00:00:10
Wo und wie bist Du aufgewachsen?
Beruflicher und politischer Hintergrund der Eltern?
Aufwachsen in Zollikon (bei Zürich)
Arbeit des Eltern als Kaufmännische Angestellte: Vater in Bank, Mutter bei Stehli Seiden (bis zur Geburt von Hans Schäppi)
strenge, «puritanische» Erziehung der Eltern
Mutter Protestantin, Vater Atheist
Eigenes Verhältnis zur Religion
Politischer Hintergrund der Eltern: Vater aus Familie, die der demokratischen Bewegung nahe war; Mutter aktiv in Frauenvereinen
Vaters Reaktion auf H. Schäppis Engagement in der 68er-Bewegung: «als Linker hast Du in der Schweiz keine Chance»
00:09:38
Erinnerst Du Dich an Ereignisse oder Erfahrungen in Deiner Kindheit oder Jugendzeit, die besonders wichtig waren für Dich?
Beziehung zum Grossvater
Tod des Grossvaters, Umgang damit in der Familie
Schuleintritt
autoritärer Schulunterricht in Primarschule
MitschülerInnen aus gut betuchten Haushalten (mit viel Taschengeld)
Erfahrung der Klassenverhältnisse in der Schule: Unterschiedlicher Umgang mit Kindern aus verschiedenen Klassen (Beispiel: Strafe fürs Klauen)
00:18:09
Zeit nach der Primarschule;
Gymnasium;
Politisierung
Berufswunsch: Handwerker (wie Grossvater)
auf Druck des Vaters ins Gymnasium in Zürich (Knabengymnasium Rämibühl)
Mitte 1950er-Jahre
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Anfang der Gymnasiums-Zeit in schlechter Erinnerung
Klassenverhältnisse in der Klasse und politische Diskussionen
Politisierung über Algerienkrieg
Jean-Paul Sartre, Frantz Fanon
Pinkus-Buchhandlung, Kontakte zur Partei der Arbeit (PdA)
Ungarn 1956; Fackelumzug in Zürich
Gipser-Streik
Auseinandersetzung mit »Fröntlern« (Frontisten) in Klasse
00:23:45
Was war für Dich interessant in der Schule?
Anfängliche Schwierigkeiten in der Schule
Interessen und Begabungen (Fächer)
Schlüsselerlebnis mit Descartes im Französischunterricht
00:27:08
Wie ging es nach dem Gymnasium weiter?
Eigenes Chemielabor zuhause; durchführen kleiner Experimente (mit Kollateralschäden)
Interesse an Naturwissenschaften
Haustiere im Elternhaus, Interesse an Biologie
Politisierung führte zu neuen Interessen (Geschichte)
Reaktionen des Vaters und des Lehrers auf Studienwahl (Geschichte)
00:29:19
Schwerpunkte im Studium;
Weitere Politisierung
Studium Anfang der 1960er-Jahre (vor 1968)
Studium der Geschichte bei Leonhard von Muralt (Professor, Uni Zürich)
Studium der Philosophie bei Hans Barth
Assistent am Lehrstuhl von Muralt
weitere Politisierung durch Esther Burkhardt Modena und Hans Werner Tobler
Fortschrittliche Studentenschaft Zürich
Dissertation zur Reformationsgeschichte
1960er
00:32:38
Assistenzstelle am Historischen Seminar;
Geschichtslehrer an Kantonsschule Rämibühl;
Tod von Muralts
neue Professoren am Historischen Seminar: Peter Stadler und Rudolf Braun
Wechsel zu Rudolf Braun nicht möglich
Kurze Zeit als Assistenz von Peter Stadler
Geschichtslehrer an Kantonsschule Rämibühl
Auslandsemester als Assistent bei Jürgen Kocka in Bielefeld (via Rudolf Braun)
Zeit in Bielefeld; im »Uni-Klüngel«
politischer Entscheid gegen Uni-Karriere
1970
Seite 3 von 8
als «68er» in der Akademie (in Deutschland und der Schweiz)
00:36:03
Kannst Du Die Zeit Deiner Politisierung noch etwas weiter ausführen?
Algerienkrieg
«Aussenseiter» als Linker vor 1968
politische Einstellung des Vaters
als «Aussenseiter» beim Nahostkonflikt (Palästina–Israel)
Anfänge der 1968er-Bewegung: Demonstrationen gegen Vietnamkrieg, Mitte der 1960er-Jahre
Vor 1968: «Aussenseitertum» auch als zelebriertes Selbstverständnis
Orientierung an Jean-Paul Sartre; Existentialismus
Ende 1950er-
Mitte 1960er-Jahre
00:38:48
Fortschrittliche Studentenschaft Zürich
Freundschaft zu Esther Burkhardt Modena und Hans Werner Tobler
Esther Burkhardt Modena als Vorbild
(keine) Karriere-Chancen als Linke
Rudolf von Albertini
Auftreten und Wirken Claudia Honeggers
Gefühl als Kleinbürger, Bewunderung gegenüber dem souveränen Auftreten Claudia Honeggers und Esther Burkhardt Modenas
Vergleich mit Max Frisch
Anti-Modeschau Claudia Honeggers
Mitte 1960er-Jahre
00:44:36
Was bedeutete das inhaltlich für Deine politische Ausrichtung?
Weg vom Existentialismus, hin zur Frankfurter Schule (Adorno, Habermas)
Lehrauftrag für Methodologie am Historischen Seminar; «Vorzeige-Marxist»
Lehrauftrag wurde 1974/75 gestrichen, in Zusammenhang mit Hans Schäppis Aufenthalten in Portugal ( Begründung: Freundschaft zu Carvalho in Portugal)
Möglichkeiten als linkspolitischer Aktivist und Dozent an Universität Zürich
politische Stimmung an der Uni um 1968
Basisgruppe Geschichte
Rudolf Braun und Studierende an der Uni Zürich
Rudolf Braun’s Kommentar zu Rita Schiavis und Hans Schäppis Arbeit für die GTCP
00:50:06
Warst Du auch Mitglied in einer Partei damals?
Zeit im VPOD als Lehrer
«Wir waren eine linken Sektion im VPOD»
Präsidium der Sektion VPOD-Lehrer
1970er-Jahre
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starker Mitgliederzuwachs nach 1968
politische Auseinandersetzungen mit «der Viererbande» der SP Schweiz (Helmut Hubacher, Walter Renschler, Lilian Uchtenhagen, Andreas Gerwig)
Beitritt zur SP Kreis 7
1976 Austritt aus der SP wegen SP-Politik zur Zeit der Nelkenrevolution in Portugal (»wegen der Rolle, die die sozialistische Internationale und insbesondere die SPD gespielt haben in Portugal»)
Beitritt zur GTCP als Sekretär
verschiedene politische Fraktionen innerhalb der GTCP Anlass, selber nicht Mitglied in einer Partei zu sein
00:54:43
Hielt sich diese Haltung bis heute durch?
«Ich galt lange als RML- und SAP-Sympathisant»
Ende der POCH (Progressive Organisationen Schweiz) und der SAP (Sozialistische Arbeiterpartei), Gründung der BastA! (Basels starke Alternative)
Beitritt zur BastA!, heute noch BastA!-Mitglied
00:56:02
Welchen Stellenwert hat die Gewerkschaft in Deinem Leben?
1968er-Bewegung und Gewerkschaften
Beitritt zum VPOD
SP-Politik in den 1970er-Jahren
Anspruch, «die Gewerkschaft wieder zu einer sozialen Bewegung zu machen»
Arbeit in der Gewerkschaft als zentrale politische Aktivität
Verhältnis 1968er und Gewerkschaftsbewegung
linkspolitische Pluralität in der GTCP nach 1968
Bsp.: Hans-Ulrich Scheidegger
Verhältnis Partei und Basis (Beispiel SP); Partei als veränderungsresistente Organisation (im Gegensatz zur Gewerkschaft)
Rolle der Basisdemokratie
01:04:07
Weshalb denkst Du, bist Du Gewerkschafter Geworden?
Wille, die Gesellschaft zu verändern
RML und POCH versus Gewerkschaften
Anfänge in der GTCP, Zusammenarbeit mit Ewald Käser
politische Arbeit im Parlament versus Gewerkschaftsarbeit
01:06:46
Weshalb hast Du Dich gegen die Unikarriere entschieden?
Theorie versus Praxis
Verbindung von Theorie und Praxis
Selbsteinschätzung der eigenen Arbeit
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01:08:28
Kannst Du beschreiben, wann und wie genau es zu Deinem Gewerkschaftsbeitritt kam?
Beitritt zum VPOD
Opposition zur Politik der «Viererbande»
Anekdote: Beispiel einer VPOD-Versammlung zum Thema Mehrwertsteuer
Gewerkschaftspolitik der Lehrersektion im VPOD («in Opposition zur Gesamtlinie des VPOD»)
Zeit als Präsident der Lehrersektion
Interventionen innerhalb des VPOD
Schwierigkeiten der «radikalen Aussenseiter» der Lehrersektion des VPOD bei Bündnispolitik innerhalb des SGB
Wechsel zur GTCP
01:12:25
Wie kam es zum Wechsel zur GTCP?
Repression gegenüber linken Lehrer ab 1975 (Isolation und Berufsverbote)
Gründung des Demokratischen Manifests
Auffliegen der Spitzelaffäre um Cincera
Räumung des Archivs von Ernst Cincera
Verhaftungen und Prozess im Nachgang zur Räumungsaktion
Buch zur Krise der 1970er-Jahre [F. Müller, H. Schäppi, J. Tanner: Krise. Zufall oder Folge des Kapitalismus? Die Schweiz und die aktuelle Wirtschaftskrise : eine Einführung aus marxistischer Sicht. Zürich 1976]
Unsichere Zukunft als (linkspolitischer) Lehrer
Kurse für die GTCP
Weg zum Gewerkschaftssekretär der GTCP
Anstellungspolitik von Bildungsdirektor Alfred Gilgen
Anfänge als Sekretär bei der GTCP
Kampf gegen Schliessung der Firestone-Werke in Pratteln
Idee, den Betrieb zu besetzen mit Unterstützung von POCH und RML
Rolle Edi Belsers und der ArbeiterInnenkommission
erfolgreiche Klage gegen Firestone
Mitte 1970er-Jahre
1978
01:27:28
Bedeutung des Arbeitskampfes um Firestone für die GTCP?
Bedeutung des Chemievertrags von 1977
Erstes Mobilisierungs-Konzept
Kontroverse Abstimmung
Rolle von Ewald Käser und Peter Vonlanthen in Ausrichtung der GTCP
Anstellung von Hans Schäppi bei der GTCP
«als erster 68er» in einer Gewerkschaft
1977
Seite 6 von 8
01:30:15
Was hat die GTCP von anderen Gewerkschaften unterschieden?
kleine Gewerkschaft
«egalitäre Verhältnisse»; Lohnverhältnisse und (flache) Hierarchien in der GTCP
«verschworene Gemeinschaft» der SekretärInnen
Verena Bürcher, Rita Schiavi
Vasco Pedrina als SABZ-Sekretär
Einfluss von Ewald Käser und Peter Vonlanthen auf Ausrichtung der GTCP
Politische Aufteilung der GTCP nach Branchen: Partei der Arbeit (PdA) und Chemie-ArbeiterInnen in Basel; Papierindustrie als «rechter Flügel»; Textilindustrie als «die Mitte»
Präsidentschaft der GTCP aus Textilindustrie
Entstehung des Schweizerischen Papierarbeiterverbands [Schweizerischer Papier- und Kartonarbeitnehmerverband, SPV], Abspaltung von der GTCP
Ewald Käser als Präsident der GTCP
gewerkschaftspolitische Tradition der ChemiearbeiterInnen (GAV, Mobilisierung)
GTCP als »linker Flügel« im SGB
01:36:04
Etappen der Gewerkschaftslaufbahn
Einstieg als Regionalsekretär
Weg zum Präsidium (1984)
Erste Verhandlungen H. Schäppis in Chemiebranche, Herbst 1980
Krise der 1980er-Jahre
Angriffe auf automatischen Teuerungsausgleich 1983
Vertragsverhandlungen 1983/84
Krisenartikel und Relativierung der Friedenspflicht
Mobilisierung und Demonstration in Basel
Strukturkommission und Strukturreform (Regionalisierung)
Probleme der GTCP: Grösse; Mitgliederrückgang
Kommission «GTCP 2000»
Szenario 1: Fusion mit GBH
fehlende Berufstradition bei GBH und GTCP: «Gewerkschaft der Nicht-Berufsarbeiter»
Freundschaft zu Vasco Pedrina
Szenario 3: «Delphin»: kleine, reine Chemiegewerkschaft
Beschluss zur Fusion («Elefant»), Kongress in Basel
1980er-Jahre
Ende 1980er-Jahre
1990
Seite 7 von 8
Fusions-Verhandlungen
01:45:35
Welche Rolle hattest Du dann in der GBI?
Vizepräsidium
Rolle von Vasco Pedrina und Hans Schäppi bei Fusion und Konzeption der GBI
linker Gewerkschaftskreis innerhalb des SGB
Organisierung der Lonza
Rolle Peter Bodenmanns als SP-Präsident und Gewerkschafter
AHV-Revision: Gewerkschaften gegen Politik der SP
Ende der «linken, kleinen Opposition» innerhalb des SGB
1980er-Jahre
01:48:48
Inwiefern war es Deine Aufgabe, die GTCP zu reorganisieren?
Anspruch als «68er» an Gewerkschaften
«es war klar, dass man eine Gewerkschaft brauchte für härtere Zeiten»
1980er-Jahre
1990er-Jahre und Neoliberalismus
Anfängliche Ambitionen, SGB zu reformieren
Unveränderbarkeit des SGB
Anspruch der Fusion: Neuer Wind in Gewerkschaftsbewegung
01:51:41
Wie hat die Zusammenarbeit mit der Politik funktioniert?
gewerkschaftliche Organisation der Lonza («christliche Domäne»)
Rolle von Peter Bodenmann und Beat Jost bei der Organisation der Lonza-ArbeiterInnen
GTCP versus CMV
Idee Peter Bodenmanns: Hans Schäppi als SGB-Präsident
Differenzen mit SP und Peter Bodenmann
EWR-Abstimmung («kritisches Ja zum EWR»): SP und Gewerkschaften
Grüne Partei und EWR-Abstimmung
AHV-Revision; Erhöhung des Frauenrentenalters
01:56:38
Wie war Dein persönliches Verhältnis als Gewerkschafter zur Arbeitgeberseite?
distanziertes Verhältnis zur Arbeitgeberseite
Ewald Käsers Beziehungen zur Arbeitgeberseite
Vor- und Nachteile eines distanzierten Verhältnisses zu Arbeitgebern
gemeinsame Mittagessen der Verhandlungsdelegationen nach Verhandlungsabschluss
Alex Krauer (Ciba-Geigy) als Diskussionspartner
Meinungsverschiedenheiten zu Gentechnologie
Verhandlungen mit Novartis; «Dreistufen-Modell», «meine schwerste Niederlage bei Verhandlungen»
Treffen auf Alex Krauer beim Hundespaziergang
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