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Interview mit Martin Meyer vom 11.04.2015 (Nicole Peter), Teil 2/2; (weitere Unterlagen sind vorhanden: Inhaltsverzeichnis des Interviews [PDF] und Fotos der Interviewten - kontakt@sozialarchiv.ch) Das gesamte Interview ist im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs abrufbar.


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1021-206B_preview
BestandF_1021 Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen erzählen - UNIA Oral History Projekt [TON]
Bestandesbeschrieb

Die Gewerkschaft UNIA hat 2013 das Projekt "Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen erzählen" lanciert. Serie 1 (entstanden 2013) umfasst 16 Interviews, Serie 2 (entstanden 2015) umfasst 8 Interviews, Serie 3 (entstanden 2016/2017) umfasst 17 Interviews. Die ausführlichen Gespräche geben Auskunft über Herkunft, politische Sozialisierung und die praktische Gewerkschaftsarbeit. Ebenfalls diesem Bestand zugeordnet sind 6 Interviews, die Rita Schiavi 1982 und 1983 mit wichtigen Gewerkschaftsexponenten geführt hat, und das Interview, das Fredi Lerch 2011-2012 quasi als Pilot mit Roland Roost geführt hat. - Online sind aus vertraglichen Gründen nur kurze Ausschnitte zugänglich. Die Interviews können aber im Lesesaal des Schweizerischen Sozialarchivs konsultiert werden. Für publizistische Zwecke (Ausstrahlung - auch nur von Teilen des Gesprächs - in elektronischen Medien, Verbreitung von Tonträgern, Publikation von Transkriptionen etc.) ist die Einwilligung der interviewten Person einzuholen. Übersicht über die interviewten Personen: Serie 1 (16 Interviews): Yolanda Cadalbert, Henri Chanson, Heinz Dreyer, Rita Gassmann, Fernando Gianferrari; Marijan Gruden, Peter Küng, Dario Marioli, Peter Nabolz, Josiane Pasquier, Fritz Reimann, Roland Roost, Pierre Schmid , Vincenzo Sisto, Gilbert Tschumi , Max Zuberbühler. Serie 2 (9 Interviews): Christiane Brunner, Bruno Cannellotto, François Favre, Ruth Jäggi Ernst Jordi, Raffaelle Maffei, Martin Meyer, Hans Schäppi, Claude Vaucher. Serie 3 (17 Interviews): Renzo Ambrosetti, Peter Baumann, Manuel Beja, Franz Cahannes, Antonio de Bastiani, Daniel Heizmann, Francine Humbert-Droz, Bernd Körner, Fabienne Kühn, Beda Moor, Alfiero Nicolini, Vasco Pedrina, Andreas Rieger, Jacques Robert, Rita Schiavi, Fabio Tarchini, Vreny Vogt. Interviews von Rita Schiavi aus den 1980er Jahren (7 Interviews): Eduard Blank, Männi Gloor, Elsi Hasler, Walter Kobi, Elsi Hasler, Traugott Hasslauer, Ewald Käser. Interview von Fredi Lerch, 2011-2012 (1 Interview): Roland Roost.

Die Gewerkschaft UNIA hat 2013 das Projekt "Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen erzählen" lanciert. Serie 1 (entstanden 2013) umfasst 16 Interviews, Serie 2 (entstanden 2015) umfasst 8 Interviews, Serie 3 (entstanden 2016/2017) umfasst 17… — mehr...

Serientitel
  1. Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen erzählen - UNIA Oral History Projekt
Urheber
  1. Gewerkschaft UNIA
Copyright
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
Personen
  1. Meyer, Martin (1947-
Objektträger
  1. Tonaufnahme
  2. digitale Tonaufnahme
  3. MP3
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation

00:00:25
Wie hat die Zusammenarbeit mit Deinen KollegInnen bei der Gewerkschaft funktioniert?
 Zusammenarbeit im Regionalsekretariat Bern
 Beispiel: Einschätzung zur Fusion mit anderen Gewerkschaften
 Abschaffung des Titels «Geschäftsführung»
 Selbstverständnis der eigenen Arbeit in Leitungsfunktion
 Einbezug des Sekretariatspersonals

00:03:51
Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Vertrauensleuten?
 Stellenwert der Vertrauensleute
 Umgang mit Vertrauensleuten
 Aus- und Weiterbildung der Vertrauensleute

00:05:39
Gab es Situationen, in denen Du nicht so gehandelt hast, wie es von Dir (seitens der Basis oder der Gewerkschaftsleitung) verlangt worden wäre?
 Beispiel: «Überfremdungsinitiativen»
 Auseinandersetzungen mit Basis
 Versammlung bei Chocolat Tobler bei zweiter «Überfremdungsinitiative»

00:07:36
Gibt es Arbeitskämpfe, die Dir in besonderer Erinnerung geblieben sind? Wenn ja, welche Rolle hast Du in diesen gespielt?
 Umstrukturierungen und Betriebsschliessungen in Branchen der VHTL
 Beispiel 1: Schliessung einer kleinen Zigarrenfabrik im Emmental
 zur Bedeutung des Verlusts ihrer Stelle als ArbeiterInnen in Zigarrenfabrik
 Beispiel 2: Reorganisation bei Gruppe Chocolat Tobler; Verhandlungen mit Patron vor Reorganisation verglichen mit Situation nach Fusion mit Suchard und
 Übernahme durch Jakobs: Neue Leute am Verhandlungstisch, nicht mehr
1980er-Jahre
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die Patrons
 Übernahme durch Philip Morris: «Ausrangieren» vieler älterer Mitarbeiter
 «wir konnten Pflästerli machen, aber konnten die Entwicklung nicht aufhalten»

00:19:27
Was würdest Du als grösste Niederlage oder Enttäuschung in Deiner Zeit als Gewerkschafter bezeichnen?
 Chocolat Tobler: Ältere Arbeitnehmer «kamen unter die Räder»
 «Man muss die Realität sehen von diesem Wirtschaftssystem»
 Mitbestimmungsinitiative als Versuch, Veränderungen herbeizuführen
 Arbeitgeber wurden «stets frecher»
 Umgang mit Niederlagen
 Unterstützung der Ehefrau – Gegenseitige Unterstützung

00:22:34
Wie würdest Du aus heutiger Sicht Deine Arbeit als Gewerkschaftsfunktionär beurteilen?
 Stolz auf kleine Erfolge in Vertragsverhandlungen und Arbeit mit Vertrauensleuten
 Wunsch, das Wirtschaftssystem zu verändern (Wirtschaftsdemokratie)
 Globalisierung heute
 Fusion der Unia

00:24:50
Denkst Du, dass Du einer bestimmten Generation von GewerkschafterInnen angehörst?
 Generation «68er»
 SP als M. Meyers Partei
 «die anderen waren mehr Studenten und Leute mit einem anderen Hintergrund»

00:25:58
Was unterscheidet Deine Generation von anderen Generationen?
 weniger hierarchisches Denken
 anderes Verhältnis zum Staat und zu gesetzlichen Regelungen
 Kritik an Rüstungsausfuhr
 kollegialer, weniger hierarchisch

00:27:27
Und wenn Du das mit der heutigen Generation vergleichst?
 Globalisierung der Wirtschaft
 verkomplizierte Arbeit der GewerkschaftsfunktionärInnen

00:28:46
Inwiefern hat Dein Leben als Gewerkschaften auch Dein Privatleben beeinflusst?
 Familie und Ehefrau
 Unterstützung der Ehefrau
 Ehefrau als Gewerkschafterin
 Kindererziehung
 politisches Engagement der Ehefrau

00:31:11
Gab es einen roten Faden oder einen bestimmten Leitsatz, den Du in Deiner Arbeit als Gewerkschafter verfolgt hast?
 Einstieg in Gewerkschaftsarbeit, u.a. auch politische Ambitionen (Ratspolitik)
 «Dasein für Mitglieder»
 Zuhören
 Präsenz in Betrieben
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 M.Meyers Philosophie: «Bei allen politischen Unterschieden zwischen mir und Arbeitgeber [...] darf ich ihn nicht als Feind, als Klassenfeind vorführen [...]»

00:35:19
Welche Eigenschaften braucht Deines Erachtens ein Gewerkschaftsfunktionär?
 Arbeit als Gewerkschaftssekretär heute komplizierter
 klassische Gewerkschaftskarriere (aus Betrieb heraus) immer schwieriger
 (Aus-)Bildung als Voraussetzung
 politisch linke Gesinnung
 Zuhören
 »Mitglieder nicht als Exoten behandeln«
 «Verherrlichung»/»Verklärung« des Proletariats seitens der Neuen Linken
 Anstand
 Verlässlichkeit
 Beziehung zu ArbeitgeberInnenseite

00:40:20
Welche Qualifikationen haben bei Dir eine Rolle gespielt?
 Weiterbildung trotz kurzer Schulausbildung
 Ernstnehmen der Leute
 Versprechen einhalten
 Berufsbeiträge persönlich übergeben
 Besuch in Betrieben
 Arbeit als Regionalsekretär
 eigentlicher Wusch, mit 55 als Regionalsekretär aufzuhören bei Gewerkschaft (frühere VHTL-Regelung)
 Wunsch, eine Buchhandlung zu eröffnen

00:44:30
Gehören Deiner Meinung nach Gewerkschaftsfunktionäre zur gesellschaftlichen Elite?
 Gewerkschaftssekretär heute als qualifizierter Beruf
 Paul Rechsteiner als SGB-Präsident

00:46:00
In den Jahrzehnten, in denen Du für die Gewerkschaft aktiv warst haben verschiedene gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen stattgefunden. Was war Deines Erachtens zu Deiner Zeit die grösste Herausforderung für die Gewerkschaften?
 Umstrukturierungen in der Wirtschaft
 Krise 1974
 Situation in 1980er-Jahren
 Ferienregelung bei grosser Coop-Gruppe: 6 Wochen ab 50 Jahren
 Verschwinden von Betrieben 1990er-Jahre
 Übernahmen und Personalabbau in Brauereiindustrie in 1990er-Jahren
 Kampf um Brauerei Cardinal in Fribourg
 Umstrukturierungen und Fusionen im Milchsektor: Toni Molkerei, Säntis, Fusion zur Swiss Dairy Food; Kampf um Gesamtarbeitsvertrag
1970er-Jahre
1990er-Jahre
Seite 4 von 6
 Arbeitskampf im Milchsektor: Organisation einer Demonstration für GAV im Betrieb Bern

00:54:20
Inwiefern haben die Umbrüche und die Krise deine weitere Arbeit als Gewerkschafter beeinflusst?
 Steter Wechsel der Verhandlungspartner
 Sinkende Beitragseinnahmen
 Weniger Möglichkeiten zur Querfinanzierung anderer Bereiche
 Personalabbau beim VHTL

00:55:30
Welchen Einfluss hatte Deines Erachtens die Neue Linke auf die Gewerkschaftsbewegung?
 «Aufwecken»
 VHTL nicht direkt konfrontiert damit
 Flugblattaktionen gegen Gewerkschaften

00:57:14
Wie beurteilst Du die Haltung Deiner Gewerkschaft gegenüber Migrantinnen und Migranten?
 VHTL und «Überfremdungsinitiative»
 Geschenke ausländischer Arbeitnehmer an Arbeitgeber und Bevorzugung bei Ferienregelung
1970er-Jahre

01:00:03
Wie siehst Du die Rolle der MigrantInnen in Deiner Gewerkschaft?
 Finanzprobleme beim VHTL: Kein Geld für MigrationssekretärInnen
 Zusammenarbeit und «Solidarität» unter Kollegen aus anderen Gewerkschaften
 Neue Generation von Gewerkschaftern: «Solidarität begann zu bröckeln»
 Machtposition der neuen Gewerkschaftsgeneration

01:01:45
Wie war der Organisationsgrad der migrantischen Arbeitskräfte in Deinen Brachen?
 Organisationsgrad in Lebensmittel- und Genussmittelindustrie
 Rassismus-Kritik seitens italienischer Gewerkschaftsmitglieder
 Grosse Mitgliedereinbussen ab Ende 1960er-Jahre
 (Schlechte) Repräsentation migrantischer Arbeitskräfte in Betriebskommissionen
 Organisation von Migrantinnen in der Lebensmittelindustrie
 Keine speziellen Förderinstrumente für migrantische Mitglieder
Ende 1960er-Jahre

01:06:54
Wie beurteilst Du die Haltung der VHTL gegenüber den Frauen?
 erste Frauenkommission in der Schweiz
 Maria Zaugg-Alt: Zuständige für Frauenarbeit
 Mühen der alten Gewerkschaftsgeneration
 Rita Gassmann
 Vertretung der Frauen in diversen Gremien
 Kritik seitens der Frauen

01:09:47
Worin siehst Du die wichtigste(n) Aufgabe(n) der Gewerkschaften heute?
 Einsatz für Mitglieder in Wirtschaft und Gesellschaft
 Gesamtarbeitsverträge ausbauen
 Engagement für Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft
 Zusammenarbeit mit Parteien
 Mitbestimmungsinitiative
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 Politische Kräfteverhältnisse heute
 Motto: «Steter Tropfen höhlt den Stein»

01:12:48
Woran lässt sich der Erfolg einer Gewerkschaft messen?
 Starker Fokus auf Mitgliederzahl und Neuaufnahmen
 Konkurrenzhaltung der Gewerkschaften
 Geschönte Mitgliederzahlen?
 Betreuung der Mitglieder
 Transparenz und Zuverlässigkeit

01:15:09
Inwiefern hat sich die Funktion der Gewerkschaften in den vergangenen 30 bis 40 Jahren verändert?
 Immer mehr Branchen zu betreuen (personeller Aufwand)
 Neue Berufe dazugekommen
 «neoliberale Welle» führte zu Unübersichtlichkeit
 gesellschaftliche Rolle der Gewerkschaft heute
 Arbeit für GewerkschafterInnen heute komplexer

01:17:43
Heute ist viel von Demokratisierung der Gewerkschaften die Rede – was ist darunter zu verstehen?
 VHTL und Demokratisierung
 Zur Forderung nach mehr Mitsprache in Leitungsgremien
 «es wird immer einen Unterschied geben zwischen dem Profi und dem, der im Betrieb arbeitet»
 Beispiel: Vize-Präsidentin des VHTL Schweiz
 Demokratisierung in Berufsfragen versus Demokratisierung im «Gewerkschafts-Management»

01:20:35
Du hast die Fusion vom VHTL zur Unia mitgetragen. Du meintest zuvor, dies sei die «zweitbeste Lösung» gewesen. Kannst Du dies etwas ausführen? Auch den Weg hin zur Fusion?
 Auseinandersetzungen zwischen SMUV und GBH in 1990er-Jahren:
Fusion zwischen GBH und GTCP zur Industriegewerkschaft GBI
 Gespräche zwischen VHTL und SMUV
 Christiane Brunner neue Präsidentin des SMUV
 Zusammenspannen SMUV und GBI
 SGB-Versuche, Gewerkschaftslandschaft zu reformieren
 Ko-Präsidium SMUV und GBI im SGB
 «Grossangriff auf VHTL» seitens SMUV und GBI
 Enttäuschung und Wut seitens VHTL-VertreterInnen
 Interne Auseinandersetzungen im VHTL
 Übernahme des Zentralsekretariats und Vize-Präsidiums von M. Meyer
 Rita Gassmanns Wille den Schweizerischen Kaufmännischen Verband zu gewinnen
 Beatrice Alder als Zentralpräsidentin
 Meyer übernimmt bei Krankheitsausfall von Beatrice Alder
 Weg des VHTL zur Unia (über Gewerkschaftshaus)
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 Wenige Rücktritte bei Fusion
 Versäumnis des SGB gemeinsame Pensions-, Arbeitslosen- und Krankenkassen für alle durchzubringen
 Positive Auffassung von Fusion, dennoch:
 «Beigeschmack», Enttäuschung geblieben, «Solidarität verlorengegangen», «Machtgehabe»

01:34:29
Was wäre denn die beste Lösung gewesen Deiner Meinung nach?
 Reformen innerhalb des Gewerkschaftsbundes
 Unia als «zweiter Gewerkschaftsbund»
 Aufteilung innerhalb des SGB nach Branchen
 Vorstösse innerhalb des SGB (Arbeitsgruppen und Reformkonferenz) in 1970er-Jahren
 Rolle von GBI und SMUV in diesem Prozess
1970er-Jahre

01:36:38
Weshalb denkst Du ist es denn zu dieser Zweitbesten Lösung gekommen? Weshalb wurde eine solche Fusion angestrebt?
 Angst vor Verlust der Selbständigkeit der Verbände
 Unia «als monopolitische Organisation»
 Zur Unia innerhalb des SGB

01:39:27
Wie würdest Du den Schritt der Fusion zur Unia heute beurteilen?
 «Zweitbeste Lösung»
 «einzig realisierbare Lösung»
 Stolz auf Vertrauensleutebasis die der VHTL, in Unia brachte
 Soziale Anlässe der ehemaligen ZV-Mitglieder
 Beurteilung der Arbeit der Unia heute
 Hoffnung, dass SGB nicht an Stellenwert verliert

01:42:07
Was würdest Du heutigen GewerkschafterInnen raten?
 Ehrlichkeit und Offenheit gegenüber den Mitgliedern
 Zuhören und Ernstnehmen
 «Bildungsarbeit als permanente Arbeit» anschauen
 «nicht mit hochtrabenden, akademischen Programmen»

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