00:00:15
Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit Deinen Kolleginnen und Kollegen in der Gewerkschaft?
Kurse für GTCP Vertrauensleute und AK-Leute
Beitritt zur Gewerkschaft
Beziehungen zu Vertrauensleuten
monatliche Sitzungen mit Vertrauensleuten und Vorstand
Konflikte zwischen technischen Angestellten (darunter POCH-Mitglieder) und Arbeiterkommissionen
Ewald Käser
GTCP als kleine Gewerkschaft; egalitäre Strukturen und Löhne
GTCP innerhalb des SGB («eingeschworene Gemeinschaft»)
00:05:00
Weshalb war Ewald Käser eine wichtige Figur für Dich?
Tradition der Chemie-Gewerkschaft seit 2. Weltkrieg:
Mobilisierung der Chemie-ArbeiterInnen während des 2. Weltkrieges,
erster GAV in der Industrie (Ablehnung des Friedensabkommens)
GTCP und politische Ämter
Basisorganisation
Abneigung gegenüber SP-Politik
Ewald Käser als Vorbild
00:07:28
War dies auch der Grund, das Angebot der GTCP anzunehmen und für die GTCP tätig zu werden?
Klima innerhalb der GTCP...
...im Vergleich zum Vpod
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00:08:41
Gab es in Deiner Zeit als Gewerkschaftsfunktionär Situationen, in denen Du anders gehandelt hast wie es von Dir erwartet wurde?
Zuwachs jüngerer Gewerkschaftsmitglieder: Verena Bürcher, Rita Schiavi
Konflikte und Diskussionen im Zentralvorstand
Diskussionskultur in der GTCP
keine Intellektuellenfeindlichkeit
00:11:06
Gibt es Arbeitskämpfe, die Dir in besonderer Erinnerung geblieben sind? Wenn ja, was war Deine Rolle darin?
Erste Vertragsverhandlung Schäppis als Gewerkschaftspräsident:
Kampf um Teuerungsausgleich (Demonstration, Diskussionen um Streikmöglichkeit)
Ergebnisse aus Arbeitskampf: Teuerungsausgleich bei Krisenzeiten Verhandlungssache plus punktuelle Aufhebung der Friedensplicht, sofern keine Einigung gefunden werde (Entscheid gegen Schiedsgericht)
Ergebnis führte auch innerhalb der Gewerkschaft zu Spannungen
Erfahrung aus IG Chemie (Deutschland) 1971: Arbeitskampf, der zu neuer Gewerkschaftspolitik führte («Rechtswende»)
Arbeitskämpfe in der Westschweiz
Auseinandersetzungen mit Gasser (Textil): Streik und Betriebsschliessung in Kollbrunn (Spinnerei Bühler), ZH
Streik in Murg (Textilindustrie)
Kampf um Verbot der Frauennachtarbeit in der Textilindustrie
geringe Streikaktivitäten in der Schweiz in 1980er-Jahren; Kollbrunn als einer der längsten Streiks nach dem 2. Weltkrieg
Überlegungen der GTCP zu Betriebsbesetzung und -übernahmen bei Spinnerei Bühler (Kollbrunn), Firestone (Pratteln), Stöckli
1983/84
1970er
1980er
00:21:08
Wie lief die Zusammenarbeit mit der Romandie und dem Tessin?
Tessin: v.a. Bekleidungsindustrie, GTCP «nicht sehr stark» in Bekleidungsindustrie
Westschweiz: verschiedene grosse Chemiebetriebe
gute Kontaktpflege zur Romandie, keine Spannungen zwischen Deutsch- und Westschweiz bei GTCP
(«im Gegensatz zur GBI)
Verhältnis der Mitgliederstärke Deutsch-/Westschweiz
Rolle der Romands im Zentralvorstand
00:24:35
Gibt es Enttäuschungen / Niederlagen, an die Du Dich erinnerst?
Versuch des Verbandes der Basler Chemieindustriellen zur Einführung des dreistufigen Verhandlungsmodells (wie Maschinenindustrie)....
...während Industrielle gleichzeitig (geheime) Verhandlungen zur Fusion zwischen Ciba und Sandoz zu Novartis führten
1996
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Dreistufenmodell von Industriellen durchgesetzt
Bedeutung des Dreistufenmodells für ArbeitnehmerInnen und Gewerkschaft
Reaktionen der Medien auf diese «Niederlage» in der Chemie
Rücktrittsgedanken und Diskussionen
Novartis-Fusion und Restrukturierungen in der Chemiebranche
Aufbau neuer Vertrauensleutekörper und Betriebskommissionen
Fusionen und Restrukturierungen «ein Anlass, um Gewerkschaften zu schwächen»
Ende 1990er-Jahre als «schwierige Zeit»
Ende 1990er-Jahre
00:33:04
Was hätte ein Rücktritt bedeutet?
«Chemiefreundlichere Politik» der Nachfolger
Aufrechterhalten der «härteren Linie»
Ende 1990er-Jahre
00:33:57
Wie würdest Du aus heutiger Sicht Deine Arbeit als Gewerkschaftsfunktionär beurteilen?
Mühe um Organisation der Angestellten
GAV-ArbeiterInnen vs. Angestellte
«neuralgischer Punkt, die Achillesferse in der Chemie»
steter Bedeutungsverlust der Chemiegewerkschaften nach 2. Weltkrieg
Erinnerung an Begegnung mit einem Schüler in Gewerkschaftsbüro
Problemlage heute in der Schweizer Gewerkschaftslandschaft
Vergleich mit Deutschland, wo politische Polarisierung unter den Gewerkschaften stärker war
Ende 1970er-Jahre
00:39:20
Weshalb ist es der GTCP nicht gelungen, die Angestellten in der Chemie zu gewinnen?
Fördern der Haus- (und später der Berufsverbände) seitens der Chemieindustriellen «bewusste Politik der Industriellen, zu spalten»
Einheits-GAV daher bei Industriellen keine Chance
Angestelltenverbände als «Instrument» der Industriellen
Einschüchterung und Entlassungen von organisierten Angestellten seitens der Industriellen
Politische Einstellung der Angestellten für Organisation wichtig
00:42:34
Denkst Du, dass Du einer bestimmten Generation von GewerkschafterInnen angehörst?
1968er-Generation
Ziele: «Gewerkschaften zu verändern»: Weg von Sozialpartnerschaft, «kampffähiger werden», «Gewerkschaft als soziale Bewegung», «Strukturen zu verändern»
Selbsteinschätzung zu Ziel und getaner Arbeit
Fusion GBH und GTCP zu GBI
Zusammenarbeit unter linken Gewerkschaftern
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Was unterscheidet Deine Generation von jener vor – bzw. jener nach Euch?
Sozialpartnerschaft; Verhandlungspolitik
Partei- und gewerkschaftspolitische Lage um 1968
linke Gewerkschaftssekretäre von damals (Ewald Käser, Ezio Canonica, Wullschleger, Schiwow, Walter Renschler)
Vergleich der Arbeit der alten Generation mit jener von Schäppis Generation
00:48:30
Inwiefern hat Dein Leben als Gewerkschafter auch Dein Privatleben beeinflusst?
«nicht irgendein Job»
Engagement
Partnerin Rita Schiavi ebenfalls Gewerkschafterin
00:50:25
Gab es einen roten Faden/Leitsatz in Deiner Arbeit als Gewerkschafter?
Raus aus der «Junior-Rolle» (Sozialpartnerschaft)
Gewerkschaft als «kampffähige Organisation», «soziale Bewegung» statt «bürokratischer Apparat»
Zusammenarbeit mit Vertrauensleuten, mit Basis
gewerkschaftliche Strukturen verändern; «Kräfte bündeln»
Betreuungsstruktur verbessern
Fusion mit GBH
Verbandsübergreifende Zusammenarbeit der «68er» unter GewerkschafterInnen
Zeitung Diskussion als «gewerkschaftliche Oppositionszeitung»
Feier 50 Jahre Arbeitsfrieden des SMUV
Fritz Reimann als SGB-Präsident
Fusion GBH GTCP zur GBI
Diskussionen um Polarisierung zwischen GBI und SMUV
zunehmende Zusammenarbeit mit SMUV
Neues Präsidium SMUV: Christiane Brunner
Gründung «Gewerkschaftshaus»
1980er
1987
1990er-Jahre
01:00:23
Was war Deine Rolle in diesem Prozess?
Gegen Polarisierung zwischen GBI und SMUV innerhalb des SGB
Schäppi als »Konstrukteur« des SGB-Co-Präsidiums Pedrina/Brunner
Veränderungen im SMUV: André Daguet als Sekretär
Gründung der «kleinen unia»
Grossfusion zur Unia
Anfang 1990er
01:03:17
Welche Eigenschaften braucht ein/e GewerkschaftsfunktionärIn?
politische Überzeugung
«Interesse an Leuten»
Arbeit als Lehrer am Gymnasium im Vergleich zur Gewerkschaftsarbeit:
«Flexibilität» für Situationen
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«kein Einzelkämpfer»
Interesse an kollektiven Prozessen
01:06:54
Was denkst Du, welche Qualifikationen haben bei Dir eine Rolle gespielt?
«politische Einstellung»
«guter Umgang mit den Leuten»
Wichtig-Nehmen der Leute
Diskussionsbereitschaft
01:08:19
In den Jahrzehnten, in denen Du für die Gewerkschaft aktiv warst, haben einige wichtige wirtschaftliche und politische Entwicklungen stattgefunden, die auch grossen Einfluss hatten auf die Gewerkschaftsarbeit. Was war Deiner Meinung nach in der Zeit Deiner Arbeit als Gewerkschafter die grösste Herausforderung für Deinen Verband?
1979 als »Wendepunkt«: Neoliberaler Durchbruch (in GB und USA)
neue Ausgangslage für Gewerkschaftspolitik
Ziel: «eine Gegenmacht» entwickeln zum neoliberalen Projekt
Krise der 1990er-Jahre in der Schweiz
Fusion zur GBI
Kampf gegen neoliberale Politik
heutige Rolle der Gewerkschaften
Unia im Vergleich zu Gewerkschaften in anderen Ländern
Bilanz über diesen Kampf
Neoliberalismus als «Projekt, die Hegemonie des Bürgertums wieder herzustellen»
Bilanz bezüglich der gesteckten Zielsetzungen der 68er-Generation in Gewerkschaften
Unia als gewerkschaftliche Kraft
Ende 1970er;
1990er-Jahre
01:17:19
Inwiefern ist die Unia zu einer sozialen Bewegung geworden?
Organisationsstruktur der Unia heute
Organisation im Tertiärsektor
Ungelöste Probleme: Organisation der Angestellten
01:19:50
Wie beurteilst Du die Haltung Deiner Gewerkschaft gegenüber migrantischen Arbeitskräften?
Rolle der Migrationssekretäre in der GTCP und GBI
Strukturen der Unia heute
eigene Arbeit (H. Schäppis) für MigrantInnen in der Gewerkschaft
Diskussion um Interessengruppen in GTCP und Unia
GBI und Kampf gegen das Saisonnier-Statut
01:23:15
Rolle der MigrantInnen in der Gewerkschaft
Movendo-Filme über erste ItalienerInnen, die in die Schweiz kamen
Einfluss der Migration auf die Gesellschaft in der Schweiz
politischer und kultureller Einfluss auf die Gewerkschaften
Unia-Kochbuch
Vielfalt innerhalb der Gewerkschaft
Seite 6 von 7
01:26:20
Zur Kritik seitens der Frauen: Worin haben die Forderungen der Frauen an die Gewerkschaften bestanden?
Redaktion der Zeitschrift «Diskussion» zur Hälfte aus Frauen bestanden
Ausgaben der «Diskussion» zu migrations- und frauenspezifischen Themen
Frauenstreik 1991
Christiane Brunner
01:28:12
Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Aufgaben von Gewerkschaften heute?
Verbesserung der Arbeitsbedingungen auf gesetzlicher und Vertragsebene
Diskussionen um gesetzliche oder vertragliche Forderungen
politische Aufgabe der Gewerkschaften
politisches (Un-)Vermögen des SGB in 1970er-Jahren
Referendumsfähigkeit der Gewerkschaften
Kampffähigkeit der Gewerkschaft
Höhere Gewichtung politischer Schulung / Bildung
Einbezug von Jugendlichen
Förderung von untervertretenen Gruppen
01:33:57
Worin lassen sich die Erfolge einer Gewerkschaft messen?
Durchsetzungsvermögen
01:34:17
Inwiefern hat sich die Funktion von Gewerkschaften in den vergangenen 40 Jahren verändert?
Früher: Arbeitsteilung zwischen Gewerkschaften und Partei (SP)
Heute: Gewerkschaft auch eigenständige politische Funktionen (z.B. Referendumsfähigkeit)
Aber: Kein «Anhängsel» einer politischen Partei
Vergleich mit anderen Ländern
politische Möglichkeiten der Unia im Vergleich zur GTCP
Problem der Gewerkschaft als Dienstleistungsorganisation
01:38:54
Denkst Du, dass die Gewerkschaft in den Grenzen des Nationalstaates noch zeitgemäss ist?
Schwieriges Unterfangen der internationalen Organisierung
Mobilität des Kapitals vs. Mobilität der Arbeitskräfte
Notwendigkeit eines neuen Internationalismus
H. Schäppis Kritik an heutigen Gewerkschaften: Internationalismus keine Priorität
01:40:15
Weshalb glaubst Du, dass der Internationalismus keine Priorität hat?
National-Bezug der Gewerkschaften
Beispiel Deutschland
«auch ein Ideologisches Problem»
Selbstkritik: Zu wenig Gewicht darauf gelegt
Rat (Vorschläge) an Unia heute: Organisation von Reisen für junge Aktive
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1968-Stossrichung verflogen
Zur gewerkschaftlichen Politik im Bundeshaus («ein Leerlauf»)
«Man müsste ein ganz bewusstes Gegengewicht setzen»
01:44:35
Und woher könnte ein solcher Impuls für eine Veränderung kommen?
Rolle jüngerer, politisierter GewerkschafterInnen
Basel: Arbeitsgruppe von MultiWatch zu Syngenta
Interesse von jungen Leuten
«es braucht nochmals eine Bewegung – und die wird kommen»
01:46:52
Wie beurteilst Du aus heutiger Sicht die Fusion zur Grossgewerkschaft Unia?
Zielsetzungen des linken Gewerkschaftsflügels bei Fusion zur GBI: kampffähige Organisation
gleiche Zielsetzungen bei Fusion zur Unia
Neue Schwierigkeiten der Unia als Grossorganisation
Kritik an Unia heute: Spielraum «Regionsfürsten»
Beispiel Zürich
Hoffnung auf stärkeres Durchsetzungsvermögen der Führung
Demokratie und Führungsstärke
01:50:53
Wie kam es denn zu diesem Regionalismus?
Kultur bei Vorläufergewerkschaften: GBH und GBI
strukturelles Problem der Gewerkschaften
Identifikation / Identität innerhalb der Unia
Vielfältige Regionen in der Schweiz, Wunsch nach Gewerkschaftsstrukturen, die «nahe bei den Leuten sind»
Fragen der Regionalisierung versus Zentralisierung
SMUV als zentralistisch organisierte Gewerkschaft
Stärke der Unia heute