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Radio LoRa Live aus dem AJZ: Sendung vom 19.09.1981 (Teil 1/3)


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1005-020
BestandF_1005 Menyhart, Dieter - Piratenradios [TON]
Bestandesbeschrieb

Wer nach den 1970er Jahren geboren ist, kann sich kaum eine Vorstellung von der Ödnis machen, die vor 1983 auf einheimischen Radiofrequenzen herrschte. In der Schweiz gab es zwar für jede Sprachregion zwei offizielle Programme. Wer sich aber für anderes als traditionelle Volksmusik, seichtes Unterhaltungsgedudel oder bildungsbürgerliche Inhalte interessierte, fand beim Landessender kaum ein Angebot. Widerstand erwuchs dem Monopol der SRG erst ab Mitte der 1970er Jahre, als sich Radiopiraten oft alleine oder in kleinen Gruppen daran machten, die Frequenzen zu beleben. Die technische Entwicklung und der Preiszerfall machten es möglich, dass sich auch Laien für wenige hundert Fragen einen Sender basteln konnten. Weil die Frequenzen jenseits von 100 MHz angeblich für Kriegszwecke freigehalten wurden, gab es zudem im Frequenzband genug Platz für ihre Experimente. Die PTT als Hüterin des Monopols setzte einiges daran, dem Tun jeweils ein schnelles Ende zu setzen: Mit Peilsendern machte man Jagd auf die oft mobilen Sender und verfolgte sie strafrechtlich. Trotzdem existierten im Piratenjahrzehnt nach 1975 bald Dutzende von Sendern, die teils aus Plausch, teils mit politischem Sendungsbewusstsein oder einfach aus Frust über das ungenügende offizielle Angebot aktiv wurden. Piraten sind naturgemäss schwierige Archivkunden. Sie haben wenig Interesse, ihre Tätigkeiten dauerhaft zu dokumentieren. So ist es ein absoluter Glücksfall, dass sich 2013 ein leidenschaftlicher Radiopiratenfan an seine Tonbandkassetten aus den 1980er Jahren erinnerte: Dieter Menyhart sass damals gebannt vor seiner Stereoanlage, suchte die Frequenzen nach Piratensendern ab und drückte auf Record, sobald er fündig wurde. 33 Aufnahmen von mehr als 20 Piratensendern überlebten, konnten digitalisiert werden und sind nun online zugänglich. Die Sender hiessen phantasievoll „Radio Gäterlischletzer“ oder „Alibaba“, andere prosaischer „Radio Universal“ oder „Alexandra“. Inhaltlich dominieren zwei Typen: Den einen geht es um die musikalische Bereicherung und den Spass an der Sache. Die andern haben politische Ansprüche und sehen sich als Teil einer Gegenöffentlichkeit, die schwergewichtig gegen bürgerliche Politik und Repression im Strafvollzug wettert. 1979 blies Roger Schawinski mit Radio 24 zum Sturm gegen das SRG-Monopol. Wo die Radiopiraten nur Nadelstiche platzieren konnten, versetzte Schawinski dem Monopol mit dem Zweihänder innert Kürze den Todesstoss. Im Sommer 1983 legalisierte der Bundesrat private und kommerzielle Lokalradios. Die Phase der Illegalität war vorbei. Die linke Gegenöffentlichkeit suchte und fand im Alternativen Lokalradio Zürich oder Radio Bern ihre Frequenzen.

Wer nach den 1970er Jahren geboren ist, kann sich kaum eine Vorstellung von der Ödnis machen, die vor 1983 auf einheimischen Radiofrequenzen herrschte. In der Schweiz gab es zwar für jede Sprachregion zwei offizielle Programme. Wer sich aber… — mehr...

AbstractEin Ausschnitt aus dem Programm von Radio LoRa, welches während einer Woche im September 1981 von Aktivisten aus dem AJZ Zürich gesendet wurde und vor allem aus Redebeiträgen bestand. Das Programm ist amateurhaft gestaltet. Im Hintergrund sind oft Nebengespräche zu hören, Lieder werden selten länger als zwei Minuten gespielt oder einzelne Schallplatten funktionieren nicht. Ein schlüssiges Sendekonzept fehlt. Dafür wird minutenlang über vermeintliche Abhör- und Störaktionen spekuliert oder gegen die Polizei gewettert. Das Ganze wird allerdings bewusst als ‚Versuchskonzept‘ ausgegeben, bei dem alle mitprobieren und –gestalten können.
Copyright
Schlagwörter
  1. Medien und Kommunikation
  2. Kommunikation
  3. Kommunikationsmittel
  4. Massenmedium
  5. Radio
  1. politischer Rahmen
  2. politisches Leben (allgemein)
  3. politische Bewegung
  4. Jugendbewegung
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
  3. Zürich, Kanton
  4. Zürich, Stadt
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1981-1990
  5. 1981
Objektträger
  1. Tonaufnahme
  2. digitale Tonaufnahme
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation

00:02:46 Anmoderation: „Da isch LoRa Züri, s’Lokalradio vo Züri uf 103 MHz. Z’Abig um sächsi bis z’Abig um zwölfi für immer nu ganzi sächs Tag lang.“

00:05:22 „Hüt simmer e Gruppe vo Fraue wo im Schtudio sind, wo Schtudio Arbeit machet. Es isch für euis all s’erscht Mal und mier werdet jetzt fröhlich usprobiere wie me das so richtig macht. Mier wänt Saalbieträg bringe, mier wänt vill anderi Bieträg bringe und wünsched eui viel Vergnüege und dass er glich vill Schpass hänt wie mier. Es gilt natürlich nach wie vor, wär öppis mitzteile hät, segs Veraschtaltige oder Chochrezäpt, der söll euis direkt alüte is Schtudio. (…)“. Gefolgt von einem längeren Aufruf, doch unbedingt anzurufen und seine Meinung kundzutun.

00:14:49 „Mier machet jetzt wiiter und zwar zerscht tüe mer euisi Erfahrige vo geschter eui bekanntgeh, mier tönt’s au undre nand nummal ustusche, will mier glaubet, s’isch einiges gloffe wo für alli interessant isch und wo me als Zuohörer überhaupt nit merkt. (…)“

00:15:16 Anderer Sprecher: „Ich glaub vill Lüt hänt geschter nüd rächt kapiert, was mier mit Lokalradio meinet. Nüd LoRa isch z’Radio, sondern z’Radio LoRa isch eigentlich en technischi Infraschtruktur und z’Radio das machet verschidini Benützergruppe. Das Radio söll allne zer Verfüegig schtah, mo chann äu allüte und so Informatione über das Radio geh. Mo muess also nüd direkt is Schtudio cho zum öppis säge. Au mit dem Programm hets geschter rächt Puff geh, es sind jeni Lüüt immer is Schtudio cho und hänt d’Musig en Schitt gfunde und s’Programm hohl und was weiss ich was. (…).“
Aufruf, selbst aktiv Radio zu machen, anstatt nur zu kritisieren.

00:16:27 Die Rede kommt dann auf eine Pressekonferenz, wo die Frage nach dem Studiostandort nachgefragt wurde: „(…) das z.B. ein Journalischt total stuur druf druf beharrt het, (…) worum mier nüd persönlich an dere Pressekonferenz erschinne sind, sondern eigetlich mit dere Pressekonferenz, mit dem Ruum, wo die Journalischte gsii sind übers Radio gredt händ. Also mier händ üs nüd zeigt und er hät euis unter anderem mangelndi Zivilcourage vorgworfe und hät gfunde, so isch das kei journalistisches Schaffe und das er das eifach nüd begrifft. Ich wöt eigetlich kei Näme säge, will ich find, s’isch nüd nötig uf das Niveau oder (…). Was mich schaurig deprimiert hä tisch, dass ich gfunde han, es gaht überhaupt nüd drum, das me eifach mal lost, was mier machet und beurteilt, will s’Radio LoRa isch ja nüd d’Näme vo drü Lüt, sondern es isch es Radio wo en Infraschtruktur isch, wo verschidini Lüt chönt ihri Sache mache, wo Luscht hänt und ich begriff nüd, worum mer nid die Journalischte das nach dem chönt beurteile was lauft und schtuur druf beharret das mer muess en Name säge (…).“ Die drei Personen im Studio diskutieren dann mehr oder weniger für sich (also nicht für die Zuhörer), warum diese Pressekonferenz nicht ihren Erwartungen entsprach, und dass man bewusst darauf verzichtet hat, das AJZ als Senderort zu nennen. Die gängigen Pressetitel (Tagesanzeiger, NZZ, Blick) werden kritisiert für ihre Berichterstattung.

00:22:17 Das Thema PTT wird auch angesprochen: „Das immer Gschpräch gschtört werdet und genau das isch euis ja z’Wichtige oder mier wänt ja aundfürsich gar nüd unbedingt en Musigsänder sii. Mier bringet au Musig oder aber so degradiert euis d’Poscht zum ne Radio 24, mier hänt’s au geschter nu sälber gmacht vom Inhalt her, das wämmer hüt besser mache oder aber. Äs isch au d’Poscht d’schuld.“ Anscheinend hat die PTT bewusst bei den Redebeiträgen den Sender gestört. Dann wird nochmals über den Journalismus hergezogen, zusammen mit einer massiven Polizeikritik.

00:27:05 Diskussion über Medien und die eigenen Vorstellungen, wie man damit umgehen kann wird fortgesetzt: „(…) will euis sind die verbale Sache, d’Ussage wichtig, euis isch nüd de Sound wichtig, Sound isch guet und rächt, aber de isch in zweiter Linie wichtig. wie scho gseit, d’PTT die schtört eifach immer dänn, wenn mier öppis z’säge hänt und mier schtinkt das. (…).“

00:34:20 Programm wird vorgestellt: „(…) also Ziite sind nüd schaurig ernscht z’neh, sehr wahrschinlich chunnt sowieso alles schaurig durenand.“ Das Programm besteht vor allem aus Diskussionsrunden. Daneben wird aber auch auf das kulturelle Programm des AJZ und der Roten Fabrik hingewiesen.

00:50:40 „PTT du alti Schpillverderber-Tante.“

00:52:40 „Ja, da isch LoRa Schtudio Züri. Sie mier händ Arüef vo de Hörer, dass euisi Gschpröch gschtört werdet. Was söll das? (…) Euises Radio wird gschtört. (…) Immer wenn gschwätzt wird, dänn wird gschtört, chunnt es Ruusche. (…) Ja ier müesstet eifach de Schtörsender abschtelle, denn wär’s klar.“ Anruf von Radio LoRa beim Störungsdienst der PTT bezüglich der mutmasslichen Störversuche gegen den Radiosender, besonders während den Redebeiträgen.

00:58:55 Indianer besuchen das Studio. Floyd Westerman, später ein relativ bekannter US-Schauspieler aus dem Stamm der Dakota, trat 1981 in der Roten Fabrik auf. Floyd Westerman spricht über seine Herkunft und über seine Botschaft (vor allem die Rechte der Indianer). Daneben spricht er über einen Marsch mit Mitgliedern des AJZ von Zürich nach Genf, um gegen die US-Regierung zu protestieren, damit Indianer als ‚Indian Nations‘ und nicht als ‚Stämme‘ anerkannt werden. Thema des Gesprächs ist auch der Uranabbau in indianischen Reservaten in den USA, woher auch 60% des in Europa verwendeten Urans stammen. Auch die Besiedelung der USA und der Pazifismus werden angesprochen.

01:17:30 Interview mit Floyd Westerman wird nach Musikteil weitergeführt. Es wird erstens nach dem Kongress (wahrscheinlich NCAI „National Congress of American Indians) in Genf gefragt, der tags zuvor zu Ende gegangen ist. Dann wird nach den Rechten der Frauen bei den Indianern gefragt. Westerman stellt besonders den Unterschied dar zwischen dem Stammesleben indianischer Nationen und dem Leben in der sogenannt westlichen Welt.

01:28:29 Schluss

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