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Radio Stacheldraht: Sendungen vom 06.02. und 27.02.1982


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SignaturF 1005-030
BestandF_1005 Menyhart, Dieter - Piratenradios [TON]
Bestandesbeschrieb

Wer nach den 1970er Jahren geboren ist, kann sich kaum eine Vorstellung von der Ödnis machen, die vor 1983 auf einheimischen Radiofrequenzen herrschte. In der Schweiz gab es zwar für jede Sprachregion zwei offizielle Programme. Wer sich aber für anderes als traditionelle Volksmusik, seichtes Unterhaltungsgedudel oder bildungsbürgerliche Inhalte interessierte, fand beim Landessender kaum ein Angebot. Widerstand erwuchs dem Monopol der SRG erst ab Mitte der 1970er Jahre, als sich Radiopiraten oft alleine oder in kleinen Gruppen daran machten, die Frequenzen zu beleben. Die technische Entwicklung und der Preiszerfall machten es möglich, dass sich auch Laien für wenige hundert Fragen einen Sender basteln konnten. Weil die Frequenzen jenseits von 100 MHz angeblich für Kriegszwecke freigehalten wurden, gab es zudem im Frequenzband genug Platz für ihre Experimente. Die PTT als Hüterin des Monopols setzte einiges daran, dem Tun jeweils ein schnelles Ende zu setzen: Mit Peilsendern machte man Jagd auf die oft mobilen Sender und verfolgte sie strafrechtlich. Trotzdem existierten im Piratenjahrzehnt nach 1975 bald Dutzende von Sendern, die teils aus Plausch, teils mit politischem Sendungsbewusstsein oder einfach aus Frust über das ungenügende offizielle Angebot aktiv wurden. Piraten sind naturgemäss schwierige Archivkunden. Sie haben wenig Interesse, ihre Tätigkeiten dauerhaft zu dokumentieren. So ist es ein absoluter Glücksfall, dass sich 2013 ein leidenschaftlicher Radiopiratenfan an seine Tonbandkassetten aus den 1980er Jahren erinnerte: Dieter Menyhart sass damals gebannt vor seiner Stereoanlage, suchte die Frequenzen nach Piratensendern ab und drückte auf Record, sobald er fündig wurde. 33 Aufnahmen von mehr als 20 Piratensendern überlebten, konnten digitalisiert werden und sind nun online zugänglich. Die Sender hiessen phantasievoll „Radio Gäterlischletzer“ oder „Alibaba“, andere prosaischer „Radio Universal“ oder „Alexandra“. Inhaltlich dominieren zwei Typen: Den einen geht es um die musikalische Bereicherung und den Spass an der Sache. Die andern haben politische Ansprüche und sehen sich als Teil einer Gegenöffentlichkeit, die schwergewichtig gegen bürgerliche Politik und Repression im Strafvollzug wettert. 1979 blies Roger Schawinski mit Radio 24 zum Sturm gegen das SRG-Monopol. Wo die Radiopiraten nur Nadelstiche platzieren konnten, versetzte Schawinski dem Monopol mit dem Zweihänder innert Kürze den Todesstoss. Im Sommer 1983 legalisierte der Bundesrat private und kommerzielle Lokalradios. Die Phase der Illegalität war vorbei. Die linke Gegenöffentlichkeit suchte und fand im Alternativen Lokalradio Zürich oder Radio Bern ihre Frequenzen.

Wer nach den 1970er Jahren geboren ist, kann sich kaum eine Vorstellung von der Ödnis machen, die vor 1983 auf einheimischen Radiofrequenzen herrschte. In der Schweiz gab es zwar für jede Sprachregion zwei offizielle Programme. Wer sich aber… — mehr...

AbstractErste Testsendung von Radio Stacheldraht. Anscheinend wussten die Macher noch nicht, dass man während den Musikbeiträgen das Mikrofon ausschalten kann. Überhaupt scheint es bei diesen beiden Sendungen viele technische Schwierigkeiten gegeben zu haben. Radio Stacheldraht ist geprägt von der Punkszene, was sich auch in der Musikauswahl niederschlägt.
Copyright
Schlagwörter
  1. Medien und Kommunikation
  2. Kommunikation
  3. Kommunikationsmittel
  4. Massenmedium
  5. Radio
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1982
Personen
  1. von Wartburg, Achmed
Objektträger
  1. Tonaufnahme
  2. digitale Tonaufnahme
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation

00:00:13 teils unverständliche Anmoderation: „Da isch Radio Stacheldraht (…).“

00:10:49 „Radio Stacheldraht, 100 bis 104 MHz – en Sänder für alli die wo meinet was z’säge z’ha, für die wo würklich was z’säge hänt und für die wo einewäg nie wa säget.“

00:12:10 Radiowerbung für Achmed von Wartburg, der 1982 für das Stadtpräsidium von Zürich kandidierte: „Stadtratswahlen 1982, ein neues Gesicht kämpft um ihr Vertrauen. Jung, dynamisch, voller Lebensfreude. Ein Satz aus einer seiner vertrauensvollen Reden im Altersheim Gschwürrich lautete: ‚Die Gurke ist für mich primär ein sexuelle Symbol. Aber ich bin nicht gekommen, um Bäume zu pflanzen.‘ Aber nicht nur das Vertrauen der älteren Mitbürger unserer schönen Stadt möchte er gewinnen, nein, auch das unserer hoffnungsvollen Jugend. Mit absoluter Entschlossenheit will er den Kampf gegen die Drogenunabhängigkeit wieder aufnehmen. Nach dem Motto jedem Kleinkind ab zwei Monaten einen Joint in den Mund und eine P-38er in die Hand. Darum: Achmed von Wartburg in den Stadtrat. Ein Mann der ihr Vertrauen verdient. Denn 1984 ist näher als ihr alle denkt.“

00:13:22 Abmoderation der Testsendung von Radio Stacheldraht: „(…) mier hoffet, mier chönnt bald emal öppis richtigs bringe.“

00:13:48 Anmoderation Sendung vom 27.02.1982

00:14:35 Nochmals Wahlwerbung für Achmed von Wartburg mit Hinweis auf eine Parteiveranstaltung der Partei DNC (Das nackte Chaos) in der Roten Fabrik

00:17:46 Anderes Programm: wahrscheinlich aufgezeichnetes Theaterstück o.ä.

00:19:59 Schluss

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