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Interview von Franco Battel mit Max Krieg, 16. Juli 2008


Objekt nur auf Anfrage verfügbar
SignaturF 1003-0001
BestandF_1003 Interviews mit homosexuellen Männern [TON]
Bestandesbeschrieb

Die Handvoll Interviews mit homosexuellen Männern, die Franco Battel realisierte, erweist sich als reichhaltige Quelle schwuler Alltagsgeschichte in der Schweiz. Die Männer – geboren in der Spanne zwischen den 1920er und 1940er Jahren – geben freimütig Auskunft über ihre Herkunft und ihre Beziehungen. Die Interviews orientieren sich an der Biografie der Männer und führen schlagartig vor Augen, welch gewaltige gesellschaftliche Veränderungen sich im letzten halben Jahrhundert ereignet haben. Beispielhaft dafür kann die Beziehungsanbahnung sein, die – wenn sie nicht in den spärlich vorhandenen, gegen die heterosexuelle Gesellschaft hermetisch abgeriegelten Treffpunkten stattfand – oft wesentlich komplexer ablief als heute, von der Gunst des Zufalls oder langen Durststrecken geprägt war. Angesprochen werden auch Themen wie Coming out, kulturelles und politisches Engagement, gesellschaftliche Diskriminierung und Repression oder AIDS. Drei Interviews sind online verfügbar, die beiden anderen sind vorläufig aus personenschutzrechtlichen Gründen noch gesperrt.

Die Handvoll Interviews mit homosexuellen Männern, die Franco Battel realisierte, erweist sich als reichhaltige Quelle schwuler Alltagsgeschichte in der Schweiz. Die Männer – geboren in der Spanne zwischen den 1920er und 1940er Jahren – geben… — mehr...

AbstractMax Krieg hatte 1970 sein Coming out gegenüber seinen Eltern. Bis zu diesem Zeitpunkt versuchte er mehrmals erfolglos, Beziehungen mit Frauen zu führen. 1969 wurde Max Krieg als Stationsbeamter der SBB ins Tessin versetzt. Seine erste homosexuelle Erfahrung machte er in Bern. Dort besuchte er eine Bar, wo er einen Mann - Max Krieg vermutet, es sei „ein Stricher“ gewesen - kennenlernte, der ihn nach einer „Nummer“ in ein Hotel mitnahm. Auch wenn er den Mann nicht wiedersah, war ihm von da an klar, dass er homosexuell sei. Im Tessin lernte er dann einen Mann kennen, mit dem er Ferien in San Remo verbrachte. Diese Ferien waren der Anlass, dass seine Eltern ihn direkt danach fragten, ob dieser Mann „nur“ ein Freund oder mehr sei. Max Krieg antwortete wahrheitsgemäss. Laut ihm nahmen seine Eltern die Neuigkeit soweit gut auf, auch wenn sie zu Beginn verhalten reagierten. Im Tessin, wo Max Krieg von 1969 bis 1989 lebte, lernte er die Homosexuellenszene kennen und engagierte sich aktiv. Er schrieb für die Zeitschrift „Hey“ (Organ der Schweizerischen Organisation für Homosexuelle) Artikel mit Bezug auf das Tessin und Italien und exponierte sich von 1975 bis 1983 für den „Club In“, einen Tessiner Treffpunkt für Homosexuelle. Als der „Club In“ 1983 aufgelöst wurde, setzte Max Krieg sein Engagement im Nachfolgeverein „PRO“ (Promozione Relazioni Omo-sociali) fort, 1986 war er an der Gründung der AIDS-Hilfe Tessin beteiligt. Als aktives Mitglied des SEV (Bahngewerkschaft) stellte Max Krieg 1982 den Antrag, dass homosexuelle Gewerkschafter sich organisieren. Der Antrag wurde jedoch abgelehnt. 1989 kehrte Max Krieg nach 20 Jahren in die Deutschschweiz zurück, wo er 1997 bei der Gründung der „Pink Rail“ mitwirkte. Irma Krieg, Max‘ Mutter, beschäftigte sich seit dem Coming out ihres Sohnes mit dem Thema Homosexualität. Zu Beginn ihres Engagements schrieb sie vor allem Leserbriefe, 1976 gründete sie mit anderen Müttern und Vätern von Homosexuellen die Elternkontaktstelle. Sowohl Max wie auch Irma Krieg nahmen 1978 an der Sendung „Telearena“ zum Thema Homosexualität teil. 1979 sprach Irma Krieg auf dem Bundesplatz in Bern anlässlich der „Gay Pride“. Ihr primäres Anliegen war es, dass Homosexuelle gesellschaftliche Akzeptanz erfahren. Die Frage, ob sein schwulenpolitisches Engagement sich auf seine berufliche Karriere ausgewirkt habe, bejaht Max Krieg. Während seiner Zeit im Tessin sei er von seinem Personalchef zur Zurückhaltung ermahnt worden; man drohte ihm, dass man ihn ansonsten vom Schalterdienst suspendieren werde. Gerne hätte er auch in der Berufsschule unterrichtet, dies war aber nicht denkbar. Ebenso ist sich Krieg sicher, dass er aufgrund seiner Homosexualität nicht befördert wurde.
Urheber
  1. Battel, Franco
Copyright
Schlagwörter
  1. Recht (allgemein)
  2. Rechte und Freiheiten
  3. Kampf gegen die Diskriminierung
  4. sexuelle Diskriminierung
  5. sexuelle Minderheit
Periode
  1. Neuzeit
  2. 21. Jh.
  3. 2001-2050
  4. 2001-2010
  5. 2008
Personen
  1. Krieg, Max (1946-
Objektträger
  1. Tonaufnahme
  2. Compactdisc CD
Sprache
  1. schweizerdeutsch
Archivbezugschwulenarchiv schweiz
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