00:00:25
Wie hat die Zusammenarbeit mit Deinen KollegInnen bei der Gewerkschaft funktioniert?
Zusammenarbeit im Regionalsekretariat Bern
Beispiel: Einschätzung zur Fusion mit anderen Gewerkschaften
Abschaffung des Titels «Geschäftsführung»
Selbstverständnis der eigenen Arbeit in Leitungsfunktion
Einbezug des Sekretariatspersonals
00:03:51
Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Vertrauensleuten?
Stellenwert der Vertrauensleute
Umgang mit Vertrauensleuten
Aus- und Weiterbildung der Vertrauensleute
00:05:39
Gab es Situationen, in denen Du nicht so gehandelt hast, wie es von Dir (seitens der Basis oder der Gewerkschaftsleitung) verlangt worden wäre?
Beispiel: «Überfremdungsinitiativen»
Auseinandersetzungen mit Basis
Versammlung bei Chocolat Tobler bei zweiter «Überfremdungsinitiative»
00:07:36
Gibt es Arbeitskämpfe, die Dir in besonderer Erinnerung geblieben sind? Wenn ja, welche Rolle hast Du in diesen gespielt?
Umstrukturierungen und Betriebsschliessungen in Branchen der VHTL
Beispiel 1: Schliessung einer kleinen Zigarrenfabrik im Emmental
zur Bedeutung des Verlusts ihrer Stelle als ArbeiterInnen in Zigarrenfabrik
Beispiel 2: Reorganisation bei Gruppe Chocolat Tobler; Verhandlungen mit Patron vor Reorganisation verglichen mit Situation nach Fusion mit Suchard und
Übernahme durch Jakobs: Neue Leute am Verhandlungstisch, nicht mehr
1980er-Jahre
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die Patrons
Übernahme durch Philip Morris: «Ausrangieren» vieler älterer Mitarbeiter
«wir konnten Pflästerli machen, aber konnten die Entwicklung nicht aufhalten»
00:19:27
Was würdest Du als grösste Niederlage oder Enttäuschung in Deiner Zeit als Gewerkschafter bezeichnen?
Chocolat Tobler: Ältere Arbeitnehmer «kamen unter die Räder»
«Man muss die Realität sehen von diesem Wirtschaftssystem»
Mitbestimmungsinitiative als Versuch, Veränderungen herbeizuführen
Arbeitgeber wurden «stets frecher»
Umgang mit Niederlagen
Unterstützung der Ehefrau – Gegenseitige Unterstützung
00:22:34
Wie würdest Du aus heutiger Sicht Deine Arbeit als Gewerkschaftsfunktionär beurteilen?
Stolz auf kleine Erfolge in Vertragsverhandlungen und Arbeit mit Vertrauensleuten
Wunsch, das Wirtschaftssystem zu verändern (Wirtschaftsdemokratie)
Globalisierung heute
Fusion der Unia
00:24:50
Denkst Du, dass Du einer bestimmten Generation von GewerkschafterInnen angehörst?
Generation «68er»
SP als M. Meyers Partei
«die anderen waren mehr Studenten und Leute mit einem anderen Hintergrund»
00:25:58
Was unterscheidet Deine Generation von anderen Generationen?
weniger hierarchisches Denken
anderes Verhältnis zum Staat und zu gesetzlichen Regelungen
Kritik an Rüstungsausfuhr
kollegialer, weniger hierarchisch
00:27:27
Und wenn Du das mit der heutigen Generation vergleichst?
Globalisierung der Wirtschaft
verkomplizierte Arbeit der GewerkschaftsfunktionärInnen
00:28:46
Inwiefern hat Dein Leben als Gewerkschaften auch Dein Privatleben beeinflusst?
Familie und Ehefrau
Unterstützung der Ehefrau
Ehefrau als Gewerkschafterin
Kindererziehung
politisches Engagement der Ehefrau
00:31:11
Gab es einen roten Faden oder einen bestimmten Leitsatz, den Du in Deiner Arbeit als Gewerkschafter verfolgt hast?
Einstieg in Gewerkschaftsarbeit, u.a. auch politische Ambitionen (Ratspolitik)
«Dasein für Mitglieder»
Zuhören
Präsenz in Betrieben
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M.Meyers Philosophie: «Bei allen politischen Unterschieden zwischen mir und Arbeitgeber [...] darf ich ihn nicht als Feind, als Klassenfeind vorführen [...]»
00:35:19
Welche Eigenschaften braucht Deines Erachtens ein Gewerkschaftsfunktionär?
Arbeit als Gewerkschaftssekretär heute komplizierter
klassische Gewerkschaftskarriere (aus Betrieb heraus) immer schwieriger
(Aus-)Bildung als Voraussetzung
politisch linke Gesinnung
Zuhören
»Mitglieder nicht als Exoten behandeln«
«Verherrlichung»/»Verklärung« des Proletariats seitens der Neuen Linken
Anstand
Verlässlichkeit
Beziehung zu ArbeitgeberInnenseite
00:40:20
Welche Qualifikationen haben bei Dir eine Rolle gespielt?
Weiterbildung trotz kurzer Schulausbildung
Ernstnehmen der Leute
Versprechen einhalten
Berufsbeiträge persönlich übergeben
Besuch in Betrieben
Arbeit als Regionalsekretär
eigentlicher Wusch, mit 55 als Regionalsekretär aufzuhören bei Gewerkschaft (frühere VHTL-Regelung)
Wunsch, eine Buchhandlung zu eröffnen
00:44:30
Gehören Deiner Meinung nach Gewerkschaftsfunktionäre zur gesellschaftlichen Elite?
Gewerkschaftssekretär heute als qualifizierter Beruf
Paul Rechsteiner als SGB-Präsident
00:46:00
In den Jahrzehnten, in denen Du für die Gewerkschaft aktiv warst haben verschiedene gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen stattgefunden. Was war Deines Erachtens zu Deiner Zeit die grösste Herausforderung für die Gewerkschaften?
Umstrukturierungen in der Wirtschaft
Krise 1974
Situation in 1980er-Jahren
Ferienregelung bei grosser Coop-Gruppe: 6 Wochen ab 50 Jahren
Verschwinden von Betrieben 1990er-Jahre
Übernahmen und Personalabbau in Brauereiindustrie in 1990er-Jahren
Kampf um Brauerei Cardinal in Fribourg
Umstrukturierungen und Fusionen im Milchsektor: Toni Molkerei, Säntis, Fusion zur Swiss Dairy Food; Kampf um Gesamtarbeitsvertrag
1970er-Jahre
1990er-Jahre
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Arbeitskampf im Milchsektor: Organisation einer Demonstration für GAV im Betrieb Bern
00:54:20
Inwiefern haben die Umbrüche und die Krise deine weitere Arbeit als Gewerkschafter beeinflusst?
Steter Wechsel der Verhandlungspartner
Sinkende Beitragseinnahmen
Weniger Möglichkeiten zur Querfinanzierung anderer Bereiche
Personalabbau beim VHTL
00:55:30
Welchen Einfluss hatte Deines Erachtens die Neue Linke auf die Gewerkschaftsbewegung?
«Aufwecken»
VHTL nicht direkt konfrontiert damit
Flugblattaktionen gegen Gewerkschaften
00:57:14
Wie beurteilst Du die Haltung Deiner Gewerkschaft gegenüber Migrantinnen und Migranten?
VHTL und «Überfremdungsinitiative»
Geschenke ausländischer Arbeitnehmer an Arbeitgeber und Bevorzugung bei Ferienregelung
1970er-Jahre
01:00:03
Wie siehst Du die Rolle der MigrantInnen in Deiner Gewerkschaft?
Finanzprobleme beim VHTL: Kein Geld für MigrationssekretärInnen
Zusammenarbeit und «Solidarität» unter Kollegen aus anderen Gewerkschaften
Neue Generation von Gewerkschaftern: «Solidarität begann zu bröckeln»
Machtposition der neuen Gewerkschaftsgeneration
01:01:45
Wie war der Organisationsgrad der migrantischen Arbeitskräfte in Deinen Brachen?
Organisationsgrad in Lebensmittel- und Genussmittelindustrie
Rassismus-Kritik seitens italienischer Gewerkschaftsmitglieder
Grosse Mitgliedereinbussen ab Ende 1960er-Jahre
(Schlechte) Repräsentation migrantischer Arbeitskräfte in Betriebskommissionen
Organisation von Migrantinnen in der Lebensmittelindustrie
Keine speziellen Förderinstrumente für migrantische Mitglieder
Ende 1960er-Jahre
01:06:54
Wie beurteilst Du die Haltung der VHTL gegenüber den Frauen?
erste Frauenkommission in der Schweiz
Maria Zaugg-Alt: Zuständige für Frauenarbeit
Mühen der alten Gewerkschaftsgeneration
Rita Gassmann
Vertretung der Frauen in diversen Gremien
Kritik seitens der Frauen
01:09:47
Worin siehst Du die wichtigste(n) Aufgabe(n) der Gewerkschaften heute?
Einsatz für Mitglieder in Wirtschaft und Gesellschaft
Gesamtarbeitsverträge ausbauen
Engagement für Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft
Zusammenarbeit mit Parteien
Mitbestimmungsinitiative
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Politische Kräfteverhältnisse heute
Motto: «Steter Tropfen höhlt den Stein»
01:12:48
Woran lässt sich der Erfolg einer Gewerkschaft messen?
Starker Fokus auf Mitgliederzahl und Neuaufnahmen
Konkurrenzhaltung der Gewerkschaften
Geschönte Mitgliederzahlen?
Betreuung der Mitglieder
Transparenz und Zuverlässigkeit
01:15:09
Inwiefern hat sich die Funktion der Gewerkschaften in den vergangenen 30 bis 40 Jahren verändert?
Immer mehr Branchen zu betreuen (personeller Aufwand)
Neue Berufe dazugekommen
«neoliberale Welle» führte zu Unübersichtlichkeit
gesellschaftliche Rolle der Gewerkschaft heute
Arbeit für GewerkschafterInnen heute komplexer
01:17:43
Heute ist viel von Demokratisierung der Gewerkschaften die Rede – was ist darunter zu verstehen?
VHTL und Demokratisierung
Zur Forderung nach mehr Mitsprache in Leitungsgremien
«es wird immer einen Unterschied geben zwischen dem Profi und dem, der im Betrieb arbeitet»
Beispiel: Vize-Präsidentin des VHTL Schweiz
Demokratisierung in Berufsfragen versus Demokratisierung im «Gewerkschafts-Management»
01:20:35
Du hast die Fusion vom VHTL zur Unia mitgetragen. Du meintest zuvor, dies sei die «zweitbeste Lösung» gewesen. Kannst Du dies etwas ausführen? Auch den Weg hin zur Fusion?
Auseinandersetzungen zwischen SMUV und GBH in 1990er-Jahren:
Fusion zwischen GBH und GTCP zur Industriegewerkschaft GBI
Gespräche zwischen VHTL und SMUV
Christiane Brunner neue Präsidentin des SMUV
Zusammenspannen SMUV und GBI
SGB-Versuche, Gewerkschaftslandschaft zu reformieren
Ko-Präsidium SMUV und GBI im SGB
«Grossangriff auf VHTL» seitens SMUV und GBI
Enttäuschung und Wut seitens VHTL-VertreterInnen
Interne Auseinandersetzungen im VHTL
Übernahme des Zentralsekretariats und Vize-Präsidiums von M. Meyer
Rita Gassmanns Wille den Schweizerischen Kaufmännischen Verband zu gewinnen
Beatrice Alder als Zentralpräsidentin
Meyer übernimmt bei Krankheitsausfall von Beatrice Alder
Weg des VHTL zur Unia (über Gewerkschaftshaus)
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Wenige Rücktritte bei Fusion
Versäumnis des SGB gemeinsame Pensions-, Arbeitslosen- und Krankenkassen für alle durchzubringen
Positive Auffassung von Fusion, dennoch:
«Beigeschmack», Enttäuschung geblieben, «Solidarität verlorengegangen», «Machtgehabe»
01:34:29
Was wäre denn die beste Lösung gewesen Deiner Meinung nach?
Reformen innerhalb des Gewerkschaftsbundes
Unia als «zweiter Gewerkschaftsbund»
Aufteilung innerhalb des SGB nach Branchen
Vorstösse innerhalb des SGB (Arbeitsgruppen und Reformkonferenz) in 1970er-Jahren
Rolle von GBI und SMUV in diesem Prozess
1970er-Jahre
01:36:38
Weshalb denkst Du ist es denn zu dieser Zweitbesten Lösung gekommen? Weshalb wurde eine solche Fusion angestrebt?
Angst vor Verlust der Selbständigkeit der Verbände
Unia «als monopolitische Organisation»
Zur Unia innerhalb des SGB
01:39:27
Wie würdest Du den Schritt der Fusion zur Unia heute beurteilen?
«Zweitbeste Lösung»
«einzig realisierbare Lösung»
Stolz auf Vertrauensleutebasis die der VHTL, in Unia brachte
Soziale Anlässe der ehemaligen ZV-Mitglieder
Beurteilung der Arbeit der Unia heute
Hoffnung, dass SGB nicht an Stellenwert verliert
01:42:07
Was würdest Du heutigen GewerkschafterInnen raten?
Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den Mitgliedern
Zuhören und Ernstnehmen
«Bildungsarbeit als permanente Arbeit» anschauen
«nicht mit hochtrabenden, akademischen Programmen»