensitzung geben einen Eindruck über den Zustand einer Gewerkschaft in schwieriger Zeit: Zum einen sorgten die Absatzeinbrüche in der Textilindustrie der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre und spektakuläre Schliessungen wie die des Firestone-Werks in Pratteln 1977 zu einer Krisenstimmung. Zum andern entwickelten sich auch in der GTCP Spannungen zwischen einer eher konsensorientierten alten Garde und jungen Kräften, die die bestehenden Verhältnisse mit kämpferischer Einstellung zu verändern trachteten. Die Kongressaufnahmen sind ein konzentriertes Zeugnis dieser konjunkturell und ideologisch bestimmten Krisenstimmungen der GTPC. Als Bonus können wir auch miterleben, dass der als Festredner engagierte Bundesrat Willy Ritschard nicht nur Reden hielt, die von Wortwitz und träfen Sprüchen sprühten, sondern auch schlechtere Tage hatte... Im Verlauf der 1980er Jahre professionalisierte sich das gewerkschaftliche Videoschaffen. Mit der Herstellung von Bildungs- und Imagevideos nahm die Arbeiterbewegung eine Propagandamethode wieder auf, die zwischen 1930 und 1960 bereits zu einer ansehnlichen Reihe von Gewerkschaftsfilmen geführt hatte. Hervorzuheben sind aus dieser Zeit "Treu und Glauben – 50 Jahre Friedensabkommen in der Maschinen- und Metallindustrie" von 1988 (F 9011-002, dt. und frz. Fassung) oder „Sumoteam“ von 1995 (F 9011-007), der aus gewerkschaftlicher Perspektive eine partizipativere Form der Arbeitsgestaltung in einer Textilmaschinenfabrik schildert. Kämpferische Töne – wie sie zuletzt im Filmschaffen der Arbeiterbewegung der frühen 1930er-Jahre auftauchten – liessen lange auf sich warten. Die massiven weltwirtschaftlichen Umwälzungen und die neoliberale Offensive vieler Unternehmer in den 1990er-Jahren führten zu Betriebsschliessungen, Entlassungen und Verlagerungen der Produktion in Billiglohnländer. Die Gewerkschaften reagierten darauf zum Teil mit Kampfmassnahmen und unter anderem auch damit, mit Videoproduktion für eine grössere Öffentlichkeit und mehr Verständnis für ihre Anliegen zu sorgen. Schöne Beispiele dieser Strategie sind die Videos „Zyliss – Der Streik wird salonfähig“ von 2003 (Regie: Verena Endtner im Auftrag von SMUV und GBI, F 9011-014) oder „Les bras fonctionnent, c'est la tête qui va pas!“ von 2003, eine leidenschaftliche Dokumentation des Einsatzes von Giessereiarbeitern für ihre Arbeitsplätze bei den beiden jurassischen Von Roll-Werke in Choindez und Les Rondez (F 9011-016).

Ähnlich wie andere soziale Bewegungen entdeckten die Gewerkschaften Ende der 1970er Jahre das Medium Video als Möglichkeit, die eigenen Tätigkeiten zu dokumentieren. Die Aufnahmen der Gewerkschaften GTCP, GBH, GBI und SMUV sind aus verschiedenen… — mehr...

AbstractAmateurvideoaufnahmen vom GBH Streik (6. Januar 1992) im Marmor- und Granitgewerbe. Auslöser für diesen Streik ist die Sistierung des GAV durch den Natursteinverband NVS. Die Streikenden fordern die Wiedereinsetzung des alten GAV. Nach einer Woche lenkt schliesslich der NVS ein. Die Aufnahmen entstanden in Luzern und Kriens. Der Film ist ohne Begleitkommentar.
Urheber
  1. Pfäffli, Stefan
Schlagwörter
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  5. Arbeitskampf
  6. Streik
  1. Wirtschaft
  2. Beschäftigung und Arbeit
  3. Arbeitsrecht und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  4. Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  5. Sozialpartner
  6. Gewerkschaft
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Luzern, Kanton
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1991-2000
  5. 1992
Personen
  1. Pardini, Giorgio (1958-
Verleger
  1. Unbekannt
weitere Beteiligte
  1. Memoriav (Projektmitfinanzierung)
  1. Pfaeffli, Stefan (Kamera & Bild)
Objektträger
  1. bewegtes Bild
  2. Video
  3. VHS
Sprache
  1. deutsch
  1. schweizerdeutsch
  1. italienisch
Detailinformation

00:00:10 Filmbeginn; Titel: „GBH Arbeitskampf Marmor Granit 92“;

00:00:14 Standbild Granitblock; Einblendung: „Ausbruch: 6.1.92 in Luzern 1. Tag“

00:00:22 Sitzungslokal; Streikende und Organisatoren sind versammelt, um den Ablauf des Streiks zu besprechen; Giorgio Pardini klärt die Anwesenden über den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen der GBH und dem Natursteinverband Schweiz (NVS) auf; danach folgen Instruktionen zum weiteren Verlauf; Grund für den Streik: „Es geht effektiv um die Erhaltung eines GAV in einem ganz wichtigen Gewerbe.“ Der NVS würde heute nicht mehr die Interessen der Branche, sondern die Interessen von Wirtschaftskreisen vertreten. Der Natursteinverband Schweiz hatte im Vorfeld den GAV sistiert.

00:02:50 Die Streikenden versammeln sich früh morgens in der Dunkelheit vor den Betrieben. Der Ablauf wird nochmals abgesprochen.

00:04:37 Der Unternehmer weist die Demonstrierenden vom Areal; es werden Transparente angebracht; die Streikenden warten; ein Arbeiter wird wieder heimgeschickt; Kaffee wird ausgeschenkt; der Tag bricht langsam an.

00:08:58 Einige Demonstranten haben sich vor dem Eingang zum Marmor/ Mosaik/ Granitwerk der "Vittorio Dalla Bona AG" (Kriens) aufgestellt. Zwei Streikende halten ein Transparent hoch: „VEREINT sind wir stärker als MARMOR und GRANIT“

00:09:36 Aufnahmen aus dem Streiklokal; die streikenden Arbeiter führen angeregte Diskussionen, u.a. auch mit Pardini

00:11:15 Informationsveranstaltung (Transparent: „Lohnabbau gleich Existenzabbau“): Pardini gibt das weitere Vorgehen bekannt; bestreikt werden die Firmen „Stecher“ und „Dalla Bona“; ein anderer Teil fährt nach Solothurn und Liestal; Verhaltensanweisungen auf italienisch

00:16:05 Einblendung: „Abbruch…11.1.92…7. Streiktag…“ Bis zum Ausgang der Schlichtungsverhandlungen wird der GAV wieder eingesetzt.

00:16:11 Einblendung: Teletextseite 103 auf SFDRS ist aufgeschaltet; Überschrift: „Streik im Marmor-/ Granitgewerbe beendet“. Nachrichtenmeldung zum Streikende; Der Streik ist beendet, da der alte GAV wiedereingesetzt wurde.

00:17:27 Filmende

ArchivbezugGewerkschaft Bau und Industrie, Syndicat industrie et bâtiment, Sindacato dell'edilizia e dell'industria
ZitationsvorschlagVideo: Pfäffli, Stefan/F 9013-009
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