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2004 strahlte das Schweizer Fernsehen im Rahmen von „Schweiz Aktuell“ eine Serie über Verdingkinder aus – mit weitreichenden Folgen: Viele Betroffene meldeten sich auf einen Aufruf hin, andere Medien nahmen sich des Themas an, eine Tagung noch im gleichen Jahr führte ehemals Verdingte zusammen. Viele dieser Frauen und Männer, die bei der Fremdplatzierung oft wider jeder Vorstellungskraft leiden mussten, waren damals schon betagt. Das Bedürfnis, mehr über ihr Leben und über ein dunkles Kapitel Schweizer Geschichte zu erfahren, war gross. Die Zeit drängte: zulange hatten diejenigen, die von der Verdingung profitiert und sie gedeckt hatten (Bauern, Behörden, Kirche), geschwiegen oder sich die Verantwortung dafür gegenseitig in die Schuhe geschoben. Zu offensichtlich waren nach Jahrzehnten der Verdrängung die unauslöschlichen Schäden an Leib und Seele bei den verdingten Kindern. Schon 2005, ein Jahr nach den Fernsehberichten, war ein Nationalfonds-Projekt unter der Bezeichnung „Verdingkinder, Spazzacamini, Schwabengänger und andere Formen der Fremdplatzierung in der Schweiz“ in den Startlöchern. Unter Leitung der beiden Basler Professoren Heiko Haumann und Ueli Mäder entstanden in den nächsten Jahren ausführliche Interviews mit fremdplatzierten Frauen und Männern. Die manchmal mehrere Stunden dauernden Gespräche geben Aufschluss über alle zentralen Aspekte der Lebensgeschichte Betroffener. Entstanden sind oft erschütternde Protokolle behördlich und gesellschaftlich sanktionierter Grausamkeiten. 285 dieser Interviews sind nun im Schweizerischen Sozialarchiv zugänglich – allerdings aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nur auf vorgängiges Gesuch an die Direktion des Sozialarchivs. Die Interviews sind als Audiofiles vorhanden und mittels einer Datenbank der Universität Basel erschlossen. Transkripte der Interview und weitere schriftliche Unterlagen (im Archivbestand Ar 532) ergänzen dieses einzigartige Oral History Projekt. Die Interviews bildeten übrigens auch das Herzstück der Ausstellung "Verdingkinder reden", die zwischen 2009 und 2014 erfolgreich in vielen Schweizer Städten und zuletzt im Freilichtmuseum Ballenberg Halt machte.

Zugangsbeschränkung:
Dieser Bestand enthält ausschliesslich Dokumente, die für den Onlinezugriff gesperrt sind. Das Gesuch für die Einsichtnahme in die gesperrten Dokumente ist an folgende Stelle zu richten: Schweizerisches Sozialarchiv, www.sozialarchiv.ch

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