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Radio Jasmin: Sendung vom 01.06.1980


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1005-016
BestandF_1005 Menyhart, Dieter - Piratenradios [TON]
Bestandesbeschrieb

Wer nach den 1970er Jahren geboren ist, kann sich kaum eine Vorstellung von der Ödnis machen, die vor 1983 auf einheimischen Radiofrequenzen herrschte. In der Schweiz gab es zwar für jede Sprachregion zwei offizielle Programme. Wer sich aber für anderes als traditionelle Volksmusik, seichtes Unterhaltungsgedudel oder bildungsbürgerliche Inhalte interessierte, fand beim Landessender kaum ein Angebot. Widerstand erwuchs dem Monopol der SRG erst ab Mitte der 1970er Jahre, als sich Radiopiraten oft alleine oder in kleinen Gruppen daran machten, die Frequenzen zu beleben. Die technische Entwicklung und der Preiszerfall machten es möglich, dass sich auch Laien für wenige hundert Fragen einen Sender basteln konnten. Weil die Frequenzen jenseits von 100 MHz angeblich für Kriegszwecke freigehalten wurden, gab es zudem im Frequenzband genug Platz für ihre Experimente. Die PTT als Hüterin des Monopols setzte einiges daran, dem Tun jeweils ein schnelles Ende zu setzen: Mit Peilsendern machte man Jagd auf die oft mobilen Sender und verfolgte sie strafrechtlich. Trotzdem existierten im Piratenjahrzehnt nach 1975 bald Dutzende von Sendern, die teils aus Plausch, teils mit politischem Sendungsbewusstsein oder einfach aus Frust über das ungenügende offizielle Angebot aktiv wurden. Piraten sind naturgemäss schwierige Archivkunden. Sie haben wenig Interesse, ihre Tätigkeiten dauerhaft zu dokumentieren. So ist es ein absoluter Glücksfall, dass sich 2013 ein leidenschaftlicher Radiopiratenfan an seine Tonbandkassetten aus den 1980er Jahren erinnerte: Dieter Menyhart sass damals gebannt vor seiner Stereoanlage, suchte die Frequenzen nach Piratensendern ab und drückte auf Record, sobald er fündig wurde. 33 Aufnahmen von mehr als 20 Piratensendern überlebten, konnten digitalisiert werden und sind nun online zugänglich. Die Sender hiessen phantasievoll „Radio Gäterlischletzer“ oder „Alibaba“, andere prosaischer „Radio Universal“ oder „Alexandra“. Inhaltlich dominieren zwei Typen: Den einen geht es um die musikalische Bereicherung und den Spass an der Sache. Die andern haben politische Ansprüche und sehen sich als Teil einer Gegenöffentlichkeit, die schwergewichtig gegen bürgerliche Politik und Repression im Strafvollzug wettert. 1979 blies Roger Schawinski mit Radio 24 zum Sturm gegen das SRG-Monopol. Wo die Radiopiraten nur Nadelstiche platzieren konnten, versetzte Schawinski dem Monopol mit dem Zweihänder innert Kürze den Todesstoss. Im Sommer 1983 legalisierte der Bundesrat private und kommerzielle Lokalradios. Die Phase der Illegalität war vorbei. Die linke Gegenöffentlichkeit suchte und fand im Alternativen Lokalradio Zürich oder Radio Bern ihre Frequenzen.

Wer nach den 1970er Jahren geboren ist, kann sich kaum eine Vorstellung von der Ödnis machen, die vor 1983 auf einheimischen Radiofrequenzen herrschte. In der Schweiz gab es zwar für jede Sprachregion zwei offizielle Programme. Wer sich aber… — mehr...

AbstractMusiksendung mit einigen Redebeiträgen bezüglich ausländischer Schliessfächer, die man für Fanpost benutzt. Zwischen den einzelnen Liedern wird auch auf Verkaufsorte für Radio Jasmin-Kleber in Zürich aufmerksam gemacht, die der Unterstützung des Sender dienten. Daneben wird auch fleissig Werbung für andere Piratensender gemacht. Musikalisch wird ein breites Spektrum von Rock, Pop, Reggae, Soul etc. gespielt.
Copyright
Schlagwörter
  1. Medien und Kommunikation
  2. Kommunikation
  3. Kommunikationsmittel
  4. Massenmedium
  5. Radio
Geopolitik
  1. Europa
  2. Schweiz
Periode
  1. Neuzeit
  2. 20. Jh.
  3. 1951-2000
  4. 1971-1980
  5. 1980
Objektträger
  1. Tonaufnahme
  2. digitale Tonaufnahme
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Detailinformation

00:00:03 Anmoderation: „Guete n’Abig mitenandere rächt härzlich willkomme uf de Wäue vo Radio Jasmin, am unpolitische Schtereosänder für d’Region Züri, gäge wenigi, fer alli andere. Und wier wöttet üs äbefaus entschuldige, fer die vorletschti Sunntigssändig, sie isch leider nach drüedrissg Minute abbroche worde vo üs. Nüt dür üsi Schuld, sondern gwüssni Lüt hei üs zwunge z’Sändig ab z’bräche.“

00:04:03 „eimol meh, bedanked mier eus bi eu, für die vile Briefe und Charte, wo mier läider immer no via Usland uf jedi Sändig hi überchömmed (…)“ Hinweis auf langsame Antwortbriefe, wegen Streik in Schweden; Hinweis auf Kleberbestellungen

00:10:51 „es frögt eus öppe ne Mal eine, warum mer eusi Poschtfächer so oft wächsle das verwirri nur und seg doch für d’Hörer unverschtändlich. Überhaupt verstönd vili nöd, warum das mier keis Poschtfach i de Schwiiz händ, das wer doch eifacher.“ Brief der PTT, der an einen Postfachinhaber in Stockholm geschickt wurde, wird vorgelesen: „Sehr geehrter Herr Svensson – Seit einiger Zeit strahlt ein Sender, der sich Radio Jasmin nennt, für das Gebiet der Stadt Zürich und Umgebung Rundfunkprogramme auf Frequenzen bei 102 MHz aus. Die Station lädt die Hörer ein, Zuschriften an die folgende Adresse zu senden: Radio Jasmin, Postfach 1154, 14123 Stockholm. Die Hörerpost werde von dort an die Personen weitergeleitet, die den Sender betreiben. Eine Nachfrage hat ergeben, dass das vorgenannte Postfach auf Ihren Namen eingetragen ist. Der Sender Jasmin wird ohne eine Bewilligung der Behörde, das heisst illegal, betrieben. Dieses Verhalten wird nach der Gesetzgebung unseres Landes mit Busse oder Haft bestraft. (…)“ Kommentar des Moderators: „Mier fühled eus ab dem lächerliche Schriebe diräkt gehrt. Gehrt darum, will di Schwiizerischi Eidgenosseschaft sämtlichi Joker wie Interpol und sogar de diplomatischi Kanal usschöpft um Hörerposcht vomene harmlose Musigsänder z’unterbinde. (…).“ Danach werden die Telefonnummern der Verantwortlichen bei der PTT genannt, damit die Hörer von Radio Jasmin sich direkt dort melden können.

00:29:06 Hinweis auf andere Piratensender, die auf Frequenzen oberhalb von 100 MHz senden, wie: Radio International, Radio Panther, Radio Angel, Radio Nordpol

00:58:23 „Radio Jasmin kämpft gäge s’SRG-Monopol und ier chönd eus derbi hälfe indem er eus wiiterempfelet. Mier kämpfet för es ächts, i de Schwiiz usgstrahlts Lokalradio ohni Kommertzaschpäkt, in dem ier eusi Chläber chaufet, unnerschtützet ier eusi Bemüeige, wo im übrige lang nit nur im Sände am Sunntig-Abed beschtönt. Eusi jetzige Sändige manifeschtieret villmeh, dass mier das Monopol scho lang nimme gfalle lönt. (…)“

01:29:54 Abmoderation, mit Musik untermalt

01:31:15 Schluss

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